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Die Warte des Tempels

Monatsschrift für offenes Christentum

Ausgabe 165/7+8 - Juli/August 2009


Jugendliche - Spiegel unserer Gesellschaft? (Teil 1)

»Ich glaube an den Geist, der mit Jesus in die Welt gekommen ist,
an die Gemeinschaft der Völker und an unsere Verantwortung für das, was aus unserer Erde wird: ein Tal voller Jammer, Hunger und Gewalt - oder die Stadt Gottes.
Ich glaube an den gerechten Frieden, der herstellbar ist,
an die Möglichkeit eines sinnvollen Lebens für alle Menschen, an die Zukunft dieser Welt.«

(Dorothee Sölle)

Die Ereignisse der letzten Wochen - der Amoklauf von Winnenden, das Auslöschen einer Familie in Eislingen, der Raubmord von Bad Buchau, alles Taten von Jugendlichen, Taten, die uns zutiefst erschrecken und vor denen wir fassungslos stehen - diese Ereignisse haben mich sehr betroffen gemacht und beschäftigen mich weiter. Ich fühle mich ganz persönlich betroffen, als Lehrer, der ich 40 Jahre mit Kindern und Jugendlichen arbeitete, aber auch als Vater und Großvater. Ich fühle mich betroffen als Ältester in unserer Gemeinde, auch im Bezug auf meine Tätigkeit in der Konfirmandenarbeit. Und ich bin mir sicher, dass ich mit diesem Betroffen-Sein nicht alleine stehe. Ich sehe die Eltern und Großeltern, die Onkel und Tanten vor mir, Menschen in Verantwortung gegenüber Kindern und Jugendlichen. Ich sehe die Frage in unsere Gesichter geschrieben: verstehe ich, verstehen wir noch unsere Kinder, verstehen wir noch die Welt der Jugendlichen? Was geht in ihren Köpfen vor? Was sind ihre Gedanken, ihre Anschauungen? Inwieweit sind es noch ihre eigenen?

Nach längerem inneren Ringen, ob dieses Thema für eine Andacht im Saal geeignet, bzw. sinnvoll sei, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es eine Aufgabe unserer Gemeinde ist, weil eine Notwendigkeit, sich mit dem Thema der beobachtbar zunehmenden Veränderungen in den Verhaltensweisen in der Welt der Kinder und Jugendlichen auseinander zu setzen. Denn es geht letztendlich um unser aller Zukunft und die Zukunft unserer Nachkommen in unserer Gesellschaft, in der wir leben.

Ich bin mir bewusst, dass dieses Thema sich kompliziert, weil vielschichtig, darstellt. Es ist schwer, sich um eine objektive Sicht zu bemühen, denn es gibt viele widersprüchliche Meinungen zu berücksichtigen, sowie Emotionen möglichst klein zu halten. Außerdem ist es bedrückend, sich mit dem Thema zu beschäftigen - dem einen oder anderen mag es vielleicht schon über sein, mit dem Fazit, es sei ja schon alles gesagt.

Ich bin mir bewusst, dass alles, was ich heute vorbringen kann, unvollständig bleiben wird, und es werden Fragen offen bleiben, und es gibt ganz bestimmt kein Handlungsrezept wie gegen diese Entwicklungen vorzugehen ist. Aber noch schlimmer wäre es nach meiner Auffassung, gar nichts zu tun - einfach weg zu schauen, zu verdrängen. Das widerspricht unseren Anliegen und Zielen als christliche Gemeinschaft. Und es darf die Hoffnung bestehen, dass wir, gerade als eine Gemeinschaft, die den Lehren Jesu folgt, nachher nicht so ratlos da zu stehen wie das momentan bei der Politik und den Erziehungswissenschaften der Fall ist.

Warum ist die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen derart verbreitet?

In einem Warteartikel vor einiger Zeit habe ich meine Beobachtungen über die Zunahme von Gewalttaten an meiner Schule geschildert. Ich hatte da schon festgestellt, dass tätliche Auseinandersetzungen schon immer zum Schulalltag gehörten; Jungen die sich prügelten, Ausgrenzung und Mobbing. Aber wenn zu Beginn meiner Dienstzeit Ende der 60er Jahre noch ein Bewusstsein für das eigene Handeln vorhanden war, d.h. nach der Prügelei eine Erkenntnis über die Recht- oder Unrechtmäßigkeit des Handelns möglich war, also Reue, Bedauern und Entschuldigung folgen konnten, so musste ich im Laufe meiner Tätigkeit immer mehr feststellen, dass ein solches Bewusstsein zunehmend fehlte. Konkret: wenn ich einen Jugendlichen auf sein Verhalten ansprach, traf ich immer öfter auf ein Achselzucken, auf Gleichgültigkeit, auf Unverständnis - der Angesprochene konnte nicht nachvollziehen, was er denn "Böses" getan habe. Viel eher wurde auf das Recht gepocht, sich wehren zu dürfen.

Nach Aussagen von entsprechenden Statistiken ist die Gesamtheit der Jugendstraftaten zwar etwas rückläufig, aber das Ausmaß der Brutalität ist im einzelnen oft erschreckend. Manche Kinder und Jugendliche kennen keine Hemmschwelle, einen bereits besiegten, schon am Boden liegenden Menschen dann noch mit Schlägen zu traktieren, mit den Stiefeln ins Gesicht zu treten. Ebenfalls erschreckend ist die Tatsache, dass die Täter immer jünger werden.

Was ist Hintergrund dieser schrecklichen Entwicklung?

Namhafte Wissenschaftler - wie z.B. Christian Pfeiffer / Kriminologe und Manfred Spitzer / Soziologe und Psychologe haben in großangelegten Schülerbefragungen einen Zusammenhang zwischen Medienkonsum und Schulleistung festgestellt. Je länger der tägliche Medienkonsum, desto schlechter die Leistungen, je brutaler die Sendungen, desto noch schlechter die Leistungen! Das sind selbstverständlich Durchschnittswerte, es gibt bestimmt Jugendliche, die dieses Phänomen nicht zeigen.

Ich möchte daher auch klarstellen, dass ich kein Gegner des Fernsehens oder des Computers an sich bin. Diese Medien sind, bei vernünftigem und verantwortungsbewusstem Gebrauch, eine Bereicherung unserer Möglichkeiten. Ebenso ist nachweislich, dass Medienkonsum mit den Eltern, d.h. mit anschließendem Gedanken- und Gefühlsaustausch, für den Jugendlichen auch ohne (nennenswerte) negative Folgen bleibt. Für einen Jugendlichen allerdings, der unkontrolliert sehen oder spielen kann, könnte das aber eine fatale Beschneidung seiner persönlichen Entfaltung bedeuten.

Noch gravierender aber ist der Einfluss von gewaltsamen Computerspielen auf den Jugendlichen, auf sein Denken, seine Verhaltensweise. Ich zitiere kurz aus einer amerikanischen Studie: »In einer auf 17 Jahre angelegten Langzeitstudie der Columbia University konnte bestätigt werden, dass exzessiver Medienkonsum vor allem bei Jungen aggressives und antisoziales Verhalten der Jugend und im Erwachsenenalter fördert.« Und weiter: »Während das Ausmaß des allgemeinen Medienkonsums nur z.T. mit dem aggressiven, delinquenten und dissozialen Verhalten korrelierte, war dies beim Konsum gewalthaltiger Filme sehr deutlich der Fall.«

In seiner Datenerhebung hat der schon genannte Kriminologe Pfeiffer festgestellt, dass Computerspiele viel weiter verbreitet sind als man vielleicht annehmen würde. Etwa jeder zweite Junge im Alter von zehn Jahren verfügt danach bereits über eigene Erfahrungen mit Computerspielen, die von den Obersten Landesjugendbehörden wegen ihrer brutalen Gewaltszenen erst ab dem Alter von 16 freigegeben sind. Bei den 14-jährigen zeigt sich ein noch extremerer Befund: jeder Dritte spielt häufig Computerspiele, die nur für Erwachsene erlaubt sind.

Man könnte meinen, das sei doch nicht so schlimm. Als wir jung waren, sind wir ja auch in verbotene Filme gegangen. Aber da wird ein wichtiger Unterschied übersehen. Im Kino ist man in der Rolle des passiv beobachtenden Zuschauers. Beim Computerspiel wird dagegen persönliches Engagement gefordert. Man muss sich richtig einlassen auf diese Aufgabe. Als Spieler wird man selbst zum Handelnden und steigt emotional tief ein. Das macht die Faszination des Spiels aus.

Diese Aussagen machen mich zu einem entschiedenen Gegner jeglicher Verharmlosung, besonders was die sogenannten Killer-Spiele angeht.

Die Killer-Spiele - was für ein furchtbarer Missbrauch des Begriffes Spiel - wurden für Soldaten der US-Armee entwickelt mit dem Ziel, die Hemmschwelle zum Töten zu senken. Noch dramatischer: die heutigen Spiele sind mit Informationen unterlegt, die sich wie ein Virus auswirken. Das Ergebnis ist vergleichbar einer Sucht, der Spieler wird abhängig, sein Verhalten wird - wie beim Süchtigen - unkontrollierbar. Er rastet irgendwann aus, und ist dann - wie nach einem Rausch - entsetzt, was er angerichtet hat. Die Folge dieser Spiele ist die Manipulation des Gehirns. Diese Spiele schaden den Kindern, auch jenen, die nicht zu Tätern werden. Das Gehirn lernt, was es tut. Die Gewaltneigung bei ständigem Umgang mit Killer-Spielen steigt und die Fähigkeit zum Mitleiden sinkt. Es ist als würde man Kinder wissentlich unter die gefährlichen Strahlen einer Höhensonne legen, wenn diese Spiele nicht geächtet, am besten verboten werden.

Der Jugendpsychiater Reinhard Lempp hält die prägende Wirkung von Bildermaterialien auf die noch unfertigen Gehirne für verheerend. Je realistischer die visuellen Eindrücke, desto gravierender sind mögliche Folgen. Nach seiner Überzeugung verirren sich die jungen Computerspieler so tief in die finstere, bedrohliche Welt des Virtuellen, dass diese zu ihrer eigenen werden. Durch die auf sie einstürzenden Eindrücke bildet sich in ihren Köpfen mehr und mehr eine parallele "Nebenrealität", in der die Jungen ihre destruktiven Wünsche ausleben. Gewalt wird als die Möglichkeit zur Lösung von Konflikten übernommen.

Welche Folgen kann das für eine zukünftige Gesellschaft haben?
In welchem Zusammenhang - wenn überhaupt - steht die Entwicklung bei den Jugendlichen zu unserer Gesellschaft?

Die Kinder und Jugendlichen sind ein Teil unserer Gesellschaft. Sie wachsen in ihr auf, sie orientieren sich an den Vorgaben, die sie bei der Erwachsenenwelt beobachten. Sie sind ein Spiegel unserer Gesellschaft. Die Täter, die Amokläufer, entspringen ja aus der Mitte unserer Gesellschaft. Sie sind "unsere Kinder". Verroht die Sprache (Printmedien/Talkshows), verroht die Sprache unserer Kinder. Verroht der Umgang untereinander, setzt sich Egoismus in der Gesellschaft durch, spiegelt sich das uns in der Reaktion der Kinder. Wenn Spitzenmanager nicht für ihre Fehler einstehen müssen, sondern noch hohe Abfindungen abkassieren können und die Öffentlichkeit rat- und sprachlos zuschaut - welche Lernprozesse sollen wir bei Jugendlichen erwarten, die in diesem Umfeld aufwachsen?

Ein Psychologe bringt es mit folgenden Worten zum Ausdruck: Unsere ganze Welt ist doch aufgeladen mit Amok! Die Industrienationen steuern auf die Klimakatastrophe zu und reißen alle anderen mit ins Unglück. Auch die Finanzkrise ist durch den Amoklauf von Hypothekenmanagern entstanden, die das Ersparte von Millionen Menschen mit in ihren Absturz reißen. Die jugendlichen Amokläufer machen im Grunde nichts anderes als was sie im gesellschaftlichen Umfeld sehen.

Der Benediktinerpater Anselm Grün äußert seine Wahrnehmung zum Bild der Gesellschaft und zur Stellung des einzelnen darin und bringt seine Sicht mit folgenden Worten zum Ausdruck: »Heute leben wir von Illusionen, Illusionen als ob alles machbar ist, als ob die Krankheit manipulierbar ist, der Tod zu verdrängen ist, und je mehr man meint, man könnte alles machen, desto mehr plagt einen die Angst, weil man spürt, man kann doch nicht alles machen. Wenn ich mich nach den Maßstäben der Gesellschaft richte, dann gerate ich immer mehr in Angst. Und das ist für mich die Frage von Glauben. Die erste Tatsache des Glaubens ist: Woher definiere ich mich? Definiere ich mich von diesen Maßstäben, oder spüre ich, ich bin noch jemand anderes, mein Wert hängt nicht davon ab, was die Gesellschaft von mir denkt, ob sie mich akzeptiert, sondern ich habe in mir Heimat, ich habe in mir einen Grund. Wenn ich mich von Gott her definiere, dass ich eine göttliche Würde habe, dann relativieren sich solche Maßstäbe, und dadurch wird auch ein Stück Angst überwunden.«

Wenn wir die Worte von Dorothee Sölle ernst nehmen, müssen wir feststellen, dass wir als christliche Gemeinde eine Aufgabe haben, dass wir die geschilderte Entwicklung in der Gesellschaft, besonders in Bezug auf unsere Nachkommen, nicht einfach beobachten können. Was aber ist diese Aufgabe, und was können wir tun? Was liegt in unseren Möglichkeiten, eben auch als zahlenmäßig kleine Gemeinde? »Ich glaube an den Geist, der mit Jesus in die Welt gekommen ist.« Als Teil einer religiösen Gemeinschaft habe ich die Möglichkeit, die Welt anders zu sehen, anders wahrzunehmen, zu analysieren. Meine Schau ist dann nach anderen Maßstäben, in dem Sinne wie das Anselm Grün in den vorher zitierten Worten sagt: Wenn ich mich von Gott her definiere, dass ich eine göttliche Würde habe, einen unantastbaren Wert, dann relativieren sich die Maßstäbe. Das heißt für mich in diesem Zusammenhang, dass ich prüfen lerne, welches Weltbild man mir vermitteln will, und welches Weltbild ich aus meiner Sicht erfahre. Welche Maßstäbe, welche Werte und Normen will die Gesellschaft vermitteln, was aber sind meine Erfahrungen, was sind meine Lebensziele, meine Wege. Finde ich in der Gesellschaft jene orientierende und lebensgestaltende Botschaften und Lehren, die Jesus in die Welt gebracht hat, jene Lehren, die für uns Grundlage und Fundament eines Zusammenlebens in Liebe und Verantwortung bedeuten; die ein Zusammenleben in Familie und Gemeinde in Beziehung und Bindung schafft, jene Beziehung und Bindung, die gerade Heranwachsende brauchen, um ihrerseits Orientierung zu finden, und Halt, besonders in problematischen Zeiten.

Wolfgang Blaich

Teil 2 des Artikels in der September-Ausgabe der »Warte«.


Aufklärung gefragt!

Der eigenwillige Theologe und Arabist Günter Lüling

Der Journalist Wolfgang Günter Lerch, selbst Islamkundler und Religionswissenschaftler, erinnerte neulich in der FAZ an die Forschungsarbeiten des eigenwilligen Theologen und Arabisten Günter Lüling (geb. 1928), der seit vielen Jahren den Schleier um die Entstehung des Koran zu lüften versucht. Bereits vor rund 40 Jahren sorgte er mit seiner Arbeit über die Rekonstruktion des Ur-Koran, in dem er christliche, genauer: syro-aramäische Wurzeln zu erkennen glaubt, vor allem unter den Muslimen in aller Welt für Aufregung. Denn Lüling fordert von ihnen nichts weniger als eine radikale Durchforstung ihrer religiösen Quellen mit Hilfe der historisch-kritischen Methode, wie sie in der christlichen Welt seit der Aufklärung auf die Bibel angewendet wird. Der Islam solle befreit werden von den Verkrustungen einer Tradition, die diese Religion in der Konfrontation mit der veränderten modernen Welt weit zurückgeworfen habe. Es gelte, so Lüling, den "wahren" Religionsstifter Mohammed wieder zu entdecken und von den politisch bedingten Umdeutungen zu befreien. Da nach muslimischer Tradition der Koran von Gott wortwörtlich Mohammed geoffenbart wurde, stieß Lülings kühne Theorie bei vielen Muslimen auf entschiedenen Widerstand.

Mittlerweile gibt es allerdings auch positive Stimmen. Dies mag daran liegen, dass Lüling, ein Schüler der radikalen Entmythologisierer Albert Schweitzer und Martin Werner, in gleicher Weise auch von der christlichen Theologie fordert, den seines Erachtens zu Beginn des 20. Jahrhunderts steckengebliebenen Prozess der eigenen religiösen Aufklärung fortzusetzen. Insbesondere Begriffe der christlichen Dogmatik wie "Trinität" und "Gottessohnschaft" sind für viele Muslime, die sich einem unbedingten Monotheismus verpflichtet fühlen, ein Stein des Anstoßes. Lerch hält die theologischen Meinungsunterschiede aus Sicht der meisten "Zählchristen" in Mitteleuropa zwar für bedeutungslos, anders jedoch für die islamische Welt. So sei Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in der Türkei mit Plakaten empfangen worden, auf denen zu lesen war: »Jesus is a prophet, not the son of God«. Die Muslime halten sich insoweit an die 113. Sure des Koran: »Gott ist der Eine, der Beständige, er hat nicht gezeugt und er ist nicht gezeugt, und keiner ist Ihm gleich«. Die Vorstellung der Dreieinigkeit, von den drei "Personen" in einem Gott, empfindet der Muslim daher als Verletzung des Monotheismus; aber auch viele Christen haben m. E. mit dieser Vorstellung Probleme. Lerch erinnert daran, dass sich die Lehre von der Trinität wie auch andere christliche Glaubensvorstellungen in einem langen Prozess herausgebildet haben, der in frühchristlicher Zeit begann und zudem mit politisch-historischen Ereignissen der Spätantike verwoben war und schließlich in den frühchristlichen Konzilien sein dogmatisches Ende fand. Lüling, dem 1954 wegen seiner anti-trinitarischen Haltung der Kirchendienst verwehrt blieb, sieht hier gegenüber den Muslimen Handlungsbedarf: Wer - wie viele Christen - zu Recht von den Muslimen eine historisch-kritische Aufklärung fordere, müsse diesen Maßstab auch an seine eigene Dogmatik anlegen. Seines Erachtens könne hierdurch mancher religiös motivierten Polemik gegenüber dem "Westen" die Spitze genommen werden.

Lüling benutzt sein fundiertes Wissen aber nicht nur, um christliche und islamische Dogmen kritisch zu hinterfragen, er bemüht sich auch um eine historische Entmythologisierung der hebräischen Bibel: Seit zwei Jahren arbeitet er an einem Werk über die Hebräer, nach dessem Erscheinen man -so Lerch - vielleicht vieles in einem anderen Licht werde sehen müssen, was man bisher über Moses und Pharao, Philister und Hebräer zu wissen glaubte. Lüling schwebt nicht neuer Streit, sondern eine Aufklärung vor, die alle drei Religionen so intensiv an der Wurzel packt, dass sie ihre monopolisierten Gewissheiten zugunsten von Kritik und Toleranz aufgeben, zum Nutzen eines zukunftsträchtigen, profanen Weltgeschichtsbildes.

Eine persönliche Anmerkung meinerseits: Trotz aller möglichen Vorbehalte gegen Lülings Theorie über die Entstehung des Koran hätte seine Arbeit eine größere Resonanz in der akademischen Welt verdient. Er blieb ein Außenseiter unter den Islamwissenschaftlern, verließ nach der Promotion die Universität und lebte viele Jahre von Arbeitslosenhilfe.

Jörg Klingbeil

Vgl. Karl-Heinz Ohlig »Wie der Koran wirklich entstand«, »Warte« 11/2007


Rückblick

»Echt katholisch und gut deutsch« Die deutschen Katholiken und das Heilige Land, 1838-1910

Zu unserem Freitagabendtreff im Gemeindehaus am 8. Mai gab es etwas Besonderes: unser langjähriger Freund Haim Goren kam zu Besuch. Vor Jahren hatte er - damals noch als Doktorand - aus unserem Archiv Hilfestellung für eine historische Arbeit erhalten (Titel: »Erste Siedlungsversuche der deutschen Templer in der Jesreel-Ebene im 19. Jahrhundert«, veröffentlicht 1989), seither ist der Kontakt zu ihm nie abgerissen. Heute ist er Professor an einer Hochschule in Galiläa, und fast jedes Mal, wenn eine Friedhofsgruppe in Israel war, kam er extra von dort nach Jerusalem oder Haifa, um einen Abend mit unseren Leuten zusammen zu sein.

Derzeit absolviert er einen »sabbatical leave« (mehrmonatigen Arbeitsurlaub für Universitätsdozenten) in Leipzig und hatte uns vorgeschlagen, bei uns einen Vortrag zu halten, was wir gern akzeptierten. Es waren zahlreiche Außenstehende da, leider dagegen relativ wenige Templer.

Das war schade, denn der Vortrag war hochinteressant und behandelte ein Thema, das auch uns direkt betrifft: die komplexe Gemengelage von politischen und religiösen Zeitströmungen einerseits und politischen Interessen der Großmächte (Russland, England, Frankreich, erst sehr viel später Deutschland) andererseits.

Das 19. Jahrhundert war die Zeit des rasanten Niedergangs des Osmanischen Reichs. Der Staat, vor dem noch im 18. Jahrhundert Europa gezittert hatte, hatte vorrangig auf militärische Stärke gesetzt, sich um Bildung und wirtschaftliche Entwicklung so gut wie gar nicht gekümmert. Dadurch geriet er in der Zeit der explodierenden Industrialisierung immer mehr ins Hintertreffen gegenüber Europa. Immer am Staatsbankrott entlangschlitternd, war er auf Kredite der europäischen Mächte angewiesen, denen er dafür neue Privilegien einräumen musste - zum Beispiel den Schutz für ihre Staatsbürger oder ihre Religion, Handelsvorrechte. Nominell reichte der Staat Anfang des 19. Jahrhunderts immer noch von Tunis bis zum Euphrat, praktisch entglitten ihm die Provinzen. Wir kennen das aus unserer Templergeschichte in Palästina: in weiten Bereichen - Bildung, Gesundheit, Wirtschaft, Verkehr u.a. - war der Staat schlicht nicht präsent; nur deshalb konnten unsere Kolonien ein fast autarkes Eigenleben führen. Dort, wo man doch mit ihm zu tun hatte, zum Beispiel beim Streit um Landbesitz mit Nicht-Templern, spielten Bakschisch und Beziehungen eine weit größere Rolle als Recht und Zweckmäßigkeit.

Wie dieses Geflecht sich in Vereinen und Aktivitäten niederschlug, hat uns Haim Goren - natürlich mit Schwerpunkt auf den Katholiken - detailgenau dargelegt, belegt und mit Bildern anschaulich gemacht. Das kann ich hier nicht wiederholen - es war schon im Vortrag etwas mühsam zu verfolgen, besonders da fast alle diese Vereine umständliche und ähnliche Namen hatten. Ich kann nur versuchen, einige wichtige Linien aufzuzeigen.

Gegen Mitte des Jahrhunderts gab es in Europa, als Nachwirkung der Romantik, ein starkes Interesse an der Vergangenheit, am Mittelalter, an der Religion und damit auch am Heiligen Land. Die Pilgerreisen nahmen zu, und einige der Pilger gründeten hernach Vereine, um im Land etwas zu verbessern, zum Beispiel den Schutz der heiligen Stätten, der Christen im Land u.a. Sie sammelten in Europa Geld zur Finanzierung von Projekten in Palästina, katholischerseits zum Beispiel der »Verein vom Heiligen Grab zur Förderung katholischer Interessen im Heiligen Land«.

Etwa gleichzeitig erwachte das politische Interesse der Großmächte an der bettelarmen türkischen Provinz, in der sich aber die Verbindungslinien von Europa nach Afrika und Asien bündelten. Russland hatte sich schon früher zur Schutzmacht für die orthodoxen Christen im Orient erklärt, Frankreich - ein säkularer Staat mit strikter Trennung von Staat und Religion - machte sich zur Schutzmacht der Katholiken und erreichte 1847 die Errichtung eines »Lateinischen Patriarchats« (praktisch eines Bistums) in Jerusalem.

Deutschland war in diesem Rivalitätskampf nicht vertreten - Deutschland gab es noch gar nicht, und die deutschen Einzelstaaten waren zu klein, um "Außenpolitik" zu betreiben. Zwar war gegen Ende des Jahrhunderts der deutsche Einfluss im Land größer als der anderer europäischer Staaten, aber er beruhte nicht auf staatlicher Unterstützung, sondern auf den rein religiös motivierten Aktivitäten unabhängiger Gruppen, die vor allem aus dem württembergischen Pietismus hervorgegangen waren und sich finanziell selbst trugen. Im weiteren Sinne gehörten auch die Templer zu dieser Gruppe.

Für alle Europäer in Palästina, wie für fast ganz Europa, galt, dass etwa seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts der wachstehende Nationalismus zur Zweit-, wenn nicht zur Erst-Religion wurde (auf unseren Friedhöfen in Jerusalem lässt sich das an den Grabinschriften ablesen). Für die Katholiken bedeutete das einen Loyalitätskonflikt, vor allem in der Außenwirkung: sie standen im Ruf, primär dem Papst und nicht dem eigenen Land zu dienen. Und dagegen lehnten sich nun die deutschen Katholiken auf.

Exemplarisch zeigt sich das an der Geschichte des oben genannten Vereins vom Heiligen Grab. Er war inzwischen zu einer Art Dachverband mehrerer katholischer Vereine geworden, zunächst selbstverständlich international, aber stark von der Schutzmacht Frankreich beeinflusst, hatte aber seinen Sitz in Köln und bezog weitaus die meisten Spenden aus Deutschland. Verteilt wurden sie nach eigenem Gutdünken an alle katholischen Institutionen, aber mit deutlicher Bevorzugung derjenigen, die Frankreich protegierte: des Patriarchats und der Franziskanerinnen.

Dagegen begehrten nun die Deutschkatholiken auf. Sie forderten mehr Einfluss und eine "national gerechte" Verteilung der Gelder. Als der Verein darauf nicht einging, traten sie aus und gründeten ihren eigenen, nun betont deutsch-katholischen. Fast alle Spenden aus Deutschland flossen nun diesem zu, und der Verein vom Heiligen Grab verlor seine Bedeutung.

Die Deutschkatholiken waren sehr aktiv, sowohl in der Vertretung ihrer Interessen als auch in der praktischen Arbeit. Sie bauten und betrieben Schulen und Krankenhäuser, Hospize (Pilgerherbergen, u.a. Tabgha), ähnlich wie die Pietisten. Sie bemühten sich auch um die (päpstliche) Zulassung deutscher Orden in Palästina, erreichten das aber nur für zwei. Einer davon war der der Schwestern vom Heiligen Karl Borromäus, mit ihren Niederlassungen in Haifa und Jerusalem, direkt am Rand der Tempelkolonien.

Die Beziehungen zu den Templern waren gut, die Schwestern schätzten die freundliche Nachbarschaftshilfe und den Kontakt zu Deutschen. Ähnliches gilt wohl für die Deutschkatholiken allgemein. Sie fanden zwar: »im Grunde genommen fällt es schwer, die Templer Christen zu nennen«, aber sie schätzten ihre sozialen Errungenschaften und ihren Beitrag zur Entwicklung des Landes.

Das zeigte sich auch daran, dass sie versuchten, "Templer-Methoden" zu übernehmen: die Schaffung deutscher Siedlungen. Allerdings scheiterten alle vier Versuche dieser Art schon nach kurzer Zeit am Mangel an Siedlern: die zuerst angeworbenen gaben bald auf, neue kamen nicht nach. Das mag zum Teil daran gelegen haben, dass für sie diese Form der Kolonisation nur Methode war und nicht, wie bei den Templern, Ausdruck einer religiösen Überzeugung, so dass sie nicht die Kraft hatten, die Anfangsschwierigkeiten zu überwinden. Es lag aber auch an den Umständen: die Katholiken kamen zu spät. Seit den 80er Jahren, als in Deutschland der große wirtschaftliche Aufschwung und der große nationale Rausch eingesetzt hatten, gab es auch für die Templer keinen Nachschub an neuen Siedlern aus Deutschland mehr.

Was in den letzten zwei Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg florierte, war die deutsche Bautätigkeit in Jerusalem, von Protestanten und Katholiken, weil sie nun vom Deutschen Reich massiv gefördert wurde. Bismarck hatte sich in außereuropäischen Angelegenheiten betont zurückgehalten; nach dessen Entlassung 1890 bestimmte Kaiser Wilhelm II. selbst die Richtlinien der Politik: Weltgeltung, Stärkung des deutschen Einflusses überall, auch im Orient. Zugleich wollte und musste er, der protestantische Herrscher eines mehrheitlich protestantischen Reichs, auch das katholische Drittel der Bevölkerung für sich gewinnen. Ein Mittel für beide Zwecke waren repräsentative Bauten.

So entstanden in diesen Jahren protestantischerseits die Erlöserkirche und der Komplex der Auguste-Viktoria-Stiftung, katholischerseits die Dormitio-Kirche und -Abtei, die Paulus-Stiftung mit der Schmidt-Schule für arabische Mädchen (nach dem Gründer benannt) und vieles andere. So kommt es, dass die Silhouette Jerusalems, wenn man vom Tempelberg absieht, heute geprägt ist von christlichen ("deutschen") Großbauten des 19. Jahrhunderts - sie machen bis heute deutlich, wie eng schon damals in Palästina Religion und Politik miteinander verquickt waren.

Brigitte Hoffmann


Mysteriöse Mystik (Teil 1)

Rückblick auf unser Wochenend-Seminar auf dem Schönblick

Diesmal beneidet mich sicher niemand um das Privileg, den Rückblick auf unser Seminar verfassen zu dürfen: Nicht wirklich eine Herkules-Aufgabe, eher der Versuch aus einem Elefanten eine Mücke zu machen... SchönblickMit "Herkules" streifen wir übrigens bereits unser Thema: »Was bedeuten uns Mythen?« Die Struktur des Seminars sollte sein, Mythen zu definieren, Beispiele dafür vorzutragen und schließlich deren Bedeutung für uns zu gewichten.

Beim Tagungspunkt "Definition" hatten wir das Glück, einen Fachmann dabei zu haben, der uns eine stabile Trasse für das folgende unwegsame Gelände aufschüttete. Dr. Martin Schreiber - seines Zeichens Psychologe - sorgte mit seiner kraftvollen Artikulation und fachlichen Kompetenz für einen zuverlässigen, sozusagen fliegenden Start.

Kern und Hof

Mythos hier, Mythos da; es ist absolut abenteuerlich zu meinen, sich von Mythen befreien zu können. Jegliche Kommunikation wird von Mythen gespeist. Das betrifft in erster Linie die sprachliche Semantik, das Vehikel der Mitteilung. Jedes Wort hat einen denotativen Kern und einen konnotativen Hof. Dieser Hof, ohne scharfe Einfriedung, mehr oder weniger individuell geformt, ist die Arena des Mythos. Heute wie gestern. Was schwingt nicht alles mit, wenn wir "Vater" oder "Heimat", "Feigling" oder "Krieg" usw. hören. Dies Mitschwingen ist der konnotative Hof um den eigentlichen Begriff, wie er im »Duden« aufgeführt wird.

Es leuchtet ein, dass Menschen je nach Vergangenheit, Erlebnislage, Bildung und Konstitution unterschiedliche Vehikel mit an den Start bringen, wenn sie sich mitteilen wollen oder müssen.Individuelle Gestalt von Begriffen Im letzteren Fall ein echtes Problem! Die meisten Kontrahenten vor Gericht sind ja der Meinung, dass nur sie die richtige Sicht eines bestimmten Sachverhalts vertreten. Einer von beiden muss jedoch -Justitia zuliebe- eines Besseren belehrt werden. Es kann nicht so sein, wie bei Mullah Nasrudin, der - als Richter engagiert - beiden Parteien recht gibt; und auf den erzürnten Zwischenruf, es könnten ja wohl nicht angehen, dass beide Seiten recht hätten, er dann antwortet »du hast auch recht!«

In diesem Zusammenhang stellt Martin die Frage: »Brauchen wir Mythen?« ... in der KommunikationJa! Genauer gesagt: es geht gar nicht ohne.

Nun gibt es Mythen und "Mythen". Das System der griechischen Mythologie und der eher spontane Mythos von - sagen wir Che Guevara oder Nelson Madela - haben verschiedenen Tiefgang. An dieser Ambivalenz des Wortverständnisses konnten wir schön sozusagen in flagranti beobachten, dass der Terminus "Mythos" selbst der konnotativen Unschärfe unterliegt. Vielleicht kann man sich darauf einigen, dass die "großen" Mythen vielschichtige, meist auch dichterisch gestaltete Kompositionen sind, während der spontane Mythos eher amorph und zeitgeistabhängig ist.

In der Folge des Seminars wurden wie geplant, verschiedene tradierte Mythen vorgestellt.

Den Anfang machte Wolfgang Blaich, der plötzlich am Morgen des Samstag mit am Tisch saß. (Er beherrscht offensichtlich die Fertigkeit der Bilokation noch nicht. Folglich musste er auch schon am Abend wieder abfahren, da er wo anders ebenfalls unersetzlich war).

Woher - Wohin ?

Schöpfungsmythen sollen etwas über die eigene Herkunft aussagen, in der Annahme, dass ich damit meine Gegenwart besser verstehe. "Wenn ich weiß, woher ich komme, weiß ich besser, wohin ich gehe".

Das Interesse an einer mythologisch (v)erklärten Vergangenheit ist ungebrochen, bis hin zum Interesse an einschlägigen Romanen, die sich als Dokumentationen "tarnen" (etliche NewAge-Bücher, Philipp Vandenberg, Thomas Gifford, Dan Brown etc.)

Im Sinne der Tiefenpsychologie entschärft die Benennbarkeit eines Umstands den eigentlichen Inhalt, indem man mit ihm "umgehen kann".

Die Benennbarkeit geht allerdings nicht zwangsläufig mit einer Entzauberung einher, sondern sie stellt u. U. nur eine Art "Containment" dar.

Bibel - Genesis

Wolfgang lässt das Schöpfungs-Oratorium von Hadyn spielen, um die Mystik des Vorgangs in der emotional ansprechenden Form der Musik zu transportieren. Ein einsilbiger, trauriger(?) Bass beschreibt zunächst die Entstehung von Himmel und Erde. Als jedoch Gott das Licht erschafft, explodiert geradezu der musikalische Ausdruck, jubilierende Chöre preisen die Etappe - der Sänger wird zur Posaune (Tenor). Das »Wüste und Wirre (tohu wa bohu)« weicht einer geordneten Vielfalt in der Welt. Was danach kam, konnte diesen Quantensprung nicht mehr überbieten, nicht einmal die Erschaffung es Menschen.

Ähnliche Schöpfungsmythen sind auf der ganzen Erde verbreitet. Da wir sie als Symbole verstehen, kommt es darauf an zu fühlen, was einen darin anspricht, auch wenn die eine oder andere Einzelheit den Intellekt vielleicht rebellisch macht.

Ägypten - Amun-Mythos

Dieser Mythos setzt noch früher an als die Genesis: Amun schuf sich selbst. Dann "entstanden" die Götter, danach alle anderen Geschöpfe, wie auch der Mensch und dessen Bestimmung. Hier ebenfalls zuerst das Sprechen, dann das Sehen (Licht). Sein Name ist geheim bzw. darf nicht ausgesprochen werden.

Indien - Upanischaden

Hier denkt "das Eine" Gedanken der Unendlichkeit: Diese kondensieren in der Einsicht »Ich bin«.

Und daraus folgend »Ich bin allein«. Diese Einsamkeit kann nur durch Teilung/Teilen überwunden werden. Dadurch entsteht die Dualität d.h. die Welt der immanenten Gegensätze. Aus der Vereinigung/Überwindung der Gegensätzlichkeit entsteht Liebe, im Falle von Mann und Frau die Kinder, also damit auch die Vermehrung.

China - Tao

Pan Ku erschafft sich selbst als Ei, das schließlich mit einem Lichtstrahl in zwei Teile zerfällt: in Himmel und Erde.

Diese Teile werden von Pan Ku - atlasgleich - mit all seiner Kraft auseinandergedrückt bis er "stirbt". Dieses inzwischen stabilisierte System (Dualität) wird zu unserer Erde, sein rechtes Auge zur Sonne, linkes Auge zum Mond und so weiter. Selbst seine Flöhe werden was... sie werden die Menschen.

Aus dieser Sicht geben die menschlichen und allzu menschlichen Verhaltensweisen der Letzteren keine Rätsel mehr auf.

Polynesien - Io

Auch hier spricht der Schöpfergott Io die Formel »Es werde Licht«. Dieses wird dann mit dem Dunkel verwoben. Herrschen soll aber das Licht. Analog verfährt er mit Wasser und Erde/Himmel. Wie der erste Mensch/Mann erschaffen wurde, konnten wir nicht erfahren. Die Frau wurde jedenfalls aus der "Urmutter-Erde" geformt und dann durch Atem belebt.

Gemeinsame Merkmale:

  • Wo ist mein Platz in der Welt?
  • Wie stelle ich meine eigene Endlichkeit in größeren und erhabeneren Kontext?
  • Welches ist meine Beziehung zu unserem Schöpfer?
  • Freud und Leid sind Ergebnis und Errungenschaft der Dualität.
  • Licht und Schatten, Gut und Böse sind gekoppelt mit Vorrang für Ersteres.

Wolfgang Struve

Teil 2 des Artikels in der September-Ausgabe der »Warte«.

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