Treffpunkt - Gemeinde aktuell
Rückspiegel

Mein deutsch-australischer Templeraustausch

Inzwischen bin ich gut einen Monat wieder zu Hause - und schon vermisse ich Sonne, Lebens­stil und Kultur, die ich in Deutschland erleben durfte.

In der Juliausgabe des »Templer Talk« schrieb ich über meine Erlebnisse der ersten paar Wochen meines Austauschprogramms. Nun, da ich wieder bei der Arbeit bin und ganz und gar meine normalen Gepflogenheiten wieder aufgenommen habe, fühlt sich Deutschland ewig weit weg an. Mein deutsch-australischer TempleraustauschVier Monate hören sich viel an, aber sie gingen so schnell vorbei und ich konnte so viel darin unterbringen! Ich verbrachte meine Zeit mit einer Friedhofsreise nach Israel, einer Woche in Frankreich, verschiedenen Familienbesuchen, Zeit in der TGD, einem Sprachkurs in Berlin und Tagestouren zu schönen alten Städten.

Nach unserer Rückkehr aus Israel und dem Abschied von Mama und Kate war ich mir selbst überlassen. Ich wohnte nach wie vor bei Kerstin Kloß und konnte daher nicht nur mit ihrer Familie zusammen sein, sondern auch die weitere Stutt­garter Gemeinde kennenlernen. So nahm ich am TGD-Wo­chenendseminar über Künstliche Intelligenz Anfang Mai teil, war bei der Gründungsfeier dabei und auch bei den beiden Gemeindenachmittagen in Juni und Juli. In der TGD-Gemein­de herrschte eine ähnliche Atmosphäre wie in der TSA, ob­wohl Land und Leute ganz andere waren. Ich fühlte mich zu Hause und manche Leute erkannten mich sogar von meinem letzten Besuch her wieder! In dieser Gemeinschaft zu sein bedeutete für mich, dass ich Namen und Gesichter zusammenbringen konnte und Verwandten von Leuten begegnete, die ich hier in Australien kenne. Außerdem war wirklich schön, bei der Gründungsfeier altbekannte Gesichter aus der Heimat zu sehen - Gisela und Enno Schmidt waren zufällig zur gleichen Zeit auch in Stuttgart.

Es scheint so, als stehe die TGD denselben Problemen gegenüber wie wir hier in Australien - eine Gemeinschaft zu sein, die im Laufe der Jahre immer kleiner wird. Daher habe ich die wenige Zeit, die ich dort verbringen konnte, absolut nicht als selbstverständlich angesehen. Mein deutsch-australischer TempleraustauschIch war sogar beim Bastelkreis - allerdings vor allem, um hinreißende Quilling-Basteleien und Schmuck zu kaufen! Außerdem hatte ich Gelegenheit, bei Karin und Jörg Klingbeils Kindern unterzukommen, bei Stefan und seiner Familie am Bodensee, und Christine und ihre Familie in Berlin zu treffen.

Nach meiner Zeit in Stuttgart machte ich mich per Zug auf den Weg nach Berlin. Mein relativ großer Koffer war voller Kleinigkeiten, die ich bislang unter­wegs zusammengesammelt hatte, und einigen Fla­schen Wein und Cidre aus Frankreich. Ich hatte gar nicht realisiert, wie schwer er war, bis ich ihn die vier Stockwerke bis zu meinem Zimmer hinauf­schleppen musste, als ich endlich da war!!! Unnötig zu sagen, dass ich einiges daraus im Pa­ket nach Hause aufgab.

Meine Zimmergenossin war in Berlin aufgewachsen und indem wir uns voneinander erzählten, fanden wir sofort zueinander. Da ihr Partner gerade in Stuttgart lebte, war sie be­sonders an der TGD und überhaupt an der Geschichte der Tempelgesellschaft interessiert.

Mein erster Tag im Goethe-Institut war ziemlich nervenaufreibend! Es ist gut 12 Jahre her, dass ich in der Schule war, und als ich die vielen jüngeren Leute sah, fühlte ich mich völlig fehl am Platz. Aber als ich all die anderen nervösen Gesichter um mich herum sah, wurde mir klar, dass es auch allen anderen nicht besser ging, und so kamen wir bald ins Gespräch. In einem kurzen Vorstellungsgespräch wurde festgelegt, in welche Klasse wir kommen würden - für Anfänger, Mittlere oder Fortgeschrittene. Da meine Fähigkeit zu sprechen nicht ganz schlecht, aber meine Grammatik etwas zurück war, kam ich in eine mittlere Klasse mit dem Trost: »Die Grammatik kommt fast von selbst. Mit der Aussprache und dem freien Reden kämpfen die meisten und das scheinst du ganz gut zu können!« Also ... ich kann euch nur sagen, dass deutsche Grammatik SCHWER ist. Ich lernte eine Regel, dachte, ich hätte sie parat, nur um festzustellen, dass es Ausnahmen davon gibt. Mein deutsch-australischer TempleraustauschAber es hieß nicht umsonst "Intensivkurs 8". Vier Stun­den pro Tag saß ich fünfmal die Woche mit densel­ben zehn Leuten zusammen, wir machten miteinan­der Fehler und lernten daraus. Wir wurden Freunde und erkundeten Berlin miteinander - alles auf Deutsch. Ich machte meine Hausaufgaben, lernte, ging viel spazieren, hörte anderen Geschichten zu, bildete Erinnerungen aus, erlebte viel und, vor al­lem, LIEBTE meine Zeit dort.

Berlin ist eine solch geschäftige, kreative, chaoti­sche, verschiedenartige und fantastische Stadt mit so viel Geschichte - und hat doch eine "junge" Aus­strahlung. Die Kultur, Atmosphäre und Stimmung richtete sich mehr an junge Leute, aber die Zahl der Museen, Kirchen und historischen Monumente ist uferlos. Obwohl es ganz anders als die eher ländlichen Orte mit ihren roten Ziegeldächern und viel mehr Wald ist, bin ich froh, es erlebt zu haben.

Überhaupt ist das gesamte Austauschprogramm ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Von den Erinnerungen und Freundschaften werde ich mein ganzes Leben lang zehren. Ich kann dieses Australisch-Deutsche Templer Austausch-Programm allen unseren jüngeren Mit­glie­dern wirklich nicht genug empfehlen. Es ist nicht nur eine Gelegenheit, mal etwas ganz anderes zu erleben, sondern auch, eine Verbindung zu unserer Geschichte, unseren Verwandten und unserer Gemeinschaft zu finden.

So möchte ich diese Gelegenheit ergreifen, allen und jedem einzelnen von euch dafür zu danken, diese Reise mit mir geteilt zu haben - sei es, über die sozialen Medien, persönlich oder durch das Lesen meiner Beiträge. Ich danke Melissa English und dem AGTE Team dafür, mich über den gesamten Bewerbungs- und Organisationsprozess unterstützt zu haben, Karin Klingbeil und der TGD für den Teil des Programms, das sie für mich gestaltet und organisiert haben. Nicht zuletzt möchte ich der Tempelgesellschaft insgesamt dafür danken, dass sie mir diese Gelegenheit geboten hat. Sollte jemand weitere Gechichten hören, mehr Bilder sehen oder mich fragen wollen, wie man sich für nächstes Jahr bewerben kann (auf geht’s, man lebt nur einmal!), dann meldet euch oder sprecht mich einfach an, wenn ihr mich seht.

Auf Wiedersehen und bis bald!

Jessica Blackwell im »Templer Talk«, November 2019, Übersetzung: Karin Klingbeil

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