Die Warte des Tempels
Monatsschrift für offenes Christentum

Ausgabe 175/9 - September 2019

 

 

Gottvertrauen ist keine Versicherung - Anne Strotmann

»Du bist mein!« - Karin Klingbeil

Bergführer - Wolfgang Rehmert

Staat und Religion (Teil 4) - Jörg Klingbeil

Den ganzen Menschen erziehen - Peter Lange

Schule - oder Demo - Wolfgang Blaich

Die Familie Katz aus Altensteig - Peter Lange

Gottvertrauen ist keine Versicherung

Die Bibel leugnet nicht, dass Leben zerbrechlich, ungerecht und unverständlich ist. Deshalb erzählt sie von Vertrauen.

Die Bibel, vor allem die jüdische, ist voller Gefahren. Was bleibt einem kleinen Volk im Exil, dessen Existenz und Integrität ständig bedroht ist, anderes, als auf seinen Gott zu vertrauen? Dabei scheint dieses Vertrauen objektiv betrachtet nicht unbedingt gerechtfertigt. Angesichts der steinigen Geschichte Israels, einer Geschichte von Sklaverei, Wüste, Exil und Verfolgung, scheint ihm das Gottvertrauen wenig zu nützen. Schlimmer noch: Es ist in der Bibel auch noch Gott selbst, der Menschen immer wieder prüft und ihnen einiges zumutet. Dieser Gott fordert von einem Vater, seinen Sohn zu schlachten (Genesis 22,1-19). Wegen einer Wette mit Satan lässt er es zu, dass einem Mann, der ihm vertraut, Glück und Gesundheit genommen werden (Hiob 1-2). Er liefert sogar seinen Sohn dem Tod am Kreuz aus.

Man könnte einwenden, dass all diese Geschichten, die im Zentrum der Bibelarbeiten auf dem Kirchentag stehen, am Ende irgendwie gut ausgehen. Dass Gott schon weiß, was er tut. Und es sich lohnt, zu vertrauen. Aber Abraham weiß nicht, dass der Engel ihn im letzten Moment aufhalten wird. Er und Isaak verstehen nicht, was das soll. Hiob sitzt im Aschehaufen, seine Kinder sind tot und er weiß nicht, warum ihm das alles geschieht. Jesus stirbt gottver­lassen am Kreuz und muss glauben, dass er mit seiner Botschaft vom Reich Gottes geschei­tert ist.

Außerdem macht das »gute« Ende der Geschichten das Leid nicht ungeschehen: Die Wundmale bleiben auch am Ostermorgen. Abraham kehrt nach der »Opferung« allein zurück, er und Isaak kommen nicht mehr zusammen. Ist da nicht doch etwas zerbrochen? Hiob bekommt als Belohnung für sein Gottvertrauen noch mehr Vieh, noch mehr Kinder. Doch das macht die Toten nicht wieder lebendig. Die Reaktion von Hiobs Frau – »Fluche Gott und stirb« – ist da mehr als verständlich.

Gott und das ...

Anne Strotmann

 

Dieser Artikel ist für die Internetausgabe der »Warte« leider nicht freigegeben. Lesen Sie den Artikel in der gedruckten Ausgabe der »Warte« oder in »Publik-Forum«, kritisch - christ­lich - unabhängig, Oberursel, Ausgabe 13/2019, Seite 34.

BIBELWORTE - KURZ BETRACHTET

»Du bist mein!«

(Jesaja 43,1)

Diese Stelle des Deuterojesaja gehört wohl zu den stärksten Bibelstellen im Alten Testament, die dem gläubigen Menschen Gottes Zuwendung und Annahme zusprechen: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Historisch gesehen gilt dieser Zuspruch dem Volk Israel, das im babylonischen Exil gefangen gehalten ist. In kultischer Sprache eines Priesters verheißt Jahwe seinem auserwählten Volk das Ende der Leidenszeit in babylonischer Gefangenschaft. Damit knüpft der Prophet an die Erwäh­lungstradition an, erinnert an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei und vermittelt den Verbannten in Babylon die Hoffnung auf eine Rückkehr in ihr Stammland. Gott bleibt seinem Volk treu; der Bund, auf den sich Israel seit vielen Generationen verlässt, ist ungebrochen.

Es ist derselbe Jesaja, bei dem wir auch die Gottesknechtlieder lesen können, die visio­nären Texte von einem, der den Völkern das Recht bringen und Leid und Schmerzen der Menschen auf sich nehmen wird - aufgeschrieben 500 Jahre vor Jesus, auf den dann diese Vorhersage projiziert worden ist. Die Heilsgeschichte Gottes, des Schöpfers, der seine Schöpfung begleitet und zu einem guten Ende führt, liegt diesem Denken zugrunde.

Wir stehen mit unserem Glauben in der Spannung zwischen dieser Auffassung und der Naturwissenschaft - so z.B. der Meinung von einigen Soziobiologen, die davon überzeugt sind, dass die Evolution kein Ziel kenne und somit auch keinen Fortschritt - und müssen ausloten und formulieren, was unser Glaube für uns bedeutet. Wenn wir von einer Schöpfung im Werden, also einer weitergehenden Schöpfung, die noch nicht abgeschlossen ist, ausgehen, können wir heute noch gar nicht beurteilen, ob die Evolution ein Ziel hat oder nicht. Die starke Zielorientierung biblischer Texte, die auch bei Jesaja offensichtlich ist, spricht von Ursache und Wirkung, von Verheißung und Erfüllung und eben auch dem Zuspruch und den entspre­chenden Folgen. Wir leben in und mit unserer Sprache, haben ein benennbares "Ich" und können uns von einem "Du" angesprochen fühlen. Und wenn es in dieser oben zitierten Weise als ganz personale Zuwendung geschieht, dann vermittelt es - einerlei ob in der Einzahl oder in der Mehrzahl - eine Zugehörigkeit zu einer höheren Ordnung, einer dynamischen Entwick­lung, in der wir uns trotz allem Unberechenbaren und Schicksalhaften, das in jedem Leben existiert, zu Hause und geborgen fühlen können.

Solcher Glaube als Vertrauen in einen tragenden Urgrund ist eine fundamentale Erfahrung und hilft, mit den Ängsten unseres Lebens umzugehen und uns auch auf Ungewisses einzu­lassen.

Karin Klingbeil

Bergführer

Unser Mitglied Wolfgang Rehmert, der selbst mit einer schweren, zunehmenden Sehbehinde­rung umgehen lernen musste, hat uns diesen Beitrag zur Veröffentlichung zugeschickt. Da sich seine Erfahrungen auf eigentlich alle schweren Lebenssituationen übertragen lassen, veröffentlichen wir den Beitrag in voller Länge.

Seit einiger Zeit bin ich ehrenamtlich als psychologischer Berater für Menschen mit einer Sehbehinderung und deren Angehörige tätig. Dabei verbinde ich die Erfahrung aus meiner früheren Praxis für Psychotherapie mit der an Jesus orientierten Spiritualität als Templer.

Dies möchte ich an folgendem (stark verkürzten) Fallbeispiel schildern:

Vor einigen Wochen kam auf Vermittlung ihres behandelnden Augenarztes eine 60jährige Frau mit gravierenden Sehstörungen zu mir. Nach ihren Worten war die Sehverschlechterung auf einen Augeninfarkt im vergangenen Jahr zurückzuführen, also einen Verschluss der das Auge versorgenden Blutgefäße, was eine Schädigung des Sehnervs und/oder der Netzhaut zur Folge gehabt habe. Die Sehverschlechterung war fortschreitend, ein Ende war nicht absehbar, aber eine Entwicklung hin zu einem Zustand, der einer Erblindung nahe kommen könnte, war nicht ausgeschlossen.

Sowohl der behandelnde Augenarzt als auch die Ärzte einer Augenklinik mussten der Pati­entin mitteilen, dass keine Therapie oder Operation verfügbar sei, die die Sehverschlechterung aufhalten oder gar rückgängig machen könnte.

Die Patientin hatte einige Nahrungsergänzungspräparate, deren Namen und Inhaltsstoffe sie nicht mehr nennen konnte, mit kurzfristiger, subjektiv positiver Wirkung ausprobiert. Außerdem hatte sie im Fernsehen einen Bericht über eine Geistheilerin gesehen, mit der sie Kontakt aufnehmen wollte, bei der sie aber keinen Termin bekam.

In ihrer Not wandte sie sich im Gebet an Gott und bat ihn um Heilung. Aber nichts geschah, es trat keine Besserung ein, im Gegenteil verschlechterte sich ihr Sehvermögen weiter. Sie beschrieb ihre gegenwärtigen Gefühle als »enttäuscht« und »verzweifelt«.

Soweit hatten wir die Entwicklung und gegenwärtige Situation ausgeleuchtet. Um die Lage der Patientin einzuschätzen, orientierte ich mich an dem nachfolgend kurz skizzierten Modell: Der Vorgang unausweichlich fortschreitender Erblindung ist bei vielen Betroffenen mit starken psychischen Belastungen verbunden. Es ist versucht worden, die Bewältigung der Sehbehin­derung in Phasen einzuteilen, wie es etwa auch bei der Verarbeitung von Trauer oder beim Sterbevorgang der Fall ist.

Die Phasen können individuell in Dauer und Intensität unterschiedlich ausgeprägt sein, bei einer schubweisen Verschlechterung des Sehvermögens kann der Bewältigungsprozess wie­der von vorn beginnen, und es ist auch möglich, dass die Patienten in einer Phase »stecken­bleiben« oder wieder in ein früheres Stadium zurückfallen. Hier ein typischer Verlauf (vgl. Erika Schuchardt: »Warum gerade ich?«, Kapitel 2):

1. Zunächst durchläuft der Betroffene eine Zeit der Ungewissheit und Unsicherheit. Er merkt, dass sein Sehvermögen nicht »normal« ist. Die Sehstörung lässt sich nicht auf einen möglicherweise vermuteten Vitaminmangel zurückführen, das Übersehen von Gegenständen, das Stolpern usw. geht über das Normalmaß von Unaufmerksamkeit hinaus. Der Betroffene bekommt schließlich vom Augenarzt die Diagnose, die aber abgelehnt oder in ihrem vollen Umfang nicht erfasst wird.

2. Die Diagnose steht - nach Einholen der Meinung anderer Augenärzte und Untersuchun­gen in Augenkliniken - unwiderruflich fest. Der Patient hat aber noch die Hoffnung, dass sich doch alles zum Guten wendet. Er schwankt zwischen Verstand und Gefühl.

3. Die Diagnose wird in ihrer ganzen Tragweite erkannt. Es entsteht ein hoher Gefühlsdruck, der sich Ventile sucht. Der Betroffene kann sehr aggressiv erscheinen und sucht »Schuldige«: die rückständigen Augenärzte, die Umweltverschmutzung, Stress und so weiter.

Nach einer Zeit der inneren Erstarrung beginnt mit dieser Gefühlslawine der eigentliche Be­wältigungsprozess.

4. Der Patient setzt alle Hebel in Bewegung, um den Erblindungsverlauf aufzuhalten. Ein Marathon von Arzt zu Arzt, von Klinik zu Klinik beginnt. Als hilfreich vermutete Medikamente bzw. Substanzen und alternative Heilmethoden werden ausprobiert, Wunderheiler werden aufgesucht und/oder Gelübde abgelegt und Wallfahrten unternommen.

5. Die Energie, möglicherweise auch die finanziellen Mittel sind aufgebraucht. Die Suche nach Heilung war erfolglos, ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit stellt sich ein. Depression und Verzweiflung sind die Reaktion auf den schon eingetretenen Verlust und die Angst vor dem, was noch kommt. Die eigentliche Trauerarbeit muss jetzt beginnen, um der rational und emotional erkannten Realität mit aktiver Akzeptanz angemessen zu begegnen.

6. Die Wirklichkeit wird klar erkannt und anerkannt. Der Betroffene nimmt sich so an, wie er ist. Das Unvermeidliche wird angenommen, die verbrauchten seelischen Energien können sich wieder aufbauen.

7. Die Akzeptanz der Sehbehinderung setzt Kräfte für die vorliegenden neuen Aufgaben frei. Möglichkeiten der sozialen Integration eröffnen sich, Hilfe zur Selbsthilfe wird gesucht und angenommen. Mut für eine neue Selbstdefinition führt heraus aus der bisherigen Isolation.

8. Die Behinderung wird mehr und mehr zur Alltagsnormalität. Der Betroffene hat sich ent­sprechend den neuen Anforderungen geändert und sich in Familie, Freundes - und Kollegen­kreis (re-)integriert.

Nach diesem Modell, das man nicht allzu starr verstehen sollte, an dem man sich aber orientieren kann, stand die Patientin etwa am Beginn der fünften Stufe. Sie war, wie gesagt, »enttäuscht« und »verzweifelt«. Zweifel an Gott? Sie hatte sich gläubig vertrauensvoll an Gott, immerhin doch die »höchste Instanz«, gewandt und war anscheinend abgewiesen worden. Hatte sie sich also in Gott getäuscht?

Doch wie folgt kamen wir im Gespräch zu einem guten Ergebnis: Ja, es gibt Gebetserhörun­gen und Spontanheilungen auch bei aus medizinischer Sicht unheilbaren Krankheiten. Wir wissen nicht - und können nicht wissen - , warum Gott aber in vielen Fällen scheinbar seine Hilfe verweigert. Die Zukunft mit dieser Krankheit, oder besser: Behinderung zu leben, liegt wie ein »Berg« vor uns, der uns zu steil und zu schwierig zu besteigen und zu überwinden scheint. Was wir brauchen könnten, ist ein »Bergführer«, und würden wir zu ihm sagen: »Bitte, mach den Berg flach für mich«? Würden wir nicht eher sagen: »Du kennst dich aus, bitte zeig mir den Weg«?

Und so können wir doch auch Gott bitten, unser Führer und Begleiter auf dem Weg über diesen »Lebensberg« zu sein, hinüber in ein noch unbekanntes Leben mit unbekannten, aber doch zu bewältigenden Herausforderungen, an denen wir wachsen können. Mit Gott an unse­rer Seite, den wir als liebenden Vater begreifen dürfen, und nicht zu vergessen den Ehepartner als ganz praktischen weltlichen Helfer und Unterstützer, haben wir gute Startbedingungen, statt in Verzweiflung zu verharren, uns mit Furchtlosigkeit auf den steinigen Weg zu machen, hinüber in ein vielleicht ganz neues Leben jenseits des »Berges«.

Der Bergführer wartet schon.

Wolfgang Rehmert

Staat und Religion (Teil 4)

Christoph Hoffmann war erst 32 Jahre alt, als er Ende April 1848 im Wahlkreis Ludwigsburg in das erste deutsche Parlament gewählt wurde. Das Königreich Württemberg war neben Schleswig-Holstein und Hessen-Kassel übrigens der einzige deutsche Staat, in dem direkt gewählt wurde, hier in 28 Wahlkreisen. Obwohl es noch keine Parteien im heutigen Sinne gab und die Zeit der Wahlvorbereitung äußerst knapp bemessen war, wurden im Vorfeld überall große Volksversammlungen abgehalten, bei denen die Bevölkerung ein »politisches Glau­bensbekenntnis« der Kandidaten hören wollte. Nicht selten war das auch ein religiöses, weil die Unterscheidung von evangelisch und katholisch, liberal oder pietistisch häufig auch politisch trennte. Dementsprechend traten in etlichen Wahlkreisen auch Theologen und Kirchenmänner (Frauen waren damals weder aktiv noch passiv wahlberechtigt) als Kandidaten an. Hoffmann wurde von pietistischen Kreisen als Gegenkandidat zu dem Theologen David Friedrich Strauß nominiert, einem der bekanntesten Vertreter der historisch-kritischen Bibel­forschung, dessen 1835 erschienenes Buch über das Leben Jesu für erhebliches Aufsehen gesorgt hatte, so dass er den Pietisten fortan als »Feind des Christentums« galt. Während Strauß vom gebildeten Bürgertum der Garnisonsstadt Ludwigsburg unterstützt wurde, konnte Hoffmann auf die »Frommen« in den Dörfern zählen und siegte mit 2500 Stimmen Vorsprung. Das Ergebnis habe - so wird berichtet - die liberal gesonnene Stadtbevölkerung so sehr erbost, dass die öffentlichen Brunnen der Stadt mit Trauerflor versehen und von den Kirchtürmen herab Trauermelodien geblasen wurden. Aufgebrachte Anhänger von Strauß hätten zudem versucht, den Salon zu stürmen, seien aber von der rasch herbeigerufenen Landbevölkerung daran gehindert worden.

Wie war Christoph Hoffmann in diese hitzige Auseinandersetzung geraten? Dazu muss man sich die Entstehungsgeschichte der »Warte« in Erinnerung rufen, die als »Süddeutsche Warte« erstmals am 17. Mai 1845 und - unter wechselnden Bezeichnungen - bis heute fast durchgängig erschien.

Im November 1844 hielt der neu berufene Lehrstuhlinhaber für Ästhetik und deutsche Lite­ratur an der Universität Tübingen, Friedrich Theodor Vischer (1807-1887), seine Antrittsvorle­sung, in der er heftige Kritik an hergebrachten kirchlichen Positionen übte und sich zum Pantheismus bekannte, also zu der Auffassung, dass »Gott« eins mit der Natur und dem Kosmos sei, das »Göttliche« in allen Dingen existiere und mit der Welt identisch sei. Friedrich Theodor Vischer (Quelle: Wikimedia Commons)Damit war allerdings auch eine Absage an einen »persönlichen Gott« verbunden. Vischers Vortrag wurde offenbar von seinen studenti­schen Zuhörern begeistert aufgenommen, stieß jedoch auf heftige Ablehnung bei den Pietisten, wie in Tübingen damals alle »Nicht-Hegelianer« genannt worden seien (so Christoph Hoffmann in seinen Lebenserinnerungen »Mein Weg nach Jerusalem«, Bd. 2, 1884, S. 100). Vischer gehörte zu den »Junghegelianern« - der Begriff war von Strauß geprägt worden -, die vielfach auch als »Linkshegelianer« bezeichnet wurden, was ihre politische Position besser beschreibt. Zu dieser in den 1830er Jahren entstandenen lockeren Gruppierung, die sich als Reaktion auf die repressiven Verhältnisse in Preußen gebildet hatte, gehörten u.a. Intellektuelle wie Strauß, Bruno Bauer und Ludwig Feuerbach; vorübergehend hatte sie auch Einfluss auf bekannte Größen wie Marx, Engels, Lassalle, Herwegh, Heine und Bakunin. In ihren Schriften formu­lierten sie eine radikale Religionskritik - bis hin zum Atheismus - und forderten eine grundlegende Umwälzung der politischen und sozialen Verhältnisse. Damit entfernten sie sich deutlich von dem in Hegels Alterswerk vertre­tenen Konservativismus, wonach - kurz gesagt - alles Bestehende notwendig und im Grunde vernünftig ist. Kein Wunder, dass auch Vischer aufgrund seiner Antrittsvorlesung von den Pietisten im Lande - sowohl von der Kanzel herab als auch in zahlreichen Flugschriften - umgehend heftig attackiert wurde, weil sie darin einen zentralen Angriff auf die Grundlagen des Christentums, ja der Religion überhaupt sahen. So tat es auch der junge Theologe Chris­toph Hoffmann, zu jener Zeit Lehrer an der von Beate Paulus, der Tochter von Philipp Matthä­us Hahn, und ihren Söhnen 1837 gegründeten »christlich-wissenschaftlichen Bildungsanstalt« auf dem Salon (damals Gemarkung Kornwestheim, heute Ludwigsburg). Anfang 1845 veröffentlichte er die kleine Schrift »21 Sätze wider die neuen Gottesleugner«, in der er - ohne Vischer namentlich zu erwähnen - gleich zu Beginn lapidar feststellte: »Wer da sagt, er bekenne sich zum Pantheismus, der ist ein Gotteslästerer und Götzendiener«. Hoffmann, der mit dieser Veröffentlichung erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, sah sich zu diesem Schritt auch deshalb veranlasst, weil er den Eindruck hatte, dass die etablierten kirchlichen Kreise, aber auch die Behörden - bis 1918 war der württembergische König zugleich auch Landesbischof - sich nicht hartnäckig genug gegen die Ausführungen Vischers zur Wehr setzten. Hoffmann hielt es demgegenüber für notwendig, entschieden für einen christlichen Staat und eine christliche Gesellschaftsordnung einzutreten. Die nun öffentlich zwischen Vischer und seinen Freunden auf der einen Seite und Pietisten wie Christoph Hoffmann auf der anderen Seite ausgetragenen Streitigkeiten veranlassten schließlich die württembergische Regierung, Vischer auf zwei Jahre zu suspendieren (bei vollen Bezügen!), was die erhitzten Gemüter allmählich beruhigte. Dessen ungeachtet wurden Hoffmann und seine beiden Schwager, Philipp und Immanuel Paulus, von verschiedenen Seiten bedrängt, eine »Zeitschrift zur Abwehr der frechen Angriffe auf das Christentum« herauszugeben. So erschien bereits im Mai 1845 mit einer Probenummer das erste Heft der »Süddeutschen Warte« (SW) als »Zeitschrift für das gesamte deutsche Volksleben«, die bereits zu Beginn von über 1000 Interessenten bestellt wurde.

Welche Haltung nahmen die drei Herausgeber nun in Bezug auf das Verhältnis von Staat und Kirche bzw. Religion ein? Gleich in der Einleitung der ersten Ausgabe wird klargestellt, dass in der Zeitschrift geistliche wie weltliche Themen angesprochen werden sollen, und zwar in einer deutlich konservativen Richtung: »Unser Panier ist also in religiöser Hinsicht der christliche Glaube der evangelischen Kirche, in Betreff des äußeren Volkslebens die Erhaltung und Belebung aller der Güter, welche Gott dem deutschen Volke in seinen Staatsordnungen, wie in der Entwicklung seines geistigen Lebens geschenkt hat. Diese Güter können nur bewahrt werden, wenn wir ... an den Grundlagen der bestehenden Ordnung festhalten, das göttlich und sittlich Geheiligte hochachten ... und mit ernstem Sinn der Einheit und Belebung des deutschen Volksgeistes dienen« (SW 1845, S. 1). In dem folgenden Artikel (»Vergangen­heit und Zukunft«) aus der Feder Christoph Hoffmanns wird eine baldige Renaissance der Religion erwartet, eine »freie Verfassung« als unzureichend erachtet und die Einheit des Vaterlandes gefordert: »Nur Vereinigung, Liebe, Gefühl des Zusammengehörens macht glücklich, nicht die Hirngespinste der Verfassungskünstler, noch die Träume der Kommunisten. Ein Volk, das ... das Ziel seiner Tätigkeit darin findet, im eigenen Schoß zu wühlen, in Parteien zu zergehen, über Verfassung und Regierung zu hadern, das geht auf dem Weg des Verderbens. Einheit ist, was im Innern Not tut ... .« Aus diesen und weiteren Beiträgen jener Zeit spricht im Grunde eine »vordemokratische« Auffassung der Herausgeber, die offenbar tiefen Argwohn gegen jede Art von Volksaufstand und Umsturz hegten. Die Bewahrung der bestehenden Verhältnisse war ihnen wichtiger und die richtige christliche Gesinnung wesentlicher als bestimmte Verfassungsbestimmungen. In einem anderen Artikel warnt Christoph Hoffmann vor dem abschreckenden (laizistischen) Beispiel Frankreich, wo »der Staat sich nicht mehr um den Glauben kümmert«, und setzt Religionsfreiheit mit »Heidentum« gleich (SW 1846, S. 71 f.). Die - in konservativen Kreisen damals weitverbreitete, gegen »Liberale«, »Demokraten« und den »Zeitgeist« gerichtete - Haltung der Zeitschrift und ihrer Herausgeber wird auch in dem Artikel »Verfassung und Stände« vom Mai 1846 (SW 1846, S. 83 f.) deutlich, in dem »die Gesinnung des Gehorsams gegen die Obrigkeit als eine göttlich eingesetzte Ordnung« und als die »vom Christentum gegebene Grundlage« bezeichnet wird. Außerdem hält Hoffmann fest: »Das Reich Christi ist nicht von dieser Welt; daher hat weder Christus noch seine Apostel eine Anweisung gegeben, wie die Staaten eingerichtet werden sollen, sondern er hat die Form des Staatslebens dem eigenen Nachdenken und Tun der Menschen, dem Gang der Geschichte, überlassen. Aber sein Reich ist in dieser Welt und zum Heil dieser Welt, also auch des Völker- und Staatslebens bestimmt. ... Keine Verfassungsform ist an sich christlich oder unchristlich. ... Die Gesinnung gegen die Staatsordnung, die die heilige Schrift fordert, (kann) leichter in der Monarchie als in der Republik erzeugt werden ... . Deswegen haben wir den Liberalismus als eine Pflanzschule des Unglaubens von jeher bezeichnet. ...« Elliott: Frankfurter Nationalversammlung 1848 (Quelle: Wikimedia Commons)Diese konservative Haltung vertrat Christoph Hoffmann auch als Abgeordneter in der Nationalversammlung; aber bereits im März 1849 legte er sein Mandat nieder, nicht zuletzt, weil er mit seiner Forderung nach einem dezidiert christlichen Staat nicht durchdrang. Die alarmierenden Nach­richten von Unruhen in Frankreich und in Baden lie­ßen ihn das Schlimmste befürchten: »Ich stellte mir als sicher zu erwartende Entwicklung vor, dass ir­gend eine entschieden antichristliche Richtung der Gewalt in Deutschland sich bemächtigen und be­sonders schonungslos gegen Kirche und Christen­tum jeder Art wüten würde, wie ich es ... nach meiner damaligen Auffassung der Weissagung denken musste. Innerhalb des protestantischen Deutschlands ... konnte ich mir keinen siche­ren Zufluchtsort vorstellen, nachdem die Staatsoberhäupter (von Preußen und Österreich) sich von dem Staat auf religiöser Grundlage losgesagt und dem früher so heftig bekämpften Liberalismus die Pforten geöffnet hatten. ...« (Mein Weg ..., Bd. 2, S. 243). Folgerichtig trat Christoph Hoffmann in den Beratungen nun für eine völlige Trennung von Staat und Kirche ein; statt der früher hochgehaltenen Staatskirche befürwortete er jetzt eine »freie Kirche« auf rein biblischer Grundlage und strebte ein neues Ziel an: »Mir erschien die ganze nunmehrige Ordnung der Dinge mit ihren staatlichen Verhältnissen und Parteiungen als ein großes Babel, ... von dem man nie eine wahre Befriedigung hoffen könne. Indem ich diese Gedanken weiter verfolgte, fand ich in der Weissagung ein vollkommeneres Ziel, nämlich auf die Aufrichtung und Herstellung des Reiches Gottes auf Erden« (Mein Weg ..., Bd. 2, S. 244). Noch in Frankfurt begann Hoffmann mit der kleinen Schrift »Stimmen der Weissagung über Babel und das Volk Gottes«. Und wenige Jahre später war auch der neue Zielort klar: Jerusalem.

Jörg Klingbeil

Den ganzen Menschen erziehen

100 Jahre Waldorfschulen

Am 7. September sind es genau hundert Jahre her, dass im Stuttgarter Osten an der Hauß­mannstraße (damals: Kanonenweg) die erste Freie Waldorfschule eröffnet wurde. Diese schulische Einrichtung zur freiheitlichen Entfaltung persönlicher Fähigkeiten im Menschen hat seither viele Nachahmer gefunden. In Europa und Übersee gibt es inzwischen viele Hunderte solcher Waldorfschulen (in Stuttgart schon fünf, die letzte ist erst kürzlich durch die Silber­waldschule hinzugekommen).

Mit dieser Schule hat der Stuttgarter Industrielle Emil Molt (1876-1936) das Prinzip sozialer Gerechtigkeit im Bildungswesen verwirklicht. Als erste Gesamtschule hat die Waldorfschule den mit dem vertikalen Schulsystem verbundenen Grundsatz der Auslese durch eine Päda­gogik der Förderung ersetzt. Erstes Gebäude der Waldorfschule Uhlandshöhe um 1930Alle Schüler und Schülerinnen durchlaufen in sozialer Koedukation ohne Sitzenbleiben 12 Schuljahre. Neben dem fachbezogenen Unterricht gibt es einen vielseitigen künstlerischen Unterricht (Musik, Malen, Zeichnen, Ausdruckstanz) sowie einen handwerklichen Unter­richt (Holzbearbeitung, Töpfern, Gartenbau). Die Waldorfschulen haben das von den staatlichen Schulen praktizierte Zensuren-System abgeschafft. Die Zeugnisse bestehen aus detaillierten Charakte­risierungen, die die Leistung, den Leistungsfort­schritt, die Begabung und das Bemühen des Schü­lers oder der Schülerin durchsichtig machen. Die Schüler schließen die Schule mit der Mittleren Rei­fe, der Fachhochschulreife oder dem Abitur (nach dem 13. Schuljahr) gemäß den in den Bundesländern jeweils geltenden Regeln ab. Als ehemaliger Schüler der Waldorfschule habe ich die vielfältigen kreativen Anregungen der Waldorf-Pädagogik noch in guter und dankbarer Erinnerung. Heute noch kann ich auch noch manchen Morgenspruch aufsagen (wie z.B. Goethes Türmerlied), der damals täglich vor Beginn des Unterrichts von der ganzen Klasse deklamiert worden war.

Die Verwirklichung der ersten Freien Waldorfschule war dem jahrelangen zielstrebigen Einsatz des Unternehmers Emil Molt zu verdanken gewesen. Als Besitzer und Firmenchef der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria Hamburg-Stuttgart in der Hackstraße suchte er nach Möglich­keiten, wie die Familien seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Jahren des Ersten Weltkriegs und danach aus den Zwängen sozialer Not befreit werden könnten. Er setzte große Teile seines Privatvermögens damals für den Erwerb von Grundstücken an der Uhlandshöhe und ihre Bebauung mit Schulgebäuden ein (ein auf dem Gelände schon vorhandenes Gebäude, das Café-Restaurant Uhlandshöhe, konnte er kostengünstig übernehmen). Seine Schule sollte unabhängig vom Staat durch Eltern und Lehrer gemeinsam verwaltet werden. Im Rückblick auf die Schulgründung sagte er zehn Jahre später:

»Wir wollten bescheiden, aber mit starkem Wollen beitragen zur Besserung der sozialen Verhältnisse. Es war wenig vorhanden, nur Mut und Wille, wenig Kinder, kein Gebäude, keine Lehrer, viel Arbeit. Es kommt in der Schule darauf an, dass wir ganze Menschen erziehen, solche, die nicht nur totes Kopfwissen haben, sondern vor allem soziales Empfinden für an­dere.«

Durch die Bekanntschaft mit dem österreichischen Theosophen Rudolf Steiner (1861-1925), dessen »Anthroposophie« ihn innerlich stark bewegte, und seine bereitwillige pädagogische Unterstützung entwickelte sich in der Schule (und in ihren späteren Nachfolge-Gründungen) die inzwischen bekannt gewordene »Waldorf-Pädagogik«. Im Sinne der »sozialen Drei­gliederung« versuchte Steiner, die Grundsätze von »Freiheit« in der Kultur, von »Gleichheit« in der politischen Gemeinschaft und von »Brüderlichkeit« im wirtschaftlichen Leben in die Praxis umzusetzen. Rudolf Steiner brachte seine »Allgemeine Menschenkunde als Grundlage der Pädagogik« in die Schule ein. Er nannte sie die »innere Gründung«.

Die geistige Entwicklung von Steiners Menschenkunde hatte durch viele Gespräche und Vortragsveranstaltungen ab 1911 im Neubau der Anthroposophischen Gesellschaft und dem Wohnort Steiners bei seinen Stuttgarter Aufenthalten in der Landhausstraße 70 stattgefunden. Dort vertrat er eine gleiche Grundbildung für alle Bevölkerungskreise, betonte die Notwendig­keit gründlicher Menschenerkenntnis für die Lehrerausbildung und als Ziel zukünftiger Waldorf-Pädagogik die Fähigkeit, vom Leben lernen zu können. Außerdem stellte er hier bereits den Epochenunterricht sowie die Notwendigkeit von Praktika in Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe vor. Wichtig war ihm eine notwendige Unterscheidung der Erziehungsprinzipien in den ersten drei Jahrsiebten: Nachahmung im ersten Jahrsiebt, Glaube an die Autorität im zweiten und Entwicklung sozialer Liebe im dritten Jahrsiebt.

Peter Lange

Schule - oder Demo

Seit Monaten gehen tausende Schüler freitags bundesweit auf die Straße, so auch in Baden-Württemberg, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Für eine bessere Zukunft, oder muss ich sagen, für eine Zukunft überhaupt! Ja, sie machen das nicht nur, aber überwiegend während der Schulzeit. Und genau deswegen zeigt ihre Bewegung Wirkung. Diese jungen Menschen, die aus meiner Sicht ihre berechtigte Sorge um die Zukunft ihres Lebens und die des Planeten überhaupt deutlich machen, zwingen die Erwachsenenwelt zum Nachdenken und zum Handeln. Es ist ihr Erfolg, dass auf diese Weise ihre Anliegen und Sorgen wahr­genommen werden. Und damit tatsächlich Bewegung in unsere Gesellschaft und in die Politik kommt. Wenn jetzt ernsthafte und ehrliche Bemühungen und Schritte ergriffen werden, den Klimawandel noch zu wenden, dann haben wir das zu einem ganz erheblichen Teil ihnen zu verdanken.

Und doch - es mangelt manchen »Führungspersönlichkeiten« an Einsicht und Erkenntnis der Dringlichkeit des Problems Klimawandel und dessen Folgen. Da erheben sich Stimmen aus Kultusministerien, diese Schüler wegen Schulschwänzens anzuzeigen, Bußgelbescheide zu verschicken. Natürlich gilt es die allgemeine Schulpflicht zu schützen. Aber - das sage ich als altgedienter Pädagoge - was ist eine Stunde Englisch oder Mathe oder ... gegen die Bewahrung der Schöpfung, die Rettung dieses Planeten? Vermutlich gibt es unter den demonstrierenden Schülern auch Mitläufer, die eher nur dem Unterricht fernbleiben wollen. Aber ich denke, dass die Mehrheit dieser jungen Menschen es ernst meinen und deswegen auch bereit wären, den Ausfall von wenigen Schulstunden freiwillig nachzuholen, wenn dieses Angebot bestünde, und den Stoff selbständig nachzuarbeiten, wenn man ihnen einen ehr­li­chen Dialog anbieten würde.

Mein Respekt gilt diesen jungen Menschen, weil ihr Engagement und ihre Ernsthaftigkeit tatsächlich versprechen, endlich Bewegung in das politische Handeln zu bringen. Sie erfüllen auch eine Pflicht in der Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft. So kann ich diesem Zitat einer Schülerin nur zustimmen, wenn sie sagt: »Politiker sollten nicht so viel über Pflicht sprechen, wenn sie ihre eigene Pflicht nicht erfüllen.« Ich schaue erwartungs- und hoff­nungsvoll auf den Fortgang dieser Bewegung »Fridays for Future.«

Wolfgang Blaich

NEUZUGANG IM TEMPLERARCHIV

Die Familie Katz aus Altensteig

Mit Freude dürfen wir wieder einen neuen familienkundlichen Zugang in unserem Tempel­archiv anzeigen:

Der Familienforscher Horst Blaich in Australien schickte uns ein Exemplar seines neuer­stellten, 268 Seiten starken englischsprachigen Familienbuches über die »Gerber- und Schuh­macher-Familie Katz aus Altensteig im Schwarzwald«.

1868 war ein Vertreter dieser Handwerker-Familie, Johann Jakob Katz, als Templer nach Haifa gekommen. Er gehörte zu den allerersten Siedlern der neugegründeten Tempel-Gemein­de dort und war den ins Land gekommenen Mitgliedern mit seinem erlernten Beruf eines Schuhmachers überaus dienlich. In dem Buch hat Horst Blaich in mühevoller Such- und Sammeltätigkeit die ab 1610 vorausgehenden und bis 2010 folgenden 12 Generationen der Familie Katz in Text und Bild mit ihren Lebensdaten beschrieben.

Zweifellos ist dieses neue Familienbuch eine wertvolle Ergänzung unserer Sammlung von Lebensgeschichten von Tempelmitgliedern der Palästina-Generation. Die Lebensdaten der einzelnen Familienmitglieder hat der Autor mit vielen biografischen Notizen bereichert und so jeder Person ein besonderes Profil gegeben. Eingehend ist er auch auf das durch Generatio­nen der Katz-Familie hindurch verfolgte Berufsbild der Gerber und Schuster der Stadt Altensteig eingegangen und hat die frühere Bedeutung der Handwerker-Zünfte hervorgeho­ben.

Das Buch beschreibt auch, dass es in der Familie Katz nicht in allen Fällen beim Tempel-Glauben geblieben ist, sondern dass Teile der Familie zur Evangelischen Kirche zurückgekehrt sind und andere sich dem Mormonen-Glauben zugewandt haben. Unter den dem Tempel treu gebliebenen Mitglieder hat es zahlreiche geistig und religiös verantwortlich tätige Persönlich­keiten gegeben, wie zum Beispiel den Architekten Willy Blaich (1931-1990), der die Pläne für die Erbauung des Alten- und Pflegeheims in Bayswater erstellte, oder den 16 Jahre lang in diesen Einrichtungen als Heimleiter tätigen Walter Burkhardt (1936-2003). Unvergessen sind auch die im Ältestendienst in Palästina tätigen Imanuel Katz (1871-1954) in der Gemeinde Haifa und sein Sohn Imanuel Katz jun. (1896-1969) in den Gemeinden Wilhelma, Betlehem, Zypern und Bentleigh. Ihnen sind im Buch längere Beschreibungen und Texte gewidmet. Außerordentlich wertvoll sind die im Buch veröffentlichten zahlreichen Foto-Bilder aus älterer und neuerer Zeit.

Wie Horst Blaich schreibt, hat er mehrere Jahrzehnte an diesem Familienbuch gearbeitet. Beweggrund war immer seine Mutter gewesen, der er diese Arbeit widmete und die er so für ihr ganzes, von vielen Erschütterungen geprägtes Leben ehren wollte. Es ist ihm damit ein Werk von bleibendem Wert gelungen.

Peter Lange

Aktuell
Morgenfeier am 17. November
Nikolausmarkt am 7. Dezember
150 Jahre Siedlung der württembergi­schen Templer in Palästina
Jüdische Kulturwochen in Stuttgart
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