Geschichte
Spuren des Tempels

 

Die württembergischen Templer im Heiligen Land

1868 waren sie, dem Ruf ihres Glaubens folgend, ins Heilige Land gezogen. Sie hatten als Erste mit Erfolg Sümpfe trockengelegt und das Land für Europäer bewohnbar gemacht. Viele Spuren künden noch heute von ihrer langjährigen Aufbauarbeit.

  Die Tempelsiedlungen im Heiligen Land

Wer sind die Templer?

Zunächst eine notwendige Abgrenzung: sie haben nichts mit den Tempelherren der Kreuzzugszeit zu tun. Dieser ehemalige Ritterorden wurde schon 1312 aufgelöst.

Die christliche Glaubensgemeinschaft der Templer ist Mitte des vorletzten Jahrhunderts aus dem protestantischen Pietismus heraus entstanden. Sie wurde ins Leben gerufen durch den Theologen Christoph Hoffmann (1815-1885), Sohn des Gründers der pietistischen Brüder­gemeinde Korntal bei Stuttgart und Abgeordneter in der Nationalversammlung  Die Ben Gurion Avenue in Haifain der Frankfurter Paulskirche 1848. Ihr besonderes Anliegen ist die Besinnung auf den Kern der Botschaft Jesu, auf seine Verheißung vom Reich Gottes und auf seinen Auftrag, durch das eigene Trachten und Handeln zum Werden einer besseren Welt, eben dieses Reichs der Liebe und Güte, beizutragen.

Von dieser Grundeinstellung aus sahen Hoffmann und seine Anhänger, angesichts der schweren sozialen Missstände ihrer Zeit, als Hauptaufgabe einer christlichen Gemeinschaft die Erneuerung der Gesellschaft im Sinne der Botschaft Jesu, und sie trennten sich von der evangelischen Kirche, weil sie zu erkennen glaubten, dass diese, ebenso wie alle bestehenden Kirchen, diese Hauptaufgabe vernachlässige.

Den Weg zu einer solchen Erneuerung sahen sie in einem vertieften Christentum, in dem jeder Einzelne sich bemüht, sein Leben und Handeln an den Jesusworten des Neuen Testamentes auszurichten, und in dem Bekenntnisse, Dogmen und kultische Handlungen nachrangig sind, entsprechend dem Losungswort der Gemeinschaft: »Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit«.

Verwirklicht werden sollte dies durch die Bildung von Gemeinden Gleichgesinnter nach dem Vorbild der frühen christlichen Kirche, die dann allmäh­lich, durch ihr Vorbild, die ganze  Die Altstadt von Jerusalem und der ÖlbergGesellschaft durch­dringen und verändern sollten. In diesen Gemeinschaf­ten brüderlicher Gesinnung und tätiger Nächstenliebe versteht sich der Einzelne als lebendiger Baustein am geistigen Tempel Gottes, wie es im Neuen Testament gefordert wird - daher der Name »Templer«.

Dieser Glaube gab ihnen Kraft. Sie machten die Auf­gabe, am Reich Gottes mitzuarbeiten, zu ihrer Lebens­mitte und gründeten 1856 in der Nähe von Stuttgart eine erste Mustergemeinde. Sie verstanden die prophetische Verheißung, das Reich Gottes werde seinen Siegeszug von Jerusalem aus antreten, als Aufforderung, sich auch im Heiligen Land dafür einzusetzen und dort Gemein­den zu bilden. Und so verkauften viele von ihnen all ihre Habe und zogen von Württemberg und von Sachsen, aus den USA und vom Kaukasus in ein wüstes Land im damaligen Türkischen Reich, in das Heilige Land, nach Jerusalem.

Das Wirken der Templer

»Als die Templer 1869 mit dem Aufbau ihrer Siedlungen begannen, war Palästina nur eine vernachlässigte ottomanische Provinz. Das Land hatte keinen einzigen ordentlichen Hafen, seine Wälder waren abgeholzt, seine Landwirtschaft war primitiv, und es hatte mehr verfallene Ortschaften als bewohnbare. Es war ein Land, in dem sich keine Wagen bewegten, in dem es kein Hotel gab und keinen studierten Arzt«. - So schrieb der israelische Historiker an der Universität Haifa, Prof. Alex Carmel (gest. 2002), in seinem Buch »Die Siedlungen der württembergischen Templer in Palästina 1868-1918«.

Die ersten Siedlungen der Templer entstanden nach langjähriger und sorgfältiger Planung in Haifa,  Schreinerei Ruff in Haifain Jaffa, in Sarona bei Jaffa und in Jerusa­lem. Die Neuankömmlinge konzentrierten sich an­fangs auf landwirtschaftliche Betriebe. Sie legten Felder, Weinberge und Obstplantagen an und setzten erfolgreich moderne Anbaumethoden ein. Ihre mit Dampf betriebenen Öl- und Getreidemühlen standen auch der ortsansässigen Bevölkerung zur Verfügung. Fachleute gründeten Handwerksbe­triebe jeglicher Art, Fabriken entstanden, die Seife, Maschinen, Bier, Zement u.a. erzeugten; Kauf­häuserBanken und Hotels wurden eröffnet. Schon 1870 ließen sich zwei Ärzte in Haifa und in Jaffa nieder und europäisch geführte Apotheken und Krankenstationen nahmen in beiden Städten den Betrieb auf.

»Durch Begabung und Fleiß gewannen die Templer bald Ansehen. Sie bauten muster­gültige Kolonien,  Sägewerk von Appinger in Haifahübsche Häuschen, von Blumen­gärten umgeben - ein Stück Heimat im Herzen Palä­stinas« (Carmel).

Die großzügig angelegte Templersiedlung in Hai­fa ist inzwischen zum Herzstück der Stadt gewor­den.

Jerusalem bestand seinerzeit nur aus der um­mauerten Altstadt, wie wir sie noch heute vorfinden.

Der entscheidende Beitrag dieser ersten Jahre für das Land war der Bau neuer Straßen und der Ausbau vorhandener Transportwege, da es vorher nur eine einzige für den Wagenverkehr geeignete Verbindung gab, nämlich den Pilgerweg von Jaffa nach Jerusalem.

Architekten und Ingenieure verwirklichten zusammen mit den Baufirmen (z.B. Gebr. Beil­harz)  Öl- und Seifenfabrik Struve in Haifadiese ehrgeizigen Pläne, darunter der wohl bekannteste Templer der zweiten Generation, Gott­lieb Schumacher (1857-1925). Neben seinen plane­rischen Tätigkeiten, seinen kartographischen Arbei­ten und wissenschaftlichen Veröffentlichungen führ­te er von 1903-05 erste archäologische Grabungen in Megiddo durch. Das Institut an der Universität Haifa »zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert« trägt seinen Namen.

Als erste wurde die Straße von Haifa nach Naza­reth gebaut. Die Baukosten wurden hauptsächlich durch die Mitglieder der Tempelgemeinde in Haifa getragen.  Hotel Lloyd von Abraham Fast in der Altstadt von JerusalemDurch die neue Straße waren re­lativ bequeme und ungefährliche Pilgerreisen nach Galiläa möglich geworden. Templerfamilien bauten und betrieben Hotels, z.B. in Haifa, Tiberias und Nazareth. Regelmäßige Kutschdienste verkehrten zwischen Haifa und Akko und zwischen Jaffa und Jerusalem. Das Bild des Landes, in dem vorher das Reisen und der Warentransport nur mit Reit- und Tragtieren oder entlang der Mittelmeerküste mit Booten möglich waren, wandelte sich. Die Grund­struktur für die Entwicklung einer modernen Wirt­schaft war geschaffen.

Auch die im späten 19. Jahrhundert einsetzende jüdische Einwanderung  Eisengießerei der Gebr. Wagner in Jaffa-Walhallakonnte auf die Erfahrungen und Kenntnisse der Templer zurück­greifen, die nicht nur mit Bauarbeiten in Zikhron-Ya'aqov und Bath-Schlomoh beauftragt wurden, sondern auch den jüdischen Siedlern laufend Le­bensmittel und Haushaltsgeräte lieferten.

Durch den vergrößerten Markt im Inland und den Ausbau von Handelsbeziehungen mit Europa und den USA wuchsen die Handwerksbetriebe und Dienstleistungsunternehmen der Templer zum Teil zu ansehnlichen Unternehmen heran.

Neue landwirtschaftliche Siedlungen (Wilhelma, Betlehem und Waldheim) wurden gegründet und weitere Projekte vorbereitet. Obwohl die Tempelgesellschaft in Palästina  Erntezeit in Wilhelmaeine kleine Gemein­schaft von weniger als 1500 Menschen blieb, trug ihr Beitrag zum Aufbau des Landes vielfältige Früchte.

Das Siedlungswerk geriet im Verlauf des Ersten Weltkriegs an den Rand seiner Auflösung, als die vom Völkerbund für Palästina eingesetzte britische Mandatsverwaltung einen Großteil der Templer in die Internierung nach Ägypten schickte und ihnen nach Kriegsende eine Rückkehr in die Siedlungen untersagte. Erst durch die Intervention internatio­naler Vermittler gab es eine Rückkehr-Erlaubnis und den Wiederaufbau der zum Teil durch Kriegshandlungen schwer verwüsteten Häuser und Höfe.

Der Eintritt Englands in den Zweiten Weltkrieg leitete dann jedochdas Ende des Wirkens der Templer in Palästina ein. Sie wurden von der Mandatsverwaltung in ihren Siedlungen interniert und ein Großteil der jüngeren Familien wurde 1941 nach Australien deportiert. Die letzten Zurückgebliebenen mussten nach Gründung des Staates Israel das Land verlassen.

Die Spuren der Templer

Was an sichtbaren Spuren in Israel zurückblieb, sind vor allem die markanten Stadtbezirke der Templer in Haifa und in Jerusalem und die landwirtschaftlichen Siedlungen in Wilhelma, inBetlehem (bei Nazareth) und Waldheim. Darüber hinaus künden heute noch ihre Friedhöfe in Jerusalem und Haifa von ihrem Leben und Wirken im Land.

Haifa

Die Templersiedlung in Haifa war die älteste und zugleich größte. 1868 landeten die ersten Templer auf der »Reede von Caifa«. Am Fuße des Karmelbergs, im Westen des arabischen Dorfes, erwarben sie Land. Ursprünglich sollte es eine vorwiegend landwirtschaftliche Siedlung werden.  Haifa - Lithographie von Jakob Schumacher 1877Die günstige geographische Lage und die Rührigkeit der Neuankömmlinge führten jedoch dazu, dass Haifa zu einem neuen wirtschaft­lichen Zentrum im Norden des Landes wurde.

»In jenen Tagen war Haifa noch ein armseliger Ort, der im Schatten der Bezirkshauptstadt Akka lag. Die 4000 Einwohner lebten fast alle eingeengt innerhalb der Stadtmauern, und wenn damals schon ein frischer Wind in dem Städtchen spürbar war, so waren es die deutschen Siedler, die jetzt den entscheidenden Anstoß zu seiner Entwicklung gaben« (Alex Carmel).

Gemeindehaus Haifa

Heute liegt die Templersiedlung mitten in der Großstadt Haifa. Die ehemalige Karmelstraße ist zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Sie verläuft vom Meer geradewegs zum Karmelberg. Jakob Schumacher aus Tübingen hatte sie 1869 gebaut. Damals eine Vision in der Wildnis, ist die heutige Ben Gurion Avenue »eine der schönsten Straßen Israels«. Über mancher Eingangstüre befindet sich noch ein gemeißelter Bibelspruch. Das alte Templerviertel erstreckt sich entlang der Ben Gurion Avenue und zweier parallel zu ihr verlaufender Straßen, von den Hafenanlagen bis zum Fuß des Karmels an der ehemaligen Weinstraße (heute Ha-Gefen Road). Viele der alten Häuser sind heute renoviert. Das im alten Stil wieder instand gesetzte Gemeindehaus, das erste Bauwerk der Templer im Heiligen Land, ist heute ein Museum der Stadt Haifa.

Auf dem Karmel entstand um 1890 in einem großzügig ange­legten Kiefernhain ein neues Viertel mit Wohnhäusern, einem Hotel und Erholungsheimen. Der Gedenkstein, der an den Besuch von Kaiser Wilhelm II. im Heiligen Land 1898 erinnert, ist heute noch an der Panoramastraße (Yefe Nof) zu finden.

Überwältigend ist der Blick von dieser Straße über den Baha'i-Tempel hinweg hinunter auf die alten Templerhäuser mit ihren roten Ziegeldächern und aufs Meer.

Jerusalem

Die ersten Templer, die sich in Jerusalem niederließen, wohnten zunächst in der Altstadt. 1871 erwarb Matthäus Frank aus Neuffen bei Stuttgart ein Stück Land, auf dem er eine Dampfmühle und ein Wohnhaus errichtete, dessen Eingang noch heute das »Eben Ezer 1873« ziert. Der Grundstein zur Templersiedlung in der Rephaim-Ebene unweit des Jaffators von Jerusalem war gelegt, wo sich Kaufleute, Besitzer von Reisebüros, Hoteliers, Handwerker, Baumeister, Gastwirte, Lehrer und Beamte niederließen. Dorthin verlegte 1878 Christoph Hoffmann die Zentralleitung und die Höhere Schule der Templer.  Gemeindesaal der Templer in JerusalemJerusalem war nun Wohnsitz des Tempelvorstehers und wurde alsbald zum geistigen und kulturellen Mittelpunkt der Tempelgesellschaft.

Die Errichtung von Schulen bei der Gründung ei­ner Siedlung zählte für die Templer zu den vorran­gigen und mit großem finanziellem Aufwand durch­geführten Gemeinschaftsaufgaben. Diese Schulen standen auch Schülern anderer Nationalität und an­deren Glaubens offen.

Lohnend ist ein Gang durch die Gassen der Sied­lung mit ihren recht gut erhaltenen Häusern und Gärten. Sie liegt entlang der Rephaim-Straße und wird im Osten durch die Betlehem-Straße begrenzt. Da, wo diese beiden Straßen in spitzem Winkel zusammenlaufen, liegt der »Saal«, das Gotteshaus der Templer, das heute dem Armenischen Patriarchat als Kirche dient. Dem Saal schließen sich die ehemaligen Schulge­bäude an.

Betlehem und Waldheim

1906 wurde zwischen Haifa und Nazareth unweit der Jesreel-Ebene die landwirtschaftliche Siedlung Betlehem gegründet. Das Dorf heißt heute Beyt-Lehem ha-Glilit nach der unmittelbar daneben ausgegrabenen spätantiken Siedlung.

Nur wenige Kilometer entfernt wurde 1907 von Nachkommen Haifaner Templerfamilien, die zur Evangelischen Kirche zurückgekehrt waren, die Siedlung Waldheim gegründet. Heute heißt das schmucke Dorf mit seinem schönen Kirchlein Aloney-Aba.

In Betlehem und Waldheim wurde Ackerbau, Gemüseanbau und Milchwirtschaft betrieben. Absatz fanden die Produkte in der aufstrebenden Stadt Haifa.

Wilhelma

In Wilhelma, heute: Bney-Atarot, hat sich der Reiz einer landwirtschaftlichen Templersiedlung am besten erhalten. Sie wurde 1902 gegründet, ihre Bedeutung für das ganze Umland gewann sie hauptsächlich durch die 1909 gegründete Landwirtschaftsschule, die Einführung neuer Düngemethoden und durch die Zucht leistungsfähiger Rinderrassen. Ganz besonders begehrt waren überall die Milchprodukte der genossenschaftlich geführten und hygienisch vorbildlichen Molkerei. Der Ort, heute ein Moschaw, liegt einige Kilometer nördlich vom Flughafen Ben Gurion, in Richtung Petah-Tiqvah.

Im Ersten Weltkrieg wurde Wilhelma beim Vorrücken der britischen Truppen im Kampf gegen die Türken stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Wilhelma, ebenso wie Sarona, Betlehem und Waldheim, durch die britische Mandatsmacht in ein Internierungslager für deutsche Staatsangehörige umgewandelt.

Jaffa

Die ersten christlichen Siedler im Jaffa des 19. Jahrhunderts waren Adventisten aus den USA.  Feinste Jaffa-OrangeAuch sie hatten sich für die Ansiedlung in dem von Seuchen und Krankheiten heimgesuchten Land gut vorbereitet und brachten sogar in Teile zerlegte Holzhäuser mit. Aber schon nach einem Jahr war das mit so viel Zuversicht begonnene Unternehmen gescheitert. Die Templer ließen sich dadurch nicht entmutigen. Sie erwarben 1869 die Holzhäuser, von de­nen einige noch heute stehen.

Die meisten Neuankömmlinge übten ein Gewerbe aus. Ho­tels wurden eingerichtet und die von der »Basler Pilgermis­sion« übernommene kleine Apotheke und Krankenstation erweitert, ein Arzt ließ sich nieder. Bald verbanden regel­mäßige Kutschdienste Jaffa und Jerusalem. Landwirte spezia­lisierten sich auf den Anbau von Zitrusfrüchten: Jaffa-Orangen wurden  Orangen-Verschiffung im Hafen von Jaffazum Begriff.

Das »Amelikan« genannte Wohnviertel wurde zu eng, und es entstand schon um 1892 das weiter nördlich gelegene »Walhalla«. Dort bildete sich rasch eine nicht unbedeutende Kleinindustrie he­raus, darunter die weithin bekannte Eisengießerei und Maschinenfabrik der Brüder Wagner aus Mägerkingen auf der Schwäbischen Alb.

Die Templerwohnhäuser in Jaffa, die in der Ge­gend der heutigen Jaffa-Straße in Tel-Aviv-Süd lie­gen, sind baufällig geworden, werden aber inzwischen zum Teil aufwändig instand gesetzt oder erneuert.

Sarona

Da in Jaffa zu wenig Areal für eine dauerhafte Landwirtschaft vorhanden war, kaufte die Tempelgesellschaft 1871 in der Sharon-Ebene Land am Yarkon-Fluss (arabisch: Audsche). Die Ebene, deren Namen man der neuen Siedlung gab, war damals voller Sümpfe. Die Malaria grassierte. Zahlreiche Kolonisten, unter ihnen viele Kinder, raffte der Tod hinweg.

Doch die Überlebenden gaben nicht auf: sie entwässerten das Sumpfland und pflanzten, wo immer möglich, Eukalyptusbäume in großer Zahl. 1873 war die Malaria im Wesentlichen be­siegt,  Restaurierte Templerhäuser im Historischen Park Saronaaber noch 1902 musste Sarona große Sum­men für die Trockenlegung der Sümpfe investieren.

Zehn Jahre nach der Gründung war Sarona eine blühende Kolonie, nicht zuletzt durch den Weinbau, auf den sich die Landwirte neben Ackerbau und Viehzucht spezialisiert hatten. Später kam noch intensiver Orangenanbau hinzu.

Sarona liegt heute mitten in Tel Aviv, im Stadtteil ha-Kyria. Man findet die Siedlerhäuser beiderseits der Kaplan-Straße, kurz vor der Einmündung in die Petah-Tiqvah-Road. Sie waren viele Jahre von isra­elischen militärischen Einrichtungen belegt. Südlich der Kaplan-Straße sind die freige­wordenen Häuser inzwischen restauriert und zu einem Historischen Park der Stadt erklärt worden.

Spuren am Reiseweg

Selbstverständlich lebten nicht alle Templer in den bekannten Siedlungen. Schon in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde in Nazareth die Wagner'sche Mühle in Betrieb genommen - sie ist heute ein Hospiz der Rosenkranz-Schwestern (St. Charles Hospice of the Rosary Sisters). In jener Zeit wurde dort auch das Hotel Galiläa gegründet. Im Lande verstreut finden sich weitere Spuren der Templer.

Die Templerfriedhöfe

In den ehemaligen Siedlungen der Templer geht heute das Leben weiter: andere Menschen wohnen in den Häusern, andere bestellen die Felder. Geblieben sind jedoch die Friedhöfe der Templer in Haifa und in Jerusalem. Ursprünglich hatte jede Templersiedlung ihre eigene Begräbnisstätte. Im Jahr 1964 wurden die Friedhöfe in Waldheim, Betlehem und Wilhelma aufgelassen und die Toten auf die Friedhöfe von Haifa und Jerusalem umgebettet. Die Toten von Sarona und Jaffa waren schon 1952 nach Jerusalem überführt worden.

Der Friedhof in Haifa liegt an der Jaffa-Straße. Man findet ihn westlich der Kolonie kurz vor der Bahnstation Bad-Galim hinter einem britischen Soldatenfriedhof. Der Friedhof in Jerusalem liegt an der Rephaim-Straße (Nr. 39) (den Schlüssel zum Tor erhält man im St.-Charles-Hospice in der Lloyd-George-Straße 12).

Immer wieder reisen Gruppen junger Templer aus Deutschland und Australien nach Israel, um in aufopferungsvollem Einsatz die beiden Friedhöfe instand zu halten und zu pflegen.

Friedhof Haifa

Friedhof Haifa

Friedhof Jerusalem

Friedhof Jerusalem Friedhof Jerusalem

Die Templer heute

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich die Templer nach dem Verlust ihrer Palästina-Siedlungen wieder in neuen Gemeinden zusammen. In Australien bot der Staat den Templern nach ihrer Freilassung aus der Internierung Niederlassungsmöglichkeiten im Land an. Ge­meinden bildeten sich im Großraum Melbourne und in Sydney. In Deutschland wurde in Stutt­gart ein neues Gemeindezentrum errichtet.

Die Mitglieder dieser Gemeinden haben an den Grundgedanken der Gründer ebenso festgehalten wie an deren Losungswort »Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit«. Heute wie damals bedeutet Christentum für sie das Bemühen - bei aller menschlichen Unzulänglichkeit - ein Leben nach der Lehre und dem Vorbild Jesu von Nazareth zu führen: im Vertrauen auf Gott, in der Liebe zum Nächsten, in der Verantwortung für die Welt und in der Verpflichtung, sich für das Gottesreich der Liebe und der Güte unter den Menschen einzusetzen.

Sie fühlen sich mit all denen verbunden, die in diesen Zielen ebenfalls ihre Lebensaufgabe sehen.

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