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Die Warte des Tempels
Monatsschrift für offenes Christentum
Ausgabe 164/12 - Dezember 2008
BEOBACHTUNGEN
Die notleidende Autoindustrie
Es werden nicht mehr so viele Autos gekauft wie früher. Diese Nachricht könnte für vernünftig Denkende eigentlich eine gute Nachricht sein. Denn es hieße, dass der Individualverkehr in unseren Ballungsräumen nicht noch weiter zunimmt, dass die Unfälle mit Personen- und Sachschäden nicht noch weiter in die Höhe schnellen, dass der Ausstoß klimaschädlicher Abgase ein klein wenig abgebremst wird. Doch wenn man in die Zeitungen schaut und auf den Fernsehbildschirm, dann ist es eine schlechte Nachricht: Autohändler geraten in Existenznot, Autohersteller müssen Kurzarbeit machen, Arbeitsstellen geraten in Gefahr, ein Autowerk muss gar staatliche Finanzhilfe in Anspruch nehmen. Welch ein Szenario!
Jetzt reden sich die Regierungsverantwortlichen die Köpfe heiß, welche »Konjunkturspritzen« der notleidenden Autoindustrie am besten verpasst werden könnten. Damit recht bald wieder Spitzen-Verkaufszahlen gemeldet werden und der Export boomt. Und natürlich die Arbeitsplätze in den Fabriken erhalten bleiben. Aber diese Fahrzeughalden müssen auch erst einmal verkauft sein, deshalb wird den Neukäufern die Kraftfahrzeugsteuer erlassen, mit dem Erfolg, dass damit noch mehr CO2 in die Atmosphäre geblasen wird. In jedem Stau entsteht zudem ein Vielfaches an Emissionen.
Ich möchte nicht verschweigen, dass ich selbst ein Anhänger moderner Mobilität bin. Wie bequem ist es doch, kurzfristig entscheiden zu können, wann man sich ins Auto setzt, um zum Einkaufen, zur Arbeitsstätte oder zum Theaterbesuch zu fahren. So vieles kann dabei mittransportiert werden. Doch es meldet sich in mir das dumpfe Gefühl, dass es offensichtlich so nicht weitergehen kann. Läuft die geniale und komfortable Erfindung von Gottlieb Daimler und Karl Benz nicht Gefahr, mehr und mehr in eine Einbahnstraße zu münden, aus der es kein Zurück mehr gibt? Wäre es nicht schon längst Zeit gewesen, gegenzusteuern und nicht den unabwendbaren »Verkehrsinfarkt« billigend in Kauf zu nehmen?
Doch kann der Einzelne dies bewirken? Ich meine, in gewisser Weise ja. Wenn er sich nämlich klar macht, dass nicht jeder auf dieser Erde diese Mobilität genießen kann, ohne dass dabei Umwelt geschädigt und Ressourcen unwiederbringlich verloren gehen. Wir wissen es, gestehen es uns aber oft nicht ein: dass ein Großteil der westlichen Welt »über ihre Verhältnisse« lebt. Eine Selbstbeschränkung unserer Freiheit stünde uns gut an. Eine einfachere Lebensweise vielleicht?
Peter Lange
Das eigene Evangelium des Jesus von Nazareth
I. Die Rekonstruktion
In dem von Christoph Hoffmann verfassten »Losungslied der Templer« endet die 9. Strophe mit den Worten: »... wir fragen nach dem nur, was Jesus gewollt«. In diesem Sinne hat die Tempelgesellschaft in ihrer religiösen Entwicklung stets nach der Person des Jesus von Nazareth und nach seiner Verkündigung während der wenigen Jahre seines öffentlichen Auftretens gefragt. Wir beobachten deshalb mit Interesse, welche Ergebnisse Bibelwissenschaftler in ihrer Forschungstätigkeit in dieser Richtung bis heute erzielt haben.
Ein solches Ergebnis ist die Feststellung, dass es eine Evangelienschrift gegeben haben muss, die noch früher verfasst worden ist als das älteste der vier Evangelien des Neuen Testaments (das von Markus), nämlich etwa im Jahr 70. Teile dieses frühen Evangeliums sind von den Verfassern des Matthäus- und des Lukasevangeliums in ihre eigene Schrift übernommen worden. Das frühe Evangelium selbst ist als Schrift nicht erhalten geblieben, es konnte aber in mühevoller Forschungsarbeit in wesentlichen Teilen rekonstruiert werden. Die Wissenschaftler gaben ihm den Namen Logienquelle oder Spruchevangelium Q. Spruchevangelium deshalb, weil in ihm - so wie in dem in Ägypten aufgefundenen Thomasevangelium - überwiegend Aussprüche Jesu enthalten sind.
Eine Zusammenfassung dieser Rekonstruktionsarbeit hat der amerikanische Professor für Religi-onswissenschaft an der Claremont Graduate University James M. Robinson 2007 in einem verständlich geschriebenen Buch mit dem Titel »Jesus und die Suche nach dem ursprünglichen Evangelium« veröffentlicht, dem ich für dieses und die folgenden »Warte«-Hefte wissenswerte Darstellungen entnommen habe.
Wie der Verfasser eingangs vermerkt, geht es ihm darum, dem näher zu kommen, was Jesus selber für das Zentrale in seiner Botschaft und Verkündigung gehalten hat, also »nach dem zu fragen, was Jesus gewollt« hat. Leider sei Jesu eigenes Evangelium aus dem Blick der Christenheit geraten, weil es von dem Evangelium über Jesus, wie es Paulus gepredigt hat, verdeckt worden ist. Unser Problem im Christentum sei nicht, dass wir so vieles über Jesus und sein Leben nicht wüssten, sondern bestünde darin, dass wir Jesus ein Evangelium zugeschrieben hätten, das ein anderes sei als Jesu eigenes Evangelium. »Wir haben Jesus auf einen Sockel gestellt und verehren ihn, statt ihm in seinen Fußstapfen nachzufolgen. Es geht für uns darum, dass wir uns einen Weg zurück bahnen müssen - durch das vertraute Evangelium der Kirche hindurch und durch die Domestizierung des Evangeliums Jesu. Erst dann stoßen wir auf das, was er wirklich zu sagen hatte - auf sein sprödes, erschütterndes, tröstendes, herausforderndes Evangelium.«
Bekanntlich sind die Evangelien, die wir kennen, nach einer langen mündlichen Überlieferung aufgeschrieben worden. Sie entstanden in dem Zeitabschnitt zwischen 70 und 100 n.Chr. - etwa ein halbes Jahrhundert nach dem Geschehen, über das sie berichten. Wegen ihrer großen Ähnlichkeiten hat man die drei ersten Evangelien im Neuen Testament »synoptische Evangelien« genannt. Für die Bibelforscher ergab sich die Frage, warum sich so große Ähnlichkeiten ergeben konnten, bis man herausfand, dass sowohl Matthäus wie auch Lukas unabhängig voneinander das Markusevangelium als Vorlage benutzt haben. Doch es gab auch Übereinstimmungen, für die man im Markusevangelium keine Textstellen fand. Es musste also noch eine zweite Vorlage bei der Abfassung verwendet worden sein.
Die Entdeckung des Thomasevangeliums 1945 brachte die Forscher zur Erkenntnis, dass es im Urchristentum nicht nur Schriften mit Erzählungen über Jesus gegeben hatte, sondern auch reine Sammlungen von Jesusworten, sogenannte Spruchevangelien. Das »Spruchevangelium Q« (»Q« von »Quelle«) nahm von da an in den Forschungsstätten immer konkretere Formen an.
Um zu verstehen, warum es ursprünglich zwei älteste Evangelien gab, Markus und »Q«, muss man sich klar machen, dass es in der Urgemeinde von Anfang an zwei unterschiedliche »Konfessionen« gab und jede hatte ihr eigenes Evangelium. Die erfolgreiche Heidenmission durch Paulus und Barnabas führte auf dem Apostelkonzil in Jerusalem (um 50 n.Chr.) zu der Entscheidung, auch unbeschnittene Heiden (also Nicht-Juden) in christliche Gemeinden aufzunehmen. Um aber zu vermeiden, dass Heidenchristen und Judenchristen in einer Gemeinde zusammen lebten - das hätte nach jüdischer Auffassung die Judenchristen kultisch unrein gemacht - sollten die Heidenchristen eine eigenständige heidenchristliche Gruppierung bilden. Durch diese hauptsächlich durch die ausgedehnten Missionsreisen des Paulus gegründeten Gemeinden entstand das Markusevangelium als ein heidenchristliches Evangelium.
Ein Hinweis darauf, dass das Markusevangelium für die heidenchristliche Kirche geschrieben wurde, ergibt sich aus der folgenden Beobachtung: Bei Matthäus wird der Beginn der christlichen Mission auch unter den Heiden in die Zeit nach Jesu Auferweckung verschoben. Markus dagegen spricht schon vor Jesu Kreuzigung davon, dass Jesus die Heidenmission befohlen habe: »Und allen Völkern muss das Evangelium zuerst verkündigt werden« (Mk 13,10).
Die judenchristliche Kirche andererseits war von den Jüngern Jesu gegründet worden, die sämtlich Juden waren und die nach dem Tod ihres Meisters seine Worte weiter verkündigten. Daraus entstanden kleine Sammlungen von Jesusworten, die für die Verkündigung unter griechisch-sprachigen Juden gebraucht wurden und dabei aus dem Aramäischen ins Griechische übersetzt wurden. Um das Jahr 70 wurde das Ganze dann in einer Schrift zusammengefasst. So entstand am Ende dieses Traditionsprozesses das judenchristliche Spruchevangelium Q.
Genauso wie im Markusevangelium Hinweise darauf zu finden sind, dass es für eine heidenchristliche Leserschaft geschrieben wurde, gibt es auch Hinweise im Spruchevangelium Q, die auf judenchristliche Leser schließen lassen. Es enthält nämlich geringschätzige Bemerkungen über die Heiden, so wie sie in aramäischen jüdischen Dörfern üblich gewesen sein dürften (»Wenn ihr denen leiht, von denen ihr hofft, zurückzubekommen, welchen Lohn habt ihr? Handeln nicht sogar die Heiden so?« Q 6,34).
Die judenchristliche Mission scheint auch in der Generation nach Jesu eigener Wirksamkeit nur wenig Erfolg gehabt zu haben (»Diese Generation ist eine böse Generation, sie verlangt ein Zeichen, aber ihr wird keine Zeichen gegeben werden« Q 11,29f). »Diese Generation« ist wohl ganz wörtlich zu nehmen, denn die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 wurde als Strafe Gottes für die Zurückweisung der judenchristlichen Missionare verstanden. Jedenfalls verschwanden die judenchristlichen Gemeinden aus der Geschichte. Und mit ihnen verlor das Spruchevangelium Q seine Bedeutung. Zum Glück für uns lebte es jedoch in den von Matthäus und Lukas übernommenen Teilen weiter, und wir können so auf manches schließen, was die Judenchristen beseelt haben mag.
Abschließend darf nochmals wiederholt werden, dass die Jesusworte des Spruchevangeliums Q - nicht alle, aber ihre älteste Schicht - aus einer Gemeinschaft von Menschen stammen, die Jesus selber gehört hatten und die sich daran erinnern konnten, was Jesus gesagt hatte. Sie bewahrten seine Worte auf als die wahre Botschaft, die sie im Namen Jesu weiter verkündigten. Das Spruchevangelium Q ist deshalb die Primärquelle für das Evangelium des Jesus von Nazareth.
Peter Lange
Originaltitel des Buches von James M. Robinson: »The Gospel of Jesus. In Search of the Original Good News«, 2005.
In Marysville in Klausur (Teil 2)
Im letzten »Warte«-Heft berichteten wir über ein Wochenend-Seminar der Templer in Australien, das Ende August im waldumsäumten Marysville zum Thema »Gottesverständnis« veranstaltet worden ist. Wir setzen hier die Berichterstattung fort.
Dann kam das Zuhören an die Reihe. Diese Kunst beherrschen nur wenige. Wenn zwei Menschen einander wirklich zuhören, spüren sie ganz intensiv die Anwesenheit des anderen - und auch die Wirklichkeit des Heiligen, das über ihr individuelles Sein hinausragt. Jeder ist erfüllt und bewegt. Die Fähigkeit, dem Gegenüber seine völlige Aufmerksamkeit zu widmen, gehört zu den schönsten Gaben, die wir anderen zuteil werden lassen können. Vom guten Zuhörer werden keine Ratschläge oder Problemlösungen erwartet, er soll »nur« zuhören und den Sprechenden gedanklich begleiten. Das ist nicht leicht, aber lohnt sich ungemein. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Zuhörer private Informationen wirklich vertraulich behandeln sollte (es sei denn, er spürt, dass der Sprechende sich in einer Gefahr befindet).
Herta Uhlherr erwähnte noch das »kontemplative« Zuhören, in dem man etwa die Kraft der Stille ergründen will. So sitzen die Quäker zum Beispiel in ihren Versammlungen in der Stille, bis einer sich durch den Heiligen Geist zum Sprechen gedrungen fühlt. In einer Rollenübung durften die Teilnehmer anschließend einmal Sprecher und einmal Zuhörer sein, wobei ein Beobachter auf Fehler achtete, wie etwa auf die schlechte Angewohnheit des Unterbrechens.
Der Tag klang aus mit einer Musik auf CD: »Amen. Truly I say to you: when you gather in my name, I am with you«. Viele von uns waren bewegt von der tieferen Ebene, in die sie das Programm dieses Tages geführt hatte.
Der Sonntagmorgen begann mit einer Andacht. Wir sangen neue Lieder zu alten Melodien und waren erstaunt, wie gut es sich anhörte, nachdem wir auch noch eine Bläserbegleitung von der CD erhielten. Die Gemeindeältesten sind immer auf der Suche nach Liedern mit guten Texten für den Gemeinde-Saal.
Dann tauchten wir ein in die Geschichte von Maria und Marta. Wir fragten uns: Wann sind wir Marta, immer eilig und geschäftig? Und wie schaffen wir es, unseren hektischen Lebensalltag mit einigen »Maria-Momenten« auszubalancieren, indem wir »zu Jesu Füßen sitzen und seiner Botschaft zuhören«? Die Lacuna-Schalen wurden herumgereicht - welche Einsichten erreichten uns wohl aus dem Raum, den wir Gott einräumten? Es ergaben sich viele Wortmeldungen.
Nach dem Vormittagstee führte uns Renate Weber zur Wahrnehmung von Gott in der Natur. Wir wurden still beim aufmerksamen Lauschen auf die Töne und Geräusche draußen, wir erlebten die Stille, spürten die Düfte des Waldes und empfanden einen tiefen Frieden.
Nach dem Mittagessen gab es Unterhaltung und Kurzweil. Schließlich wollte Renate Beilharz wissen, wie wir die Gedanken und Erkenntnisse des Wochenendes in der Gemeinde umsetzen könnten. Wie können wir das in unsere Saal-Gottesdienste hineintragen oder in unser tägliches Leben? Wie können wir die TSA dadurch stärken und in unseren jungen Leuten ein Identitätsgefühl als Templer erzeugen?
Herta gab uns noch die Ermutigung mit auf den Weg nach Hause, immer auch »Lacuna-Momente« in unser Leben einzubauen. Alle Teilnehmer empfanden das Wochenende als eine Stärkung ihres Innenlebens, die »Aus-Zeit« sei nicht vergeudet gewesen. Man konnte einander auf einer tieferen Ebene kennen lernen als bisher. Dass wir dem Göttlichen in uns und in den anderen vertrauen können, war eine befreiende und freudige Erfahrung dieses Seminars.
»Templer Record« Oktober 2008 (gekürzt; übersetzt von Peter Lange)
Aus dem Tagebuch des TGD-Archivs
- Schon längere Zeit stehen wir in Verbindung mit dem Familienforscher Helmut Arnold in Kons-tanz, dessen Vorfahren über viele Generationen hinweg in Bernhausen auf den Fildern beheimatet waren. In dieser und der benachbarten Ortschaft Sielmingen gab es in der Tempelgründungszeit zahlreiche Anhänger der Jerusalemsfreunde. Auch eine Schwester von Helmut Arnolds Urgroßvater, Barbara Arnold, war unter ihnen. Sie taucht in den Annalen der Palästina-Templer als die zweite Ehefrau des aus Beuren stammenden Karl Friedrich Schnerring (1814-1888) auf, den sie 1878 in Jaffa geheiratet hatte. Inzwischen sind wir zufällig auf eine Notiz in einem Protokoll des Ausschusses der Tempelgesellschaft (der damaligen Tempelleitung in Württemberg) von März 1876 gestoßen, in der es heißt: »Gegen die angemeldete Übersiedlung der Barbara Arnold von Bernhausen wird vom Ausschuss nichts eingewendet, wenn die Tempelleitung in Jaffa eine ihrem Alter angemessene Verwendung für sie weiß.« Wir wissen damit also das Jahr ihrer Auswanderung. Sie war damals 46 Jahre alt. Karl Friedrich Schnerring war schon 1859 zu den Jerusalemsfreunden gestoßen und wohnte zusammen mit seiner ersten Ehefrau Friederike und seinen 8 Kindern auf dem Kirschenhardthof. Friederike Schnerring ist dann 10 Jahre später dort gestorben, und der Witwer wanderte mit den jüngsten Kindern 1874 nach Jaffa aus. Er ist bald darauf nach Ramleh übersiedelt, wo seine älteste Tochter mit ihrem Ehemann Paulus Gollmer ein Mühlengeschäft betrieben hat. Die Heirat mit Barbara Arnold 1878 bedeutete, dass für sie - wie vom Ausschuss erhofft - damit »eine angemessene Verwendung« gefunden werden konnte.
- Die Mutter der oben erwähnten Barbara Arnold war Christine Barbara Schraitle. Die Schraitles aus Bernhausen sind ebenfalls Teil unserer Templer-Geschichte. Eine Nachfahrin dieser Christine Barbara, Rosina Barbara, heiratete den aus Haifa stammenden Baumeister Karl Friedrich Ehmann. Im Jahr 1923 folgte ihr der Bruder Gottlieb Schraitle (1886-1933) nach Haifa nach, wo er zusammen mit Karl Friedrichs Bruder Georg Ehmann ein gut gehendes Baugeschäft führte. Ein Sohn von Gottlieb, Manfred Schraitle, lebt heute noch in hohem Alter in Australien. Die Geschichte der »Templer-Schraitles« hat unser Forscherfreund Helmut Arnold bei einem Schraitle-Treffen am 1. November in Plochingen vorgetragen und mit einer bebilderten Beschreibung der Siedlungsarbeit der Deutschen in Haifa dokumentiert. Ein Exemplar davon hat er freundlicherweise unserem Archiv geschenkt, wofür wir ihm herzlich danken.
- Ein überaus interessantes Dokument stellt eine Liste von »Warte«-Abonnenten aus dem Jahr 1902 dar, das mir zufällig in die Hände kam. Außer den Beziehern in Württemberg, Schlesien und Sachsen sind auch Orte in Bessarabien und Südrussland darauf verzeichnet, wie etwa Lichtenthal, Berdjansk, Neuhoffnung, Pjatigorsk und Olgino. »Warte«-Leser gab es aber auch in Paris, Peak Hill/Australien (Karl Kopp), Beirut, Tiflis, Teheran und Hermannstadt/Rumänien. Eine wahrhaft weltweite Verbreitung dieses Blattes in der damaligen Zeit!
- Jürgen Gronau, Bergisch Gladbach, schickte uns einen Ausschnitt aus der »Rheinischen Post« vom 4. Juni dieses Jahres, in dem über den Besuch Außenminister Frank-Walter Steinmeiers in Israel berichtet wird. Es heißt dort, Steinmeier habe in Israels »deutscher Stadt« Haifa ein »Zentrum für Deutschland- und Europa-Studien« an der Universität eröffnet. »Deutsch« werde die Stadt nicht nur wegen der Gründung einer Kolonie der Templer bezeichnet, sondern auch wegen des hohen Bevölkerungsanteils deutscher Juden, den »Jäckes«. Es würden schon »waghalsige« Gedanken gesponnen über einen weiteren Ausbau deutscher Kultur in dieser Region: »Es könnte die Zeit gekommen sein, gemeinsam über die erste deutsche Auslandsschule in Israel nachzudenken.«
- Anja Siegemund, die Geschäftsführerin des Gottlieb-Schumacher-Instituts in Haifa, erkundigt sich im Auftrag eines Verlages, ob wir aus der Vergangenheit Gedichte über Haifa Im Besitz hätten. Da die Templer 70 Jahre in der dortigen Kolonie wohnten, wäre es denkbar, dass in dieser Zeit auch dichterische Ausdrucksmöglichkeiten für die »schöne Stadt am Meer« gesucht worden sind. Wir sind bis jetzt nur auf ein Gedicht von Erika Lendholt gestoßen. Weiß jemand noch von anderen solchen Verskünsten?
Peter Lange
Leserecho
Zum Beitrag »Warum Mitglied in der TGD?« (»Warte« September 2008)
Ich beziehe seit Jahren die »Warte des Tempels« und habe auch diesen Artikel aufmerksam gelesen. Sie haben dasselbe Problem wie unsere kirchliche Gemeinde hier. Meine Frage: Ist diese Entwicklung wirklich tragisch? Es gab im Lauf der Geschichte immer wieder Bewegungen auf geistigem Gebiet. Sie kommen, und sie gehen. Aber der Geist bleibt. Wir sollten uns nicht fürchten, wenn eine Form zu Ende geht, und darauf vertrauen, dass die Menschheitsentwicklung einen Sinn hat, der nicht verloren geht.
Ist das Geheimnis vielleicht, dass wir lernen müssen, loszulassen, dankbar zurückschauend auf etwas sehr Gutes, eine reife Frucht, die ihren Sinn erfüllt hat? Ich freue mich immer, wenn ich lese, wie z.B. ein Dr. Eisler begeistert die Bedeutung des Gewesenen versteht und es auch für die weitere Geschichte fruchtbar erhält. Ich denke gern mit Ihnen mit.
Helene van der Meulen - Duhm (93 Jahre) (Enkelin von Abraham Fast), Gorssel, NL
Israelis ehren Tempelführer
Nach der Entdeckung des Grabsteines von Heinrich Breisch ist vor Kurzem auch der Gedenkstein für das Ehepaar Friedrich Bulach (+1885) und Margarethe Tietz (verwitwete Bulach, +1923, beide in Jaffa) bei einem Bildhauer in Tel Aviv aufgefunden worden. Der in Sarona mit Restaurierungsarbeiten betraute Shay Farkash hat uns dies mitgeteilt und Fotoaufnahmen davon übermittelt.
Beide Funde haben uns verwundert. Wir wussten zwar, dass die in Jaffa bestatteten Templer nach dem Ersten Weltkrieg auf den Friedhof von Sarona überführt worden waren und dieser im Zuge des Verkaufs Saronas an die Stadt Tel Aviv im Jahr 1952 aufgelöst und eine Umbettung der Toten nach Jerusalem veranlasst wurde. Aber dass eine Anzahl Grabsteine zurückgelassen worden waren, blieb uns zunächst unbekannt.
Der durch seine Dissertation über die Architektur der Templer bekannt gewordene Dr. Danny Goldman hat uns diesen Tatbestand jedoch bestätigt. Er schrieb, dass er sich noch gut daran erinnern könne, dass er, als er in den 50er Jahren in der Nähe des Saroner Friedhofs wohnte, als Kind die »offenen Gräber« dort gesehen habe. Auch hätten Grabsteine verstreut umher gelegen. Er vermutet, dass gut erhaltene Gedenksteine von Einheimischen mitgenommen worden seien und dass möglicherweise in Zukunft noch weitere auftauchen könnten.
Der Restaurator Farkash hat nun vor wenigen Tagen den Bulach-Stein, der aufgrund seiner Dicke besonders schwer wog, in der Bildhauer-Werkstatt in sein Auto verladen und - wie das auch schon im September 2007 mit dem Breisch-Stein geschehen war - mit einigen Helfern vom Denkmalschutz-Verein auf unseren Friedhof in Jerusalem gebracht, wo die Toten aus Jaffa/Sarona schon seit rund 50 Jahren in der Erde ruhen.
Friedrich Bulach war als einer der letzten verantwortlichen Tempelführer im Spätjahr 1884 aus Württemberg nach Palästina gekommen, jedoch schon wenige Monate nach seiner Ankunft im Alter von 53 an einem Herzleiden gestorben.
Nach der Auflösung der Gemeinde Kirschenhardthof 1873 war die zentrale Leitung des Tempels damals nach Stuttgart verlegt worden, wo Bulach zusammen mit zwei weiteren Templern als Gebietsleiter und Ältester fungierte. Auch übte er fünf Jahre lang das Amt des »Warte«-Schriftleiters aus.
Sein Einsatz ist nun auf diese Weise auch von Israelis gewürdigt worden. Wir danken allen an der Überführung Beteiligten.
Peter Lange
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