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Die Warte des Tempels
Monatsschrift für freie Christen
Ausgabe 163/4 - April 2007
Auferstehung im Diesseits
Eine Deutung der Ostererlebnisse der Jünger
»Wär' er nicht erstanden, die Welt die wär' verloren« heißt es in einem alten Osterlied. Und Paulus schreibt in seinem Brief an die Korinther: »Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden« (1 Kor 15,17). Jesu Auferstehung als ein einmaliges Ereignis, das die Welt und uns und unser Verhältnis zu Gott grundlegend und auf immer verändert hat und das unsere eigene Auferstehung garantiert - aus diesem Glauben ist das Christentum entstanden.
Aber: das glauben wir nicht mehr. Wenn es eine Auferstehung nach dem Tod gibt, dann hat es sie auch schon vor Jesu Tod gegeben. Er selbst hat das immer wieder betont. Wenn aber die Auferstehung Jesu nicht etwas umstürzend Neues war, warum feiern wir dann Ostern? Was glauben wir, dass damals in den Passah-Tagen eines Jahres um 30 n.Chr. geschehen ist, und was bedeutet es für uns?
Dass etwas Außerordentliches geschehen sein muss, können wir an den Folgen ablesen: an dem, was ich als die Auferstehung der Jünger bezeichnen möchte. Nach der Gefangennahme Jesu müssen sie nicht nur unglücklich, sondern zutiefst demoralisiert gewesen sein. Sie flohen voller Angst und tauchten ab. Petrus, der Einzige, der Jesus noch bis vor das Haus des Hohepriesters gefolgt war, leugnete ihn dort. Und dann hören beziehungsweise lesen wir nichts mehr von ihnen. Keiner folgte dem geliebten Meister auf dem Weg zur Kreuzigung, ein Außenstehender musste Jesus helfen, das Kreuz zu tragen. Und wenige Tage später gingen sie offen durch Jerusalem und verkündeten ihre Botschaft, ohne Rücksicht auf die Gefahr, die nicht geringer geworden war.
Was sie verwandelt hat, war ihre Erfahrung: Jesus lebt! Dabei war die Überzeugung, dass die Toten auferstehen, für sie nicht neu. Sie hatten gehört, dass Jesus das lehrte, und sie hatten ihm sicher geglaubt. Aber das, was sie jetzt erlebt hatten, war etwas anderes: sie hatten Jesus gesehen, hatten gehört, wie er zu ihnen sprach. Das war für sie der Beweis, dass Jesu Tod kein Ende bedeutete, dass Gott mit ihm war, dass seine Botschaft wahr war. Das verkündeten sie von nun an, und der Dreh- und Angelpunkt, ihr Beweis waren die Auferstehungserlebnisse.
Dass es sich dabei nicht um eine leibliche Auferstehung handelt, brauche ich wohl nicht zu betonen. Paulus, der die Auferstehung für die Basis des neuen Glaubens hält, stellt seine eigene Vision vor Damaskus in eine Reihe mit den Erlebnissen der Jünger und erklärt kurz darauf unzweideutig: Es wird gesät ein natürlicher Leib, und es wird auferstehen ein geistlicher Leib.
Die Erlebnisse der Jünger waren Visionen. Solche Visionen oder Auditionen hat es immer wieder gegeben und gibt es bis heute: die kurze Wahrnehmung einer geistigen Dimension, die uns normalerweise verschlossen ist - allerdings immer mehr oder weniger abgewandelt, bedingt durch die Gefühle und Vorstellungen dessen, der sie empfängt. Die Jünger sahen Jesus so, wie sie ihn zu Lebzeiten gekannt hatten. Das ist so einleuchtend, dass wir geneigt sind, es als reine oder fast reine Wahrnehmung dessen zu verstehen, was Paulus den geistigen Leib nannte.
Das gilt für Visionen als solche. Es gilt nur eingeschränkt für die Auferstehungsberichte in den Evangelien. Dort sind eine Reihe von Details hinzugefügt, die offensichtlich späteren Ursprungs sind; teils um die Leiblichkeit der Auferstehung zu beweisen - das leere Grab, der »ungläubige Thomas«, der seine Finger in Jesu Wundmale legen will -, teils um erst später entwickelte Thesen zu untermauern - »Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes« oder »Wer das glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden«. Jesus selbst hat nicht getauft und die Jünger auch nicht zum Taufen angehalten. Und er hat nie von jemandem einen bestimmten Glauben verlangt.
Einzigartig oder fast einzigartig bleibt, dass innerhalb einer kurzen Zeit - höchstens einer Woche - alle Jünger und noch andere solche Visionen von Jesus gehabt haben. Rational erklären lässt sich das kaum. Und ich habe Hemmungen, darin ein Wunder, ein direktes Eingreifen Gottes zu sehen.
Für mich ist eine andere Erklärung eigentlich zwingend, von der in den Evangelien nichts, oder fast nichts, steht: die seelische Verfassung der Jünger. Sie müssen in den drei Tagen seit Jesu Verhaftung durch eine Hölle existenzieller Verzweiflung gegangen sein. Sie hatten, als sie Jesu Aufruf folgten, ihr ganzes bisheriges Leben, Familie, Besitz, Beruf, aufgegeben und waren mit ihm durch Galiläa gezogen, hatten, überwältigt von seinem Charisma und begeistert von seiner Verkündigung des Reiches Gottes, ihr Leben ganz in seine Hände gelegt, hatten höchstwahrscheinlich das Risiko, das der Zug nach Jerusalem bedeutete, nicht wahrgenommen (die Leidensankündigungen in den Evangelien sind höchstwahrscheinlich spätere Zutat), weil sie ihm bedingungslos vertrauten, er werde nun, gerade in Jerusalem, »Israel erlösen«, das Reich Gottes heranführen, das auch eine Herrschaft Israels sein würde. Und nun, mit seiner Verhaftung und seinem schmachvollen Tod, war das alles zusammengebrochen. Sie hatten nicht nur ihren geliebten Meister verloren, ohne den sie nicht mehr wussten, wie sie ihr Leben führen sollten, sondern alles, woran sie geglaubt und worauf sie ihr Leben gebaut hatten.
Und in dieser tiefsten Verzweiflung wurden sie offen für jene geistige Realität, die ihnen bisher verschlossen gewesen war. Nun konnten sie den Toten, der nicht mehr unter ihnen weilte, sehen, konnten seine Botschaft anders und neu erkennen. Jesus war der Gottgesandte, seine Verheißung des Reiches Gottes war nicht gescheitert, sondern musste anders verstanden werden.
Vorher hatten sie geglaubt und für wahr gehalten, was Jesus sie lehrte - weil sie nie auf die Idee gekommen wären, etwas anderes zu glauben als er: das Kommen des Reiches Gottes, die Auferstehung der Toten. Jetzt hatten sie es - in ihrer Sicht durch ein göttliches Wunder - selbst erfahren, und das erfüllte sie mit einer unerschütterlichen Gewissheit, gab ihnen neuen Mut, eine Tatkraft, eine Freude, die sie vorher nicht gekannt hatten.
Ich denke mir, dass zu ihrer Freude vielleicht auch dies gehörte: das war ihnen geschenkt worden, obwohl sie Jesus im Stich gelassen hatten und an ihm verzweifelt waren. Trotzdem waren sie angenommen und, mehr noch, berufen zu einer großen Aufgabe. Auch sie waren auferstanden.
Ich habe vorher gesagt, dass das Christentum entstanden ist aus dem Glauben an die Auferstehung Christi als ein gottgewirktes Wunder nach dem Heilsplan Gottes, das unser Heil und unsere Auferstehung in sich schließt, und dass wir das so nicht mehr glauben können. Aber man kann das Geschehen, das die Evangelien berichten, auch anders ausdrücken, ohne den Texten Gewalt anzutun: es ist entstanden aus den Auferstehungserlebnissen der Jünger.
Das können wir glauben - und es ist zugleich etwas, was uns ganz direkt angeht. Zum einen durch das, was ich die Auferstehung der Jünger genannt habe, um deutlich zu machen: es gibt die Auferstehung auch im Diesseits. Es kann sie für jeden von uns geben. Wenn jemand aus Verzweiflung oder Elend wieder auferstehen kann und zurückfinden in ein Leben, in dem es wieder Freude und Sinn gibt, dann ist das Auferstehung. Und es gibt durchaus einen Zusammenhang - nicht immer, aber oft - zwischen der Tiefe der Verzweiflung und der Höhe der Auferstehung. Ohne die hoffnungslose Verzweiflung zuvor wären die Jünger wohl kaum fähig geworden zu der geistigen Wahrnehmung, die sie Jesus als Lebendigen sehen ließ.
Erst im tiefsten Elend fand der verlorene Sohn die Kraft, sich seine Schuld einzugestehen und zu seinem Vater zu gehen und die Konsequenz auf sich zu nehmen: »Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Mache mich zu einem deiner Knechte.« Das war seine Auferstehung. Er war ein anderer geworden, er hatte Verantwortung gelernt, und so konnte er in ein neues Leben hineingehen.
Das ist ein Zipfelchen einer Antwort auf die ewige Frage, warum es Leiden gibt. Es bedeutet für uns, dass unser Leben einen Sinn hat auch dann, wenn es nach menschlichen Maßstäben nicht erfassbar ist: wenn das misslingt, was ich erstrebe, wenn ich nichts »Sinnvolles« mehr tun kann, wenn es nur noch ein Ertragen ist.
Es bedeutet, dass das trägt, was der 126. Psalm so wunderschön sagt: »Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und werden kommen mit Freuden und bringen ihre Garben« - dass die, die schweres Leid im Übermaß tragen mussten, nicht nur getröstet werden, sondern erfahren dürfen, dass ihr Leiden Frucht bringt, wenn nicht in diesem, dann in einem neuen Leben.
Es bedeutet, dass ich das, was ich in meinem Leben versäumt und schlecht gemacht habe, nachholen und besser machen darf, dass ich lerne, besser zu erkennen und zu verstehen.
Das bedeutet Vertrauen auf Auferstehung für mich. Sicher kann es für andere anderes und noch unendlich viel mehr bedeuten. Denn das ist nun wirklich etwas, was wir nicht wissen können. Aber wenn wir darauf vertrauen, kann es uns Kraft geben und uns fröhlich machen.
Aus einer Gottesdienst-Ansprache in der Tempelgemeinde Stuttgart am 16. April 2006
Brigitte Hoffmann
Leserecho
Auf meinen Hinweis im »Neujahrsgruß des Schriftleiters« (»Warte« 163/1), dass ich bei der Auswahl geeigneter Texte auch auf die Resonanz der Leserschaft angewiesen sei, habe ich zahlreiche Erwiderungen erhalten, die den in unseren letzten Heften publizierten Beiträgen zugestimmt haben.
Die 90-jährige »Warte«-Leserin Helene van der Meulen-Duhm aus Gorssel, Niederlande, schreibt: »Ich habe jetzt erst das November-Blatt der »Warte« gelesen. Es war wieder glühend interessant vom Tag des Friedhofs, dem Johannesbrotbaum und vor allem den historischen Dingen bis zum Toten Meer. Ich komme sehr spät mit meiner Reaktion auf Ihre Frage, ob die Leser das Angebot der »Warte« wohl positiv bewerten. Aber natürlich. Jedesmal freuen wir uns darauf und sind dankbar dafür und hoffen auf weitere Publikationen.«
Rolf Zobel, Lahnstein, bezieht sich in seiner Zuschrift auf Wolfgang Blaichs Beitrag »Gewalt an Schulen« (»Warte« 163/3), in dem vor allem ein unkontrollierter TV-Konsum sowie Computerspiele als Ursachen für Jugendgewalttätigkeit genannt worden sind. Diese Ursachen möchte er durch den Begriff Schlafdefizit noch ergänzen, denn alle drei gingen miteinander Hand in Hand, wobei Schlafdefizit in der Jugend sicher noch zu erhöhter Bereitschaft zu chaotischem TV-Konsum und PC-Exzessen führe. Er und seine Frau, die in der Tagespflege von Kindern tätig ist, hätten festgestellt, dass Kinder mit einem Schlafdefizit völlig unansprechbar und nicht zu steuern seien, dass aber dieselben Kinder wieder völlig normal, liebenswert und sympathisch würden, wenn man das Defizit abgebaut habe.
Wörtlich heißt es in der Leserzuschrift weiter: »Ich glaube, dass der Beitrag über Gewalt von Jugendlichen für Wolfgang Blaich ein Anliegen war, und ich könnte mir vorstellen, dass ihn unsere Erfahrungen interessieren, denn sie bestätigen und ergänzen seine eigenen. Doch diese Erfahrungen sollten auch jungen Eltern aufgezeigt werden, denn sie führen vor Augen, dass Erziehung nicht früh genug beginnen kann und dass der Lohn dafür großes Glück und Zufriedenheit ist. Wir hätten niemals 26 Pflegekinder betreut, wenn die Kinder uns Probleme gemacht hätten so wie ihren Eltern. Die Kinder haben diesen Unterschied auch genau erkannt und zugegeben, dass sie am liebsten ganz bei uns wären, und das, obwohl bei uns alles sehr genau geregelt ist, durch Autorität und Vorbild.«
Herr Zobel hat uns freundlicherweise noch Hinweise zu den Schlafzyklen und Traumphasen des Menschen gegeben und eine Schlaftabelle für Kinder beigefügt.
Peter Lange
Die nachhaltige Ökologie des »Amazon John«
Das bisher erfolgreichste Projekt zur Rettung des Regenwaldes
»Amazon John«nennen die Ureinwohner des Amazonas-Gebiets den Mann, der viele Jahre durch die riesigen Dschungelgebiete streifte - immer auf der Suche nach Profit versprechenden Kunstschätzen und Antiquitäten der Indianer. Am liebsten hätte der Mann aus Florida untergegangene Inka-Städte und Schätze voller Gold entdeckt.
Doch nicht Preziosen, sondern botanische Juwelen brachten den schwerkranken John Easterling nach seiner Fieberattacke wieder auf die Beine. Schamanen des in Ecuador beheimateten Shipibo-Stammes gaben ihm Tee aus Wildkräutern zu trinken. »Es war der Wendepunkt in meinem Leben«, sagt Easterling heute.
Weil die Urkraft der Natur nicht nur das Dschungelfieber, sondern auch seine Gelbsucht kurierte, begann »Amazon John« einen florierenden Handel mit den exotischen Nahrungs- und Heilpflanzen Amazoniens auf die Beine zu stellen. Daraus sollte sich im Lauf der folgenden 15 Jahre das wohl erfolgreichste Projekt zur Erhaltung des vom Aussterben bedrohten Regenwaldes entwickeln.
Die Nachfrage von ganzheitlich eingestellten Ärzten und Patienten aus aller Welt nach den »Wunderkräutern« der Amazonas-Indianer war bald kaum noch zu befriedigen. Der moderne »Indiana Jones« erkannte schnell, dass der »wahre Schatz des Regenwaldes dessen eigene lebensspendende Eigenschaften« sind. In dem unermesslich reichen Öko-System, wo auf einem Quadratkilometer mehr Baum- und Vogelarten zuhause sind als auf der gesamten Fläche Europas, zirkuliert die Lebensenergie wie sonst nirgendwo auf der Erde.
Easterling dämmerte es, dass die heilende Pflanzen-Power der Menschheit bisher deshalb nicht vollständig zur Verfügung stand, weil die Menschen Pflanzen nach Gutdünken geerntet hatten, ohne die Rhythmen der Natur zu verstehen, zu wissen wie viel, wann und von welcher Pflanze geerntet werden sollte. »Das über Generationen gewachsene Wissen der Indianer«, erkannte Easterling, »ist in diesem Zusammenhang unersetzbar.«
So begann er die Ureinwohner »ihre« Kräuter in vollkommener Harmonie mit dem Regenwald ernten zu lassen. So singen beispielsweise die Indianer zu den Pflanzen, wenn sie sie ernten und segnen sie anschließend. Danach werden die Kräuter spagyrisch verarbeitet, um ihr Wirkungspotenzial optimal zu entfalten. Die Effekte einer solchen ganzheitlichen Behandlungsweise sind beeindruckend. So wiesen Wissenschaftler der renommierten Harvard-Universität jetzt in Studien nach, dass die Wildkräuter des Amazonasbeckens sogar Erbschäden der Zellen reparieren können.
Ob Asthma, Herzerkrankungen, Allergien, Neurodermitis, Diabetes oder Darmprobleme die wild wachsenden Regenwaldpflanzen zeigen immer deutlicher ihre positive Wirkungen bei der ganzen Bandbreite der zivilisatorischen Krankheiten. Forscher sind sich längst einig, dass sich im tropischen Regenwald des Amazonas das größte Reservoir an Lebensenergie auf unserem Planeten befindet.
Damit aus den Schätzen des tropischen Paradieses nicht nur multinationale Großkonzerne Profit schlagen, kreierte John Easterling ein ebenso cleveres wie originelles Geschäfts- und Umweltschutzmodell. Für die ökologische Ernte der Wildkräuter bezahlt seine Firma AmazonHerb den Indianern einen auf die Fläche umgerechnet doppelt so hohen Preis wie die Industrien, die den Regenwald abholzen.
Während Goldsuche, Ölförderung und Rinderzucht - die drei Hauptgründe für die Rodung des Regenwaldes - jährlich zwischen 125 und 2 000 Euro pro Hektar einbringen, kommen über den Verkauf der immer begehrter werdenden Heilpflanzen auf dem Weltmarkt stolze 5 000 Euro zusammen. »Die Eingeborenenstämme verfügen nun über genügend Mittel, um über ihre Zukunft selbst zu entscheiden«, berichtet Easterling. So konnten die Ureinwohner im Lauf der letzten drei Jahre mehr als 120 000 Hektar Regenwald aufkaufen - ihren ureigensten natürlichen Lebensraum.
Inzwischen haben 17 verschiedene Stämme auf diese Weise die Rodungen auf ihren Territorien gestoppt. Und die neue fruchtbare amazonische Verbindung zwischen Ökonomie und Ökologie wird mit dem einleuchtenden Werbeslogan auf den Punkt gebracht: »Mit jedem 25-Euro-Pflanzenprodukt, das ein Kunde erwirbt, werden mindestens fünf Quadratmeter Regenwald an die Indianer zurückgegeben«. Das größte Fest der Natur auf unserem Planeten kann weitergehen.
Aus »Grenzenlos - Zeitung für ganzheitliches Leben«
Peter Lange
Tempelgemeinde nutzt Alternativ-Energie
Der »ausgefallene« Winter in Deutschland macht es deutlich: der Klimawandel ist nicht mehr zu leugnen. Und sein Auslöser ist vor allem die Erderwärmung durch Treibhausgase. Noch immer wird bei uns etwa die Hälfte des Stroms in Kohlekraftwerken erzeugt, die schädliche Gase ausstoßen, während ein Viertel aus Atomkraftwerken kommt. Drei Viertel der deutschen Stromproduktion stellen also eine Gefahr für die Zukunft unseres Planeten dar, entweder weil CO2 in die Luft geblasen wird oder weil die Kernenergie noch immer schlimme Befürchtungen auslöst.
Ökostrom, also Strom aus umweltverträglicherer Erzeugung, hat inzwischen einen Marktanteil von zehn Prozent erreicht. Doch erst ein Prozent der Stromkunden hat zu einem Ökostromanbieter gewechselt, viel zu wenige, um die notwendigen Veränderungen für eine zukunftsverträglichere Stromproduktion zu erreichen. Die zeitkritische Zeitschrift »Publik-Forum« meint, dass es am Preis wohl nicht liegen könne, denn unter den günstigen Stromanbietern, die von der Stiftung Warentest empfohlen werden, befänden sich auch Ökostromanbieter.
»Publik-Forum« vermutet einen deutlichen Nachholbedarf bei den Institutionen, die Strom verbrauchen, so zum Beispiel bei den Kirchen und ihren Einrichtungen. Jobst Kraus, Studienleiter an der Evangelischen Akademie Bad Boll, hat errechnet, dass die Kirchen für drei bis vier Prozent der energiebedingten Kohlendioxid-Emissionen Deutschlands verantwortlich sind. »Das Ziel kirchlichen Wirtschaftens sollte sein, Energie zu sparen, Energie effizient zu nutzen, zu erneuerbaren Energieträgern zu wechseln und grünen Strom zu beziehen.«
Die Stuttgarter Tempelgemeinde ist auf dem Weg zu diesem Ziel in den letzten Jahren schon ein gutes Stück voran gekommen. So befinden sich seit dem Jahr 2000 auf dem Dach unseres Gemeindewohnhauses mehrere Felder von Sonnenkollektoren. Mit diesen Solarflächen wird Warmwasser erzeugt und vermindert damit die in der Zentralheizungsanlage benötigte Menge an Erdgas.
Weiterhin bezieht unsere Gemeinde schon seit zwei Jahren Elektrizität des Stromanbieters »Lichtblick«, dessen Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen kommt (aus Wind, Wasser, Biomasse, Sonne), also nicht aus Kern- oder Kohlekraftwerken. Eine Kilowattstunde solchen Stroms reduziert den CO2-Ausstoß gegenüber demjenigen des deutschen Durchschnittshaushalts um mindestens zwei Drittel. Außerdem führt »Lichtblick« einen Teil seiner Verkaufserlöse zum Ankauf von Regenwald-Flächen ab und leistet damit einen weiteren Beitrag für ein nachhaltiges Wirtschaften.
Die Verwaltung der Tempelgemeinde hat außerdem vor nicht allzu langer Zeit im Gemeinde- und Wohnhaus in Degerloch neue Fenster mit geringeren Wärmeverlusten anbringen lassen. Hoffen wir, dass auch weiterhin Entscheidungen im Bereich der Gemeindeverwaltung getroffen werden, die zukunftsweisenden Charakter haben.
Peter Lange
Sozialer Aufbruch mit Rotbuschtee
Rooibos-Tee mit seinem angenehmen Aroma und wertvollen Inhaltsstoffen findet auch in Deutschland immer mehr Liebhaber. Kaum bekannt ist die Tatsache, dass mit der Vermarktung dieser Teesorte über den Fairen Handel vor einigen Jahren für viele südafrikanische Kleinbauern ein neues Zeitalter angebrochen ist.
Rooibos wächst ausschließlich in den Cedarbergen im Westen Südafrikas. Dort wird er seit Generationen als Tee und medizinisches Heilmittel verwendet. In den langen Jahren des Apartheidregimes war es ausschließlich weißen Großfarmern erlaut, den Tee im großen Stil anzubauen und zu vermarkten. 2001 haben dann 14 Kleinbauern mit der Heiveld-Kooperative Geschichte geschrieben. Bis heute ist dies die einzige, sehr erfolgreiche Kooperative aus der Bevölkerungsgruppe der »Coloureds«, die sozial und wirtschaftlich diskriminiert ist.
Der Absatz des hochwertigen Rooibos durch Importeure des Fairen Handels wie über die Fairhandelsgenossenschaft Dritte-Welt-Partner in Deutschland brachte der Kooperative schnelle wirtschaftliche Erfolge und wachsende Mitgliederzahlen. Das Einkommen der Genossenschaftsmitglieder stieg von 0,50 Euro vor drei Jahren auf 1,50 Euro pro Kilogramm Rooibos im Jahr 2004. Doch nicht nur ökonomisch hat sich die Situation der Familien gebessert. Auch das Selbstwertgefühl unter den Mitgliedern der Kooperative ist spürbar gewachsen. Frauen beginnen eigene kleine Felder zu bewirtschaften und verdienen ihr eigenes Einkommen. Einfache Bäuerinnen und Bauern übernehmen leitende Funktionen und lassen sich in Buchhaltung, EDV und anderen Bereichen ausbilden.
Peter Lange
IN ALTEN »WARTE«-HEFTEN GEBLÄTTERT
Die Gemeinde
Es ist gut und hilfreich, wenn wir hin und wieder in alten Schriften nachlesen, was den Gründervätern (und -müttern) der Tempelgesellschaft so wichtig war, dass sie harte Widerstände in Kauf nahmen und Haus und Hof aufgaben, um einer Aufgabe und einem Ziel zu leben, das über ihre täglichen Aufgaben und Ziele weit hinausging. Die folgenden Ausschnitte sind alten »Warte«-Heften des Jahres 1854 entnommen, als die »Jerusalemsfreunde« sich in Ludwigsburg zu einer »Gesellschaft zur Sammlung des Volkes Gottes« zusammenschlossen. Aus ihren Vorstellungen einer christlichen Gemeinde beziehen wir auch heute noch unser Selbstverständnis.
- »Die Gemeinde war die erste Gestalt, in welcher das Christentum in der Mitte des jüdischen Volkes erschien. Es war dies eine Gestalt, die schon in der alttestamentlichen Zeit vorgekommen war; die Gemeinde ist schon dem David der Ort, wo er seinen Gott preisen will (Ps. 22,23.26). Es ist die Versammlung der Gottesfürchtigen in der Mitte des Volkes, eine Versammlung von Gleichgesinnten, von einem Geist Erfüllten.
Nach diesem Vorbild aus der davidischen Zeit hatten sich schon vor der Entstehung des Christentums Gemeinden gebildet aus solchen, die sich gerne mit dem göttlichen Wort beschäftigten, teils in der Mitte des jüdischen Volkes in Palästina, teils draußen unter den in heidnischen Ländern zerstreuten Israeliten. Ihre Mittelpunkte waren Synagogen, deren Namen Jakobus auf die Versammlungsorte der Christen überträgt (Jak. 2,2, wo das Wort Synagoge wörtlich Versammlung heißt). Von dieser Gemeinde, die nun nicht mehr bloß die Form und äußere Gestalt einer wahren Gemeinde der Gottesfürchtigen trug, wie die Synagogen der Pharisäer, sondern vom Geist Gottes erfüllt war, sollte die Erneuerung des Volkes Gottes ausgehen; sie war das Werkzeug der Herstellung Israels.«
- »Die erste Gemeinde des Neuen Testaments war die Frucht der Tätigkeit Jesu Christi auf Erden, die Wirkung seines Lebens und vor allem seines Sterbens. An ihr können wir erkennen, was die Absicht des Stifters gewesen ist. Was war die erste Gemeinde? Die erste Gemeinde war vor allem eine Gesellschaft, ein engvereinigtes Ganzes, und daraus geht hervor, dass Jesus Christus eine solche Vereinigung der Menschen will. Wer also behauptet, unsere Aufgabe sei nur das Wirken an Einzelnen und auf Einzelne, um den inneren Zustand derselben zu verändern; wer behauptet, wir hätten uns nicht zu bekümmern um die Vereinigung der durch den heiligen Geist zum Leben des Geistes erweckten Einzelnen, um die Bildung eines Volkes aus denselben, der steht im Widerspruch zum Meister.«
- »Was für eine Gesellschaft aber war die erste Gemeinde in Jerusalem? Welche Zwecke verfolgte sie? Sie bestand aus all denen, dich entschlossen hatten, einen neuen Sinn nach der Anweisung Christi und der Apostel anzunehmen, nämlich den Sinn für das Reich, das dem Volk Gottes bestimmt und verheißen ist. Infolge dieser Veränderung stellten sie sich unter die Leitung des heiligen Geistes, der in den Aposteln war, ließen sich von ihnen unterweisen und begannen ein gemeinsames Leben zu führen, wobei das Liebes- und Gedächtnismahl der Jünger Jesu und das gemeinsame Gebet den Mittelpunkt bildete, die Rücksicht auf Eigentum aber völlig den Zwecken des Zusammenlebens unterordnete.
Die Tugenden, welche aus diesem neuen Gesellschaftsleben erwuchsen, waren eben die, durch welche von jeher ein Gemeinwesen groß, heilbringend und segensreich gewesen ist: Liebe, Frieden, Opferfreudigkeit und ein hoher, froher Mut. Nur durch die Größe und Reinheit dieser Tugenden, und dadurch, dass sie plötzlich in der Mitte eines entnervten und gesunkenen Volkes in voller Kraft hervorbrachen, unterscheidet sich diese Gemeinde von allen sonstigen Gesellschaften und bekundet sich auch hierin als eine Pflanzung des göttlichen Geistes.«
- »Die Gemeinde ist das wunderbare Werkzeug, durch welches Gott nicht bloß etwa das eine jüdische Volk zu seinem Volk herstellt, um dann später von diesem Volk aus den anderen Völkern zu helfen, sondern sie ist das Werkzeug, durch welches Gott Menschen aus allen Stämmen der Erde in ein solches Leben einführt, wie er es den Menschen bestimmt hat; sie ist mit einem Wort die allgemein menschliche Form, in der ohne Rücksicht auf Stammensunterschied die göttliche Bestimmung des Menschengeschlechts sich ausspricht. Diese hohe Wichtigkeit der Gemeinde, ihre weltgeschichtliche Bedeutung als das Mittel, aus allen Völkern und Zungen das Volk Gottes zu sammeln, ist das Geheimnis, das dem Paulus zuerst geoffenbart wurde, während es bis dahin verborgen gewesen war (Eph. 3,3-6).«
- »Der Gegenstand unseres Glaubens ist also die heilige, für die ganze Menschheit bestimmte und eingerichtete christliche Gemeinde, das erhabene Ideal, das die Apostel in allen ihren Briefen in seiner Herrlichkeit darstellen und das sie mit Drangabe ihres Lebens in einer Weise verwirklicht haben, die ihre segensreichen Wirkungen nun bald zwei Jahrtausende hindurch ungeachtet aller Entstellung und Ausartung zu tun nicht aufgehört hat.«
- »Eine höhere Stufe der geistigen Entwicklung ist die, wenn ein Mensch erkennt, dass er nur in der Gemeinde und durch dieselbe geistig gedeihen und am inneren Menschen wachsen kann. Er fühlt dann wohl, dass er sich nicht bloß den Ordnungen der Gemeinde unterwerfen, sondern für dieselbe alle Opfer bringen muss, die zum Bestand der Gemeinde nützlich oder sogar notwendig sind. Er wird durch diese Erkenntnis willig, sich Entbehrungen, Arbeiten, Anstrengungen, selbst Gefahren zu unterziehen. Er sieht, dass er da, wo es das Wohl der Menschen erfordert, keinen eigenen Willen mehr haben, sondern aus allen Kräften für diesen Zweck Jesu Christi einstehen muss.«
Peter Lange
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