Die Warte des Tempels
Monatsschrift für offenes Christentum
Ausgabe 165/9 - September 2009
Religion in der Schule?
Der Streit in Berlin und die allgemeinen Probleme
Ende April hat in Berlin eine Bürgerinitiative zu einem Volksbegehren aufgerufen, das den Senat zwingen sollte, Religion zum "ordentlichen" Schulfach zu machen. Die dafür notwendigen 600.000 Stimmen kamen nicht zusammen. Damit war das Volksbegehren (einstweilen) gescheitert, und damit könnte der Fall erledigt sein.
Es hat aber nicht nur in Berlin zu erbitterten Auseinandersetzungen geführt, sondern auch dazu, dass über Religionsunterricht - und damit indirekt über den Status von Religion in unserer Gesellschaft - berichtet wurde.
Deutlich wurde dabei ein nach wie vor enormer Unterschied zwischen östlichen und westlichen Bundesländern. Überall im Westen (außer in Bremen) ist Religion normales Schulfach, in den Stundenplan integriert, mit versetzungsrelevanten Noten (allerdings habe ich in 30 Schuljahren nicht erlebt, dass jemand in Religion eine Fünf bekam); konfessionell getrennt in evangelisch und katholisch; die Lehrpläne werden von den Kirchen erstellt, die Lehrer vom Staat angestellt und bezahlt, jede Seite hat gegebenenfalls gegenüber der anderen ein Einspruchsrecht. Das wurde bei den Beratungen zum Grundgesetz 1949 so festgelegt. Da man niemand zum Religionsunterricht zwingen kann, wurde (meines Wissens später) für Konfessionslose und Andersgläubige das Fach Ethik (das auch andere Namen haben kann, z.B. in Brandenburg »Lebenskunde, Ethik, Religionskunde« - das beschreibt in etwa die Inhalte) eingeführt, ebenfalls als ordentliches Schulfach, eines von den dreien ist für jeden Schüler Pflicht. Nach der Vereinigung haben die östlichen Länder außer Berlin dieses Schema in etwa übernommen.
Aber die Praxis ist deutlich verschieden. Im Westen wählen im Schnitt zwei Drittel aller Schüler Religion (in meiner Schule waren es deutlich mehr) , im Osten entscheiden sich drei Viertel für Ethik. In vielen Schulen kann konfessioneller Religionsunterricht nicht erteilt werden, weil sich nicht genügend Schüler dafür finden.
Das macht deutlich, wie stark das Verhältnis zur Religion vom gesellschaftlichen Umfeld geprägt ist. In der DDR waren alle Lehrer auf den "wissenschaftlichen" Atheismus verpflichtet. Wer sich davon distanzierte, konnte nicht Lehrer sein. In der Schule - und im öffentlichen Raum sowieso - kam Religion nicht vor. An ihre Stelle sollte der "Glaube" an den Marxismus-Leninismus treten. Der wurde zwar von der Mehrheit der Bevölkerung schon immer abgelehnt und ist inzwischen in sich zusammengebrochen - aber die Religionsferne, die er erzwungen hat, ist geblieben.
Zwar belegen inzwischen eine Reihe von Untersuchungen, dass religiöse Menschen, statistisch gesehen, mit Krankheiten und Schicksalschlägen besser fertig werden, dass religiöse Gemeinschaften einen stärkeren Zusammenhalt entwickeln als nichtreligiöse - aber trotzdem scheint es, dass zumindest heutige Menschen nicht von sich aus ein religiöses Gefühl oder Bedürfnis entwickeln.
Am Beispiel Berlin: dort ist Religionsunterricht zwar nicht prinzipiell aus der Schule verbannt, aber es gibt ihn nur freiwillig und er findet außerhalb des normalen Stundenplans statt, d.h. am Nachmittag. Das bedeutet eine Hürde, die offenbar den meisten Schülern oder Eltern zu hoch ist.
Das Grundgesetz garantiert einerseits die Freiheit der Religionsausübung, also auch des Religionsunterrichts. Andererseits hat der Staat das Recht und die Pflicht, dafür zu sorgen, dass keine Grundsätze gelehrt werden, die im Widerspruch zur Verfassung stehen. Das aber ist nur möglich, wenn er zumindest Einblick hat in den Religionsunterricht und gegebenenfalls auch ein Vetorecht.
Außerdem ist der Staat dem Gleichheitsgrundsatz verpflichtet. Wenn Religion ordentliches Schulfach ist, haben alle Religionen, ob groß oder klein, Anspruch auf die gleichen Regeln, die für die Großkirchen gelten, s.o.: vom Staat bezahlte Lehrer, mit dem Staat abgestimmte Lehrpläne, Unterricht im normalen Stundenplan - überall dort, wo sie genügend Schüler und Lehrer dafür stellen können, und sei es nur in wenigen Gemeinden. So gibt es z.B. in den Schulen mancher Bundesländer Religionsunterricht von bis zu zehn Glaubensrichtungen: neben Katholiken und Protestanten Juden, Altkatholiken, Neuapostolische, vier Gruppen von Christlich-Orthodoxen, Aleviten (selbständige Form eines toleranten Islam).
"Normale" Muslime gehören nicht dazu; nicht, weil man ihnen dieses Recht vorenthalten wollte, sondern weil sie nicht organisiert sind. Es gibt viele verschiedene islamische Richtungen (von denen manche im Verdacht der Verfassungsfeindlichkeit stehen) und keine von allen anerkannte Autorität, mit der der Staat sich auf die oben genannten Regeln einigen könnte. So erfolgt Islam-Unterricht außerhalb der Schule, am Nachmittag, auf türkisch (das viele Schüler schlecht verstehen), durch Imame, die von der Regierung (!) in Ankara entsendet und bezahlt werden, meist kein Deutsch sprechen, die hiesigen Verhältnisse nicht kennen und nach wenigen Jahren ausgewechselt werden. Mit diesem Zustand ist hier niemand zufrieden: die meisten Eltern nicht, wohl weil sie keinen guten Eindruck von diesem Unterricht haben, die deutschen Länder nicht, weil sie keinerlei Einblick haben in das, was da gelehrt wird.
In Baden-Württemberg und ähnlich in Niedersachsen wird gerade eine Lösung auf lokaler Ebene erprobt: an zwölf Grundschulen hat die jeweilige Schulleitung, mit gewählten Vertretern der muslimischen Eltern die betreffenden Regeln (Lehrer, Lehrpläne u.s.w.) für einen Islam-Unterricht auf deutsch im Rahmen der Schule ausgehandelt und festgelegt. Wenn das funktioniert, würde es wohl in mehr als einer Hinsicht der Integration der Muslime förderlich sein.
Eine interessante Variante zu beiden Problemen - Religion/Ethik und Islam-unterricht - gibt es in Hamburg. Dort bietet (wohl neben Ethik) die evangelische Kirche einen »Religionsunterricht für alle«, in dem ethische und religiöse Fragen aus der Perspektive verschiedener Glaubensrichtungen behandelt werden; an der Gestaltung des Lehrplanes arbeiten Christen, Juden, Muslime und Buddhisten zusammen. Nur die katholische Kirche beteiligt sich nicht (und setzt stattdessen auf die dort wohl besonders zahlreichen katholischen Privatschulen). Leider wird nicht gesagt, seit wann es dieses Angebot gibt und wie groß die Akzeptanz ist.
Erst seit einigen Jahren gibt es einige Studien zu Praxis und "Erfolg" von Religionsunterricht. Beides ist schwer zu "messen": was und wie in einer Unterrichtsstunde gelehrt wird, weiß nur der Lehrer, und was davon bei den Schülern ankommt, kann individuell ganz verschieden sein. Und das Ziel ist, anders als bei anderen Fächern, nur zum kleineren Teil abfragbares religiöses Wissen, zum größeren eine Lebenshaltung, z.B. »über Wert und Sinn des Lebens zu reflektieren« (Berliner Rahmenplan) und »Erziehung zu Toleranz und Nächstenliebe«. Messen lässt sich das kaum. Immerhin ergaben Befragungen von Schülern und Lehrern einige interessante Einblicke.
In Berlin und Brandenburg wurden 1.600 Fünfzehnjährige zu ihrem Wissen und Verständnis der eigenen Religion und der anderen Hochreligionen befragt (das gehört sowohl im Ethik- als auch im Religionsunterricht zum Lehrstoff). Diejenigen, die Religion gewählt hatten, waren den Ethikschülern weit überlegen (z.T. um 3-4 Lehrjahre). Und, was vielleicht noch wichtiger ist, sie waren anderen Religionen gegenüber offener. Das könnte damit zusammenhängen, dass die Religions-Schüler (dort eine Minderheit, s.o.) das Fach bewusst gewählt hatten, weil sie sich für religiöse Fragen interessierten, und deshalb sich stärker dafür engagierten (vielleicht gilt das auch für die Lehrer).
In Niedersachsen und Baden-Württemberg wurden evangelische und katholische Religionslehrer zu ihrer Einstellung zu ihrem Fach befragt (wie viele, wird leider nicht gesagt). Fast alle lehnten religiöse Indoktrination strikt ab. Sie verstehen sich nicht als Vertreter ihrer Kirche in der Schule, sondern wollen den Schülern "helfen, eine eigene Religiosität zu entwickeln". Der Unterricht sei umso lebendiger, je offener Probleme (u.U. auch die des Lehrers) angesprochen werden. Ein Beispiel: die offizielle katholische Lehre, dass die Kirche heilsnotwendig sei, wird von mehr als der Hälfte der katholischen Religionslehrer abgelehnt, auch im Unterricht.
Das sind Durchschnittszahlen. Die konkreten Fälle können ganz anders aussehen. Der Niveauunterschied zwischen Schulen und bei Lehrern sei größer als in anderen Fächern. Das ist nicht verwunderlich: in einem Fach, in dem es nicht primär um Wissensvermittlung geht, spielen Haltung, Engagement, Unterrichtsstil des Lehrers eine größere Rolle.
Einige Studien befassen sich mit der Einstellung der Schüler zu dem Fach. Ergebnis: in der Grundschule (Klasse 1-4, bzw. 1-6, je nach Bundesland) ist Religion, neben Sport und Musik, das beliebteste Fach. Das kann daher rühren, dass ohne engen Wissenskanon kindgemäßer unterrichtet werden kann (z.B. Erzählen, Nachspielen, Malen biblischer Geschichten u.a.). Es hat aber vielleicht auch damit zu tun, dass Kinder in diesem Alter noch ein unbefangenes Verhältnis zum Übersinnlichen, zur Religion haben, von Schutzengeln und Christkind bis hin zum Gebet.
Mit der Pubertät lässt das Interesse rapide nach, Religion zählt zu den wenig beliebten Fächern. Immerhin sagt noch etwa die Hälfte der Schüler, sie hätten viel über andere Religionen gelernt, aber nur ein Viertel, dass sie etwas gelernt hätten, was für ihr eigenes Leben wichtig sei. Am Ende der Schulzeit bezeichnen sich nur 18% der Schüler als "kirchennah". Beeindruckt hat mich die Aussage eines Schülers: durch den Unterricht in seiner Religion habe er gelernt, andere Religionen besser zu verstehen.
Nach dieser Übersicht schneidet der Religionsunterricht an deutschen Schulen recht positiv ab. Er scheint, entgegen vielen Vorurteilen, Toleranz und Verständnis zu fördern. Trotzdem bleibt die Grundsatzfrage: Gehört Religion in die Schule? Für Puristen müsste die Antwort nein heißen. Wir sind inzwischen eine multiethnische und damit multireligiöse Gesellschaft, mit einem - zumindest im Osten - hohen Prozentsatz an Agnostikern, Atheisten, Gleichgültigen.
Also müsste der Staat, in dem alle Bürger gleichberechtigt sein sollten, zu allen den gleichen Abstand wahren: Religion ist Privatsache und gehört nicht in die Schule. In Frankreich z.B. wird das rigoros praktiziert. Es scheint logisch und vernünftig.
Trotzdem erscheint mir die deutsche "unsaubere" Lösung eines Kompromisses und einer Zusammenarbeit von Staat und Religionsgemeinschaften besser; und das nicht nur aus den verfassungsrechtlichen Gründen, die ich am Islam-Unterricht zu zeigen versucht habe. Mir erscheint noch etwas anderes wichtig. Dass der Glaube an eine höhere Macht, die uns trägt, Kraft geben kann und ein Gefühl der Geborgenheit, zeigen empirische Untersuchungen (natürlich wieder nur statistisch gesehen, nicht in jedem Einzelfall).
Kinder sind dafür empfänglicher als Erwachsene, s.o. Und deshalb ist es vielleicht gut, wenn möglichst viele Kinder das einmal vermittelt bekommen (auch, wenn das natürlich nicht in jedem Religionsunterricht gelingt). Auch wenn sie sich später von ihrer Religion abwenden - vielleicht bleibt bei manchen doch unbewusst etwas hängen von dem, was wesentlich ist: ein Ja zum Leben und zur Schöpfung, Vertrauen in einen Sinn, auch wenn er nicht offen erkennbar ist, ein Gefühl der Verantwortung. Und dafür bietet ein "ordentlicher" Religionsunterricht mit zwei Wochenstunden über etliche Jahre einen solideren Rahmen als ein "privater", zu dem man gehen kann oder auch nicht - und die Mitwirkung des Staates eine gewisse, beschränkte Gewähr für die Qualität des Unterrichts.
Messen und beweisen lässt sich das alles nicht. Vielleicht "gehört" Religionsunterricht nicht unbedingt in die Schule, aber mir scheint es besser, dass möglichst viel davon dort bleibt.
Brigitte Hoffmann
BIBELWORTE - NÄHER BETRACHTET
Der Besessene von Gerasa
19 ... Geh in dein Haus zu den Deinen und verkünde ihnen, welch große Wohltat dir der Herr getan und wie er sich deiner erbarmt hat. (Markus 5, 1-20)
Auch in diesem Jahr war ich wieder in Kursi, jenem Ort am östlichen Ufer des See Genezareth, an den die Heilung des Besessenen von Gerasa verlegt wird - obwohl der Ort Gerasa (Jerash) etwa 50 Kilometer weit weg vom See liegt und Matthäus diese Geschichte daher nach Gadera verlegt.
Sehr wahrscheinlich ist die Erzählung durch spätere Hinzufügungen zu der skurrilen Geschichte geworden, die uns heute hier vorliegt: Jesus schickt die dem Manne innewohnenden Dämonen zwar nicht von sich aus in die Schweineherde, sondern diese fragen ihn, ob sie in die Schweine fahren dürfen. Als Jesus es ihnen erlaubt, fahren sie in die Herde ein, in etwa 2000 Tiere - so viele waren nötig um die große Übermacht an Dämonen aufzunehmen! -, die sich in den See stürzen und ersaufen. Für einen jüdischen Erzähler liegt es nahe, dass ein unreiner Geist in als unrein geltende Tiere fährt.
Aber wie so oft, geht es bei dieser Geschichte nicht um dieses Detail, das so ausführlich beschrieben wird. Es geht vor allem darum, dass Jesus einem Menschen hilft, der einem derartigen Wahn verfallen ist, dass er sich von der Gesellschaft abgesondert hat und unter zwanghaften Anfällen von Selbstzerstörung völlig isoliert lebt.
Anders als in anderen Heilungswundern bittet nicht der Kranke Jesus um Hilfe, sondern die Initiative geht von Jesus aus. Zunächst befürchtet der Mann offenbar, dass auch Jesu vermeintliche Hilfe darin bestehen würde, ihn zu fesseln oder in Ketten zu legen, wie er es zuvor schon häufig erlebt hatte - und so bittet er: Quäle mich nicht! Aber die Begegnung mit Jesus, Jesu Frage nach seinem Namen, d.h. nach dem, wer er sei, bewirkt die Veränderung. Die blumige Erzählung von der Austreibung der Dämonen soll das für alle nicht fassbare Geschehen dieser wundersamen Heilung bildhaft erklären.
Als Jesus wieder in das Boot steigt, mit dem er gekommen war, möchte der Geheilte ihn begleiten. Doch Jesus lässt das nicht zu, sondern fordert ihn mit den oben zitierten Worten auf, seine Heilung als Wirken Gottes an ihm zu verkünden und zu bezeugen. Für Jesus ist es immer Gottes Kraft, die durch ihn wirkt - und Jesus wird nicht müde, darauf hinzuweisen. Manchmal verbietet er das Weitererzählen sogar. Die Heilungswunder sind grundsätzlich Beispiele dafür, wie eng für Jesus die Zuwendung zum Menschen mit der Zuwendung zu Gott verbunden ist - er vermittelt nur den Zugang: dein Glaube hat dir geholfen.
Karin Klingbeil
Jugendliche - Spiegel unserer Gesellschaft? (Teil 2)
Fortsetzung und Ende der Titelgeschichte der Juli/August - »Warte«
Die Maßstäbe, von denen Anselm Grün sprach, finden wir vor allem in der Bergpredigt Jesu. Es ist dann aber besonders der Apostel Paulus, der in seinem Römerbrief eine "Handreichung" an die Gemeinden liefert, Empfehlungen und Mahnungen zur Gestaltung eines Zusammenlebens im Geiste Jesu.
Peter Lange hat im Bibelwort der Mai-Ausgabe der »Warte« schon eine Betrachtung geschrieben, weswegen ich hier nur kurz darauf eingehe. Im Wesentlichen greift Paulus die Botschaft der Bergpredigt auf und gibt diese in seinen Worten wieder.
Peter Lange fasst das folgendermaßen zusammen: »Es ist ein Wort ...« (vgl. »Warte« 5/09).
Was kann eine Gemeinde, die in diesem Sinne zu leben versucht, ihren Kindern und deren Nachkommen geben?
Kann sie ihnen eine andere Sicht, ein anderes Weltbild vermitteln, ein Weltbild, das sie von dem der Gesellschaft unabhängiger macht? Was können wir tun, um den Einfluss schädlicher virtueller Welten zu mindern? Was können wir tun, dass sie gesund an Leib und Seele aufwachsen können? Wie können wir den Heranwachsenden die Augen öffnen für die reale Welt, besonders für das Schöne der Schöpfung Gottes? Wie können wir sie zu ihrer eigenen gestaltenden Kreativität bringen?
Im Markus-Evangelium wird die Begebenheit geschildert, wo Jesus sagt »Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht.« Diese Bibelstelle ist für mich eine wichtige, sogar notwendige Ergänzung zum Paulus. Dieses Bild zeigt, wie wichtig ihm die Kinder sind, er misst ihnen eine große Wertschätzung bei und stellt sie in den Mittelpunkt. Jesus nimmt sie ernst und wichtig ganz als Kinder wie sie sind mit offenen Augen, offenen Ohren, offenen Herzen. Er schließt sie in seine Arme, er gibt ihnen Schutz und Geborgenheit. Er zeigt uns damit: Diese Kinder müssen geschützt werden wie eine junge Pflanze. Sie braucht einen günstigen Platz, sie muss gepflegt werden, bis sie Wurzeln gefasst hat und einen stabilen Wuchs erreicht hat. Sie braucht Sonne, aber nicht zu viel, und Schatten gegen übermäßige Sonneneinstrahlung. Eine ausgewachsene Pflanze sorgt dann für sich selbst und kann Früchte tragen.
Ich denke gerade wir Tempelgemeinden haben dieses Bild schon immer verstanden: Auf dem Kirschenhardthof und in den Kolonien ist die Erziehung der Kinder immer ein wichtiges Anliegen gewesen und man hat - auch in schweren Zeiten - viel Kraft und Mittel dafür aufgebracht. Selbst auf dem kleinen Weiler Kirschenhardthof wurde durch die zielgerichtete Arbeit der Tempelgründer eine Lehranstalt eingerichtet und geführt, die weit über die Grenzen des Weilers einen guten Ruf hatte. Und diese Anstrengungen einer guten Erziehungsarbeit wurden in den Siedlungen in Palästina fortgesetzt. Dabei haben die Umstände der Wohn- und Lebensverhältnisse günstige Bedingungen geschaffen - das Familien- und Gemeindeleben bildete einen Schutzraum, in welchem Kinder unbeschwert und ungefährdet aufwachsen konnten.
Die Umstände haben sich für die Tempelgemeinden hier und in Australien verändert. Und dennoch meine ich, dass wir immer noch, gerade auch als zahlenmäßig kleine Gemeinden, gute Chancen haben, für unsere Kinder und Jugendlichen zu sorgen. Denn ich empfinde unser Gemeindeleben auch heute noch strukturell als Großfamilie. Das Sich-Kennen vermittelt Vertrautheit und bietet Bindung. Durch die persönlichen Kontakte ist damit auch die Möglichkeit zu einer Jugendarbeit gegeben, einer Jugendarbeit, die soziale Bindungen schafft, kreatives Gestalten erlaubt und wesentliche Inhalte unseres Gemeindeverständnisses vermitteln kann. Traditionell war immer Erziehung und die Jugendarbeit ein wesentliches Anliegen.
Bei meinem Besuch in Australien konnte ich die rege Jugendarbeit kennenlernen und Einblicke in das reiche Jugendprogramm gewinnen.
Ich war bei einem Kindergottesdienst anwesend, den Christine Ruff mit ca. acht Kindern gestaltete. Das Beeindruckende und Nachahmenswerte daran war - die Kinder haben eine schöne Geschichte aus dem Stegreif szenisch gestaltet. Bei ihnen wie bei uns gilt es diese Jugendarbeit zu bewahren und durch gemeinsame Anstrengungen zu verstärken. Freizeitangebote, wie z.B. Aufführungen bei der Weihnachtsfeier, Ferienlager, Konfirmandenunterricht, Jugendgottesdienste und Jugendseminare sind wichtige Bausteine, aber es sind bestimmt noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, unseren Kindern ein kreatives und persönlich förderndes Kontrastangebot gegenüber Medienangeboten und gegen das Alleinsein zu bieten. Unsere gemeinsame Anstrengung ist gefordert als Mitglied, als Teil unserer Großfamilie, dieser Aufgabe zu folgen. Lasst uns bemüht sein, unsere Aufmerksamkeit, unsere positiven Gedanken diesem Ziel zu widmen. So engagiert wie wir vorgehen, um unsere Kinder und Jugendliche für die Angebote zu interessieren und zur Teilnahme bzw. Mitarbeit zu gewinnen, so positiv wird sich uns das Resultat zeigen. Und trägt zur Hoffnung bei, dass unsere Gemeinde einen Fortbestand haben kann. Das geschieht zum Wohl unserer Kinder und Jugendlichen, und es geschieht zum Wohle unserer Gemeinde.
Wolfgang Blaich
KLEINE GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE
Die drei Pappeln der Rothackers
Wogende Getreidefelder ziehen sich weit hin über die östlichen Hänge der Landgemeinde Schwieberdingen unweit von Stuttgart. Kein Wald weit und breit. Doch dann - mittendrin im fruchtbaren Ackerland - ein schattenspendendes Pappelgehölz. Davor am Weg ein kleines Wiesenstück. Dort, wird mir gesagt, findet einmal im Jahr im Juli der Erntebittgottesdienst der Schwieberdinger Bauersleute statt. Ich trage mich mit dem Gedanken, an einer solch besonderen Andachtstunde im Freien einmal teilzunehmen, und frage wegen des Ortes nach: Warum wohl gerade dort? Die Antwort gibt mir zu meiner Überraschung Hinweise zu unserer Templergeschichte:
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte es im weitgehend pietistisch geprägten Schwieberdingen einen besonderen Gesprächsstoff gegeben. Von den Jerusalemsfreunden aus Ludwigsburg war die Kunde von einem geplanten Auswanderungszug ins Heilige Land verbreitet worden. Und drei Geschwister der Familie Rothacker - Ludwig, Jakob und Katherine - waren um das Jahr 1870 tatsächlich diesem Ruf der Tempelführer gefolgt und zusammen mit anderen nach Haifa gezogen. Die Familie hatte die jungen Leute schweren Herzens ziehen lassen müssen.
Zum Gedenken an seine Geschwister hatte der zuhause gebliebene Bruder Johann Friedrich dann mitten in den Feldfluren der Familie drei Pappeln gepflanzt - für jeden in die weite Ferne Gezogenen eine.
Aus dem alten Wurzelwerk sind in der Zwischenzeit schon üppig junge Pappeln nachgewachsen; bis heute ist ein schattiges Wäldchen daraus geworden. Immer noch rauschen die vielen Pappelblätter im Wind, wie damals zum Abschied der Rothacker-Geschwister.
Nachkommen der Ausgewanderten sind in der jüngeren Zeit wieder zu Besuch in Schwieberdingen gewesen (Katherine hatte in Haifa den Schuhmacher Jakob Katz aus Altensteig geheiratet, Ludwig die Margarethe Hessenthaler. Ein weiterer junger Schwieberdinger, Carl Wagner, war bei Ludwig Rothacker in dessen Landwirtschaft in Haifa gearbeitet).
Als ich den Weg zur Pappelgruppe antrete, um an historischer Stelle die Andachtsstunde zwischen Korn und Mais zu erleben, werde ich leider enttäuscht: Gewitterwolken ziehen auf, und der Abendgottesdienst muss in die Kirche verlegt werden. Doch meine Gedanken weilen während der Predigt noch lange in der Vergangenheit bei den Menschen, die einst ins Ungewisse gezogen waren, weil ihnen ein Mitwirken am gemeinschaftlichen Siedlungswerk so viel bedeutet hatte.
Peter Lange
Mysteriöser Mythos (Teil 2)
Fortsetzung des Rückblicks auf das Wochenend-Seminar auf dem Schönblick
Die Tantaliden
Jörg Klingbeil übernahm es, uns den in weiten Teilen blutrünstigen Mythos der Tantaliden näherzubringen.
Dieser Einzelmythos aus dem komplexen griechischen Götterkosmos beschreibt, wie ein großer Herrscher, Halbgott und Liebling der Götter, Tantalos, größenwahnsinnig wird und die Götter herausfordert. Er stellt deren Allwissenheit in Frage. Um (sich) dies zu beweisen lädt er den gesamten Olymp in seinen Palast zu einem Festmahl ein, bei dem es neben erlesenen Gerichten auch Sohn Pelops zu verspeisen gibt. Die Götter bemerken den Schwindel und weisen die Speise empört zurück. Lediglich Demeter ist persönlich etwas abgelenkt und fängt schon mal mit der Schulter an.
Zeus ließ Pelops wieder zusammensetzen, die bereits verspeiste Schulter musste jedoch aus Elfenbein nachgeformt werden. Diese von nun an helle Stelle vererbte sich und war das Stigma aller nachfolgenden Tantaliden. Der Missetäter selbst wurde in den Hades verbannt, wo er auf ewig die nach ihm benannten Qualen zu erdulden hatte.
Abschließend verfluchten die Götter noch die ganze Sippe: Jeder Nachfahre sollte verdammt sein, ein Familienmitglied zu töten, mit den entsprechenden Komplikationen und Kollateralschäden. Fünf Generationen lang türmten sich nun die Tragödien, indem sich Gewalt und von den Göttern empfohlene Sühneaktionen abwechselten, bis endlich nur noch Orest übrig war, der neunzigjährig vergleichsweise harmlos an einem Schlangenbiss starb.
Elemente und Zusammenhänge aus der Griechischen Mythologie inspirierten von jeher die Dichter. Allerdings waren die Einzelheiten den gebildeten Menschen früherer Epochen präsent und damit als Symbolik aussagekräftiger. Heute kennt man gerade noch die Symbolik eben dieser Tantalusqualen, des Ödipuskomplexes oder vielleicht noch der Sisyphusarbeit.
Radikalkur: Sintfluten
Der nächste Mythenkreis wurde mittels des noch warmen Beamers von Eugen Pankratz vorgestellt: die Sintfluten. Derer gibt es etliche. Von den Altbabyloniern über die Juden bis hin zu den Griechen, aber auch bei den Chinesen und Indern. Eigentlich in allen Kulturen.
Wir kennen die unsere sehr genau, da sie in der Bibel detailreich und nachvollziehbar beschrieben wird, vor allem bezüglich der Vorgeschichte. Der Nutzen bleibt uns allerdings verborgen. Die Geschichte seither zeigt, dass auch nach dem "Neustart" der Mensch der geblieben ist, der er war: unberechenbar.
Bei Eugens Gegenüberstellung der entsprechenden Stellen in Bibel und Gilgamesch-Epos zeigten sich verblüffende Gemeinsamkeiten, bis hin zu Details, wie die Entsendung des Rabens als Test, ob die Aktion "gelaufen sei". In beiden Fällen kam der Rabe nicht zurück, allerdings aus verschiedenen Gründen.
Man könnte sich durchaus fragen, ob es sich bei der Sintflut nicht doch um ein globales Ereignis und nicht (nur) um eine symbolischen Akt handelte. Für große Fluten gibt es zwar viele Theorien und zugeordnete Katastrophen, für eine weltumspannende Überflutung nicht.
Wie wir am Anfang jedoch schon festgestellt hatten, ist es für den Mythos unerheblich, ober er einer historischen Tatsache entsprang (Geschichte) oder überhaupt physisch möglich ist (Sage), entscheidend ist der emotional-exemplarische Wahrheitsgehalt.
Wir sehen heutzutage in dem Mythos Sintflut nur einen Mega-Tsunami, den eine kleine Gruppe auf einen Tipp hin überlebte. Die Sensation steht im Vordergrund. Für die Menschen der Bibel war er ein Symbol für das Weiterbestehen der Menschheit.
In der heutigen Klimasituation sehen wir übrigens die Möglichkeit einer globalen Auslöschung der Menschheit durchaus wieder etwas konkreter.
Gottesoffenbarung am Sinai
Nach diesem exzessiv nassen Mythos berichtete uns Peter Lange über eine eher heiße Begebenheit: der Gottesoffenbarung des Mose am Sinai.
Nach ältesten Überlieferungen war der ganze Berg Sinai in Rauch gehüllt und bebte, als Gott Moses aufforderte, am nächsten Morgen mit zwei Steintafeln zum "Diktat" zu erscheinen.
Mit den Zehn Geboten, die Moses offenbart bekam, schloss Gott einen Bund mit dem Volk Israel. Seitdem ist auch sein Name bekannt: »Jahwe« (ich bin [für euch] da) . Das eröffnet dem Gläubigen die Möglichkeit, sich direkt an Gott zu wenden, ihn anzusprechen.
Am Abend verwöhnte uns Peter Lange mit einem Lichtbildervortrag zum Thema »Mythen am Sternenhimmel«.
Dabei konnte man gut verfolgen, wie präsent unseren Vorfahren die griechische Mythologie war. Für uns sind die Sternbilder nur noch eine Suchhilfe am ansonsten chaotisch vollen Sternenhimmel, vor allem bei günstigen Wetter- und Lichtverhältnissen. Eine Einwirkung auf den Verlauf unseres Lebens kann man sich heutzutage nicht vorstellen, zumal die Sternbilder ja nicht "konsistent", sondern in der Tiefe gestaffelt sind.
Sonntag Ruhetag
Der Sonntag begann wieder mit einem reichhaltigen und feierlichen Frühstück, ohne Turnschuhe und Jogginghosen. Die Ansprache des Chefs de Salle verirrte sich allerdings ein bisschen ins Feuilletonistische - Nicht so die folgende Andacht von Harald Ruff (in unserem Sitzungssaal, versteht sich).
Wir hatten schon bei dem Schöpfungsmythos der Bibel darüber gesprochen: Gott befand sein sechstägiges Werk für "gut" und sah für den siebten Tag eine Ruhepause vor. So sei es auch für uns! Ein Tag der Besinnung, der Bewertung des Erlebten und der Beschäftigung mit dem Thema »Sinn des Lebens«.
Die Routine des Arbeitens, Planens und Ausführens sollte unterbrochen werden, nicht zwanghaft als Selbstzweck, sondern um Abstand zu finden, um das Leben neu zu "kalibrieren". Der Sonntag sollte sich durch Feierlichkeit auszeichnen: Mahlzeiten gemeinsam einnehmen, Freunde besuchen, Spazierengehen, ein neues Buch zu lesen anfangen bzw. überhaupt etwas Erbauliches lesen - Der Alltag hat uns früh genug wieder!
Wie endgültig ist der Tod?
Nun kamen wir zu einem Thema, bei dem »Mythos oder Tatsache« für viele noch unentschieden ist. Karin Klingbeil stellte zunächst die Jenseitsvorstellungen und den damit verbundenen Auferstehungs- bzw. Weiterlebensmythos der Ägypter vor. Man entdeckt viele Parallelen zur (späteren) biblischen Vorstellung.
"Wer früher stirbt ist länger tot", gilt hier nicht. Es heißt eher: wer sündigt stirbt wirklich. Beim Totengericht wird das Herz des Toten "gewogen". Sollten die Missetaten überwiegen, wird er endgültig vernichtet. Ansonsten lebt er im Jenseits auf ewig weiter.
Der Totenkult mit Mumifizierung und weltlicher Ausstattung erklärt sich durch den Glauben, dass Tote wieder in die hiesige Welt zurückkehren konnten, falls der Körper und das Drumherum noch intakt waren.
Das jüngste Gericht und die ewige Verdammnis finden wir in der Bibel wieder. Ebenso das Weiterleben im Jenseits, falls die Prüfung im Jüngsten Gericht positiv ausgefallen war. Eine Ausnahme stellte in dieser Hinsicht Jesus dar, der lt. Bibel leiblich wieder ins hiesige Leben zurückkam (eine Option, die die Ägypter ja auch kannten).
Bei unserer nachfolgenden Diskussion einigte man sich auf die folgende Unterscheidung: "Auferstehung am dritten Tag" bei Jesus und "Ewiges Leben" bei einem qualifizierten Normal-Sterblichen. Die Grenze zwischen Mythos und (Glaubens-) Tatsache ist hier die Vorstellung der Leiblichkeit dh. der diesseitigen Auferstehung.
Schon in der Bibel wurde in dieser Hinsicht viel von Zweifel berichtet. Auch schien Jesus dort bei Bedarf sein Erscheinungsbild zu wechseln und nach Belieben zu verschwinden. Vielleicht doch ein Zeichen für eine eher spirituelle Präsenz oder wie Brigitte sagte "Symbol für die geistige Erweckung der Jünger"?
Jesu Auferstehung ein Versprechen für unsere eigene Auferstehung vom Reich der Toten und Demonstration, dass Tod nicht das letzte Wort ist?
Reich Gottes
Beim letzten Tagungspunkt ging es nicht um die Beschreibung eines Mythos, sondern um das Aufspüren eines potentiell mythogenen Stoffes: die Verheißung des Reichs Gottes in der Bibel.
Brigitte Hoffmann zeigte zunächst auf, dass der Bund Gottes mit dem Volk Israel aus der Verpflichtung zu kultischem Gehorsam bestand, als Voraussetzung für das Eintreten der Verheißungen. Dieser Vertragscharakter führte dazu, dass alle Geschehnisse, günstige wie ungünstige, als Feedback Gottes empfunden wurden.
Ein Geschichtsbewusstsein entstand. Die Propheten wurden ernst genommen, konnten sie doch vor einer Fehlentwicklung warnen und im Falle der Nichtbeachtung Wege aus der Katastrophe weisen. Selbst - ja besonders - eine Bestrafung des Volkes Israel wurde als schmerzhafter Beweis für den Bund mit Gott empfunden. Dass die Assyrer Judäa eroberten, sah man als Zeichen der Sünde, dass Jerusalem aber zunächst verschont blieb, als Beweis, dass Gott die Juden nicht "hängen" ließ. Das Babylonische Exil war ebenso ein Indikator für große Verfehlungen, wie die Rückkehr ein Zeichen dafür, dass nun offensichtlich genug gesühnt worden war.
Aber auch nach der Rückkehr verwirklichte sich das ersehnte und versprochene Friedensreich nicht. Die kultische Reinheit hatte inzwischen gelitten, Juden vermischten sich mit den mittlerweile Ansässigen, teilweise blieben sie freiwillig in Babylon, das bedeutend bessere Lebensbedingungen bot.
Erneut mussten harte Einschnitte im privaten Leben hingenommen werden: u. a. mussten alle Mischehen aufgelöst werden, was manch Frau und Kind unversehens zu Vertriebenen machte. All dies lässt die besondere Rolle der Juden in der Welt besser verstehen, ihre Abgrenzung und Leidensfähigkeit, ihr Jahrtausende langer Fortbestand als Volk.
Im Neuen Testament ist erstmalig explizit vom »Reich Gottes« die Rede. An die Stelle der kultischen Reinheit tritt nun jene des Herzens. Allerdings ist auch weiterhin die Trennung der Spreu vom Weizen vorgesehen, d.h. das gottgefällige Leben in der Gemeinschaft war nach wie vor Pflicht.
Diverse Ankündigungen und Andeutungen Jesu ließen auf seine Wiederkehr in naher Zukunft schließen und motivierten die Urchristen zu wahrhaft christlichem Verhalten, in der Stringenz der Bergpredigt.
Das vergebliche Warten auf diese Wiederkehr machte allmählich der Missionierung Platz und dem Aufbau einer kirchlichen Organisation.
In Krisenzeiten besinnt man sich der Anfänge und sehnt sich nach dem Reich Gottes und ist auch bereit, dafür vieles zu opfern. Im großen Stil geschah dies zur ersten Jahrtausendwende, zur Zeit der Reformation und Anfang des 19. Jahrhunderts, als unsere Tempelgründer ins Heilige Land auswanderten.
Wie soll nun solch ein Reich Gottes auf Erden aussehen, wie soll es entstehen? Unsere Templerväter waren mit Sicherheit von Jesu Bildern, aber auch von den Weissagungen der Propheten des A.T.s inspiriert, von denen Brigitte zwölf Beispiele vorlegte.
Die anschließende Diskussion darüber, was das konkret für uns bedeute, kam nicht so recht in Gang, war das Thema doch für Templer so fundamental und emotional, dass es allein schon ein weiteres Seminar rechtfertigen könnte.
Also schloss Brigitte wahrhaft salomonisch das Thema ab: Das Reich Gottes ist das Ziel, für das wir uns nach Kräften bemühen, das wir aber nicht erreichen können, weil es eben dieses Streben ist, aus dem es geformt ist.
Nach dem anschließenden Mittagessen dieses Seminar zuende. Das Pensum war enorm. Beim Verlassen des Saales vernahm der Chronist mit großen Ohren und einer "dräuenden" Vorahnung die Bemerkung »...bin gschpannt, was im Rückblick steht...«
Nun, dieses Rätsel wäre hiermit wenigstens gelöst, mit einiger Verspätung!
Wolfgang Struve
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