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Treffpunkt - Gemeinde aktuell
Jahres-Rückblick 2008
Freitagabendtreff "Die Schokoladenseite der Moral"
Unser erster Freitagabendtreff im neuen Jahr fand am 25. Januar im Gemeindehaus in Degerloch statt. Das Thema: Die Schokoladenseite der Moral. Jörg Klingbeil hatte für die Veranstaltung Dr. Horst-Henning Grotheer als Referenten gewonnen. Er ist der Vorsitzende des Vereins »Degerloch fair«, das ist der Trägerverein des Weltladens in der Rubensstraße. Herr Dr. Grotheer erläuterte uns am Beispiel des Kakaos, wie das Produkt über den »Fairen Handel« in die Weltläden kommt. Zuerst zeigte er uns Bilder vom Anbau der Kakaobäume und der Ernte der Kakaobohnen. Erntemaschinen können nicht eingesetzt werden, da die Kakaofrucht nicht zu einer gewissen Zeit reift, sondern permanent blüht und Frucht trägt. Wenn sie reif sind, müssen die Früchte einzeln mit einem Hackmesser von Hand geerntet werden. Bei dieser mühseligen Arbeit werden oft Kinder in den Plantagen eingesetzt. Der Kakao wächst ausschließlich in den feuchten Tropenwäldern des Äquatorgürtels unserer Erde.
Der Rohstoff wird aus den armen Ländern an die Industriestaaten geliefert. Diese führen die Veredelung Kakao - Schokolade etc. durch. Weltläden sind Fachgeschäfte für fairen Handel. Das bedeutet, die Erzeuger erhalten langfristige Verträge mit fairen Preisen, die ihnen ein Leben in Würde ermöglichen.
Das ist gar nicht so selbstverständlich, wie es klingen mag. Die Erlöse für viele Produkte aus der sogenannten Dritten Welt sind im freien Welthandel so niedrig, dass die Erntearbeiter kaum davon leben können. Kaffee, Kakao und Orangensaft werden an internationalen Rohstoff-Börsen gehandelt. Auf die Preise haben die Produzenten keinerlei Einfluss. Beim Fairen Handel dagegen werden Mindestpreise gezahlt, die von den Preisschwankungen auf dem Weltmarkt unabhängig sind. Neben langfristigen Handelsbeziehungen werden außerdem Vorfinanzierungen, Mikrokredite und Unterstützung bei der Weiterentwicklung der Produkte geboten, damit die Erzeuger einen größeren Teil der Wertschöpfungskette für sich behalten können. Auf der anderen Seite werden aber auch Standards - z.B. hinsichtlich Arbeits- und Umweltbedingungen - verlangt und überwacht. Somit unterstützen Fair Trade Handelsorganisationen die in der Regel kleinbäurerlichen Produzenten und deren Heimatländer aktiv. Dr. Grotheer berichtete von zahlreichen Beispielen bei denen durch den Fairen Handel der Bau von Straßen, Schulen, Gesundheitszentren und Trinkwasserbrunnen ermöglicht wurde. Durch die Unterstützung von Kooperativen, die selbst über diese Projekte bestimmen, trägt er auch zur Demokratisierung bei.
In Deutschland gibt es mittlerweile etwa 800 Weltläden. Sie beziehen ihre Verkaufsware in der Regel von verschiedenen auf fairen Handel spezialisierten Importorganisationen wie dwp, GEPA, el Puente usw.. Daneben gibt es Organisationen wie Transfair e.V., die den Handel der Erzeugnisse überprüfen und mit einem Siegel versehen, an dem der Verbraucher fair gehandelte Produkte erkennen kann. Seit 2003 gibt es das international einheitliche Siegel »Fairtrade«. Aber nicht nur Weltläden, sondern mittlerweile auch Supermärkte (z.B. Lidl mit der eigenen, aber von Transfair lizensierten Marke »Fairglobe«) vertreiben Waren aus fairem Handel. Trotz der hierdurch zurückgehenden Umsatzmöglichkeiten für die Weltläden, die dies durch andere Produkte wie etwa Kunsthandwerk kompensieren müssen, ist der Einstieg der Discounter in den Fairen Handel aus Sicht der Erzeugerländer zu begrüßen.
Der Vortrag von Dr. Grotheer hat deutlich gemacht: durch sein Kaufverhalten kann der Verbraucher direkt die Menschen in den armen Ländern unterstützen und zu etwas mehr Gerechtigkeit in den Welthandelsstrukturen beitragen.
P.S. Weitere Informationen finden sich zum Beispiel auf dem Internetportal des Fairen Handels in Deutschland.
Renate Pfau
Konzert mit dem Quartetto sonore
Am Sonntag, 8. März 2008 war wieder Musik im Saal der Tempelgesellschaft angekündigt und mit frohen Erwartungen (frei nach Wilhelm Busch) »fährt das Auto, zieht das Herz zu schönen Opern und Konzerts« nach Degerloch.
Von Frühlingssonne durchflutet präsentierte sich die Bühne des renovierten Saales, die neu bezogenen purpurfarbenen Stühle leuchteten mit dem Blumenschmuck aus gelben Forsythien um die Wette. Wie farblich darauf abgestimmt wirkten die Kleider der jungen Musikerinnen des »Quartetto sonore«, Irina Hornung, Sophie Schuster, Katharina Brade und Anne Heinrich.
Als erstes erklang das Streichquartett in G -Dur, Köchelverzeichnis 387, eines der 60 Quartette Quintette, Trios und Duos, die Mozart für Streicher oder Kombinationen mit Bläsern schrieb. Es entstand 1785 als erstes von noch weiteren fünf bedeutenden Quartetten, die Mozart Haydn widmete, den er sehr verehrte und der ihn dazu angeregt hatte.
»Klangvoll«, so der Name von Irinas Quartett, füllte die Musik den Raum, dessen Akustik seit der Umgestaltung noch besser geworden ist. Die Spielfreude der Ausführenden übertrug sich auch auf die Zuhörer.
Nach der Pause dann ein Zeitsprung von etwa hundert Jahren - von der Klassik zur Romantik: Das Streichquartett Nr. 2 in D-Dur von Borodin wurde aufgeführt.
Alexander Borodin wurde in Petersburg 1833 geboren und starb auch dort 1887. Er war sowohl Naturwissenschaftler als auch Dr. der Medizin. Nach seiner Promotion reiste er nach Westeuropa, um sich wissenschaftlich weiterzubilden. 1862 erhielt er in St. Petersburg eine Professur an der Akademie für chemische Studien. Die Arbeit dort verschaffte ihm seinen Lebensunterhalt, während er das Komponieren, wie er selber sagte, »als Zeitvertreib und Erholung von seiner ernsten Arbeit« betrachtete.
Borodin wird aber als Komponist weltweit bekannt. Er hatte als Kind eine gute Ausbildung bekommen, beherrschte mehrere Sprachen und spielte Klavier, Flöte und Cello. Er heiratete 1863 eine sehr begabte russische Pianistin und komponierte wohl als Autodidakt. 1864 traf er auf Balakirew und wurde das letzte Mitglied der national-russischen »Gruppe der Fünf« zu der auch Rimski Korsakov, Mussorgski und Cui gehörten.
In ihren Kompositionen verwendeten sie Motive der russischen Folklore, episch- romantischer Stil, zum Teil die Form der Programmmusik, war ihr Kennzeichen.
Borodin fühlte sich stärker als die anderen zur klassischen Musik hingezogen, orientalische Anklänge und Einflüsse russischer Folklore spielten bei ihm eine Rolle. Beim Hören seines Quartetts, als die vielen pizzicato-Passagen aller Instrumente vorkamen, drängte sich mir wirklich der Vergleich »Balaleika- Orchester« auf.
Reichlicher Beifall belohnte die Musikerinnen - die Zuhörer bekamen zur Belohnung fürs Klatschen noch drei mit Schwung gespielte Zugaben geschenkt: Einen argentinischen Tango, ein Stück vom englischen Komponisten Edward Elgar (1857 - 1934), und einen Tanz von Edvard Grieg, dem Norweger (1843 - 1907), womit wir in der Moderne gelandet waren und gerne immer noch mehr gehört hätten.
Hoffentlich bietet sich dafür bald einmal wieder eine Gelegenheit! Für dieses Mal ein herzliches »Dankeschön« an Irina und ihre Kolleginnen.
Anne Ramsayer
Vortrag über Jugendkriminalität
Wird die Jugend immer krimineller? Über diese Frage wurde am Abend des 11. April in unserem Gemeindesaal gesprochen. Oberkommissarin Katja Irmler vom Jugenddezernat des Polizeipräsidiums Stuttgart (Haus des Jugendrechts) erläuterte die statistische Entwicklung und ging auf die Definition der Jugendkriminalität, jugendspezifische Delikte und deren Ursachen ein. Ihr Kollege Uwe Stahlmann, Jugendsachbearbeiter beim Polizeirevier Degerloch, schilderte die konkrete Lage vor Ort.
Das Jugenddezernat des Polizeipräsidiums ist für ganz Stuttgart und für übergreifende Ansätze der Kriminalitätsprävention zuständig. Hier ist seit 1999 ein Programm für Jugendliche Intensivtäter und sogen. Schwellentäter angesiedelt. Jugendliche Intensivtäter sind Personen unter 14 Jahren, die bisher mit mehr als 10 Delikten oder 3 Gewaltdelikten auffielen, oder Personen über 14 Jahren mit mehr als 20 Delikten oder 5 Gewaltdelikten. Der Begriff »Schwellentäter« bezieht sich auf junge Menschen bis zum 17. Lebensjahr, die kurz davor stehen, zum Intensivtäter zu werden. Jugendspezifische Delikte sind Diebstahl, speziell Ladendiebstahl, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Schwarzfahren.
Das Programm beinhaltet eine intensive Betreuung der jungen Menschen in Form regelmäßiger Treffen u.a. mit dem Jugendamt, Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe, Bewährungshelfern und Ausländeramt. Derzeit sind 69 Personen im Programm, davon 5 Mädchen. Dieses Programm zeigt nach den Worten von Frau Irmler bereits Wirkung; die Zahl der Jugendlichen Intensivtäter sei in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen, aus Degerloch sei zur Zeit niemand im Programm.
Die Referenten versäumten nicht, darauf hinzuweisen, dass für Jugendliche der Anpassungsprozess in die Gesellschaft nicht selten konfliktbehaftet und mit Verstößen gegen Rechtsnormen verbunden sei. Jugendkriminalität sei im statistischen Sinne »normal«. Sie verlaufe jedoch vorwiegend episodenhaft begrenzt auf einen Lebensabschnitt. Die meisten straffällig gewordenen Jugendlichen begännen keine kriminelle Karriere, sie kämen einmal mit dem Gesetz in Konflikt und danach nicht mehr.
Schließlich dürfe auch nicht die Lockerung gesellschaftlicher und familiärer Bindungen als Ursache problematischer Entwicklungen verschwiegen werden. Oft erführen junge Menschen Gewalt am eigenen Leib, mangelnde Fürsorge im Elternhaus, soziale Benachteiligung, Drogen- und Alkoholkonsum, Einbindung in gewaltorientierte Gruppen, aber auch Migration mit entsprechenden Anpassungsproblemen. Viele typische Jugenddelikte wie Ladendiebstahl oder Schwarzfahren entpuppten sich bei näherer Betrachtung als »Mutproben« aufgrund des Gruppendrucks in einer Clique.
Die Zahl der jugendlichen Gewalttäter unter 21 Jahren stieg 2007 gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozent an; dies liege nach Ansicht der Referenten auch daran, dass diese Straftaten vermehrt angezeigt würden, z.B. Prügeleien in der Schule oder auf dem Heimweg. Kommissar Stahlmann berichtete über seine Gespräche mit auffälligen Jugendlichen in Degerloch und äußerte sich insgesamt skeptisch zu den Aussagen der polizeilichen Kriminalstatistik. Aus seiner (subjektiven) Sicht sei die Jugend früher auch nicht besser gewesen, nur würden die Medien heutzutage intensiver über jede Art von Kriminalität berichten. Vieles werde unnötig dramatisiert.
Es war ein sehr interessanter und informativer Abend, der uns zeigte, dass die Jugend doch nicht so schlecht ist, wie es oft in den Zeitungen steht. Sicher war es früher so, dass die Jugend z.B. in der Straßenbahn den Erwachsenen häufiger einen Sitzplatz anbot; heute ist dies nicht automatisch der Fall, aber wenn ich darum bitte, wird mir immer ein Platz angeboten. Auch stellt sich die Frage: wo können und dürfen Kinder heute noch toben? Oft fühlen sich diese Jugendlichen allein gelassen und sind nur in der Gruppe stark.
Zum Schluss noch einen Dank an Jörg, der immer wieder so kompetente Referenten zum Freitagabend-Treff findet.
Roswitha Wessner
Konzertabend mit dem Trio Chagall
Als am 12. April ein Konzert mit dem Trio Chagall anstand, waren die Reihen im Saal des Gemeindehauses wieder gut gefüllt. Alle sahen voller Vorfreude den anstehenden musikalischen Genüssen mit Henriette Auracher an der Violine, Hinnes Goudschaal am Violoncello und Atsuko Yoneda am Klavier entgegen. Nach einigen einleitenden Worten von Henriette, Tochter von Wolfgang und Inge Blaich, betraten die drei Musiker auch schon den Ort des Geschehens.
Zu Beginn erklang das Klaviertrio Opus 1 Nr.1 in Es-Dur von Ludwig van Beethoven (1770-1827), das er im Alter von 24 Jahren zu Ehren seines Gönners Fürst Lichnowsky komponierte. Die Besonderheit dieses Stücks liegt darin, dass das Klavier im Unterschied zu vielen Klaviertrios jener Zeit auch gelegentlich in den Hintergrund tritt, um besonders dem Cello die Führung zu überlassen. Die vier Sätze waren sehr abwechslungsreich, und es zeigte sich schnell, dass keiner der drei Musiker sich scheute, auch mal kräftiger in die Saiten und Tasten zu langen. Auch an den virtuosesten, höchsten Stellen zeichneten sie sich noch durch höchste Sicherheit aus. Der Name des Trios, in Anlehnung an die Farbenpracht und Lebendigkeit der Werke des gleichnamigen Malers, erwies sich als äußerst passend. Wilde Verfolgungsjagden mit schnellen Läufen wechselten sich mit langsamen harmonischen Partien ab.
Das folgende Stück von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) führte die Zuhörer in eine andere Welt als der wohlbekannte Beethoven. Komponiert im Jahr 1944 anlässlich des Todes eines guten Freundes, handelt es sich bei dem Klaviertrio Nr.2 Opus 67 e-Moll um Trauermusik. Der erste Satz, ein Andante-Moderato-Pocco piu mosso begann mit klagenden Flageoletttönen im Cello, die dann von einem nur scheinbar fröhlichen, gehetzt wirkenden Thema abgelöst wurden. Das anschließende Allegro con brio erinnerte an einen dämonischen, gejagten Walzer als Ausdruck für Hohn und Entsetzen, gefolgt von dem Largo, einer einzigen Klage. Abgeschlossen wurde das musikalische Erlebnis mit einem grotesk anmutenden Allegretto-Adagio. In diesen Satz war eine Vielzahl von scheinbar lustigen, aber bissig gemeinten Elementen jüdischer Volksmusik eingearbeitet.
Nach der Pause wurden vier Tangos des argentinischen Bandoneon-Spielers und Komponisten Astor Piazzolla aufgeführt, der als Begründer des Tango Nuevo gilt. Trotz namentlicher Anlehnung an Antonio Vivaldi, sind nur wenige Parallelen zu dem 150 Jahre früher lebenden venezianischen Komponisten zu erkennen. Zuweilen erscheinen die jahreszeitlichen Zuordnungen zu den vier Sätzen sogar recht willkürlich. Auf fast jeden ruhigen Teil folgt auch ein rasanter. Befinden sich alle Instrumente in scheinbarer Harmonie, kommt es zu einem abrupten Fortgang. Der Zuhörer bleibt in ständiger Spannungs- und Erwartungshaltung und wird nicht enttäuscht. So kommt auch das Finale sehr überraschend.
Die Musiker wurden mit jeder Menge Applaus belohnt und spielten als Zugabe eine bekannte Melodie aus der Werbung der 70er Jahre. Wir hoffen, Henriette hier bald wieder begrüßen zu dürfen und verbleiben mit einem großen Danke an sie und ihre beiden Musikerkollegen.
Christine Klingbeil
Friedhofsreise 2008
Mit noch ganz taufrischen Eindrücken restlos erfüllt, möchte ich einen kurzen Rückblick auf unsere diesjährige Friedhofsreise geben. Unsere Gruppe bestand aus sechs Teilnehmern: Jörg Struve, Dieter und Ingrid Lange, Burgl Buhmann, Jörg und Karin Klingbeil.
Vordringlichster Zweck dieser Reise war, wie bei jeder Friedhofsreise, nach den Friedhöfen in Haifa und Jerusalem zu sehen. Dabei wissen wir, dass der Haifaner Friedhofsgärtner Adnan Melshy bei seiner Pflege keinerlei Wünsche offen lässt: der ganze Friedhof ist sauber und gepflegt, vor jedem Grabstein blüht etwas, um die Gedenkplatte auf der Sammelgrabstätte hat er eine ganze Blumenrabatte angelegt. In Jerusalem sah das ein wenig anders aus - hier wollten wir einen neuen Gärtner ausfindig machen. Da hier in Jerusalem unter Umständen noch weiterer Handlungsbedarf bestand - wir wussten von einem Neubau auf dem Nachbargrundstück - wollten wir auch diesbezüglich nach dem Rechten sehen. So planten wir Aufenthalte in Jerusalem am Anfang, in der Mitte und am Ende unserer Reise ein.
Aber wir ließen uns auch Raum für Besichtigungen, und als »Bonbon« der diesjährigen Reise hatten wir eine dritte Woche angehängt, in der wir, nach getaner Arbeit, Jordanien erkunden wollten.
So stürzten wir uns ins Geschäft, säuberten Grabsteine, zogen Grab-Inschriften nach, führten Gespräche mit neuen Gärtner-Kandidaten und mit den vielen Besuchern, die besonders in Jerusalem auf den Friedhof strömen, kaum dass die Türe offen steht. Das gestiegene Interesse nach der häufigen Berichterstattung über die Templer und die Sanierung ihrer Häuser in israelischen Medien war deutlich zu spüren - und die Tatsache, dass wir diese Friedhöfe pflegen, nötigt Israelis schon immer Respekt ab.
Für eine Woche gönnten wir uns die Bequemlichkeit eines Kleinbusses, den Jörg Struve vorher übers Internet gebucht hatte. Damit kamen wir schnell und komfortabel von Jerusalem über Beit Guvrin mit den Glockenhöhlen und Jaffa nach Haifa, dann nach Tabgha am See Genezareth. In Jaffa bekamen wir gezeigt, wie das ehemalige Wieland-Gelände zusammen mit der Bahnhofs-Station »Jaffa« saniert werden soll - der alte Bahnhof strahlte bereits in neuer Pracht. Wir konnten Gamla und Hamat Gader mit seinen heißen Quellen besuchen, außerdem Meggido und Kursi, beides umfangreiche Ausgrabungsstätten.
Den Höhepunkt stellte jedoch Jordanien dar, das drei von uns noch nie besucht hatten. Angefangen mit Amman besichtigten wir Jerasch, Umm Qais, das alte Gadera, die Wüstenschlösser, das Tote Meer mal von der anderen als der gewohnten Seite, Madaba, Berg Nebo, Hammat Ma'in mit heißem Wasserfall, die Kreuzfahrerfestung Kerak und die Nabatäerstadt Petra, dem absoluten Höhepunkt für uns alle.
So lernten wir ein äußerst sehenswertes Land mit liebenswürdigen Bewohnern kennen. Im Wadi Ramm machten wir noch eine Jeep-Wüstentour mit, stiegen auf das »normale« Wüstenreisemittel, das Kamel, um und übernachteten im Beduinencamp. Über Aqaba reisten wir erneut in Israel ein und genossen einen Tag in Eilat beim Schnorcheln im Roten Meer, bevor es dann über Jerusalem wieder nach Hause ging. Wen wundert es, dass wir alle eine geraume Zeit brauchten, um hier wieder so richtig anzukommen! Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, über diese Reise einmal in Bildern zu berichten.
Karin Klingbeil
Ein Abend unter Bienen
Zum Freitagabendtreff am 23. Mai gab es ein Vergnügen besonderer Art: der Vater unseres hochgeschätzten Saal-Architekten, Herr Rudolf Ziegler, Imker und Mitglied des Stuttgarter Bienenzuchtvereins, hatte angeboten, uns etwas über Bienen und Bienenhaltung zu erzählen. Leider waren nicht sehr viele Zuhörer gekommen, allerdings neben der templerischen Stammbelegschaft mehr Außenstehende als sonst, die am Thema interessiert waren. Vielleicht wirkte es sich ungünstig aus, dass es gleichzeitig im Haus des Waldes beim Fernsehturm einen Vortrag über Bienen gab. Ich denke aber, dass die, die zu uns kamen, das bessere Los gezogen haben, vor allem deshalb, weil Herr Ziegler eine Beute - ein Kasten, in dem etwa 10 Wabenplatten eingehängt sind, samt einer Schauplatte mit Bienen - mitgebracht hatte, um die wir nachher herumstehen und in aller Ruhe die Bienen bei der Arbeit beobachten konnten, was das Gehörte lebendig machte. Bei einem größeren Publikum wäre das schwierig gewesen.
Zunächst aber erzählte Herr Ziegler vom Leben der Bienen. Obwohl ich glaubte, die wichtigsten Fakten zu kennen, war ich fasziniert von der unglaublichen Arbeitsleistung der Bienen (für ein Pfund Honig müssen sie zusammengenommen dreimal um die Erde fliegen!), vor allem aber von ihrer angeborenen Fähigkeit, eine hochkomplexe »Staatsordnung« zu bauen und aufrechtzuerhalten.
In der Natur bauen sie sich ihren Stock, ihr »Haus«, selbst, in perfekt sechseckigen Waben, aus selbst gefertigtem Material: sie schwitzen an der Unterseite Wachsplättchen aus, das andere Bienen abnehmen und zu Waben fügen. Diese dienen z.T. als sichere Behausung für den Nachwuchs, z.T. als Vorratsspeicher für Honig und Pollen, Nahrung für den Nachwuchs und für den Winter. Ist eine Wabenzelle voll, wird sie mit einem Wachsdeckel verschlossen.
Dass nur die Königin für den Nachwuchs sorgt, weiß man natürlich; weniger, dass sie erst durch die Fütterung mit besonders wertvoller Nahrung, dem »Gelée Royal«, zur Königin wird. Nach 17 Tagen ist sie geschlechtsreif, geht mit den Drohnen, den männlichen Bienen, auf Hochzeitsflug, da die Begattung nur im Flug stattfindet, und legt nach der Rückkehr jeden Tag bis zu 2000 (bereits befruchtete) Eier, und das 5-6 Jahre lang. Arbeitsbienen sterben schon nach ca. 50 Tagen, Drohnen kurz nach der Begattung. Da der Stock ohne Königin aussterben würde, werden gegen Ende dieser Zeit eine oder mehrere Königinnen angefüttert. Schlüpft eine davon, zieht entweder die alte Königin mit dem größten Teil des Stockes aus, oder es kommt zu einem Kampf auf Leben und Tod zwischen den Rivalinnen. Dieses versucht der Imker zu vermeiden, indem er die Anfütterung verhindert bzw. die Königin ersetzt, bevor die alte ausfliegt.
Im Stock leben außer der Königin mehrere tausend Arbeitsbienen und wenige hundert Drohnen. Es herrscht strikte, nach dem Lebensalter geregelte Arbeitsteilung. Die jüngsten Bienen müssen die frei gewordenen Waben reinigen, dann werden sie »Ammen«, die die Brut füttern, dann Flugbienen, die Nektar und Pollen heranschaffen, dann Wachsoldaten, die das Flugloch bewachen, und schließlich Wehrsoldaten, die den Stock verteidigen, d.h. durch Stechen eventuelle Feinde vertreiben. Die Bienen »wissen«, wie viele von jeder Sorte gebraucht werden, und richten sich danach.
Am wichtigsten sind Bienen für uns nicht wegen des Honigs, sondern weil von ihnen die Bestäubung vieler unserer Blütepflanzen abhängt. Sie holen sich, als Nahrung für sich und die Brut, den Nektar, den kleine Drüsen am Grunde der Blüten ausscheiden, und dabei bleibt der Pollen der Staubfäden an ihren fein behaarten Beinen hängen. Beim Besuch der nächsten Blüte bleibt ein Teil dieses männlichen Samens an der Narbe, dem oberen Teil des Fruchtknotens, in der Blüte hängen und befruchtet diesen so. Dass das so gut funktioniert, hängt damit zusammen, dass Bienen - in der jeweiligen Blütezeit - immer ein und derselben Pflanze treu bleiben. So wird der transportierte Pollen optimal genutzt - Apfelpollen auf einer Rapsblüte würden gar nichts bewirken.
Haben einige Bienen eine gute Futterstelle gefunden, teilen sie das, einschließlich des Standorts, durch einen komplizierten - vom Menschen bisher nicht verstandenen - Formationstanz den anderen Bienen mit. Die fliegen dann auch aus, orientieren sich dabei an der Sonne und kalkulieren den wechselnden Sonnenstand ein - etwas, wozu kein Mensch fähig wäre.
Honig machen die Bienen, indem sie Nektar und Pollen mit körpereigenen Stoffen vermischen. Je nach der angeflogenen Pflanzenart bekommt er einen eigenen Geschmack - beim dunkleren, flüssigeren Waldhonig wird statt des Nektars die süße Ausscheidung der Läuse eingesammelt, die auf den Tannenzweigen sitzen.
Sind etwa zwei Drittel einer Wabenplatte gedeckelt, ist sie »reif« - im restlichen Drittel saß die in-zwischen geschlüpfte Brut. Dann wird durch Schleudern der Honig herausgeholt und die Platte wieder eingehängt, die Bienen selbst reinigen sie sorgfältig. Und da sie nun keinen Wintervorrat mehr haben, sammeln sie eifrig weiter. Der Imker, der ihnen immer wieder den Honig wegnimmt, muss sie deshalb im Winter regelmäßig mit Zuckerwasser füttern.
Es war faszinierend, diese ganzen hochkomplexen Zusammenhänge ein bisschen besser verstehen zu lernen. Aber der Höhepunkt war doch der persönliche Augenschein: die offenen und gedeckelten Waben, das Wuseln der Bienen, die staubartigen schwarzen Spuren auf dem Holzrand der Beute, wo die Bienen den herausgeholten »Dreck« abgelegt hatten, und die Königin, die die leeren Waben inspizierte, ob sie sauber genug seien für das nächste Ei.
Es war ein sehr interessanter und vergnüglicher Abend - vielen Dank an Herrn Ziegler und seinen »Bienenfreund« Herrn Stesel, die ihn uns beschert haben!
Brigitte Hoffmann
Tempelgründungsfeier
Am 22. Juni feierten wir mit der Gemeinde den 147. Jahrestag (1861 auf dem Kirschenhardthof) der Tempelgründung. Bei strahlendem Sonnenschein erwarteten wir im Saal die Ansprache von Peter Lange. Für die musikalische Umrahmung der Feier danken wir Katharina Brade und Rumi Hornung. Katharina Brade demonstrierte uns wunderbar den herrlich weichen Klang ihrer Bratsche, eindrucksvoll am Klavier begleitet von Rumi. Wir hörten Werke von Hofmeister, Bach und als musikalischen Ausklang eine Elegie von Alexander Glasunow, die mir besonders gut gefiel.
Als Gäste durften wir unseren Tempelvorsteher Dr. Rolf Beilharz und seine Frau Vyrna begrüßen. Dr. Rolf Beilharz überbrachte Grüße der Gemeinden aus Australien. Als Geschenk überreichte er Peter das neue Buch von Irene Bouzo.
Den Bibeltext für seine Ansprache entnahm Peter dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Ephesus: »Ihr seid in den Bau eingefügt, dessen Fundament die Apostel und Propheten bilden, und der Eckstein im Fundament ist Jesus Christus. Durch ihn wird der ganze Bau zusammen gehalten, durch ihn, den Herrn, wächst er auf zu einem heiligen Tempel. Weil ihr zu Christus gehört, seid auch ihr als Bausteine in diesen Tempel eingefügt, in dem Gott durch seinen Geist wohnt.«
Nach dem Gottesdienst und bis zum gemeinsamen Mahl war genügend Zeit für Begrüßungen und kleine Schwätzchen. Und dann wurde das Mittagessen aufgetragen. Der Duft ließ Köstliches erwarten. Wir wurden von der Küchen-Crew - wie in jedem Jahr - mit einem herrlichen Essen verwöhnt, einschließlich dem bekannt leckeren Nachtisch.
Gespannt waren wir auf den Vortrag um 14 Uhr von Dr. Jakob Eisler über sein Thema: »Der Johanniterorden und die württembergischen Templer in Jerusalem im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts«. Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. von Preußen gründete den evangelischen Johanniterorden 1852 in Brandenburg. Gleichzeitig ließ er in Jerusalem eine Krankenstation bauen. Vier Diakonissenschwestern betreuten dort in dem preußischen Hospiz Kranke, aber auch deutsche Handwerksburschen, die in Palästina auf Arbeitssuche waren. Die Handwerksburschen konnten im Hospiz 14 Tage auf Kosten des Ordens wohnen, andere Gäste bezahlten aber für ihren Aufenthalt. Im Jahre 1858 erfolgte die Gründung des Johanniterhospizes in Jerusalem. Dr. Eisler berichtete uns in seiner humorvollen Art, wie er Kenntnisse über viele Einzelheiten sammeln konnte. So fand er z.B. ein altes Gästebuch im Hospiz mit den ersten Eintragungen von Name, Herkunft und Aufenthalt der Reisenden. Als erste Templerin wurde 1862 Caroline Hessenthaler vom Kirschenhardthof vermerkt. Viele Templer benützten das Hospiz als Übernachtungsstätte, so auch David Gottlob Sandel und die Herren Hardegg, Breisch und Imberger.
Anlässlich der Eröffnung des Suezkanals 1868 besuchte Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. auch Jerusalem. Er nahm Logis im Johanniter-Hospiz, das entsprechend herausgeputzt wurde unter Mithilfe von mehreren Templern (z.B. den Herren Eppinger und Aberle).
Gustav Bauernfeind verbrachte über 7 Monate im Hospiz und malte in dieser Zeit 13 Aquarelle.
Bei der Pilgerreise von Prinz Eitel Friedrich im Jahr 1910 wurde das Hospiz der Auguste-Victoria-Stiftung auf dem Ölberg in Jerusalem eingeweiht. Dadurch verlor der Johanniterorden immer mehr an Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten palästinensische Flüchtlinge im Gebäude der Johanniter. Inzwischen wurde das ehemalige Hospiz restauriert und ist heute eine schöne Herberge, die 30 Gäste aufnehmen kann.
Der unterhaltsame Vortrag mit einigen Bildern versetzte uns in die Zeit in Jerusalem um 1860-1900. Es war eine wunderbare Reise in die Lebensweise auch unserer Vorfahren. Zurück in der Gegenwart rief das obere Stockwerk mit Kaffee und Kuchen. Wir kamen gerne.
Herzlichen Dank an alle Beteiligten, die diesen erfüllten Tag wunderbar gelingen ließen.
Hiltraud Kratzert
Sommerfest
Wie schon im letzten Jahr bildete das Sommerfest am Samstag, 19. Juli, den fröhlichen Ausklang vor der Ferienpause. Und wieder war der Auftakt ein festliches Konzert, diesmal gestaltet vom Erwachsenen-Blockflöten-Ensemble der Musikschule Filderstadt. Karin Klingbeil spielt dort seit Jahren mit, und weitere Mitglieder des Ensembles haben schon öfter bei der musikalischen Ausgestaltung unserer Feiern mitgeholfen. Diesmal haben sie, unter der Leitung von Georg Corall, ein ganzes Konzert für uns auf die Beine gestellt - und das, obwohl einige Mit-Bläser urlaubsbedingt fehlten.
Wir Zuhörer vermissten nichts. Das Konzert war ein uneingeschränkter Genuss. Und interessant war es auch. Wahrscheinlich hatten die meisten von uns keine Vorstellung davon, wie viele verschiedene Arten von Blockflöten es gibt, wie unterschiedlich sie im Klang sind und wie farbig man infolgedessen damit musizieren kann. Der Clou war die Subbassflöte: größer als Karin, die sie blies, und mit einem satten, tiefen Klang. Auch das Cembalo war ein Star: schon durch seine Größe - ich habe noch nie bewusst ein so großes gesehen - (wie haben die das bloß transportiert?), und vor allem durch seinen schönen, vollen Klang. Obendrein machte es sich durch seine elegante Form und sein leuchtendes Blau-Orange auf unserer weißen Bühne ausgesprochen dekorativ.
Auch das Programm war interessant und abwechslungsreich: von bekannten Barock-Komponisten - mir gefiel besonders Buxtehude, der in manchen Passagen erstaunlich modern klang - über unbekannte, zu denen Herr Corall kurze Einführungen gab, bis hin zur furiosen »Fiesta Latina« von Gerald Schwertberger, bei der man am liebsten mitgetanzt hätte.
Herrn Corall und dem ganzen Ensemble einen ganz herzlichen Dank!
Auf die geistigen Genüsse folgten die leiblichen: Essen, Trinken und Schwätzen - letzteres gehört wohl nicht zum Leiblichen, aber mir ist kein passendes Wort eingefallen. Das kulinarische Angebot war wieder einmal hervorragend, und ebenfalls interessant: was steckt alles in diesem neuen, köstlichen Salat? Dazu liebevoll gegrilltes Fleisch, Würstchen und Gemüse und sonstige Beilagen. Und wenn man sich, verführt von Gier, durch den größeren Teil der Verlockungen (durch alles ging nicht) durchgefressen hatte, stellte man fest, dass es noch jede Menge phantasievoller Desserts gab. Allen edlen Spendern, Vorbereitern und Grillern herzlichen Dank!
Über die Qualität der vielen Gespräche in Groß- und Kleingruppen kann ich natürlich nichts sagen, aber auf jeden Fall schien der ganze Haufen sehr vergnügt zu sein, und das war schließlich der Zweck der Übung.
Das Wetter hat es gut mit uns gemeint, es war nicht zu heiß und nicht zu kalt, man konnte drinnen und draußen sitzen, solange es die Tageszeit erlaubte, sogar noch mit Sonne.
Zu vorgerückter Stunde zeigte Karin noch Bilder von der letzten Friedhofsreise im April: sprechende Momentaufnahmen vom handelnden Personal, z.B. zusammengesunken in Erschöpfung oder in akrobatischer Verrenkung beim Nachmalen von Grabinschriften; von unserem unermüdlichen Haifaner Friedhofswärter Adnan samt Großfamilie und dem Dinner mit Tischtuch und Gedeck, das er dem Team auf dem Friedhof servierte (nachdem sie seine täglichen Einladungen in sein Haus mit der Begründung, sie müssten arbeiten, abgelehnt hatten); und schließlich wunderschöne Aufnahmen von Landschaften und Ruinen auf der anschließenden Kultur- und Erlebnisreise nach Jordanien (da die Teilnehmer ihre Reise selbst bezahlen, sind sie voll legitimiert, sich auch einmal eine Woche Urlaub zu geben): Jerash, Wüstenschlösser, Petra und kleinere, unbekannte Ausgrabungen. Manche unter uns hatten die Bilder schon beim Wochenendseminar gesehen, aber ich denke, es ging ihnen wie mir: ich habe sie mit Wonne noch einmal angeschaut.
Über das Ende der Veranstaltung kann ich leider nichts mehr berichten. Als sich von draußen Donnergrollen, Blitze und erste Regentropfen bemerkbar machten, beschloss ich, dass ich, per Fahrrad, wohl besser heimfahren würde, ehe das Gewitter losbrach. Eines allerdings weiß ich aus Erfahrung auch so: dass nach dem Ende des Vergnügens etliche noch lange beschäftigt waren, um aufzuräumen, zu spülen und alles - von den Möbeln bis zum Besteck - wieder in Ordnung zu bringen. Und mit Sicherheit waren dabei auch gerade diejenigen, die vorher schon viele Stunden damit beschäftigt waren, alles zu planen und so schön herzurichten. Auch ihnen - besser: vor allem ihnen - herzlichen Dank! Es war wieder einmal ein rundum gelungenes Fest.
Brigitte Hoffmann
Jugendferienlager
Im Vorgriff auf vielleicht noch kommende Berichte über die Erlebnisse der Jugendgruppe in der Sommer-Freizeit zeigen wir einen Bilder-Streifzug durch die vielfältigen Aktivitäten.   
Den Betreuern Jörg Struve und Kerstin Kloß sei hier herzlich Dank gesagt für ihren Einsatz.
Peter Lange
TGD-Mitgliederversammlung
Für alle, die nicht dabei sein konnten, seien hier die wesentlichen Ergebnisse der diesjährigen Mitgliederversammlung am 4. Oktober wiedergegeben. Zu Beginn der Sitzung wurde der im Zeitraum seit der letzten Mitgliederversammlung verstorbenen fünf Mitglieder Erna Wurst, Frieder Vollmer, Dr. Gerhard Struve, Else Greiner und Jakob Ertel gedacht. Als neue Mitglieder sind Dr. Martin Schreiber, langjähriger Leiter der TTHA und erst vor kurzem nach Deutschland umgezogen, sowie Alexander Ertel jr. eingetreten. Der Mitgliederstand beläuft sich damit aktuell auf 148.
Ludwig Beilharz stellte den Rechnungsbericht 2007 vor und ging insbesondere auf die Auswirkungen der aktuellen Finanzmarktkrise in Bezug auf die Geldanlagen der TGD ein. Zum Glück habe man einen Teil der Aktien noch zu einem günstigen Zeitpunkt wegen der Investitionen für den Saalumbau verkaufen können. Er erläuterte außerdem im Zusammenhang mit dem Bericht des Friedhofsausschusses die beabsichtigte Aufstockung des Friedhofsfonds, die noch mit der TSA abzustimmen sei, sowie die von der Gebietsleitung beschlossene Auflösung der beiden zweckgebundenen Fonds für Jugendarbeit und Soziales ab dem Jahr 2009. Das Kapital dieser Fonds werde in das freie Kapital überführt, wodurch eine flexiblere Bewirtschaftung ermöglicht werde; eine Vernachlässigung der beiden Zwecke sei nicht zu erwarten. Winfried Bitzer hatte die Haushalts- und Kassenführung geprüft und keinen Grund zur Beanstandung gefunden.
Unter TOP 3 berichteten die einzelnen Verantwortlichen über die Aktivitäten im zurückliegenden Jahr und über geplante künftige Vorhaben, angefangen beim Gemeindeleiter, über die Verwaltung, den Friedhofsausschuss, den Jugendausschuss, den Sozialkreis bis hin zum Ältestenkreis, dem Archivar und Schriftleiter sowie dem Gebietsleiter. Peter Lange bat darum, bis zur Mitgliederversammlung 2009 von den Aufgaben der »Warte«-Redaktion entbunden zu werden, die er seit 25 Jahren wahrnimmt.
Gebietsleiter Wolfgang Blaich dankte den zahlreichen aktiv mitwirkenden Mitgliedern vor und hinter den Kulissen und sprach als seine wesentlichen Hauptanliegen eine rege Teilnahme an den Gemeindeveranstaltungen und eine aktive Jugendarbeit an. In diesem Zusammenhang bat er um vermehrte Anstrengungen und Problembewusstsein; es sei für die jugendlichen Organisatoren demotivierend, wenn jemand trotz Zusage nicht komme.
Die Gebietsleitung wurde einstimmig entlastet. Der Gemeindeleiter wurde durch Wahl in seinem Amt bestätigt.
Jörg Klingbeil
Unser Gemeindeleiter
Die Notiz über die erfolgte Wiederwahl von Jörg Klingbeil für weitere vier Jahre im Amt des Leiters der Stuttgarter Tempelgemeinde ist in unserem Bericht über die Mitgliederversammlung leider etwas kurz ausgefallen. Das lag natürlich vor allem daran, dass Jörg selber als Protokollführer bei der Mitgliederversammlung fungierte und keine Selbstdarstellung vornehmen wollte.
Deshalb möchte ich das Versäumte hier nachholen - dass nämlich alle Anwesenden der Ansicht waren, dass Jörg seinen Aufgaben als Gemeindeleiter in der Vergangenheit ausgezeichnet nachge-kommen ist und dafür Entlastung verdient hat. Ja mehr noch: wir dürfen uns glücklich schätzen, dass er sich der Gemeinde in seiner Funktion auch weiterhin zur Verfügung stellt.
In der geltenden Satzung der TGD steht, dass der Gemeindeleiter für die Organisation von Gemeindeveranstaltungen und den Gemeindebetrieb verantwortlich ist. Das bedeutet nicht unbedingt, dass er alles selbst ausführen müsste. In Wirklichkeit tut er das aber. Wir sehen ihn so oft, wie er Getränkeflaschen aus dem Keller heraufschleppt, wie er Tische und Stühle für eine Veranstaltung zurechtrückt, wie er die erforderlichen Hilfsmittel für Vortragsabende herbeischafft. Und was am meisten wiegt: wie er bei jeder Gemeindeveranstaltung präsent ist, bei öffentlichen Veranstaltungen die richtigen Gruß- und Einführungsworte findet und auch an ein Dankeschön-Geschenk für die Künstler oder den Referenten denkt, wobei allein schon die Suche nach dem entsprechenden Referenten, wie ich meine, große Anerkennung verdient.
Lasst seine Appelle an uns, an die Mitglieder der Gemeinde, nicht ungehört verhallen, lasst uns das Gemeindeleben unterstützen, so viel wir können, auch wenn dies »nur« in der Teilnahme an den angebotenen Veranstaltungen besteht. Ohne Resonanz unsererseits ist jeder noch so freudig angepackte Arbeitseinsatz unseres Gemeindeleiters letztlich zum Scheitern verurteilt.
Peter Lange
Rückblick aufs Dankfest
Auch wenn wir unser Dankfest an einem kühleren Wochenende, zwischen zwei bedeutend wärmeren, begingen, kam doch die Sonne heraus und schickte ihre herbstlichen Strahlen in unseren Saal. Hier hatte sich eine erfreulich große Gemeinde zusammengefunden, die den Ausführungen von Peter Lange zum Thema »Dankbarkeit« folgte. Nach der einfühlsam vorgetragenen Eingangsmusik - es spielten Irina Hornung, Violine, und Daniel Auder, Bratsche, - las Inga Reck »Wofür ich danken kann«, um uns bewusst zu machen, wie vieles, auch Alltägliches, uns Grund zur Dankbarkeit gibt. Eine Tafel mit schönen Bildern - in der Mitte der in Australien entstehende dreiteilige Bildteppich mit der Geschichte der Templer - veranschaulichte Weiteres, wofür wir Dankbarkeit empfinden können. Die reichhaltig mit Feldfrüchten und Blumen dekorierte Bühne tat ein Übriges zur Einstimmung in das Gefühl der Dankbarkeit, und auch die Aussage, dass Dankbarkeit schlicht als »das Gedächtnis des Herzens« anzusehen sei, empfand ich als schönes Bild. Dabei legte Peter das Augenmerk mit der Geschichte vom Johannisbrotbaum, der gepflanzt wurde, lange bevor man seine Früchte ernten konnte, besonders auch darauf, dass es Vieles gibt, auf das wir heute zwar zugreifen, wofür aber die vor uns lebenden Generationen gesorgt haben - und das gilt auch in geistiger Hinsicht.
Besonders schön sind immer die Darstellungsfeiern, die im Rahmen der Dankfeste stattfinden. In diesem Jahr nahm Wolfgang Blaich die Darstellung der 15 Monate alten Zoé Lea Sandel vor, die unerschrocken die verschiedenen Ansprachen »kommentierte«. Wolfgang zitierte Worte des italienischen Dichters und Philosophen Dante Alighieri: »Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben, Sterne - Blumen - Kinder« und verband diese Worte mit der Bedeutung, die Kinder auch bei Jesus haben in der Überlieferung der Worte: »Lasset die Kindlein zu mir kommen; wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes.« Die folgende Aufforderung: »Werdet wie die Kinder!« gab Anlass, darüber nachzudenken, was denn Kindsein bedeutet, woran konkret sich jeder Erwachsene in Bezug auf seine eigene Kindheit erinnern kann - und, allgemein, was diesen Zustand ausmacht: »Kinder sind Augen, die sehen, wofür wir längst schon blind sind; Kinder sind Ohren, die hören, wofür wir längst schon taub sind; Kinder sind Seelen, die spüren, wofür wir längst schon stumpf sind; Kinder sind Spiegel, die zeigen, was wir gerne verbergen.« Und: zu diesem Zustand gehört ganz ursächlich die Fähigkeit, mit sich und der Welt eins zu sein, sich in völliger Hingabe in das zu versenken, womit sie sich gerade beschäftigen, einen inneren Zustand von Liebe und Harmonie zu erreichen, der als ein Aspekt des Reiches Gottes angesehen werden kann. Daher ist nicht gemeint, dass wir Erwachsene wieder werden sollen wie die Kinder, sondern, dass wir das Reich Gottes annehmen sollen wie ein Kind: (wieder) zu lernen, unseren Verstand und unser Denkvermögen, unsere weltlichen Anliegen und Wünsche, die zuweilen ein Hindernis sein können, beiseite zu schieben, um (wieder) in den Zustand des Empfangens und des Offenseins zu kommen. Damit verbunden ist die Verantwortung der Eltern, sich bei der Erziehung ihrer Kinder darum zu bemühen, dass das so gemeinte Kindsein nicht verschüttet, sondern bewahrt wird.
Das Gemeindelied zur Darstellung, ein Sinnspruch und die Bitte um Gottes Segen für das Kind rundeten die Darstellung ab.
Irina und Daniel verwöhnten die Gemeinde mit weiteren Stücken von Bach und Telemann, wofür ihnen mit einem Applaus gedankt wurde, und damit ging ein äußerst stimmungsvoller Dank-Gottesdienst zu Ende.
Karin Klingbeil
Ein Abend mit Graphologie
Als sich am Abend des 17. Oktober um die 20 Workshop-Teilnehmer im Saal in Degerloch versammelten, ging es einzig um die Frage: Was verrät deine Handschrift über dich? Im Rahmen des Freitagabendtreffs war die Graphologin und zweite Vorsitzende des Berufsverbandes, Birgit Eckert, zu Gast. Ob geschwungen oder kantig, ausladend oder gedrungen, eigenwillig oder »schulisch« - wie die Handschrift, so auch der Schreiberling. Das zumindest dient den Graphologen als Grundlage zur Deutung von Schriften. Dies wird heutzutage noch von einigen mittelständischen Unternehmen zur Profilerstellung bei der Bewerberwahl, zur Schul- und Laufbahnberatung und sogar von Ratsuchenden bei der Partnerwahl - natürlich nur mit Einverständnis des Betroffenen - in Anspruch genommen. Wie viel tatsächlich aus dem Schriftbild über den Charakter der Person gesagt werden kann, darüber konnten wir uns im Laufe des Abends selber ein Bild machen. Ein Blatt Papier ist der praktische Lebenshintergrund eines Men-schen, so Birgit Eckert. Die Deutung ist dann eine Mischung aus Übung und Intuition. Der erste Eindruck ist ganz entscheidend. Handelt es sich um eine ordentliche Schrift bzw. ist der Gesamteindruck ordentlich? Kommt es zu Zeilenverhakelungen? Ist der Schreibstil fließend und geschwungen oder abgehackt und stockend? Erst auf den zweiten Blick werden die rund 30 Einzelmerkmale der Handschriften genauer unter die Lupe genommen. Hierbei gibt es für jedes Merkmal sowohl eine positive als auch eine negative Auslegung. Welche wann angebracht ist, erfordert ein wachsames und erfahrenes Auge. Auch um die Unterschiede zwischen einem situationsbedingtem »Schludern« und tatsächlich aussagekräftiger Eigenheit zu erkennen, braucht es Zeit und viel Übung!
Birgit Eckert versuchte, uns durch das Vorlegen verschiedener Schriften den Blick für eben diese Interpretation zu öffnen. Die Graphologie sagt über einen großen Bereich Ungenaues und kann so immer nur ein Mosaiksteinchen in der Erstellung des Charakterprofils eines Menschen sein.
Uns Teilnehmern machte es großen Spaß, uns selber im Deuten der verschiedensten Schrifttypen zu versuchen. Die Bedeutung der einzelnen Merkmale führte uns dann die Expertin vor Augen. Ein »n«, das wie ein »u« geschrieben wird, lässt z.B. auf einen offenen, empfindsamen Menschen schließen, während das Gegenteil für einen widerstandsfähigen Menschen spricht, der es versteht, sein »Schirmchen aufzuspannen«. Sind die Großbuchstaben überdimensional groß, so deutet das auf einen eher extrovertierten Menschen hin, der einen Raum möglichst erst dann betritt, wenn dieser bereits gefüllt ist und ihm die Aufmerksamkeit der anderen sicher ist. Die Übergänge zwischen zwei Worten beschreiben den Übergang vom Ich zum Du. Handelt es sich um einen offenen, kontaktfreudigen oder eher um einen introvertierten Menschen?
Lange Unterlängen lassen auf einen sehr bodenständigen Menschen schließen, während lange Überlängen eher auf einen aufstrebenden, phantasievollen, vielleicht sogar spirituellen Charakter hinweisen. Bei der professionellen Deutung werden diese Längen richtiggehend vermessen und in entsprechende Cluster eingeteilt.
Neben den anonymen Schriften, die als Einstieg in das Thema dienten, führte uns Frau Eckert auch Schriftstücke von Prominenten vor, und schließlich durften wir auch noch ein paar Kostproben eigener mitgebrachter Handschriften analysieren. Mutig, wer sich selber in die Höhle des Löwen begab.
Christine Klingbeil
Allein mit Talblick - Gemeindefreizeit Sulz-Bergfelden
Sparen wir uns die diversen Anfahrtsszenarien, die Karin treffend wie folgt zusammenfasste: »Man muss halt eher abfahren«. Die Autobahn Singen ist freitags von Natur aus zähflüssig, bei Ferienbeginn eindeutig obstipiert.
Irgendwann waren dann trotzdem alle im »Talblick« zum Dinner da. Man höre und staune, es gab sogar bekennende Lauwarm-Esser unter den (dann sicher absichtlich) Spätgekommenen. Jedenfalls waren um 9 Uhr alle satt und wir konnten nebenbei einen herrlichen Sonnenuntergang beobachten, der ein gutes, und - wie sich später herausstellte - zutreffendes Omen für die folgenden zwei Tage war.
Man unterhielt sich, prostete sich zu, verglich die Unterkunft mit früheren und war sich einig: Spitze! Vor allem durch die Tatsache, dass wir den »Talblick« für uns allein hatten. Gegen 23 Uhr nahm die Munterkeit der Kinder langsam ab und man zog sich auf die Zimmer zurück.
Embryonale Nasszelle
In meinem Fall ein 2-Doppelstockbett-Zimmer für zwei. Das Spannbetttuch, normale Matratze ge-wohnt, ließ sich kaum genügend dehnen, um auf die für ausgewachsene Germanen ausgelegte Matratze zu passen.
Ganz anders die Situation in der »Nasszelle«: dort herrschte gespenstische Enge. Fünfeinhalb Kacheln tief war die Zelle für Tiefspüler, WC-Schüssel und das Gebein des Users. Hatte man die Tür aus Diskretionsgründen geschlossen, war kein Platz mehr für ein geordnetes Niedersetzen: man musste sich plumpsen lassen. Die umgekehrte Situation nach Verrichtung: Kein Raum für den Oberkörper, ein aufstrebendes Gleichgewicht herzustellen. Nur eine schroffe Drehung in Richtung geöffneter Duschwand, verhalf in den Stand.
Samstag, 25.Oktober, 8:30 Uhr: Geburtstagsständchen für unseren Jörg und Gemeindeleiter, in-strumental markant unterstützt von Yanick mit Doppel-Horn.
Wolkenloses Wander Wetter
Das Wetter war wie geschaffen für eine Herbstwanderung. Um 10 machten wir uns auf den Weg zum Tonau-Turm. Das Geburtstagskind führte uns sicher, sodass wir uns ganz auf die Beschaffenheit des Pfads und gelegentlich auch auf die Schönheit der Umgebung konzenentrieren konnten. Der Wald dampfte im morgendlichen Gegenlicht und reizte zu so mancher Effekt-Aufnahme.
Nach einer guten Stunde standen wir auf der Aussichts-Plattform, 682 m ü.M. Das heißt, wir hatten insgesamt 120 Höhenmeter zurückgelegt. Zur Belohnung gab es je ein Haribo von Rumi. Man konnte weit schauen, sah aber trotzdem nichts Weltbewegendes.
Der Rückweg schien irgendwie länger und rutschiger. Inzwischen aufkommender Appetit, um nicht zu sagen Hunger, befeuerte aber den Abstieg.
Jetzt bewährte sich die umsichtige Planung von Gridle und ihren Helfern: das Essen stand in null Komma nix auf unserer 23-Plätze-Tafel. Maultaschen und Kartoffelsalat erster Klasse.
Am Nachmittag besuchten wir das Bauernfeind-Museum in Sulz. Als Führer hatten wir den früheren Bürgermeister der Stadt und Promoter des Museums. Seine Begeisterung war so grenzenlos, dass Anekdoten bald die Infos überwucherten und das Idiom »Beine in den Bauch stehen« neu definiert werden musste. Bauernfeind war sein Leben lang knapp bei Kasse und wurde - Ironie des Schicksals - inzwischen auf internationalen Auktionen der teuerste deutsche Maler des 19. Jahrhunderts. Entsprechend ist es fast unmöglich, noch an Originale für das Museum zu kommen. Aber Herr Vosseler ist unermüdlicher Optimist und für Überraschungen gut, wie wir jetzt wissen.
Konditorischer Gigantismus
Im Schloss-Café Glatt, unserem nächsten Ziel, erwartete uns ein weiteres Highlight: In wohnzimmerartigen Sitzecken, auf verschiedene Ebenen verteilt, konnten wir unsere geschundenen Glieder entlasten und Kaffee und Kuchen bestellen. Flotte Bedienungen waren sofort zur Stelle, die Bestellungen aufzunehmen. Ihre dirndl-ähnliche Kluft ließ den Blick frei auf - athletische Arme, ein bisschen wie auf dem Oktoberfest, dachte ich. Bei der Lieferung war klar, warum. Wie gevierteilte Formel-eins-Räder kam die Schwarzwälder-Kirsch daher. Mit vielsagenden Blicken machten wir uns dran, die schwarzweißrote Pracht zu verdrücken. Das Wasserschloss ist übrigens das älteste der Art in Süddeutschland - noch ein Superlativ in der Sulzer Bannmeile.
Um 18 Uhr waren wir von der Exkursion zurück. »Mal kurz ausruhen« entpuppte sich bei vielen als Erschöpfungsschlaf. Punkt 7 traf man sich trotzdem wieder. Beim Essen. In Abwandlung der bekannten Sentenz: Ist die Figur erst ruiniert, lässt sich's schlemmen ungeniert.
Der gesellige Abend hatte vier Schwerpunkte: an der Tafel rechts wurde hand-gearbeitet, in der Mitte war die neue Bepflanzung der Templer-Friedhöfe Thema. Links außen hielt Dieter ein Seminar über die Geschichte der Datenverarbeitung von Hollerith bis iPhone und in der Sitzecke waren die Kinder mit Spielen beschäftigt. Die strickenden Nornen, sonst Beherrscher der Stimmung im Saal, waren diesmal ins Geschehen miteingebunden.
Nach diesem erfüllten und wettermäßig überaus glücklichen Tag sanken alle friedlich in die Daunen. Frühstück erst 8:30 Uhr (9:30 SZ), also Ausschlafen!
Am Vormittag der Abfahrt gab es noch drei Möglichkeiten des gemeinschaftlichen Erlebens: in Bergfelden spazieren gehen, in Glatt Minigolf spielen oder zum Atom-Experimentier-Bunker nach Haigerloch fahren. Ich entschied mich für Letzteres.
Grundlagenforschung mit »Kosmos«-Baukasten
Der Bunker liegt am Fuße des Schlossberg-Felsens, genau unter der Kirche. Diesem Umstand verdanken wir auch, dass er 45 von den Amis nicht gesprengt wurde. Am beeindruckendsten fand ich die ausgestellte Versuchsanordnung Heisenbergs, die offensichtlich genügend Aussagekraft hatte, um die Atom-Ära zu begründen.
Schlussakkord war das Abschiedsessen in der »Grünen Au« mit allem, was die Bergfelder Cuisine hergab.
Leute, die ihr das gelesen habt: Wir zählen auf euch bei der nächsten Gemeinde-FZ.
Wolfgang Struve
Musiker ehren Andenken an Dieter
Zum vierten Mal in diesem Jahr verwandelte sich unser Gemeindesaal am 23. November in eine Kammermusikbühne. Die Darbietungen des Lindenbach-Bläserquintetts, dem Dieter Hornung viele Jahre angehört hatte, wurden für uns Zuhörer zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Es war nicht nur der Zeitpunkt am Vormittag, der dieser musikalischen Veranstaltungen ihre besondere Atmosphäre verlieh, es waren auch der freundlich und hell wirkende Saal, die zahlreichen Besucher und das auf einem blumendekorierten Ständer aufgestellte Bild von Dieter. Wir dürfen uns glücklich schätzen, diese guten äußeren Bedingungen für Musikaufführungen zur Verfügung stellen zu können.
Nach mehreren eingängigen Musikstücken von Mozart und Brahms stand das Sextett für Bläser und Klavier von Francis Poulenc im Mittelpunkt des Programms. Dieses Werk stellt nicht nur hohe Ansprüche an die ausführenden Musiker, sondern auch an die Zuhörer, die dank der Erläuterungen auf dem Programmblatt und den Ansagen vor Beginn diesen nicht so oft gespielten Komponisten jetzt ein wenig besser kennen lernen konnten. Wir hatten das Privileg, das Sextett erstmalig mit allen drei Sätzen vom Lindenbach-Quintett ausgeführt zu erhalten. Die fünf Bläser (Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn) wurden dabei ergänzt durch die Pianistin Rumi Hornung, die dem Ensemble damals durch Dieter bekannt geworden war und seither immer wieder bei größeren Werken als Mitwirkende geholt wird. Es war ein hoher Kunstgenuss für uns, ihre Virtuosität am Flügel in dieser Besetzung miterleben zu dürfen.
Wie nicht anders zu erwarten, mussten die Musiker am Schluss noch etliche Zugaben spielen. Der reichlich gespendete Applaus war ein Zeichen dafür, dass solche Kammermusik-Darbietungen auch in Zukunft in unserem Gemeindeleben nicht fehlen dürfen. Es gab im Anschluss an die Matinée-Darbietung im Klubraum noch Gelegenheit, sich mit den Musikern und mit Freunden über das Gehörte zu unterhalten, wobei viele dieser Einladung folgten und der angebotenen Kürbiscremesuppe und dem gut passenden Zwiebelkuchen gern zusprachen. Einen herzlichen Dank all denjenigen, die diesen leckeren Imbiss vorbereitet haben! Ich bin sicher, dass wir alle noch lange an diesen schönen Tag zurückdenken werden
Peter Lange
Nikolausmarkt Degerloch
Dieses Mal fiel der Markt genau auf den 6. Dezember - besser konnte es vom Datum her nicht passen! Leider war das Wetter feucht und recht kalt - und unser Stand war zwar als »Eingangsportal« zum Markt platziert, das stellte sich aber als recht zugige Ecke heraus. Trotzdem hat es wieder Spaß gemacht, unsere selbst gemachten Produkte unters Volk zu bringen: wir konnten tatsächlich feststellen, dass doch etliche Kunden unseren Stand auf dem Markt suchten, weil sie von den Socken, dem Schnitzbrot, den Gutsle und Käsfüßle, der Marmelade oder sonst etwas, was sie im Vorjahr gekauft hatten, begeistert gewesen waren. Das hört man gerne - und so hat sich der Aufwand mal wieder gelohnt, auch wenn wir jedesmal, wenn wir so früh aufstehen und alles aufbauen müssen, ordentlich stöhnen!
Karin Klingbeil
Der Schriftleiter darf hinzufügen, dass der Reinerlös wieder dankenswerterweise der Tempelgemeinde zugewendet wurde.
Junge Templer zum Wert der Arbeit
Am Sonntag, dem 7. Dezember, gab es wieder einmal etwas Besonderes bei uns: einen »Jugend-Saal«, einen Gemeindenachmittag, den die jungen Mitglieder selbständig planen und durchführen. Wolfgang Blaich, der für die Jugendarbeit zuständig ist, berät sie und assistiert, wo das gewünscht wird, aber sie wählen ihr Thema ebenso selbst wie die Art der Darstellung. Schon seit längerer Zeit hat es jedes Jahr einen Jugendsaal gegeben, und es war jedesmal eine schöne und eindrucksvolle Veranstaltung.
Dieses Jahr war die Vorbereitung noch etwas komplizierter als sonst. Wolfgang kam erst eine Woche vorher von Australien zurück, und diejenigen, die sich bisher wohl am intensivsten dabei eingesetzt hatten, Stefan Klingbeil und die Schwestern Claudia und Andrea Mutschlechner, fielen leider aus, da sie in Beruf und Studium zu sehr eingespannt sind. Umso erfreulicher ist es, dass sich trotzdem eine Gruppe zusammengefunden hat und dass gleich zwei »Neue« mit eingestiegen sind: Marcel Henker, sicher der Jüngste unten denen, die je mitmachten, und Felix Schreiber, der Sohn unseres neuen Mitglieds Martin Schreiber, zusammen mit den »Altgedienten« Christine Klingbeil, Inga Reck und Irina Hornung.
Sie hatten sich das Thema »Wert der Arbeit« gewählt und die - so nicht wörtlich gestellte - Frage: Ist Arbeit Segen oder Fluch? Nach einer kurzen Einführung von Felix gab es dazu ein Feuerwerk sich gegenseitig widersprechender Zitate quer durch die ganze Kulturgeschichte, die in einen satirisch nichtssagenden Dialog mündete samt der passenden Ermahnung: An die Arbeit!
Die bestand aus drei Kurz-Ansprachen von Marcel, Inga, Christine, in denen sie das Problem in verschiedenen Aspekten beleuchteten, eigene Meinungen und Erfahrungen, Bezüge zur Gegenwart und zu biblischen Aussagen einbrachten. Daneben lief stumm eine Reihe von Bildprojektionen, die das Thema Arbeit teils eindringlich, teils witzig beleuchteten, schön und unterhaltsam - allerdings lenkten sie auch ein bisschen ab von dem, was gerade gesagt wurde.
Den Schluss bildeten einige schöne, positive, besinnliche Zitate zum Thema. Ich habe sie leider nicht im Einzelnen behalten; was ich aber sehr wohl behalten habe, ist der Eindruck, dass sie das Ganze gut und stimmig abrundeten.
Am Anfang und am Ende und zwischen den einzelnen Blöcken gab es musikalische Highlights fürs Gemüt: Irina und Rumi Hornung mit Geige und Klavier, wie immer schön und tief beeindruckend.
Vielen Dank allen, die mitgewirkt haben! Ihr habt uns nicht nur einen schönen Nachmittag beschert, sondern sicher vielen von uns auch Anregungen, darüber nachzudenken, was Arbeit für jeden bedeutet, wann sie Erfüllung und wann sie Belastung bedeutet - und wie es wäre, wenn es keine gäbe: schön? langweilig? bedrohlich? Eine allgemeine Antwort gibt es nicht, und das ist viel-leicht die wichtigste »Antwort« dieses Nachmittags - das, und der abschließende Eindruck, dass Arbeit nicht nur notwendig und nützlich, sondern zugleich auch befriedigend und hilfreich ist.
Brigitte Hoffmann
Friede als Auftrag jedes Einzelnen
In jedem Jahr lassen wir uns gerne durch die Gemeinde-Weihnachtsfeier auf das Weihnachtsge-schehen einstimmen. Das Zusammensein im vertrauten Kreis, die Wärme, die nicht nur von den brennenden Kerzen ausgeht, die Vorfreude, aber auch die Neugier: wie gestalten sie - die Aktiven - das Fest, nicht zu vergessen: Musik, Lieder, Punsch und Glühwein, Gutsle, Stollen und Schnitzbrot, ließen uns voller Erwartung die Treppe zum Saal hinaufsteigen.
An liebevoll gedeckten Tischen versammelten sich erfreulich viele Mitglieder der Gemeinde, und bald erstrahlte der prachtvoll geschmückte Weihnachtsbaum im Lichterglanz, immer wieder ein Meisterwerk von Grid Lange.
Altbekannte Worte aus dem Lukas-Evangelium erklangen, Inge Blaich las sie bis zum 14. Vers: »Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen«.
War es da ein Wunder, dass Wolfgang Blaich die Feier unter das Wort Frieden stellte und darüber reflektierte, von der Dringlichkeit erfüllt, gerade an Weihnachten darüber zu sprechen? Frieden - das empfinden wir jetzt doch alle - wird in unserer Zeit mehr denn je gebraucht. Wie kann denn Frieden werden? Wolfgang beantwortete diese Frage für uns mit einem Vers von Schalom Ben Chorin, dem er noch hinzufügte, dass Friede als Auftrag für jeden Einzelnen zu begreifen sei, so gelte der Satz »Achte deinen Nächsten wie dich selbst, so wirst du Frieden schaffen«.
»Wer Frieden sucht,
wird den andern suchen,
wird Zuhören lernen,
wird das Vergeben üben,
wird das Verdammen aufgeben,
wird Vorurteile zurücklassen,
wird das Wagnis eingehen,
wird Hoffnung wecken,
wird dem andern entgegengehen,
wird zu seiner eigenen Schuld stehen,
wird geduldig dranbleiben,
wird selber vom Frieden Gottes leben.
Suchen wir den Frieden?«
Schalom Ben-Chorin
Auch das fröhliche Theaterstück der Kinder stand unter diesem Motto. Es löste immer wieder Heiterkeit aus, ließ uns am Schluss aber nachdenklich zurück. Kerstin Kloß hat zusammen mit den Buben und Mädchen, die eifrig bei der Sache waren und die zum Teil schwierigen Begriffe und Sätze trotz kleiner Stolperer mit Elan vortrugen, eine große Leistung geboten, zumal nur wenige Proben zustande gekommen waren:
Der Abteilungsleiterengel der Gruppe Wunschzettel-Erfüllung teilte seiner Schar mit, welche Ge-schenke zu verpacken und zu verschicken seien. Die Zeit drängte, denn Weihnachten stand vor der Tür. Plötzlich geriet alles ins Stocken, der Abteilungsleiterengel wusste nicht weiter. Ein Bub hatte geschrieben, dass er sich »Friede auf Erden« wünsche. Was sollte man da einpacken? Es wurde hin- und herdiskutiert. Schließlich entschieden sich die Engel für eine Kinderbibel. Da fände er Antwort.
Viel Musik gab es zu hören. Christine Klingbeil (Flöte) und Stephen Blaich (Klavier) eröffneten die Feier mit der Bachschen Choralbearbeitung von »Wachet auf, ruft uns die Stimme«, passend zum Thema. Und wieder hat sich Karin Klingbeils Flöten-Ensemble, verstärkt durch Hiltraud Kratzert und Christine, bitten lassen, für uns zu musizieren. Ich fand die Sinfonia aus dem Weihnachtsoratorium von Bach besonders schön.
Natürlich kam auch die Gemeinde zum Singen, den Kanon »Herr, gib uns Frieden«, den Stephen von uns forderte, meisterten wir sogar vierstimmig.
Lange mussten die Kinder auf ihre Bescherung warten. Jedes Kind erhielt dann ein besonderes Geschenk überreicht, liebevoll ausgesucht und schön verpackt. Auch dafür einen herzlichen Dank, wie auch all denen, die für uns diese Feier so schön gestaltet haben.
Als dann die Düfte von Glühwein und Punsch durch das Haus zogen und die Gebäckteller verteilt waren, hatte es keiner eilig heimzukehren.
Brigitte Kneher
Auch in diesem Jahr hat Woldemar Pankratz bei der Weihnachtsfeier gefilmt, um eine CD zu erstellen, die vor allem das Stück der Kinder wiedergibt - eine schöne Erinnerung für spätere Zeiten! Wer Interesse an einer solchen CD hat, kann sie in der Verwaltung bestellen. Kostenpunkt: 5 Euro.
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