Die Warte des Tempels
Monatsschrift für offenes Christentum

Ausgabe 181/7+8 - Juli/August 2025

 

 

Jesu Traum von Gewaltverzicht und Feindesliebe - Dr. Raphael Zager

Albert Schweitzer und sein zeitgemäßes Verständnis Gottes - Dr. Andreas Rössler

»Dient einander« - Wolfgang Blaich

Neuigkeiten aus dem Heiligen Land - Jörg Klingbeil

Jesu Traum von Gewaltverzicht und Feindesliebe

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn.‘ Ich aber sage euch: Leistet dem Bösen keinen Widerstand, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.
Und wenn jemand gegen dich einen Gerichtsprozess führen will, um dir deinen Rock zu neh­men, dann lass ihm auch den Mantel.
Und wenn dich jemand dazu nötigt, eine Meile zu gehen, dann geh mit ihm zwei.
Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir ausleihen will.

Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben‘ und deinen Feind has­sen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Denn wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben?
Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?
Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“

(Mt 5,38-48)

„Ihr sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!“ Eine ganz schön steile Forderung, die Jesus da an uns stellt!

Klar, die Life-Coachs, Fitnessratgeber und Influencer in den sozialen Medien erzählen uns ständig, wir könnten unser Leben immer weiter optimieren. Dabei wissen wir genau: vollkom­men ist niemand von uns. Jeder und jede von uns hat Stärken, aber eben auch Schwächen. Als Christen und Christinnen gehen wir bewusst damit um. Unsere Fehler bringen wir vor Gott. Im Vaterunser beten wir: „Vergib uns unsere Schuld!“

Warum fordert Jesus in seiner Bergpredigt etwas von uns, das wir gar nicht erfüllen kön­nen?

Vollkommen sollen wir sein, so vollkommen wie der himmlische Vater! Das geht streng ge­nommen sogar in den Bereich der Gotteslästerung. Wir lesen ja am Anfang der Bibel von zwei Menschen, die „so sein wollen wie Gott“. Adam und Eva. Sie stehen für die Menschen an sich. Ihre Geschichte zeigt: Wer sich selbst zum Gott erheben will, der fällt tief.

Trotzdem hilft mir diese radikale Forderung Jesu, seine Bergpredigt besser zu verstehen. Denn was er dort fordert, ist ja mindestens genauso steil: „Leistet dem Bösen keinen Wi­derstand!“ „Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.“ „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen!“

Wie steil klingen diese Forderungen gerade heute! Sofort kommen mir Bilder aus dem Krieg in der Ukraine in den Kopf. Ich merke, wie fern mir Jesu Worte sind. Sie wirken fast zynisch.

Gewaltloser Widerstand? Gegen einen machtbesessenen Tyrannen wie Putin? „Wenn dir jemand den Rock nehmen will, dann lass ihm auch den Mantel.“ Heißt das dann heute: „Wenn jemand die Ukraine einnehmen will, dann lass ihm auch die baltischen Staaten?“ Liebe Ge­meinde, ein ganz klares Nein!

Otto von Bismarck soll einmal gesagt haben: „Mit der Bergpredigt ist keine Politik zu ma­chen.“ Und da ist schon etwas dran!

Denn Jesus wollte keine Politik machen. Schon gar keine Weltpolitik im 21. Jahrhundert. Je­sus hatte das Reich Gottes vor Augen. Das Friedensreich. Er war davon überzeugt: Dieses Friedensreich wird bald kommen. „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, das soll er zu Pilatus gesagt haben.

Jesu Worte provozieren. Sie fordern mich heraus.

Die Feinde lieben. Die andere Backe hinhalten. Dem anderen mehr geben, als er braucht. Mehr geben, als er vielleicht verdient hat. Das gehört doch alles zur DNA von uns Christinnen und Christen.

Ich denke an die Ostermärsche. So viele Menschen, die aus Überzeugung für den Frieden auf die Straßen gegangen sind. Auf den großen Bannern stand: „Frieden schaffen ohne Waffen!“ / „Schwerter zu Pflugscharen!“ Alles nur Utopie? Haben sie sich komplett geirrt?

Hier hilft mir der Satz von Jesus: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ Er zeigt mir: Jesus fordert mit seiner Feindesliebe etwas, das eigentlich unmöglich ist. Denn wir sind als Menschen unvollkommen - wir sind anders als Gott. Nur Gott bringt es fertig, die Guten und auch die Bösen wirklich zu lieben.

Jesus hält uns hier ein Ideal vor. Ein radikales Ideal. Und das sagt er ja auch ganz offen: Ihr habt von der Nächstenliebe gehört - ich setze aber noch einen drauf: Liebt nicht nur euren Nächsten, liebt auch euren Feind!

Ihm war völlig klar: In dieser Welt wird sich das nie durchsetzen. So ist es ja mit vielen radi­kalen Ideen und Utopien. Jesus war klar, in dieser Welt wird es immer Gewalt geben - und ganz gewaltfrei war er selbst ja auch nicht: Denken wir nur mal an die Tempelaustreibung. Als er die Tische umstieß und die Händler aus dem Tempel vertrieb.

Sehen wir die Feindesliebe also als Ideal, und weniger als Patentlösung für alle Konflikte: Dann ist es die Sache von einem jeden von uns, wie wir auf Gewalt reagieren. Es ist die Sa­che unseres Herzens und unseres Verstands.

Können wir uns diesem Ideal annähern oder nicht? Sind wir bereit, ein kleines Stück Frie­densreich in diese unvollkommene Welt zu bringen?

Es gibt so viele Situationen im Alltag, in denen wir Jesus folgen können:

Wenn jemand kommt und mich um etwas bittet. Dann kann ich es ihm geben. Ich kann großzügiger sein, als es nötig wäre. Selbst wenn mir Unrecht angetan wird - ein böses Wort vielleicht oder eine unsachliche E-Mail. Dann kann ich mich entscheiden, auf weitere Gewalt zu verzichten. Es nicht weiter eskalieren zu lassen.

Ganz wichtig beim Gewaltverzicht bleibt: Ich kann mich nur selbst dazu entscheiden. Ich darf Gewaltverzicht nie von anderen einfordern. Das gilt im Großen wie im Kleinen. Niemand kann von den Ukrainern fordern, sie sollen auf Gewalt verzichten und sich dem Angreifer er­geben.

Auch in unserem Umfeld gibt es Gewalt. In Familien, in Vereinen oder im Arbeitsleben gibt es Macht und Menschen, die ihre Macht missbrauchen. Die ForuM-Studie über Missbrauch in der evangelischen Kirche hat uns in diesem Jahr ganz klar gezeigt: Es gab und gibt Macht­missbrauch, körperliche wie seelische Gewalt auch in unserer Kirche. Wir müssen uns dem stellen. „Die andere Backe hinhalten?“ „Keinen Widerstand leisten?“ Das wäre hier gerade der falsche Weg. Hier geht es darum, aufzudecken und die Täterinnen und Täter zur Rechen­schaft zu ziehen. Eben weil wir nicht vollkommen wie Gott sind, ist das nötig. Weil wir noch nicht in seinem ewigen Friedensreich leben, sondern hier in dieser Welt.

Jesus zeigt uns seinen Traum von einer vollkommenen Welt. Er träumt von Menschen, die sich lieben - über alle Feindschaft hinweg. Er träumt von Gewaltlosigkeit - und wird selbst am Kreuz gewaltsam sterben.

Martin Luther King hatte einen solchen Traum. Er träumt von einer besseren Welt, einer ge­rechteren Welt ohne Rassismus. Am Ende wird er von einem Rassisten erschossen. Trotz­dem: Sein Traum lebt in uns weiter. Er inspiriert uns noch heute, gegen Rassismus und für ei­ne gerechte Welt aufzustehen: „I have a dream.“

Große Prophetinnen und Propheten haben immer wieder solche Träume gehabt. Sie träum­ten von einer vollkommenen Welt. Mutig haben sie an ihren Träumen und Idealen festgehal­ten. Dabei mussten sie selbst oft am schlimmsten unter der unvollkommenen Welt leiden. Sie beeindrucken mich noch heute: Menschen wie Jesus, wie Sophie Scholl oder wie Martin Lu­ther King.

Alles Utopie? Alles nur Träumerei? Nein! Wir brauchen diese Träume. Sie schreiben sich in unser Herz hinein. Sie werden zu einer lauten Stimme in unserem Gewissen. „Liebe deinen Feind!“ „Verzichte auf Gewalt!“ „Seid vollkommen, wie der himmlische Vater vollkommen ist!“

Raphael Zager

 

»Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.«

»Aus Ehrfurcht vor dem unbegreiflich Unendlichen und
Lebendigen, das wir Gott nennen, sollen wir uns niemals
einem Menschenwesen gegenüber als fremd fühlen dürfen,
sondern uns zu helfendem Miterleben zwingen!«

ALBERT SCHWEITZER

 

Wie bereits angekündigt, wollen wir in diesem Jubiläumsjahr Albert Schweitzer durch besonde­re Beiträge würdigen. Der Bund für Freies Christentum hat soeben ein neues Forum-Heft herausgebracht: „Albert Schweitzer (1875-1965) - ein wegweisender Theologe“. Dr. Andreas Rössler hat uns freundlicherweise, wie bereits Prof. Dr. Werner Zager, die Abdruckerlaubnis für seinen Beitrag erteilt. Auch hier lassen wir die Fußnoten dieses wissenschaftlichen Beitrags weg; wer an diesen interessiert ist, melde sich in der Verwaltung.

Albert Schweitzer und sein zeitgemäßes Verständnis Gottes

Zehn Leitgedanken

Vorbemerkungen

Albert Schweitzer (1875-1965), der große elsässische Theologe und Philosoph, der Arzt und Spitalgründer in Lambarene, der Organist und Friedensnobelpreisträger, ist nicht nur einer der Universalgelehrten des 20. Jahrhunderts, sondern er hat auch das gelebt, was er gelehrt hat. Der Theologe und Spezialist für das Neue Testament bleibt als solcher in Erinnerung als Verfasser der monumentalen „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ und der „Mystik des Apostels Paulus“. Dabei wird meistens übersehen, dass er für das Nachdenken über Gott eine eminente Bedeutung hat. Sein Leitgedanke, der allgemein bekannt ist, ist die „Ehrfurcht vor dem Leben“. Aber auch etliche weitere Leitgedanken, die ihn bestimmt haben, sind bleibend wichtig.

Ich versuche, mit Hilfe von zehn Leitgedanken Albert Schweitzers - sie hängen alle mitei­nander zusammen - Impulse für ein heute zeitgemäßes Verständnis von Gott zu gewinnen. Weitere Leitgedanken könnten dazu kommen, etwa die „Brüderschaft der vom Schmerz Ge­zeichneten“. Diese steht ganz nahe bei der „Ehrfurcht vor dem Leben“ und beim „Reich Gottes“.

Dabei sehe ich Schweitzer nicht isoliert, sondern in einer geistigen Verwandtschaft (in einer Art „Brüderschaft der vom Denken Bestimmten“) mit anderen Denkern seiner Zeit, etwa mit dem deutsch-amerikanischen protestantischen Theologen Paul Tillich (1886-1965). Beide stammen aus Pfarrhäusern, in damals deutschen Grenzgebieten. Beide sind sie tiefgründige theologische Wissenschaftler und auch ordinierte Geistliche, aber mit höchst bescheidener kirchlicher Laufbahn. Beide sind sie evangelisch-lutherisch, was sich etwa an ihrer Unterschei­dung von verborgener und offenbarer Seite Gottes zeigt.

Beide Theologen sind stark philosophisch und speziell religionsphilosophisch geprägt. Bei beiden gehen Philosophie und Theologie ineinander über, bei Schweitzer mehr als bei Tillich, wenn Schweitzer etwa die „Ehrfurcht vor dem Leben“ als eine philosophische Fassung der christlichen „Liebe“ versteht. Tillich dagegen findet in der Philosophie menschliche Grundfra­gen, auf welche die Theologie bzw. die Glaubenslehre die Antwort zu geben versucht. Schweitzer wie Tillich stehen in einer liberalen, freisinnigen Tradition, in der Vernunft und Glau­be keine Gegensätze sind, in der Wahrhaftigkeit bzw. Wahrheitssuche auch für Gläubige ganz hohe Werte sind und in der es keine Berührungsängste vor anderen Religionen gibt, sondern Offenheit ihnen und ihren Einsichten gegenüber.

Tillich wie Schweitzer sind von ihrem christlichen Glauben her politisch interessiert: Tillich als religiöser Sozialist, Schweitzer in seinen späten Jahren als entschiedener Gegner der Atombombe und der atomaren Rüstung.

Schließlich gibt es bei beiden aber auch, trotz der gemeinsamen Grundhaltung, unterschied­liche Akzente. Theologisch steht bei Schweitzer der historische Jesus mit seiner Botschaft vom Reich Gottes im Mittelpunkt, bei Tillich eher das „Wort Gottes“, die christliche Botschaft. Tillich versteht religiöse Aussagen grundsätzlich gleichnishaft-symbolisch, während Schweitzer dafür wenig Interesse zeigt, abgesehen freilich von kraftvollen Gleichnissen, die er selbst schuf, wie dem „Golfstrom“-Gleichnis. Bei Schweitzers Verständnis Jesu und des Christentums steht die ethische Praxis ganz im Vordergrund, während Tillich im Sinn von Martin Luthers Unterscheidung von „Gesetz und Evangelium“ den Imperativ, die göttliche Forderung, und den Indikativ, das Angenommensein durch Gott, stärker einander zuordnet.

(1) Ehrfurcht vor der Wahrheit

„Ehrfurcht“ ist ein Zentralbegriff bei Schweitzer. Und hier in erster Linie die „Ehrfurcht vor dem Leben“. Da Schweitzers Philosophie und Theologie aber ganz stark auf die Wahrheitsfrage und die Forderung der Wahrhaftigkeit, der intellektuellen Redlichkeit ausgerichtet ist, die Wahr­heitsfrage also auch im Glauben, im Verständnis Gottes und im Verhältnis zu ihm, immer und überall die entscheidende Rolle spielt, soll hier die „Ehrfurcht vor der Wahrheit“ am Anfang stehen. „Anfang alles wertvollen geistigen Lebens ist der unerschrockene Glaube an die Wahrheit und das offene Bekenntnis zu ihr.“ „Wahrhaftigkeit ist das Fundament des geistigen Lebens.“ Schweitzer ist „gewiss, dass Wahrhaftigkeit in allem zum Geiste Jesu gehört“. Und sie gehört auch zum wichtigsten Interpreten Jesu, dem Apostel Paulus: „Für alle Zeiten hat Paulus das Recht des Denkens im Christentum sichergestellt. [...] Eine uneingeschränkte und ungebrochene Ehrfurcht vor der Wahrheit lebt in ihm.“ „Die Worte ›Den Geist dämpfet nicht‹ [1. Thess 5,19] und ›Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit‹ [2. Kor 3,17], die er [Paulus] in die Entstehungsurkunden des Christentums eingetragen hat, besagen, dass das denkende Christentum in dem glaubenden sein Recht haben soll und dass es dem Kleinglauben niemals gelingen darf, mit der Ehrfurcht vor der Wahrheit fertig zu werden. Nie soll das Christentum die großartige Unbefangenheit ablegen, in der es bei Paulus auch das Denken als von Gott kom­mend anerkennt. [...] Paulus ist der Schutzheilige des Denkens im Christentum. Vor ihm müs­sen sich alle verbergen, die dem Evangelium mit der Vernichtung freien Denkens im Glauben an Jesum zu dienen glauben.“

Schweitzer ist als Fachtheologe Neutestamentler, besonders Jesus-Forscher. Für ihn steht Jesus mit seiner Verkündigung des Reiches Gottes unter dem Vorzeichen, dass er - in seinem Umfeld keine Ausnahme - vom baldigen übernatürlichen Anbruch des Reiches Gottes und damit dem unmittelbar bevorstehenden Ende der Geschichte überzeugt gewesen ist. Dem­entsprechend, so seine „konsequente Eschatologie“, habe auch die frühe Christenheit mit dem nahen Ende der jetzt bestehenden Welt und dem Kommen des „Menschensohnes“ gerechnet. Dass sich damit sowohl Jesus als auch die junge christliche Kirche in einem entscheidenden Punkt geirrt haben, ist für gläubige Christen meistens ein Schock, aber zunächst auch für Schweitzer selbst. Doch es hilft nichts: Wenn diese wissenschaftliche Meinung stimmt, dann muss man sie akzeptieren, und zwar eben aus „Ehrfurcht vor der Wahrheit“.

Diese „Ehrfurcht vor der Wahrheit“ ist für Schweitzer zunächst „Ehrfurcht vor der histori­schen bzw. geschichtlichen Wahrheit“. Aber genauso sind naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu respektieren, auch unabhängig davon, ob sie mit dem Wortlaut der Bibel zusammenpassen oder nicht. Da Wahrheit aber auch über die naturwissenschaftlichen und geschichtlichen Richtigkeiten bzw. Tatsachen hinausgeht, sie sich nämlich auch auf das Ganze des Daseins bezieht, auf den Sinn des Lebens und das für uns unbedingt Gültige und Verpflichtende, redet Schweitzer auch von der „Ehrfurcht vor geistiger Wahrheit“. „Um die Vereinigung von Denken und Religion haben sich die großen Geister der Menschheit bemüht, weil sie dies für das geistige Sein der Menschen als notwendig erachteten. Wir setzen dieses Bemühen in einer Zeit fort, die erst wieder zur Ehrfurcht vor geistiger Wahrheit gelangen muss.“

„Ehrfurcht vor der Wahrheit“ bedeutet Bindung an sie, Loyalität ihr gegenüber, unter Ein­beziehung dessen, dass unsere Wahrheitserkenntnis vorläufig ist und sicher hier und dort revidiert werden muss. Damit ist die heute grassierende Desinformation, sind „Fake-News“ scharf abzulehnen. Freilich kann Wahrheit auch töten, sei es, dass manche die volle Wahrheit einfach nicht verkraften, sei es, dass Wahrheit auch dazu führen kann, andere bloßzustellen. So muss Wahrheit mit Liebe verknüpft werden, nach dem biblischen Grundsatz „Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe“ (Eph 4,15a). So gehört zur Ehrfurcht vor der Wahrheit auch eine Verantwortung, eine Verpflichtung zum Aufbau und nicht zur Zerstörung.

Schweitzer gebraucht den Begriff „Ehrfurcht“ in verschiedenen Zusammenhängen. Da ist die „Ehrfurcht vor der Wahrheit“, aber in erster Linie die „Ehrfurcht vor dem Leben“. Und dann auch, als Grundlage dafür, die „Ehrfurcht vor dem unendlichen Grund des Lebens“ oder „vor dem unbegreiflich Unendlichen“ oder „vor dem unendlichen Willen“ oder „vor dem Sein als solchem“.

Der Begriff „Ehrfurcht“ wird heutzutage in den Kirchen gern benutzt, um die in der Bibel und in den Katechismen geforderte „Furcht vor Gott“ oder „Furcht Gottes“ etwas abzumildern, etwa Martin Luthers Auslegung des Ersten Gebotes: „Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.“ Da ersetzt man dann gerne „Furcht vor Gott“ durch „Ehrfurcht vor Gott“. Aber so ist das bei Schweitzer nicht gemeint. Das Wort „Ehrfurcht“, das es zu Luthers Zeit noch gar nicht gegeben hat, ist ein Produkt des 17. Jahrhunderts. Es spielt bei Johann Wolfgang von Goethe, mit dem sich Schweitzer viel beschäftigt hat, eine Rolle.

In „Ehrfurcht“ steckt einmal Ehrerbietung, Hochachtung vor etwas, das von einem Geheim­nis umgeben ist, und zum andern Furcht nicht im Sinn von Angst und Schrecken, sondern von Scheu, verbunden mit einem Gefühl der Unantastbarkeit dessen, dem man mit Ehrfurcht begegnet, aber auch der Verantwortung und Verpflichtung, also sich hier angemessen zu verhalten. Ehrfurcht ist „hohe Achtung, achtungsvolle Scheu und Respekt vor der Würde und Erhabenheit einer Person, eines Wesens oder einer Sache“. Anders ausgedrückt: „Ehrfurcht [...] enthält eine Spannung zwischen sich annähernder Verehrung und gebührender Distanz.“

Der Philosoph und Pädagoge Eduard Spranger, selbst ein Goethe-Forscher und ein Freund Schweitzers, sieht in der Ehrfurcht ebenfalls die Momente des Angezogenseins und der Scheu. Er beruft sich dabei auch auf den Theologen und Religionsphilosophen Rudolf Otto, der „das Heilige“, also das Göttliche, als das „mysterium fascinans et tremendum“ bezeich­nete, das Geheimnis, das uns zugleich anzieht (fasziniert) und das für uns doch etwas Un­heimliches an sich hat. Die Ehrfurcht hat für Spranger einen im weiteren Sinn religiösen Cha­rakter, indem sie den Menschen über sich selbst hinaushebt, ihn alles Gegebene überschrei­ten, transzendieren lässt: „Gerade die Ehrfurcht ist es, die den Menschen über sich selbst emporhebt.“

(2) Elementares Denken

Für Schweitzer gehört das Zeitalter und das Gedankengut der europäischen Aufklärung neben der Reformation zu den Höhepunkten der Geschichte des Christentums. So nimmt es nicht wunder, dass ihn sein Beharren auf Wahrhaftigkeit auch in Angelegenheiten der Religion und seine „Ehrfurcht vor der Wahrheit“ zu einem Zusammenklang von Vernunft und Glaube, oder, wie er sich eher ausdrückt, von Denken und Religion führen, und zwar in einer Entschieden­heit, wie man dies sonst in der Religionsphilosophie und in der christlichen Theologie nur sel­ten findet:

„Das Christentum kann das Denken nicht ersetzen, sondern muss es voraussetzen. [...] Em­pfänglich für das Unvergängliche seiner Gedanken ist nur eine Zeit, in der aus dem Denken kommende elementare Frömmigkeit vorhanden ist. Wie der Strom vor dem Versickern dadurch bewahrt ist, dass er von einer Grundwasserströmung getragen wird, also bedarf das Chris­tentum der Grundwasserströmung elementarer Denkfrömmigkeit. Zu wirklich geistiger Macht gelangt es nur, wenn den Menschen der Weg vom Denken zur Religion nicht versperrt ist. Von mir selber weiß ich, dass ich durch Denken religiös und christlich blieb.“

Denken und Religion stehen also nach Schweitzer in einer engst möglichen Verbindung. Dabei ist Religion in einem sehr weiten Sinn gefasst, als das Bewegtsein von den Fragen nach dem Sinn des Daseins, nach dem Woher und Wohin von allem, nach der bleibenden Wahrheit und dem, was von uns gefordert ist. Ich meine, diese Verzahnung von Vernunft und Glaube, von Denken und Religion ist ein wichtiger Impuls für die christlichen Kirchen, um mit der ge­genwärtigen Entkirchlichung und Entchristlichung und der zunehmenden religiösen Gleich­gültigkeit besser klar zu kommen.

Religion, wie Schweitzer von ihr redet, ist nicht auf das Christentum begrenzt, auch wenn dieses für ihn immer der Ausgangspunkt ist. Religion ist nicht auf heilige Texte und verbind­liche Überlieferungen, auf Kultus und Rituale und auf klerikale Organisation eingeschränkt. Religion schließt außer den Weltreligionen auch das eigene Bewegtsein von den letzten Fra­gen des Daseins ein, samt Meditation und Mystik in ihren verschiedenen Ausprägungen.

Das „Denken“, das Schweitzer so am Herzen liegt, ist nicht der Erwerb von Wissen auf allen Gebieten und Einzelheiten der uns umgebenden Wirklichkeit. Dass solches Sachwissen schon zum Überleben der Menschheit unentbehrlich ist, aber auch um menschliche Neugierde zu befriedigen, steht außer Zweifel. Wir werden von Kindesbeinen an in unseren intellektuellen, technischen und möglicherweise auch künstlerischen Fähigkeiten geschult, und in den Fragen der Sachkunde und, auf höherem Niveau, der Wissenschaften lernt man ein Leben lang nicht aus. Sachkundliches und wissenschaftliches Lernen, Erkunden und Forschen sind aber noch nicht das, was Schweitzer als „Denken“ oder auch „elementares Denken“ bezeichnet. Dieser Unterschied ist etwa bei Paul Tillich und Karl Jaspers der von Verstand und Vernunft. Es mag sein, dass jemand in seinen Verstandeskräften und dementsprechend im Wissenserwerb, in seinem Schatz an Sachkunde, nicht weit fortgeschritten ist und doch über tiefsinnige Vernunft verfügt, über Bildung im Sinn von Herzensbildung. Andererseits können Leute hoch intelligent sein und sich auf den verschiedensten Bereichen der Welterkenntnis brillant bewegen und doch in Fragen der Vernunft, des selbstständigen Nachdenkens und Nachsinnens, auf einem dürftigen Niveau stehen geblieben sein.

Um Vernunft, um eigenes, selbstständiges Denken, um „elementares Denken“ handelt es sich dann, wenn wir von den grundlegenden, fundamentalen oder eben elementaren Daseins­fragen bewegt sind: Warum ist überhaupt etwas und nicht Nichts? Was können wir glauben? Was dürfen wir hoffen, auch über den Tod hinaus? Was ist von uns unbedingt gefordert? Solche Grundfragen des Daseins können und müssen natürlich an das ganze Sachwissen, das wir erworben haben, anknüpfen. Sie können und werden sich aber auch an unser unmittelbares Erleben, an unsere Wirklichkeitserfahrung anschließen.

„Jede tiefe Religiosität wird denkend, jedes wahrhaft tiefe Denken wird religiös.“ Dass Reli­giosität im Sinn von Ehrfurcht, Staunen und Demut vor dem Geheimnis des Daseins zum elementaren Denken anleitet und dieses beflügelt, ist eigentlich selbstverständlich. Aber es gilt nach Schweitzer auch das Umgekehrte: Das eigenständige Nachdenken über das, worauf es im Leben ankommt und worauf alles hinausläuft, ist „religiös“. Das heißt nicht, dass wir durch solches elementare Denken umfassende und abschließende Einsicht bekämen über Gott und den Sinn des Lebens und der Welt.

Religiosität, Religion bewegt sich zunächst und eigentlich immer in der Frage nach der Transzendenz, nach dem Unendlichen, dem Unbedingten, nach Gott und damit nach Sinn und Ziel von allem. Wir überschreiten, wir transzendieren alles Gegebene und Erlebte, die ganze uns umgebende Wirklichkeit. Letztgültige Antworten, die uns Gewissheit schenken, sind damit noch nicht automatisch gegeben. Die Einsicht in die Wahrheit muss letztlich von woanders her kommen. Da bedarf es noch der Glaubenserfahrungen, der uns widerfahrenden „Offenbarun­gen“.

So ist es philosophisch und theologisch fragwürdig, dass Schweitzer gelegentlich von der „Denknotwendigkeit“ seiner zentralen ethischen Lehre der „Ehrfurcht vor dem Leben“ spricht, und damit von der Denknotwendigkeit der Forderung der Liebe: „Das zu Ende gedachte Den­ken führt irgendwo und irgendwie zu einer lebendigen, für alle Menschen denknotwendigen Mystik.“ Die Nächstenliebe, als „Ehrfurcht vor dem Leben“ auf alles Lebendige ausgeweitet, ist insofern plausibel, als das Gegenteil, nämlich Egoismus, Hass oder gar Vernichtungswille, Zerstörung und Selbstzerstörung bedeuten, und letztlich ein Ende der Evolution auf unserer Erde. Trotzdem ist die „Ehrfurcht vor dem Leben“ damit nicht denknotwendig. Man könnte sich ja auch für die Destruktion entscheiden, aus einer nihilistischen Religion oder Anti-Religion heraus, mit ihrer Parole „Nach mir die Sintflut“.

Erstaunlicherweise spielt der Zweifel, die Skepsis in Schweitzers „elementarem Denken“ keine ausdrückliche Rolle. Dabei gehört doch ernsthafter Zweifel zum ehrlichen Glauben wie der Schatten zum Licht. Häufig wendet sich Schweitzer aber gegen den „Skeptizismus“: „Alles Denken, in dem Menschen zum Skeptizismus oder zum Leben ohne ethische Ideale zu gelangen behaupten, ist kein Denken, sondern nur als Denken auftretende Gedankenlosigkeit, die sich als solche dadurch erweist, dass sie nicht mit dem Geheimnisvollen der Welt und des Lebens beschäftigt ist.“ Mit „Skeptizismus“ meint Schweitzer eine geistige Haltung, die von vornherein und immer alles und jedes in Zweifel zieht und keine Wahrheitserkenntnis, keine Maßstäbe und Richtlinien für die Lebensführung gelten lässt, schon gar nicht die „Ehrfurcht vor dem Leben“. Allenfalls, wird man heutzutage besonders hinzufügen, gilt da noch das eigene Ich als Maßstab aller Dinge. Dem Skeptizismus fehlen Demut und Ehrfurcht. Kann jemand eine solche Haltung auf die Dauer nicht aushalten, so begibt er sich in die Obhut eines Autori­tarismus, eines geistigen Absolutismus und Dogmatismus, wo man sich wie ein Ertrinkender an einem Strohhalm festzuhalten versucht: „Diejenigen, die daran arbeiten, unsere Zeit in dieser Art skeptisch [gemeint ist: skeptizistisch] zu machen, tun dies in der Erwartung, dass die Menschen durch Verzicht auf selbsterkannte Wahrheit zur Annahme dessen, was ihnen autoritativ und durch Propaganda als Wahrheit aufgedrängt werden soll, gelangen werden.“

Im Übrigen ist die Alternative zum Skeptizismus, der keine Werte und Maßstäbe gelten lässt, nicht ein geistiger Absolutheitsanspruch, der meint, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben und über die volle Wahrheit zu verfügen. Das ginge völlig gegen den Geist der von Schweitzer hochgeschätzten Aufklärung. Er vertritt auch nicht die Auffassung, wir könnten durch das elementare Denken die volle Wahrheit erkennen. Schweitzer schreibt zwar: „Wo die Überzeugung aufhört, dass die Menschen die Wahrheit durch ihr Denken erkennen können, beginnt der Skeptizismus.“ Es geht ihm aber nur um eine Annäherung an die Wahrheit. Und es bleiben immer Rätsel. Vieles bleibt für uns unergründlich.

Andreas Rössler, Fortsetzung folgt

BIBELWORTE - KURZ BETRACHTET

»Dient einander«

(1. Petrus 4; 10)

Der Verfasser dieses Briefes ist der Apostel Petrus. Er schreibt seinen Brief vermutlich aus Rom. Der Brief richtet sich an Gemeinden im nördlichen und westlichen Kleinasien. Sie leben in der Zerstreuung in einer dem jungen Christentum fremden Welt. Das Anliegen des Briefes ist es, die Menschen im Glauben zu stärken, die aufgrund ihrer Zuwendung zum Christentum und der Ausgrenzung aus ihrem bisherigen sozialen Umfeld zu leiden hatten.

„Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.“ Diesen Satz aus dem Petrusbrief, eher in unsere Sprache gebracht, könnte lauten: Seid füreinander da, helft euch gegenseitig, jeder mit den Fähigkeiten, die er von Gott bekommen hat, zum Aufbau und Zusammenhalt der Gemeinde.

Die zentrale Aussage dieses Textes ist die Erkenntnis, dass jeder Mensch von Gott begabt ist, d.h. mit Fähigkeiten ausgestattet, zu seinem eigenen Nutzen und zum Wohl der Gemein­schaft. Es gilt diese Talente, diese Fähigkeiten in sich selbst zu entdecken, kennen zu lernen, mit Mut auszuüben in dem Verstehen, dass sie ein Geschenk sind, das als solches geachtet und wertgeschätzt werden soll. Heißt es doch im Psalm 8: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“

„Dient einander mit den Fähigkeiten, die Gott euch geschenkt hat“ - was heißt das prak­tisch? Es bedeutet, das in die Familie, in die Gemeinschaft, in die Gesellschaft einzubringen, was mich ausmacht. Mein ganz persönliches Profil. Niemand hat die Mischung von Fähig­keiten, die gerade ich mitbringe. Meine geistlichen Gaben, mein Herz, meine Fähigkeiten, mei­ne Persönlichkeit, meine Erfahrungen. Und zu welchem Ziel? Jesus sagt im Matthäus Evan­gelium: „Wer unter euch groß sein will, soll euer Diener sein.“ Das bedeutet, dass wir mit unse­ren Fähigkeiten, mit unserem erlernten Wissen, mit unseren Lebenserfahrungen anderen dienen. Wir bringen Unseres ein, damit andere davon profitieren können. Wir sind Teil einer Gesellschaft, die unser Talent braucht. So kann jeder ein Mosaikstein im Ganzen der Gemein­schaft werden, um das Gesamtbild zu vervollständigen. Entscheidend für das Gelingen einer Gemeinschaft ist das Netz von Beziehungen, in welchem wir gehalten werden. Menschen, die mir nahestehen, die mir etwas bedeuten und denen ich etwas bedeute, denen ich dienen kann und die mir dienen.

„Wenn wir auch nicht alle gleich aussehen und nicht von gleichem Stand sind, so doch vom selben Gott. Und jeder braucht jeden. Keiner kann ohne den anderen auskommen, existieren.“ (H.D. Hüsch)

Wolfgang Blaich

Neuigkeiten aus dem Heiligen Land

"Und plötzlich waren wir im Krieg"

Unter dieser Überschrift hat am 23. Juni eine Tübinger Delegation vor zahlreichen Zuhörern im großen Sitzungssaal des Landratsamtes über ihre frischen Reiseeindrücke aus Israel berich­tet. Der Landkreis Tübingen hatte ja bereits im vergangenen Jahr eine Kreispartnerschaft mit dem israelischen Landkreis Hof HaCarmel (bei Haifa) geschlossen und als sichtbares Zeichen am 5. April ein Schülerkonzert in Tübingen organisiert (siehe Mai-Warte). Nun stand der Ge­genbesuch an, an dem außer Landrat Joachim Walter auch dessen Ehefrau und der Kultur­dezernent und Kreisarchivar, Prof. Dr. Wolfgang Sannwald, teilnahmen. Mit dabei war auch Dr. Jakob Eisler vom Landeskirchlichen Archiv, der noch am Vortag beim Tempelgründungstag seine Erlebnisse geschildert hatte (siehe Rückblick). Die kleine Reisegruppe wurde jedoch bereits kurz nach ihrer Ankunft am 13. Juni in Haifa vom Ausbruch des Krieges zwischen dem Iran und Israel überrascht und konnte gleich die effektive Luftschutzalarmierung und Raketen­abwehr des Staates Israel live erleben. Manche Stunde wurde unfreiwillig (vor allem nachts) im Schutzraum des Hotels verbracht. Gleichwohl bestand noch Gelegenheit, das technisch gut ausgerüstete Lagezentrum des Landkreises in Augenschein zu nehmen und mit der mobilen Einsatzzentrale des Kreises - einem in Eigenregie umgebauten ehemaligen Schulbus - unter­wegs zu sein. Hierzu meinte Landrat Walter, den die engagierte Improvisationskunst der Israe­lis schwer beeindruckt hatte: „In Deutschland hätte die Beschaffung eines solchen Fahrzeugs zwei Millionen gekostet und mindestens zwei Jahre gedauert.“

"Und plötzlich waren wir im Krieg" (Bildquelle: Landratsamt Tübingen)
Bildquelle: Landratsamt Tübingen

Trotz des notgedrungen verkürzten Programms wurden noch weitere Partnerschaftsabkommen über Bildungsangebote für junge Erwachsene unter­zeichnet sowie eine Kreisschule (mit Internat) be­sichtigt.

Die Rückreise erwies sich als umständlich und langwierig. Im Unterschied zur Deutschen Botschaft in Tel Aviv, die nur Kanzleitrost zu bieten hatte und zur Selbsthilfe riet, war das Stuttgarter Reisebüro Scuba in der Lage, kurzfristig einen Sammeltrans­port mehrerer Reisegruppen von Jerusalem (wohin die Tübinger Gruppe mit einem Kleinbus des Land­kreises gebracht worden war) über das Tote Meer und Eilat nach Sharm el Sheik (Ägypten) zu organisieren. Von dort erfolgte dann der Rückflug über Istanbul nach Stuttgart, wo die erschöpften Reisenden nach einer insgesamt 36-stün­digen Odyssee ankamen.

Die Reiseeindrücke wurden durch etliche Fotos anschaulich gemacht, u.a. von der Situation in den Schutzräumen und von den nächtlichen Luftangriffen auf Haifa. Diese Aufnahme eines iranischen Luftangriffs auf die Raffinerie von Haifa hat Landrat Walter aus dem Fenster seines Hotelzimmers auf dem Carmel in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni 2025 gemacht.

Neuer Bischof gewählt

Die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) hat am 27. Juni 2025 Reverend Dr. Imad Mousa Dawud Haddad zum neuen Bischof und damit zum Nachfolger von Bischof Dr. Sani Ibrahim Azar gewählt. Die feierliche Inauguration von Dr. Haddad wird erst am 11. Januar 2026 erfolgen.

Jörg Klingbeil

Aktuell
Veranstaltungen im Dezember
Rückblick auf den Tempelgründungstag am 22. Juni
Rückblick auf die Gemeindefreizeit in Bad Urach vom 9. bis 11. Mai
Templer-Lesestoff