Von der Unbeschreibbarkeit des Horizonts - Peter Lange
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! - Jörg Klingbeil
In memoriam Peter Lange - Nachrufe

Herr !
Unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.
An uns liegt es,
daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe
nicht von Kriegen gepeinigt werden,
nicht von Hunger und Furcht gequält,
nicht zerrissen in sinnloser Trennung nach Rasse,
Hautfarbe oder Weltanschauung.
Gib uns den Mut und die Voraussicht,
schon heute mit diesem Werk zu beginnen,
damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz
den Namen “Mensch” tragen.
Amen
(Gebet der Vereinten Nationen)
Der Vater mit dem Sohn ist übers Feld gegangen;
sie können, nachtverirrt, die Heimat nicht erlangen.
Nach jedem Felsen blickt der Sohn, nach jedem Baum,
Wegweiser ihm zu sein im weglos dunklen Raum.
Der Vater aber blickt indessen nach den Sternen,
als ob der Erde Weg er woll’ am Himmel lernen.
Die Felsen blieben stumm, die Bäume sagten nichts,
die Sterne deuteten mit einem Streifen Lichts.
Zur Heimat deuten sie. Wohl dem, der traut den Sternen!
Den Weg der Erde kann man nur am Himmel lernen.
An dieses inhaltsvolle Gedicht von Friedrich Rückert musste ich denken, als ich an den letzten Abenden von meiner Terrasse aus das wunderbare Sternenzelt über mir gewölbt sah. Da funkelte der Jäger Orion mit seinem Nebelfleck unterhalb seines Gürtels, darunter dann der am hellsten strahlende Sirius im Großen Hund. Nicht weit davon die Zwillinge, Castor und Pollux, und das Siebengestirn der Plejaden. Ich habe die Sternbilder inzwischen bald alle mit ihren mythologischen Namen kennengelernt. Und jedes Mal ist mein Staunen und Wundern über »diese Welt da oben« riesengroß.
Gleichzeitig gehen mir dabei die jüngsten Nachrichten aus der Welt der Wissenschaft durch den Kopf: die neuesten Forschungs-Resultate zum Phänomen der schwer beobachtbaren »Schwarzen Löcher« im Weltall und ihren kosmischen Kräften. Wie weit sind diese Objekte doch von uns entfernt und wie riesig sind ihre Ausdehnungen und Wirkungen! Immer wieder denke ich an den Dichter der Eingangsverse - und auch, wenn sicherlich gemeint ist, dass der Vater sich durch die Sterne orientieren konnte - hatte er einen solchen Himmel wohl schon bei seinem dichterischen Schaffen vor sich gesehen? Vielleicht meinte er mit seinen Worten: » ...als ob der Erde Weg er woll‘ am Himmel lernen« auch noch anderes: was haben denn die unvorstellbar weit von uns entfernten Himmelskörper mit unserer »Erde Weg« zu tun? Geht er etwa auch von einer geheimnisvollen Verbindung der Kräfte des Universums und des menschlichen Lebens aus?
Es ist dies alles mit unserem begrenzten menschlichen Verstand nicht zu begreifen, doch die Wissenschaftler sehen in den Schwarzen Löchern die eigentlichen schöpferischen Orte für alles, was wir an Natur und Leben auf unserer Erde kennen: in ihnen vollzieht sich offenbar die Bildung aller uns bekannten chemischen Elemente, die dann in unvorstellbar großen Auswurf-Fontänen dieser Kraftzentren in den Weltraum hinausgeschleudert werden. In den von uns Menschen beobachtbaren Fixsternen und Planeten haben sich diese Elemente im Lauf der Zeit angesammelt und in eine Gestaltung geformt. Auch wir Menschen sind in dieser Sichtweise aus »Sternenstaub« gebildet worden. Wir sind nichts anderes als eines der Endergebnisse der riesigen Produktionsstätten der Schwarzen Löcher. Ich denke, dass Rückert es mit guter Überlegung so formuliert hat in seinem Gedicht: »Den Weg der Erde kann man nur am Himmel lernen«.
Geht mit der hier dargelegten wissenschaftlichen Aussage auch unser religiöses Denken konform? Hat schöpferisches Wirken in dem so immens weit von uns entfernten Weltall seinen Ausgangspunkt? Ich meine: Nein! Es kann wissenschaftlich zwar in extremer Ferne nachgewiesen werden, doch es ist genauso in und bei uns in nächster Nähe. Wir können die göttlichen Kräfte auch ohne wissenschaftliche Erkundung und Erklärung in und um uns spüren und erleben.
Lösen wir uns doch von dem Gedanken, das Göttliche müsse einen bestimmten Ort des Entdeckens oder Erlebens haben! Wenn es immer und überall auf und in uns einwirkt, haben religiöse Orte für uns im Grund keine wesentliche Bedeutung. In unseren Gedanken und Gefühlen gibt es unbewusst immer Wege, wie wir zu der göttlichen Keimzelle geführt werden können. Doch ein Ziel solcher Wege weicht vor uns immer wieder aus. Vielleicht ist solche Erfahrung am ehesten mit unserem irdischen »Horizont« zu vergleichen, den wir zwar immer in Sichtweite haben, der sich bei unserer Annäherung aber stets weiter von uns entfernt.
Ich kann mich noch ziemlich genau an die Frage an meine Mutter erinnern, was denn hinter dem Horizont verborgen sei, den ich als Kind beim Spielen im Sand des Südstrandes von Jaffa am Ende der Meereswellen erkennen konnte. Erst mit zunehmendem Alter kam dann später die Antwort, dass der Horizont gar kein »Ding« als solches sei, sondern nur eine Linie, die sich ständig verschiebt, je nachdem wie wir uns bewegen, in anderen Worten: die immer in gewissem Abstand mit uns mitgeht. Kann es sich bei den göttlichen Kräften und Energien nicht vielleicht genau so verhalten wie beim Horizont? Sie sind da, aber weichen immer wieder vor uns aus; wir wissen nicht, wie wir sie greifen oder »begreifen« können.
Zusammengefasst: Sowohl der mit Sternen übersäte Nachthimmel wie auch der allseits von uns erkennbare Horizont für unsere Augen sind menschliche Versuche, uns zu einer Erkenntnis des Urgrunds allen Seins zu führen, nach dem zu suchen, was nach Goethes »Faust« »die Welt im Innersten zusammenhält«. Es können dies jedoch immer nur Versuche sein, das Unnennbare zu beschreiben und zu begreifen. Wir wissen zwar, dass solche Versuche vergebens sind, aber wir können es nicht aufgeben, sie immer wieder neu anzustellen.
Peter Lange in: Warte März 2021
Die Jahreslosung 2026 stammt aus der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel. Sie war in der Form eines Briefes an sieben Gemeinden in Kleinasien verfasst und sollte in den gottesdienstlichen Versammlungen vorgelesen werden. Obwohl die junge Christenheit damals schon massiv bedroht und grausam verfolgt wurde, wollte Johannes Hoffnung und Zuversicht vermitteln. So entfaltet der Seher die endzeitliche Vision einer zugrunde gehenden, dann aber neu erstehenden Welt unter göttlichem Schutz: Nach dem Ende eines tausendjährigen Reiches wird es zum letzten Kampf zwischen Gut und Böse und zum Weltgericht kommen; danach wird ein neuer Himmel und eine neue Erde entstehen, nachdem die ersten vergangen sind. An ihre Stelle senkt sich vom Himmel das neue Jerusalem herab, das als geschmückte Braut den Bräutigam erwartet. Johannes sagt voraus, dass Gott alle Tränen abwischen wird und Schmerz und Tod nicht mehr sein werden. Schließlich verheißt Gott, dass er alles neu machen werde.
Wie geht es uns mit dieser Botschaft in unseren (unruhigen) Zeiten, die von Krisen und Kriegen geprägt sind? Wird Gott selbst alles richten und neu machen? Ich habe Zweifel, dass er in das Weltgeschehen aktiv eingreifen wird. Ich glaube eher daran, dass er uns zur Umkehr befähigt. Das „Neue“, von dem hier die Rede ist, scheint aber mehr zu sein als das, was in unserer Macht steht.
Am Jahresanfang neigen wir dazu, gute Vorsätze zu fassen, um neue Vorhaben anzugehen und alte (schlechte) Gewohnheiten abzulegen. Dietrich Bonhoeffer hielt es jedoch für eine Selbsttäuschung, wenn der Mensch meine, er könne einfach von sich aus einen neuen Anfang machen, wann er es wolle. Einen neuen Anfang mache allein Gott mit dem Menschen, nicht umgekehrt; der Mensch könne nur darum beten. Der Mensch müsse allerdings begreifen, wenn er an seine Grenzen stößt und ein anderer anfangen muss.
Die Jahreslosung 2026 kann uns hoffentlich auch durch krisenhafte Zeiten tragen und die Augen für Zeichen der Hoffnung öffnen. Manchmal reicht es ja schon, wenn wir andere bewusst mit neuen Augen und ohne Vorurteile wahrnehmen, wenn wir offen auf andere zugehen und uns ihre Sorgen und Nöte aufmerksam anhören, anstatt sie gleich in die Schubladen unserer Voreingenommenheit zu stecken. Mit ein wenig Einführungsvermögen können wir Einsame und Enttäuschte trösten. Das Leben bietet uns eine Fundgrube an Möglichkeiten zur Mitmenschlichkeit. Zugleich gilt aber auch: Unsere menschlichen Kräfte sind immer endlich. Deshalb ist es entlastend und tröstlich, uns immer wieder an Gottes Zusage zu erinnern.

Der Tod von Peter Lange bedeutet für die Tempelgesellschaft einen enormen Verlust - mit ihm verlieren wir einen herausragenden Vertreter unserer Gemeinschaft, der ihre Auffassung nicht nur vertrat, sondern verkörperte.
Von klein auf war er dieser Gemeinschaft verbunden: schon seine Urgroßeltern gehörten der Tempelgesellschaft (TG) an und als er am 22.10.1932 in Jaffa seinen Eltern Hans Lange und Grete geb. Bulach als erstes Kind geboren wurde, kam er in eine Familie, die ein festes Band zur Gemeinschaft hatte und sich ihr aus Überzeugung verpflichtet fühlte. Bald zogen die Eltern in eine Mietwohnung in Sarona - und das ist der Ort, an dem Peter seiner Erinnerung nach aufgewachsen ist, wo er zwei Jahre die sogenannte ‚Kinderschule‘ und dann von 1938-1942 die Grundschule besuchte, die er als prägend für sein Leben bezeichnete. Im Buch von Helmut Glenk über Sarona „From Desert Sands to Golden Oranges“ schrieb er im Vorwort: „Die ruhigen Straßen von Sarona waren der Spielplatz meiner Kindheit, das alte Gemeindehaus mit dem Saal stellte in Kriegszeiten meine Schulräume, die Eukalyptus- und Pinienbäume des Wäldles ebenso wie der Wasserspeicher von Lippmanns stellten mein bevorzugtes Umfeld für Spaß und Abenteuer dar. Alle Bewohner unserer Siedlung wurden als Nachbarn angesehen und behandelt, bei Geburtstagen wurden alle Kinder eines Jahrgangs von den betreffenden Eltern eingeladen. In diesen Jahren hatte ich nie den Eindruck, dass ich im Leben etwas verpassen würde.“
Der Ausbruch des Krieges veränderte alles. Der Vater war nach Deutschland gereist, um sich in den Dienst der Wehrmacht zu stellen, Mutter Grete wurde mit ihren vier Kindern in Sarona interniert und kam 1942 im Rahmen des 2. Austauschs von Templern gegen Juden auf dem Landweg nach Stuttgart. Peter besuchte verschiedene Gymnasien, dann eine wirtschaftlich orientierte Schule und begann dann eine Kaufmannslehre. Noch vor deren Abschluss vermittelten die Eltern Peter zu einer Auszeit nach Australien, wo er bei Verwandten untergekommen war. Im Fernstudium bildete er sich zum Certified Accountant weiter und arbeitete bei einer Firma, die mit Kunststoffen zu tun hatte. Bis 1955 blieb er da und überlegte sich schon, endgültig zu bleiben. Da bot ihm sein Vater an, in seiner Firma eine neue Produktlinie zu übernehmen, und so kehrte Peter nach Deutschland zurück, bildete sich bei der Reichhold-Chemie bei Hamburg in Anwendungstechnik für glasfaserarmierte Polyesterharze weiter, trat in die neu gegründete Firma Lange & Ritter ein und blieb bis zum Eintritt in die Rente 1997 Gesellschafter-Geschäftsführer.
Schon seit er wieder nach Deutschland zurückgekehrt war, setzte er sich für die TG ein. 1948 war er bereits vom damaligen Gebietsleiter der TG, Jon Hoffmann, in der evangelischen Behelfskirche Stuttgart-Sonnenberg konfirmiert worden, in seinem Lebenslauf nennt er auch seinen Konfirmationsspruch aus Römer 1,16: Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben.
Auch in seiner Zeit in Australien hatte er sich der dortigen Jugendgruppe angeschlossen und Aufgaben übernommen. Handelte es sich doch um viele seiner Mitschüler aus Sarona, die aber größtenteils 1941 durch die britische Mandatsmacht aus der Internierung in Sarona in die Internierung in Tatura in Australien verschifft worden waren. Zurück in Deutschland wurde er auch hier aktiv in der Jugendgruppe, war verantwortlich für jenen Teil der „Warte des Tempels“, der die Jugendlichen ansprechen sollte, den „Treffpunkt Mozartstraße“ - ein Ergebnis seines bereits auf dem Wirtschaftsgymnasium erlernten Maschineschreibens blind mit 10 Fingern. In der Mozartstraße trafen sich die Jugendlichen und machten ihr eigenes Programm.
In seiner Einleitung zu seinem Templer-Handbuch schrieb Peter: In meiner Sturm- und Drangphase gehörte ich zu den Kritikern der Tempelführung und zweifelte an dem Weg, den die Gemeinde damals ging. Je mehr ich mich jedoch mit anderen Mitgliedern über die Tempelgesellschaft auseinandersetzte und je mehr ich ihre Einstellung kennenlernte, desto mehr fühlte ich mich von dieser Gemeinschaft angezogen. Es beeindruckte mich, wie die Verantwortlichen trotz oft widrigster Umstände an ihrem Glauben festhielten.
Vielleicht war es das überzeugende Beispiel einiger leitender Persönlichkeiten, das mich innerlich dazu brachte, das Anliegen des Tempels selber voll und ganz zu vertreten. Es lässt sich wohl nicht rational erklären: Der Geist und das Vermächtnis der Vorväter mag dazu beigetragen haben, ebenso das Gefühl von Wärme, Aufgeschlossenheit und Verbundenheit, das ich in der Begegnung mit Templerfreunden spürte - jedenfalls wurde mir klar, dass der Tempelglaube ein geistiges Gut ist, für das es sich einzusetzen lohnt.
Allerdings: ein überzeugter Glaube kann aus dem reichen geistigen Erbe der Vorväter nur dann werden, wenn eigene Lebenserfahrungen hinzukommen und das Überlieferte untermauern. Die Glaubenszeugnisse der Vorgenerationen haben die Aufgabe, unsere Sinne - besonders die »inneren« - zur Erkenntnis von Gottes Wirklichkeit zu schärfen; die Sinne gebrauchen müssen wir aber selber. Wenn uns nicht auf diese Weise »die Augen geöffnet« werden, laufen wir Gefahr, trotz guter Sehkraft »blind« durchs Leben zu gehen.
So setzte sich Peter intensiv mit dem Templerglauben auseinander, bevor er Mitglied in der TG wurde, und beurteilte dessen Bedeutung für sich selbst. Er wurde ein überzeugtes Mitglied und setzte sich fortan in vielerlei Hinsicht für diese Gemeinschaft ein.
So kam Peter 1960 als Vertreter der Jugendgruppe in die Gebietsleitung, am 25. Juli 1967 hatte er zum ersten Mal Sprecherdienst in der Gemeinde und gehörte von Stund an zum Ältestenkreis, hielt an die 150 religiöse Ansprachen bei Morgenfeiern, Gemeindenachmittagen, Seminaren, Dankfesten, Darstellungen und Trauerfeiern. 1983 übernahm er alleine die Schriftleitung der „Warte“ bis Mai 2009, dann wurde die Redaktionsarbeit im Rahmen der Ältestenkreissitzungen gemeinsam ausgeführt. Seine Kenntnisse in Buchhaltung und Betriebsführung stellte er der Gemeinde zur Verfügung, und die Grundlage seiner ausführlichen und aussagekräftigen Jahresabschlüsse nutzen wir bis zum heutigen Tag.
Ebenfalls 1983 wurde Peter als Nachfolger seines Vaters zum Gebietsleiter der TGD gewählt und vertrat die Gemeinde nun auch nach außen, z.B. im Vorstand des Bundes für Freies Christentum, dem die TGD seit 1976 angehört, ab 2000 als Kassenwart. 2001 gab er die Gebietsleitung auf und ließ sich zum Tempelvorsteher wählen, der das Bindeglied zwischen TGD und TSA darstellt. Dieses Amt bekleidete er bis 2007, als er die satzungsgemäß vorgeschriebene Altersgrenze von 75 Jahren erreichte. Doch damit nicht genug, 2008 übernahm er von Brigitte Kneher die Leitung des TGD-Archivs. Damit ergab sich für Peter wieder eine völlig neue Lebensausrichtung. Zuvor hatte er - wie er selbst einmal erklärte - keine besondere ‚historische Leidenschaft‘ gehabt, aber das Interesse kam mit der Beschäftigung. Eines seiner ersten Projekte war die Erforschung der Namen und Herkunftsorte der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Palästina ausgewanderten Templerfamilien. Nicht nur von Familien kamen und kommen Anfragen an das Archiv, auch Studierende, die über Einzelaspekte der Templergeschichte arbeiten, oder auch das Denkmalamt von Israel wenden sich immer wieder an das Archiv.
Da Peter aus der eigenen Familie Familiengeschichten vorlagen und er zahlreiche Mitglieder der Tempelgemeinden kennen und schätzen gelernt hatte, lag für ihn auf der Hand, eine genealogische Datenbank für die eigene Familie und die Familien anderer Mitglieder aufzubauen. Darin unterstützte ihn das FamilyTreeMaker-Programm, das ihm Kay geschenkt hatte und das ihn enorm faszinierte. Er bekam von vielen Seiten Stammbäume und Ahnentafeln zur Verfügung gestellt, und manches recherchierte er im Kirchenbuch-Archiv der Württembergischen Evangelischen Landeskirche. Dass das Archiv heute auf weit mehr als 28.000 Datensätze zurückgreifen und vielen Familien Auskunft über die eigene Familie geben kann, haben wir Peters Initiative und Eifer zu verdanken. Bis 2017 arbeitete er im Archiv, bevor er es an Jörg Klingbeil übergab.
In dieser Zeit hatte er etliches Schrifttum verfasst: er war der Meinung, dass es wichtig sei, wesentliche Inhalte des Templerglaubens und historische Erkenntnisse schriftlich zusammenzufassen und niederzulegen. So sammelte und veröffentlichte er 1992 Texte und Informationen zur Tempelgesellschaft im „Templer-Handbuch“; nach dem erfolgreichen Erzählbuch „Damals in Palästina“ stellte er 2001 das Erzählbuch „Damals am Kaukasus“ über Entstehung, Blütezeit und Untergang der deutschen Tempelsiedlungen im Nordkaukasusgebiet zusammen und arbeitete 2017 an dem Buch „Die Tempelgemeinde Stuttgart im Wandel der Zeiten“ mit, das die Geschichte der Stuttgarter Gemeinde dokumentiert. Daneben verfasste er etliche Broschüren, die sich mit der TG befassen, sammelte für Brigitte Hoffmann in drei Bändchen Predigten aus ihrem Ältestendienst und verfasste auch einige private Büchlein wie die „Rückblicke“ - Lebenserinnerungen, Erlebnisse und Gedanken, wie sie ihm 2019 wieder ins Gedächtnis kamen. In „Mein beruflicher Weg“ schilderte er seinen beruflichen Werdegang; in „Pete me Boy“ fasste er die Ereignisse seines Aufenthaltes in Australien aus den Briefen an Eltern und Geschwister zusammen und „Die weiten Wanderzüge der Vorfahren“ stellen einen Wegweiser durch seine Familiengeschichte dar.
So sind wir in der glücklichen Lage, aus dem, was Peter selber über sein Leben und Denken niedergeschrieben hat, schöpfen zu können. So hat er immer wieder bemerkt, wie sich in seinem Leben eines aus dem anderen ergeben hat und er innerlich und äußerlich gewachsen ist. Im Rückblick bezeichnet er die ersten Jahre in Palästina als den größten Schatz seiner Kindheitserinnerungen, die Schul- und Lehrzeit in Stuttgart als von den Eltern bestimmt, seinen Australienaufenthalt als den Wendepunkt in seinem Leben zur Selbständigkeit und Selbstverantwortlichkeit mit der Gründung des eigenen Unternehmens, Heirat und Familiengründung als gravierendes Ereignis und den Dienst in der Tempelgemeinde, vor allem die religiösen Ansprachen, als große Anforderungen an einen Ungeübten, für den es „nur das Lernen, Trauen und Besserwerden“ gab. In seinen Aufzeichnungen spricht er mehrfach aus, wie dankbar er für den Verlauf seines Lebens war, das trotz einiger Störfälle zu einem guten Ausgang führte. Er macht sich klar, dass er vieles auch günstigen Lebensumständen zu verdanken hatte, und zählt auf: die Fürsorge der Eltern, denen er große Dankbarkeit entgegenbrachte, seit 1945 Frieden im Land, sein Leben in einem im Wesentlichen prosperierenden Staat - und, dass er viel „Glück“ gehabt habe.
Diese Haltung, gepaart mit seinem enormen Pflichtbewusstsein und Fleiß haben ihn zu dem Menschen werden lassen, der von uns allen vorbehaltlos als Vorbild anerkannt wird. Auf seine Zusagen konnte man sich 100%ig verlassen. Wenn er sich für etwas einsetzte, dann mit ‚Haut und Haaren’ - das galt für seinen beruflichen Werdegang und seine Weiterbildung im Reich der verschiedenen Kunststoffe - ohne ein Hochschulstudium absolviert zu haben. Für ihn war immer maßgeblich, dass er ein realistisches Ziel ansteuerte und fair zu den Mitarbeitern und Mitmenschen war.
Ich persönlich habe Peter Ende der 60er Jahre kennengelernt, als ich an Sommerferienlagern teilnahm und Peter jedes Mal als Betreuer fungierte - erst später wurde mir klar, dass er für diese Zeit Urlaub in der Firma nehmen musste, der dann seiner eigenen Familie abging. Als er mich Anfang der 90er fragte, ob ich das Amt der Geschäftsführerin der TG übernehmen würde, nahm ich an und er war immer bereit, mich zu unterstützen.
Peter war ein besonderer und ein lieber Mensch - sein vornehmlicher Wesenszug war, dass er allen Menschen freundlich und zugewandt begegnete, jeden ernst nahm. Er war zurückhaltend und spielte sich nie in den Vordergrund, hatte aber durchaus seine durchdachte Meinung, die er auch äußerte - aber nie gegen andere durchsetzte. Für die Tempelgesellschaft und auch ganz persönlich für alle ihre Mitglieder war Peter ein wertvolles Geschenk - seinen Verdiensten für die Gemeinschaft und seiner Persönlichkeit werden wir immer ein ehrendes Gedenken bewahren.
Karin Klingbeil für den Ältestenkreis
Es gibt Momente im Leben, die man auf sich zukommen sieht und von denen man doch weiß, dass man sie nicht abwenden kann. So erging es uns mit der Nachricht vom Ableben Peter Langes. Wenige Tage zuvor hatten wir ihn in der Kurzzeitpflege in Stuttgart-Steckfeld besucht und uns angeregt mit ihm unterhalten. Umso mehr waren wir dann überrascht und betroffen, als wir von seinem Tod erfuhren. Er hatte zwar in den letzten Monaten aus gesundheitlichen Gründen bei Gemeindeveranstaltungen nicht teilnehmen können, aber wir hatten gehofft, ihn bald wieder im Gemeindehaus zu sehen.
Als wir Anfang der 1980er Jahre nach Stuttgart zogen und zur Tempelgesellschaft kamen, begegnete Peter mir persönlich immer unvoreingenommen und entgegenkommend, obwohl ich (noch) nicht ‚dazugehörte‘. Ich lernte dann die Gemeinde bei etlichen Veranstaltungen kennen, nicht nur bei Gottesdiensten, sondern auch bei Gemeindefreizeiten, Wandertagen oder Israelreisen. Die religiöse Ausrichtung der Gemeinschaft sagte mir zu, so wurde ich Mitglied und wuchs allmählich in verschiedene Aufgaben hinein. Was ich an Peter von Anfang an bewunderte, war seine ruhige und ausgleichende Art. Er war stets an der Lösung eines Problems orientiert und suchte Konflikte zu vermeiden.
Peter war mir in einigen Funktionen vorausgegangen, so etwa als Gemeinde- und Gebietsleiter und zuletzt als Betreuer des Archivs. In den letzten Jahren ist mir vor allem bewusst geworden, welche vorbildliche Arbeit Peter im Archiv geleistet hat. Er hat hier Maßstäbe gesetzt, die kaum zu übertreffen sein werden. Sein Fleiß und seine Zuverlässigkeit waren beispielhaft. Mit großem Engagement hat er die genealogische Datenbank der TGD aufgebaut und zahlreichen Familienforschern und Historikern wertvolle Informationen für deren Arbeit zur Verfügung gestellt.
Die Liste seiner Veröffentlichungen und Vorträge ist eindrucksvoll; auch dadurch hat er die TGD einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Dabei hat er sich nie in den Vordergrund gedrängt und den Grundgedanken der Templer, wonach „Tat mehr ist als Worte“, geradezu idealtypisch verkörpert. Er hat uns immer wieder wichtige Impulse und Orientierung gegeben.
Peter hinterlässt eine große Lücke. Sein Rat und seine Ideen werden uns fehlen. Wir werden ihn stets in dankbarer Erinnerung behalten.
Jörg Klingbeil für die Gebietsleitung
Schweren Herzens müssen wir von der Temple Society Australia (TSA) Peter Lange verabschieden. Sein jahrzehntelanges Engagement für die Tempelgesellschaft - ob in Deutschland oder hier - war überragend.
Bei jedem meiner Besuche in Deutschland nahm sich Peter die Zeit, mich willkommen zu heißen und mir als Gastgeber Aspekte der Templergeschichte und Sehenswürdigkeiten von Baden-Württemberg zu zeigen. Er führte umsichtig durch persönliche Gespräche und offizielle Gebietsleitungs- und Ältestenkreissitzungen, gab weise Ratschläge, Erklärungen und ruhige Antworten auf meine Fragen - indem er meine begrenzten Deutschkenntnisse ertrug - und dabei zu jeder Zeit die Eigenschaften eines perfekten Gentleman verkörperte.
Bei meinem letzten Besuch 2023 besorgte Peter sogar ein Paar Packtaschen für eines der beiden Tourenräder, die Jörg Klingbeil für uns organisiert hatte. Es gab so manchen bewundernden Blick und neugierige Fragen zu dem Alter (und dem tadellosen Zustand) dieser Packtaschen!
Peter initiierte viel wichtiges Templer-Schrifttum oder trug dazu bei. Um nur einige zu nennen, stellte er sowohl Gottesdienste und Schriften von Dr. Brigitte Hoffmann (in drei Bändchen) zusammen, als auch das Templer-Handbuch, eine wichtige Informationsquelle für die Ältesten.
Obwohl Peter in Deutschland lebte, war er sehr vielen Templern in Australien bekannt, da er in den 1950er Jahren eine längere Zeit hier zugebracht hatte und dann verschiedene Führungsrollen in der Tempelgesellschaft in Deutschland und der Tempelgesellschaft allgemein innehatte. Im Laufe seiner sechsjährigen Amtszeit als Tempelvorsteher von 2001 bis 2007 besuchte Peter die TSA viermal.
In seinem Einsatz für die Tempelgesellschaft, seiner Begeisterung für wirkungsvolle Zusammenarbeit und seinem Streben nach Wissen und Verständnis knüpfte er lebenslange Verbindungen.
In seiner offiziellen Antrittsrede als Tempelvorsteher gab Peter an, dass sein Einsatz für die Gemeinschaft durch das leuchtende Beispiel anderer (älterer) Templer angeregt worden sei und durch die Überzeugung, dass sein Leben durch diese Bemühungen seine Erfüllung erhalte. Zweifellos war diese Überzeugung aufrichtig und solide, die Bemühung entschlossen und beharrlich und bewirkten einen Gewinn für uns alle. So wurde auch er ein leuchtendes Beispiel eines älteren Templers, der durch unerschütterliches Streben und Hingabe inspiriert.
Bei einem anderen Besuch in Deutschland übergab mir Peter einen Stapel von Dokumenten aus dem Templerarchiv, die meine Vorfahren Herrmann, Krügler, Dreher, Bulach, Weiss, Wolf, Weller und Scheerle detailliert aufführen. Dass alle meine Urgroßeltern Templer waren, ist eine Ehre, die mich mit Dankbarkeit erfüllt.
Immer ermutigte Peter die Ältesten und die Mitarbeiter eines Gebiets, Zeit im jeweils anderen zu verbringen, um unsere Beziehungen zu stärken. Seine Richtlinien für die Ältesten, für die Gestaltung der Gottesdienste, seine regelmäßigen Beiträge für unsere Publikationen und das Führen von religiösen Diskussionen bilden ein bleibendes Werk und Vermächtnis.
Peters Fähigkeiten als wirkungsvoller Kommunikator - ob in mündlicher oder schriftlicher Form - ermöglichten uns allen, von seinen Erkenntnissen, seiner besonnenen Entschlossenheit und seiner aufrichtigen Leidenschaft für die Tempelgesellschaft zu profitieren.
Seine selbstlosen Bemühungen und sein wertvoller Rat waren immer darauf ausgerichtet, uns zu vereinen und zum gegenseitigen Verständnis und zur Zusammenarbeit zwischen den beiden Gebieten beizutragen.
Ruhe in Frieden, Peter.
Mit Peter Lange verliert der Bund für Freies Christentum einen treuen Freund, und das Anliegen eines freisinnigen, liberalen Christentums einen glaubwürdigen Repräsentanten. Ich selbst bin von 2004 bis 2012 Schriftleiter der Zeitschrift „Freies Christentum. Auf der Suche nach neuen Wegen“ gewesen, als Nachfolger von Dr. Hellmut Haug. Ich hätte dieses Amt kaum übernehmen können ohne Peters kundige und geduldige Hilfe. Er zeigte mir, wie ich den Ganzseiten-Umbruch machen konnte. Das war für mich ein etwas mühsamer Lernprozess, und wenn ich nicht weiter wusste, kam Peter von Stuttgart-Heumaden und schaute bei mir in Sillenbuch vorbei.
Wir kannten uns aber längst zuvor. Als ich von 1971 bis 1978 Gemeindepfarrer in Stuttgart-Asemwald war, bildete sich, unter Mitwirkung des Hohenheimer Gemeindepfarrers Manfred Fischer, ein Degerlocher Arbeitskreis, bei dem sich Vertreter des Bundes für Freies Christentum, der Tempelgesellschaft und der Volkskirchenbewegung Freie Christen trafen. Von der Tempelgesellschaft waren unter anderen Peter und sein Vater dabei, vom Bund für Freies Christentum etwa Dr. Walter Kappus, Hans Theo Daur und ich, von der Volkskirchenbewegung Karl Griesinger. Daraus ergab sich 1976 die korporative Mitgliedschaft der Tempelgesellschaft beim Bund für Freies Christentum und durch diesen auch beim Weltbund für religiöse Freiheit (IARF = International Association for Religious Freedom). Peter war einige Jahre lang gleichzeitig mit mir Vorstandsmitglied im Bund. Hier fiel er immer auf durch sein ausgleichendes und besonnenes Wesen. Der gelernte Kaufmann war von 2000 bis 2006 Schatzmeister („Kassenwalter“) des Bundes für Freies Christentum.
Früchte des informellen Degerlocher Arbeitskreises der 1970er Jahre waren auch die regelmäßigen württembergischen Regionaltreffen des Bundes im Degerlocher Haus der Tempelgesellschaft, die noch heute stattfinden und bei denen alsbald Pfarrer Wolfram Zoller eine führende Rolle spielen sollte, und der Stuttgarter Freie Theologische Arbeitskreis, der immer wieder auch im Haus von Peter und Helga Lange Gastfreundschaft genießen durfte. Auch hier erwies Peter seine Fähigkeit als Vermittler, von dem nie ein harsches Wort zu hören war. Alle diese Gremien und Kreise profitierten auch immer wieder von Peters immenser Kenntnis der Geschichte der Tempelgesellschaft in Deutschland, Palästina und Australien. Er war viele Jahre lang deren Archivar gewesen.
In den letzten Jahren, vor allem seit der Corona-Epidemie, konnten die Kontakte Peters mit dem Bund für Freies Christentum äußerlich nur noch lose sein. Er war nach Sillenbuch umgezogen, gesundheitlich angeschlagen und zugleich ganz auf die Begleitung seiner Frau ausgerichtet. Aber die innere Verbundenheit ist geblieben. Denen, die ihm begegnet sind, bleibt er als treuer Zeuge Jesu im Gedächtnis, als einer, der das „Reich Gottes“, um das sein theologisches Denken kreiste, nach bestem Wissen und Gewissen gelebt hat.
Pfarrer i.R. Dr. Andreas Rössler, Stuttgart
Die Nachricht vom Tod Peter Langes trifft mich tief. Ich habe ihn nicht nur sehr geschätzt, sondern in seiner stillen, zurückhaltenden Art auch persönlich gemocht, aber auch wegen seiner Beiträge, die stets fundiert und existenziell treffend waren.
Ja, seine Stimme wird mir sehr fehlen. Der Tempelgesellschaft wird besonders auch ihr eminent kundiger Archivar fehlen, der so elementare Beiträge zur Geschichte der TG liefern konnte. Ich trauere mit Ihnen sehr.
In liebevollem Gedenken an Peter und mit herzlichen Grüßen
Wolfram Zoller
Seit meinem ersten Besuch bei der Tempelgesellschaft in Stuttgart habe ich mit Peter Lange Kontakt gehabt. In den 1990er Jahren waren es hauptsächlich Kontakte mit seinem Vater Hans Lange, der damals das Archiv der Tempelgesellschaft leitete, und seiner Mutter Grete geb. Bulach, die ursprünglich aus Jaffa stammte. Aber seit 1995 haben sich unsere Wege oft gekreuzt. Ich kann mich noch gut erinnern, als Peter im Jahre 1998 einen Vortrag und Beitrag zum hundertjährigen Jubiläum der Erlöserkirche in Jerusalem schreiben sollte und ich ihm einige Archivalien zu Theodor Sandel und die Planung der Erlöserkirche, die ich im Evangelischen Zentralarchiv damals gefunden hatte, übergeben konnte. Seitdem standen wir immer in engem Kontakt. Peter erkundigte sich stets, welche Forschung ich gerade zur Templergeschichte betreibe. Ihm verdanke ich es, dass mehrere meiner Beiträge in der Beilage zur Warte über verschiedene Kapitel der Geschichte der Tempelgesellschaft erschienen sind.
Von Brigitte Kneher, die die Archivarbeit der TGD von Hans Lange übernommen hatte und das Archiv fast 15 Jahre leitete, übernahm Peter diese Aufgabe. Davor hatte sich Peter schon einige Jahre besonders mit der Genealogie der Mitglieder der Tempelgesellschaft beschäftigt. Gut bleibt mir in Erinnerung, wie oft er bei uns im Landeskirchlichen Archiv in Möhringen saß, um die verfilmten Kirchenregister zu studieren. Akribisch suchte er nach den ausgewanderten Templern und ihren Verbindungen untereinander, um sie in einer großen Datenbank zusammenzufügen. Oft saßen wir zusammen im Archiv, als ich die Bücher zu Johannes Frutiger oder den Johannitern schrieb, und sagte mir, dass die Templer in der Geschichtsschreibung nicht vergessen werden dürften.
Durch seine großzügige Hilfe mit der Familien-Datenbank konnte ich in den letzten Jahren zusammen mit Ulrich Gräf die beiden großen Bände zur Geschichte der Templerfriedhöfe im Nahen Osten verfassen. Diese zwei Bücher hätte man nie so vollständig schreiben können, hätte Peter nicht vorher eine solch umfassende Datenbank der Templerfamilien angelegt.
Nachdem ich die Beilage Nr. 20 zur Warte „Geschichte von Friedrich Lange und seine Fotografien“ 2017 veröffentlicht hatte, stellten wir Überlegungen an, ein Buch über Friedrich Lange und sein fotografisches Werk herauszugeben. Für dieses Projekt erhielt ich von Peter und weiteren Familienangehörigen zusätzliche Fotografien. Im Nachlass von Prof. Alex Carmel konnte ich mit Hilfe seiner Witwe und seiner Tochter Nurit in den letzten 3 Jahren einiges an Materialien und Bildern ausfindig machen. Leider gelang es uns nicht, dieses Buch noch zu Peters Lebzeiten zu veröffentlichen, hoffen aber, dies so bald als möglich in seinem Andenken tun zu können.
Peters umfassendes Wissen und die guten Gespräche, die ich mit ihm führen durfte, werden mir fehlen. Die Erinnerung an ihn wird aber bleiben.
Jakob Eisler
Mit tiefem Bedauern habe ich die Nachricht vom Tod Peter Langes erhalten. Peter war in meinen Augen eine vorbildliche Führungspersönlichkeit und ein Freund - eine geborene Führungspersönlichkeit der Tempelgesellschaft und ein wahrer Freund vieler von uns hier in Israel.
Wir begegneten uns vor 40 Jahren zum ersten Mal, als ich mit meiner Familie ein Forschungsjahr in Tübingen verbrachte. Hans Lange und seine ganze Familie empfingen uns mit herzlicher Gastfreundschaft, als würden wir zur Familie gehören. Und das nicht nur während meiner damaligen Forschung über die Templersiedlungen in Israel. Peter, der immer viel zu tun hatte, ließ es sich nicht nehmen, jedes Mal vorbeizuschauen, wenn wir im Haus der Familie zu Besuch waren, selbst wenn es nur kurz war - vor allem, um uns die Gastfreundschaft und Herzlichkeit zu zeigen, mit der man geschätzte Gäste empfängt.
Ich ließ mich bei Zeremonien, Gesprächen und Veranstaltungen, an denen ich teilnahm, von ihm leiten und erlebte, wie er mit sanftem Wesen und großer Weisheit viele Gemeindemitglieder für sich gewann und bei ihnen großes Vertrauen weckte. Er übernahm den Vorsitz, ein Amt, das in seiner Familie seit Generationen weitergegeben wurde, und übte dieses Amt mit großem Engagement für das Ideal des Tempels, die Stabilität der Gesellschaft und die Beziehungen innerhalb seiner Gemeinschaft aus. Seine Worte waren, zumindest wann immer ich anwesend war, stets von großer Sanftmut, Ruhe und Logik geprägt.
Seinen Besuch in Sarona nach der Einweihung des Aberle-Hauses, der Residenz des ersten israelischen Premierministers, werde ich nie vergessen. Peter legte alle offiziellen Formalitäten ab und war so aufgeregt wie ein kleiner Junge, genau wie damals, als er und seine Familie das Haus kriegsbedingt verlassen mussten. Er sprach mitreißend mit den Medien, betrat die Räumlichkeiten und erinnerte sich an Durchgänge, von denen einige bereits unzugänglich waren und die selbst von Bewohnern des Hauses nicht erkannt worden waren.
Später widmete sich Peter auch der Bewahrung des Erbes der Gesellschaft und verschiedener Familien und wandelte sich vom Geschäftsmann zum wahren Historiker. Seine Artikel und Broschüren wurden zu einer wertvollen und wichtigen Informationsquelle für Forscher in Israel. Das Handbuch über die Gesellschaft sowie zahlreiche Artikel über die Gründerfamilien sind nur einige Beispiele seines Beitrags zur Erforschung und Bewahrung des Erbes der Tempelgesellschaft.
Seiner geliebten Schwester Ingrid und allen Mitgliedern der Gemeinde spreche ich mein tief empfundenes Beileid zum Tod von Peter aus - er wird für immer in unseren Herzen bleiben.
Prof. Dr. Yossi ben Artzi
Nun hat uns der Treueste der Treuen der TG für immer verlassen, sein Platz im Saal - vorne links - bleibt leer.
Als ich ca. 1955 mit Rolf in die Mozartstraße kam, da hat er wesentlich dazu beigetragen, dass ich einen positiven Eindruck der TG bekam und später Mitglied wurde.
Ach, war das eine schöne Zeit, als wir, Helga und Peter, Rolf und ich, als junge Ehepaare und später Eltern in Vaihingen im gleichen Haus wohnten! Meistens haben wir die Samstagabende mit Samba-Canasta-Spielen gemeinsam verbracht, abwechselnd bei Helga und Peter und bei uns. Als dann unsere Kinder geboren wurden, zuerst unsere Ute und fünf Wochen später Kay, war es ideal, man konnte immer nach den Babys schauen.
Da wir nie motorisiert waren, hat uns Peter oft chauffiert, z.B. zu den Wandertagen und zum Auffrischungstanzkurs ca. 1958. Mich hat er später zum Schönblickseminar mitgenommen, und einmal sind wir fast dahin geschwommen - ein heftiger Wolkenbruch hatte die Straße total überschwemmt. Peter hat die Situation souverän gemeistert.
Auch die vielen Ansprachen im Saal und die interessanten Artikel in der „Warte“ dürfen nicht vergessen werden. Sehr viel Zeit hat er als Gebiets- und Gemeindeleiter segensreich investiert. Helga musste wohl öfter zurückstehen. Auch denke ich gerne an seine Vorträge mit der Querflöte, z.B. beim Dankfest und der Weihnachtsfeier.
Er war einfach ein perfekter Templer und wird uns allen unvergessen bleiben. Er fehlt!
Liesel Hönig
Wir können uns noch gut daran erinnern, dass unser Vater Victor Pankratz damals in Russland mehrere Jahre einen Briefwechsel mit einem Hans Lange aus Stuttgart geführt hat. Da unsere Oma väterlicherseits eine geborene Lange war, lernten wir auf diese Weise einen unserer Verwandten aus Deutschland kennen.
Als unsere Eltern dann am Sommeranfang 1991 aus der Sowjetunion als Touristen nach Deutschland kamen, hat Onkel Hans, wie ihn mein Vater nannte, viel dazu beigetragen, dass er mit unserer Mutter in Stuttgart bleiben konnte. Als erstes bekamen sie die Möglichkeit, im Haus der TGD in der Ahornstraße zu wohnen. Leider starb unser Vater bereits im November 1991. Hans Lange hat uns damals bei der Organisation der Beerdigung sehr geholfen und meine Mutter Gertrud fürsorglich betreut. Später - nach der Übersiedlung nach Deutschland - wurde die TGD auch für uns Söhne zu einer neuen Großfamilie, in der Hans Lange und nach ihm Peter die Rolle einer Vaterfigur verkörperten. Peters Hilfe bei unserer Integration war unschätzbar.
Besonderen Dank schulden wir Peter für seine Zusammenarbeit mit unserer Mutter bei dem Buch „Damals am Kaukasus“. Gertrud Friesen sammelte Erinnerungen ehemaliger Bewohner der Dörfer Olgino und Wohldemfürst im Nordkaukasus. Das war für sie ein Herzensanliegen, um eine Verbindung mit der Vergangenheit herzustellen. Diese Texte hat Peter dann in modernes Deutsch übertragen - eine grandiose Fleißarbeit, die den Blick auf ein bisher eher wenig bekanntes Kapitel der Templergeschichte öffnete. Besonders erfreut war Peter, als er erfuhr, dass im Dorfmuseum von Kotschubejewskoe (so heißt Wohldemfürst heute) das Buch „Damals im Kaukasus“ bekannt ist und zitiert wird.
Wir, die Brüder Pankratz, trauern sehr und werden Peter für immer in dankbarer Erinnerung behalten.
Eugen und Woldemar Pankratz
Das erste Mal getroffen habe ich Peter Lange vor rund 15 Jahren, als er in Zwerenberg einen Vortrag über die Geschichte der Templer und insbesondere über die aus dem Nordschwarzwald nach Palästina ausgewanderten Familien hielt. Vorausgegangen waren meinerseits mehrere Reisen nach Israel, zuerst 1979 für ein Volontariat in einem Kibbuz. Aber erst 2003 führte mich ein israelischer Freund zu einem Gebäude in der kleinen Siedlung Betlehem-ha-Galilit, über dessen Geschichte auf einer blauen Tafel Aufschluss gegeben wurde: Es handelte sich um das ehemalige Gemeindehaus der Templer. 2005 machte ich die Bekanntschaft von Horst und Irene Blaich aus Australien, als sie als Nachfahren des hier ansässigen Martin Blaich in Neuweiler einen Vortrag über die Templer hielten. Im selben Jahr traf ich auch Fritz Barth in Calmbach, der ein schmales Buch über die „Templer und andere Erweckungsbewegungen aus dem Nördlichen Schwarzwald“ verfasst hatte, das meine Tochter Sara später ins Englische übersetzte.
In den folgenden Jahren traf ich bei meinen Israelreisen etliche Israelis, die sich mit der Templergeschichte beschäftigten, aber das nahm ich einstweilen nur zur Kenntnis.
Erst 2010/11, als Zwerenberg ein großes Jubiläum feierte und mit einem Heimatbuch an seine 500-jährige Geschichte erinnerte, rückte die Verbindung zwischen Zwerenberg und den Templern in den Mittelpunkt meines Interesses. Peter steuerte zu dem Buch mit großem Sachverstand und Engagement ein eigenes Kapitel von 40 Seiten über die Templer unentgeltlich bei.
Auch der damals eingerichtete Dorfgeschichte(n)-Pfad mit 25 getexteten und bebilderten Tafeln, der von einem Profi-Team mit unserer intensiven Mitarbeit gestaltet wurde, berücksichtigte die Templer und heißt „Von Tüftlern und Templern“. Die Info-Tafel am Blaich-Hof, von dem der frühere Templer Martin Blaich stammte, erzählt etwas über die Templer-Geschichte.
Peter hat mich mit seiner historischen Expertise und mit dem passenden Material aus dem Archiv der TGD immer sehr herzlich unterstützt, so etwa mit genealogischen Informationen zu Zwerenberger Templern und ihren Nachkommen oder zu anderen prominenten Templern aus dem Nordschwarzwald. Schließlich hat er noch meine eigene Templer-Familiengeschichte aufgedeckt: Mein Ur-Ur-Großvater Johann Georg Seeger (geb.1815) war auch ein aktives Templer-Mitglied in Zwerenberg, ist allerdings als Hoferbe und Vater von acht Söhnen nicht ausgewandert. Aber seine Schwester Anna Maria Blaich (geb. Seeger) und drei ihrer Töchter waren nach Haifa ausgewandert. Anna Marias Grabstein ist heute noch auf dem Templerfriedhof in Haifa zu sehen.
Als Sarona neu gestaltet wurde, hat Peter mir außerdem geholfen, jene Zwerenberger ausfindig zu machen und in den Familien-Fotoalben in Zwerenberg zu entdecken, die in Sarona eine Rolle spielten. So sind einige Zwerenberger Familiennamen auf den Info-Tafeln im heutigen Sarona aufgeführt. In ähnlicher Weise hat er mir auch mit genealogischen Informationen zu der Zwerenberger Familie Heselschwerdt, die in Nazareth ein Hotel begründet hat, weitergeholfen, so dass heutige Nachkommen aufgespürt und historische Forschungsarbeiten unterstützt werden konnten.
Schließlich habe ich dank Peter auch viele wertvolle Kontakte zu australischen Templern knüpfen können. Bekannte und Freunde in Israel, die Peter kannten und nun von seinem Tod erfuhren, haben mich gebeten, ihre Beileidsbekundungen an die Familie weiterzuleiten, was ich gerne getan habe.
Wir von den Zwerenbergern, die Peter kennenlernen und erleben durften, sind sehr dankbar, weil er uns bei unserem Jubiläums-Projekt 2011 so großartig unterstützt hat. Immer, wenn ich das Zwerenberger Jubiläumsbuch zur Hand nehme oder das Thema Templer-Forschung in Deutschland oder in Israel zur Sprache kommt, denke ich an Peter und unser gemeinsames Tun. Unsere Anteilnahme gilt der Familie Lange und allen Mitgliedern von TGD und TSA.
Ich wünsche Peters Seele Segen.
Martin Seeger, Zwerenberg, gekürzt