|
Die Warte des Tempels
Monatsschrift für freie Christen
Ausgabe 163/2 - Februar 2007
Wir bauen am Tempel
Gedanken des Tempelvorstehers zum vor uns liegenden Jahr
Immer wieder kommt mir die folgende kleine Geschichte in den Sinn, die so bildhaft einprägsam vor Augen führt, welche innere Einstellung unserem Denken und Handeln in der Tempelgesellschaft zugrunde liegen sollte:
»Als man das Münster zu Freiburg baute, fragte man drei Steinmetzen nach ihrer Arbeit. Der eine saß und haute Quader zurecht für die Mauern der Wand. "Was machst du da?" wurde er gefragt. "Ich haue Steine." Stand da ein anderer, mühte sich um das Rund einer kleinen Säule für das Blendwerk der Tür. "Was machst du da?" lautete auch an ihn die Frage. "Ich verdiene Geld für meine Familie." Bückte sich ein Dritter über das Ornament einer Kreuzblume für den Fensterbogen, mit dem Meißel vorsichtig tastend. Als diesem die Frage gestellt wurde: "Was machst du denn da?" gab er zur Antwort: "Ich baue am Dom!"«
Mit der Antwort des dritten Steinmetzen ist etwas Wichtiges ausgesagt: jede noch so kleine und geringe Tätigkeit in unserem Leben kann - bei richtiger Betrachtungsweise - für ein höheres Ziel erbracht werden. In dem Bild des Tempelbaus (wie er auf dem Einbanddeckel des »Kaiseralbums« abgebildet ist), haben unsere Gründer dieses höhere Ziel anschaulich zu machen versucht: in dem einer Gemeinschaft von Menschen, in der jeder den andern trägt und von ihm getragen wird und in der Gottes Geist wirksam ist.
Unsere Gemeindehäuser sind Ausdruck dieses Tempelgedankens. Es ist ein Zeichen von Hoffnung und Gottvertrauen, dass nach dem Untergang der alten Palästina-Gemeinden und der Zerstreuung der Templer durch den Krieg nacheinander neue Gemeindehäuser errichtet wurden - vor 50 Jahren in Boronia, vor 45 Jahren in Bayswater, vor 42 Jahren in Bentleigh und vor genau 40 Jahren in Degerloch.
Diese Bauwerke sollten uns an den Zentralbegriff unseres Glaubens erinnern - den der Gemeinde. Auch wenn die Gemeinde als Name manchmal fehlt (wir reden von der Tempelgesellschaft, und in Australien ist man von der früheren Struktur einer Gemeinde abgekommen), so sollte sie doch ihrem Wesen nach weiterhin vorhanden sein. Sie aufzugeben wäre gleichbedeutend mit dem Ende des Tempels.
Es wird in diesem Jahr einige personelle Wechsel in leitenden Ämtern unserer Gemeinschaft geben. An dem Gelingen dieser Wechsel wird sich zeigen, ob wir noch eine Gemeinde sind - ob wir noch Bereitschaft zeigen, »am Tempel zu bauen«.
Peter Lange
Ist unser Tun immer sinnvoll? (Teil III)
Die Kluft zwischen ethischem Denken und ethischem Handeln
In den beiden ersten Teilen des Beitrags wurde ein knapper Überblick über die Geschichte der philosophischen Ethik von Aristoteles bis Hans Jonas gegeben. Festzuhalten ist, dass es eine vorherrschende ethische Denkschule seit dem 20. Jahrhundert nicht mehr gibt, sondern es dominiert eine Ausrichtung an Einzeldisziplinen. Die Verantwortung für die Umwelt und für kommende Generationen hat den Blickwinkel erweitert. Da die Zukunft in der Gegenwart aber noch keine schlagkräftige Lobby hat, besteht nach Jonas die Gefahr, dass sich die politisch Verantwortlichen (und wohl auch viele Bürger) am kurzfristigen - vermeintlichen - Nutzen orientieren. Umso wichtiger ist es, dass wir immer wieder - als Wähler wie als Konsumenten - Einfluss auf Politik und Wirtschaft nehmen. Geradezu schizophren ist aber häufig unser Konsumverhalten, wenn wir in erster Linie auf den Preis achten und auf diese Weise Produktionsweisen wie Lohndumping, Stellenabbau, Missachtung von Ökostandards usw. fördern, die wir den Politikern und Managern ankreiden. Offenkundig vernünftige, weil energiesparsame und umweltfreundliche Produkte werden nicht gekauft, wenn der Preis oder der emotionale Anreiz nicht stimmt. Aber auch wenn wir immer wieder »schwach« werden, sollte uns das nicht davon abhalten, verantwortungsvoll zu handeln.
Was tun?
Im Vergleich zu vielen Generationen vor uns können wir bei der Frage, was zu tun ist, auf wesentlich mehr Informationen zurückgreifen; Unwissenheit ist für uns eine ziemlich schlechte Ausrede. An die Stelle des Nicht-wissen-Könnens ist vielfach aber die Überforderung durch zu viel Information und durch zu große Komplexität getreten. Hinzu kommt das Gefühl, dass manche Probleme überhaupt nicht, schon gar nicht vom Einzelnen, zu lösen sind. Dieses Gefühl der Überforderung kann rasch zur Verdrängung unliebsamer Erkenntnisse und zu einem Nicht-wissen-Wollen führen. Wer mag schon dauernd ein schlechtes Gewissen haben? Und doch ist das schlechte Gewissen des Einzelnen nach wie vor die stärkste Triebfeder für ethisches Handeln.
Aus der Fülle der aktuellen Probleme, die zu einer besonderen Verantwortung für die ganze Welt und für kommende Generationen mahnen, möchte ich das Beispiel Klimawandel herausgreifen, der jüngst durch den Report des früheren Chef-Ökonomen der Weltbank, Sir Nicholas Stern nicht nur für Ökofreaks, sondern auch für Wirtschaftsfachleute greifbar gemacht wurde (abgesehen von dem augenblicklich viel zu warmen Winter, der das Klima erneut zum Dauerthema macht). In einer Studie für die britische Regierung über die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels kam Stern - verkürzt gesagt - zum Ergebnis, dass die dramatischen Konsequenzen der fortschreitenden Erderwärmung, d.h. der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um 5 Grad, Schäden in Höhe von 5-20 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts verursachen werden (bis zu 5,5 Billionen Euro), eine konsequente Klimaschutzpolitik dagegen nur etwa 1 Prozent (270 Mrd. Euro pro Jahr). Der Nutzen aktiver Klimapolitik übersteige deren Kosten daher um ein Vielfaches.
Besonders fatal sei, dass die armen Regionen der Welt zuerst und am meisten betroffen sein werden. Die Welt müsse dringend handeln und habe nur noch 10-20 Jahre Zeit. Eine Stabilisierung erfordere es, die jährlichen Emissionen auf ein von der Erde zu verkraftendes Niveau zu reduzieren, was langfristig etwa 80 Prozent unter dem heutigen Level liege. Eine Abhilfe lasse sich angesichts des Energiehungers von Ländern wie China und Indien indessen nur global schaffen. Wenn Großbritannien von heute auf morgen alle Kraftwerke abschalten würde, so die Studie von Stern, würde die daraus resultierende CO2-Ersparnis schon binnen eines Jahres durch die steigenden Emissionen in China zunichte gemacht.
Als Ergebnis der Studie wird in Großbritannien bereits über höhere Abgaben auf verbrauchsintensive Autos und höhere Kosten der Straßenbenutzung diskutiert (die deutsche Zusammenfassung der Studie ist auf der Homepage des Bundesumweltministeriums zu finden). Es mag zwar ungewöhnlich erscheinen, den Klimawandel vorrangig monetär zu bewerten, wie Stern es gemacht hat, aber es ist erfreulich, dass das Thema wenigstens auf diese Weise bei Politikern und Wirtschaftsführern mehr Aufmerksamkeit gewonnen hat als jede Protestaktion der Umweltschützer.
Wenn man sich fragt, was man selbst zur Reduzierung von CO2-Emissionen beitragen kann, dann muss man sich vergegenwärtigen, dass die Energieemissionen weltweit rund 65 Prozent ausmachen, während Landwirtschaft, Abholzung und der Abfallsektor die übrigen 35 Prozent zur Erzeugung von Treibhausgasen beitragen. Von den Energieemissionen entfallen rund 24 Prozent auf die Stromerzeugung, 14 Prozent auf die Industrie, 14 Prozent auf den Verkehr (weltweit, Tendenz steigend; in Deutschland liegt der Anteil schon bei 20 Prozent) und 8 Prozent auf Gebäude. Studien der Internationalen Energie-Agentur zeigen, dass die Energieeffizienz bis 2050 zur größten Emissionssenkungsquelle werden kann (zur Lektüre sei hier auch das Buch »Faktor Vier« von Ernst Ulrich von Weizsäcker empfohlen).
Die »Hauptbrocken« sind also für den Privatverbraucher Strom, Verkehr und Wärmeerzeugung. Bei der Wahl des Stromerzeugers, des Verkehrsmittels und der Heizung können wir also unmittelbar Einfluss auf eine umweltfreundliche Erzeugung nehmen, darüber hinaus indirekt beim Einkaufen durch Wahl von Produkten ohne lange Transportwege.
Die Stern-Studie fordert übrigens, dass der Verbrauch von Kohlenstoff erheblich verteuert werden muss, damit die Menschen mit den vollen sozialen Kosten ihres Handelns konfrontiert werden. Der Preis ist in der Marktwirtschaft sicher eine besonders wirksame Triebfeder für eine Änderung des Verhaltens. Eine CO2-Steuer ist auch im Koalitionsvertrag der gegenwärtigen Bundesregierung vorgesehen. Die verpönte Ökosteuer der rot-grünen Koalition ist ohnehin schon stillschweigend von der gegenwärtigen Bundesregierung übernommen worden, allerdings mehr aus Finanznot als aus ökologischer Überzeugung.
Marktmechanismen müssen dabei durch eine klare Informations- und Ordnungspolitik ergänzt werden, um Komplexität zu reduzieren und den Überblick zu behalten. Sinnvoll ist z.B. eine weit reichende Etikettierung von Waren, wie sie für den Energieverbrauch von Kraftfahrzeugen seit 2004 besteht und auch von Waschmaschinen und Kühlschränken bekannt ist. Viele andere Produkte weisen andere Informationen über ihre Entstehung auf, aus denen wir zum Beispiel entnehmen können, dass sie ohne Kinderarbeit (bei Teppichen etwa das Zeichen »Rugmark«) oder zu auskömmlichen Preisen für ihre Erzeuger (bei Kaffee etwa der Hinweis »TransFair«) hergestellt wurden. Die vielen Eine-Welt-Läden in Deutschland (in Degerloch ist ein neuer Laden von einer Bürgerinitiative vor kurzem in der Rubensstraße eröffnet worden) weisen eine in dieser Hinsicht garantiert vorbildliche Produktpalette auf.
Doch zurück zum Thema CO2: Leider ist festzustellen, dass die unter dem Eindruck des Kyoto-Protokolls eingegangene Selbstverpflichtung der Autohersteller im Jahre 1998, bis 2008 die Kohlendioxidemissionen auf 140 Gramm pro Kilometer zu verringern, nicht eingehalten werden wird (nachzulesen in einer Meldung vom 01.12.06 im Spiegel Online). Die EU-Kommission strebt für 2010 sogar einen CO2-Ausstoß von 120 g/km an; dies würde einen durchschnittlichen Verbrauch von 4,5 l/100 km bei Diesel- und 5,0 l/100 km bei Benzinfahrzeugen bedeuten. Der Trend geht aber im Gegenteil eher zu stärkeren, größeren und schwereren Autos. In Europa liegt der durchschnittliche Ausstoß trotz unbestreitbarer Fortschritte noch bei über 160 g/km. Volvo kam beispielsweise 2005 auf einen Durchschnitt von 195 CO2 g/km, Mercedes auf 185 g/km, Fiat wegen seiner überwiegend auf kleinere Autos ausgerichteten Produktionspalette aber bereits auf 139 g/km.
Der Kohlendioxidausstoß hängt eben wesentlich vom Verbrauch ab. Aber jeder hat es ja in der Hand, beim Autokauf zuerst auf das Schild mit dem Spritverbrauch und CO2-Ausstoß zu achten und dann entsprechend zu wählen. Ich fürchte nur, solange die Kundschaft die Wahl nicht am Geldbeutel spürt, wird sich wenig bewegen. Der Verkehrsclub für Deutschland (VCD), die »ökologische Alternative« zum ADAC, veröffentlicht übrigens jährlich eine »Hitparade« der umweltfreundlichsten Autos, die seit mehreren Jahren von zwei japanischen Hybridfahrzeugen angeführt wird, die bei einem Kohlendioxidausstoß von etwa 105 g/km liegen. Die Spritsparautos von Audi und VW, die inzwischen mangels Nachfrage (!) leider nicht mehr produziert werden, hätten zwar die Chance auf den ersten Platz gehabt, jedoch gab es sie seinerzeit nicht mit Dieselrußfilter, so dass sie in der ökologischen Gesamtbilanz zurückfielen. Eine ausführliche Liste mit den Kraftstoffverbrauchswerten und Kohlendioxidemissionen aller aktuellen Kraftfahrzeuge auf dem deutschen Markt findet man übrigens auf der Homepage der Deutschen Automobiltreuhand (DAT).
Ganz dringend ist eine internationale Strategie gegen die Abholzung, die mit 18 Prozent weltweit mehr zu den Treibhausgasemissionen beiträgt als der gesamte Verkehrssektor. Beim Kauf von Möbeln könnte man beispielsweise darauf achten, dass das Holz aus einheimischer Produktion oder zumindest aus kontrolliertem Plantagenanbau (z.B. mit dem Logo des Forest Stewardship Council) stammt. Weitere Hinweise enthält der Ratgeber »Holz und Papier 2003«, den man bei Greenpeace kostenlos bestellen oder von der Homepage herunterladen kann. Da die Abholzung häufig zur Tierhaltung geschieht, könnte man auch bei der Wahl des Milch- oder Fleischproduzenten - vorausgesetzt, man weiß, woher er seine Ware bezieht - einen Beitrag leisten.
Sicher, das sind alles - für sich betrachtet - ganz kleine Mosaiksteine. Aber wir haben noch zahlreiche Betätigungsfelder, die auf uns warten:
- Jährlich werden weltweit rund 33 Mrd. US$ für Kosmetika ausgegeben, während 29 Mrd. US$ ausreichen würden, um den Hunger zu besiegen. Wenn man sich das bewusst macht, wird rasch klar: weniger wäre vielleicht mehr.
- Mehr als 500 Mio. tragbare Textilien rangieren die Deutschen jedes Jahr aus, die vielfach einheimische Schneider in Afrika arbeitslos machen. Second-Hand-Läden und Kleiderkammern der Hilfsorganisationen sorgen für eine gezielte Wiederverwertung.
- 3,5 Mrd. Euro an Stromkosten werden in Deutschland jährlich durch den Stand-by-Betrieb der Stromverbraucher in unseren Haushalten erzeugt. Ein Strommessgerät kostet nicht viel und enttarnt die Stromfresser.
- Laufen oder Fahrrad fahren, statt gleich das Auto zu benutzen, hält fit und spart Sprit (und CO2). Wenn man bis in den vierten Stock die Treppe statt den Fahrstuhl benutzt, spart man 1 000 kW-Stunden Strom pro Jahr.
- Biolebensmittel sichern artgerechte Tierhaltung, bewahren Südamerikas Regenwälder vor der Abholzung (keine importierten, u.U. genmanipulierten Futtermittel) und sind einfach gesünder. Niemand zwingt uns, im Winter Spargel aus Peru zu kaufen. Daran sollten wir denken, wenn wir uns auf der Autobahn wieder mal über die endlosen LKW-Kolonnen ärgern. Bio-Abokisten liefern regionale Vielfalt passend zur Saison.
- Baumwollprodukte aus ökologisch kontrolliertem Anbau sind nicht nur gesünder, weil Kunstdünger, Pestizide und Chemie außen vor bleiben. Konventionell angebaute Baumwolle ist außerdem extrem durstig: Für die Herstellung eines einzigen T-Shirts werden 20.000 Liter Wasser verbraucht. Und ein Viertel aller Pestizide weltweit wird auf Baumwollfeldern gespritzt, obwohl sie nur drei Prozent der Anbaufläche ausmachen (siehe Hintergründe bei PAN Germany).
- Fliegen ist ein echter CO2-Hammer. Ein Flug von Köln nach Bangkok z.B. produziert 6,5 Tonnen des Treibhausgases - pro Passagier! Bahnfahren ist aber nur für kurze und mittlere Entfernungen eine realistische Alternative. Wer unbedingt fliegen will oder muss: im Internet gibt es »Klimarechner««, mit denen man die Emissionen für jeden Flug ermitteln kann - dort kann man im Gegenzug auch gleich Geld an Klimaschutzprojekte spenden (z. B. atmosfair).
- Wer mit der Bahn statt mit dem Auto fährt, verringert die CO2-Emissionen erheblich - wer täglich hundert Kilometer fahren muss, um mehrere Tonnen pro Jahr. Modellrechnungen finden sich auf der Homepage des VCD.
- Banal: Klorollen und Schulhefte aus Altpapier entlasten die Umwelt erheblich. Papier-Recycling spart im Vergleich zur Primärfaserherstellung die Hälfte der Energie und vier Fünftel des Wassers.
- Vegetarier handeln nicht nur ethisch, weil sie nicht zur Vernichtung von Leben beitragen, sondern auch ökologisch sinnvoll. Für Tierfutteranbau werden Urwälder abgeholzt, Gen-Pflanzen verbreitet und Grundwasser überdüngt. Pro Kilogramm Rindfleisch werden 100 000 Liter Wasser verbraucht, für Kartoffeln dagegen nur 500 Liter. Für 1 000 Kalorien Fleisch werden bis zu 17 000 Kalorien Futter eingesetzt.
- Wasser sparen ist nicht schwer. Dusche statt Wannenbad, Spülstopp in der Toilette, Durchflussbegrenzer in den Wasserhähnen - so lässt sich der Wasserverbrauch halbieren.
- Für die Wärmedämmung von Gebäuden und die Modernisierung von Heizanlagen gibt es umfangreiche Förderprogramme. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz belohnt die Stromeinspeisung aus der eigenen Fotovoltaikanlage und sorgt für eine rasche Amortisation der Investition. Mit Solaranlagen zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung lässt sich der Energieverbrauch zusätzlich reduzieren. Heizanlagen, die Biomasse verfeuern (z.B. Holzpellets), sind sogar CO2-neutral. Zahlreiche Broschüren sind hierzu kostenlos erhältlich oder auf den einschlägigen Internetseiten zu finden: Thema Energie, Zukunft Haus, Bundesumweltministerium, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, C.A.R.M.E.N. e.V..
Wer weitere Informationen braucht, findet sie bei Umweltschutzorganisationen und Verbraucherverbänden, zum Beispiel bei Greenpeace (die hier genannten Tipps stammen teilweise aus dem Greenpeace-Magazin Nr. 1/2006; die komplette Liste ist bei der TGD-Verwaltung als Kopie erhältlich). Einige Ratschläge enthält auch das Sonderheft »Einfach die Welt verändern - 20 Schritte zu einer besseren Zukunft« der Zeitschrift »Publik-Forum«, das ebenfalls als Kopie bei der Verwaltung angefordert werden kann.
Und wenn wir angesichts der gewaltigen Probleme zu resignieren drohen, dann hilft uns vielleicht das Gottvertrauen, das Ignatius von Loyola im 16. Jahrhundert so zum Ausdruck brachte:
»Handle so, als ob alles von dir und nichts von Gott abhinge. Vertraue so auf Gott, als ob alles von Gott und nichts von dir abhinge.«
Jörg Klingbeil
Gute Taten rechnen sich
Die ethische Verantwortung der Wirtschaftsunternehmen
Mit dem Ruf mancher Unternehmen ist es nach Korruptionsskandalen, massiven Stellenstreichungen oder Insidergeschäften nicht zum Besten bestellt. Deshalb bricht sich nach und nach ein Gegentrend Bahn: Firmen versuchen, ihr soziales und ökologisches Engagement in den Vordergrund zu rücken. Das Thema steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Doch Corporate Social Responsibility - so lautet der Fachbegriff für gesellschaftliche Verantwortung von Firmen - ist im Kommen.
Ihre gesellschaftliche Verantwortung können Unternehmen auf verschiedenste Weise zeigen - indem sie sozial engagierten Mitarbeitern Boni zahlen, speziell 50-Jährige einstellen, ihre Produktionsabfälle reduzieren oder Projekte in Dritte-Welt-Ländern fördern. Ein Patentrezept gibt es nicht, je nach Branche unterscheiden sich die CSR-Maßnahmen erheblich.
Die 30 Dax-Konzerne weisen ihr Engagement in dieser Richtung mittlerweile in der Bilanz aus, daraus erstellen spezielle Rating-Agenturen alljährlich die Rangordnung der nachhaltigsten Unternehmen. Wer dort gelistet wird, ist auch bei Anlegern beliebt - so genannte ethische Investmentfonds verzeichnen seit Jahren beeindruckende Steigerungsraten.
Dass ökologisches und soziales Engagement nicht nur das Image poliert, sondern den Firmenwert generell steigert, belegt eine Studie der Universität Stuttgart. »Corporate Responsibility hilft erwiesenermaßen dem Aktienkurs«, betont Finanzwirtschaftsprofessor Henry Schäfer. Er meint, verantwortliches Handeln lasse sich wie jede andere Managementmethode handhaben. Voraussetzung: »Die Verantwortung muss gelebt werden.« Und es müsse die Erkenntnis dahinter stehen: Gute Taten rechnen sich!
Aus einem Bericht der »Stuttgarter Nachrichten«
Albert Schweitzers Ethik des Lebendigen
Leserecho auf Jörg Klingbeils Aufsatz über ethisches Verhalten
Lieber Herr Klingbeil, Ihren Aufsatz habe ich mit großem Interesse gelesen und bin dabei natürlich auf Albert Schweitzer gestoßen, über dessen Ethik des Lebendigen ich im vergangenen Jahr ein Manuskript vorbereitet habe in der Form eines Kommentars zu seiner Schrift »Mensch und Kreatur in den Weltreligionen« (nachstehend wiedergegeben). Schweitzers Ausführungen sind übrigens vor kurzem in dem Bändchen »Albert Schweitzer. Ehrfurcht vor den Tieren« als Nr. 1714 der »beck-schen reihe« (Hrsg. Erich Grässer) erschienen.
Auf dem Weg in die Neuzeit beobachtet Albert Schweitzer eine allmähliche Erweiterung des Liebesgebots von der persönlichen Tugend im eigenen Interesse zum Prinzip aktiven Wirkens für die Bessergestaltung der gesellschaftlichen Zustände. Damit kommen die Aufgaben in Sicht, »die das Christentum nach dem Hinfälligwerden der Erwartung des Weltendes hätte in Angriff nehmen sollen.« Die Ethik der Liebe wird im Denken geklärt und gekräftigt, und es kommt zu im Namen der Vernunft geführten Bemühungen gegen Praktiken der Folter, der qualvollen Hinrichtungen, der Ketzerverfolgungen und Hexenverbrennungen.
In dieser »neuzeitlichen Ethik«, wie Schweitzer sie nennt, entfaltet sich Humanitätsgesinnung. Aber vom Problem Mensch und Kreatur nimmt sie noch nicht Kenntnis. Dies gilt auch für Giordano Bruno, der zwar lehrt, dass alles Sein beseelt ist und alle Wesen miteinander am Göttlichen und Ewigen teilhaben, aber die verschiedenen irdischen Wesen treten kaum in Erscheinung; die Liebe zum Unendlichen ist eher nur beschaulicher Art.
»Schlechte Noten« wegen eines Rückfalls in mittelalterliches Denken kriegt auch Descartes. Nach ihm ist Mitleid mit den Tieren gegenstandslos, »weil sie als seelenlose Wesen nur scheinbar, und nicht in Wirklichkeit, Schmerz fühlen«. Hier spricht Schweitzer von »unheilvollem Einfluss« und von »Verständnislosigkeit für das Geheimnis des Seins und die Probleme der Ethik«.
Wirkliches Interesse für die Geschöpfe findet Schweitzer (und zwar ausdrücklich »zum ersten Mal im neuzeitlichen Denken«) bei zwei Engländern: bei dem Theologen Samuel Clarke (1675-1724) und bei dem Arzt und Chemiker William Wollaston (1659-1724). Allen lebendigen Wesen Mitempfinden zu bezeigen, gehört für sie zum vernunftgemäßen ethischen Verhalten.
Demgegenüber bleibt David Hume im Kreis der Menschenliebe befangen. Auch Kant betont einseitig die Pflichten des Menschen gegen Menschen. Etwas weiter als Kant geht der englische Ethiker Jeremy Bentham (1748-1832). Zur Vorstellung einer wirklichen Verbundenheit des Menschen mit der Kreatur erhebt er sich nach Schweitzers Meinung ebenso wenig wie Kant. Ähnlich kritisch verhält sich Schweitzer gegenüber Fichte, Hegel, Schelling und Schleiermacher, weil sie dem Problem Mensch und Kreatur in ihren Systemen keinen Raum geben.
Erst bei Goethe findet Schweitzer endlich eine Regung der Ehrfurcht vor dem Leben in seinem Sinn, nämlich in dem kleinen Gedicht »Die Spinne« aus dem West-Östlichen Divan:
Als ich einmal eine Spinne erschlagen,
Dacht ich, ob ich das wohl gesollt?
Hat Gott ihr doch wie mir gewollt
Einen Anteil an diesen Tagen.
In einem Notizbuch zitiert Schweitzer dazu einen Spruch, den er Goethe zuschreibt, der aber auch Kennern nicht als solcher bekannt ist: »Die Flöhe und die Wanzen gehören auch zum Ganzen.« Schweitzers Kommentar dazu lautet: »Goethe ist von dem Geheimnis berührt, dass jedes Wesen, so unscheinbar es auch ist, einen Wert bedeutet. Aus einer Regung von Ehrfurcht vor dem Leben beanstandet er gedankenloses Schädigen und Vernichten von Leben.«
Max U. Balsiger, Meikirch, Schweiz
Ein radikaler Querdenker unserer Zeit
Im »Rückspiegel«-Beitrag des Dezember-Hefts zu unserer Vortragsveranstaltung über »Mikrokredite« wurde auch die Friedensnobelpreis-Verleihung an Muhammad Yunus aus Bangladesh erwähnt. Über diesen Gründer der »Grameen Bank« ist jetzt ein Buch erschienen:
Peter Spiegel, »Muhammad Yunus - Banker der Armen. Sein Leben. Seine Vision. Seine Wirkung«, 2006, Herder Spektrum 5880, 160 Seiten, 8,90 Euro.
Die Welt gibt Kredite nur an Besitzende - Muhammad Yunus mit seiner »Bank für die Armen« nur an Besitzlose. Die Welt vertraut in Gelddingen nur Menschen, die bereits Geld haben - der Friedensnobelpreisträger schenkt jenen Menschen volles Vertrauen, die nichts haben, und setzt damit bei ihnen eine erstaunliche Kreativität frei. Der Wirtschaftswissenschaftler macht damit das radikale Querdenken zugunsten der Schwächsten der Welt zum erfolgreichen Geschäftsmodell eines völlig neuartigen Sozialunternehmertums. Dank seiner Pionierleistung wurden bisher mehr als 110 Millionen Mittellose, vor allem Frauen, zu Unternehmern ihres eigenen Lebens. Yunus erschloss ihnen den Zugang zu sozialer Absicherung, Strom und modernen Kommunikationsmitteln, kurz: zu einem Leben der Hoffnung.
Das Buch ist eine eindrucksvolle Dokumentation des Weges der Ärmsten und Hoffnungslosesten der Welt in ein selbstbestimmtes menschenwürdiges Leben.
Peter Lange
Nochmals: Wilhelma-Schüler der ersten Stunde
Das im Juni-Heft der »Warte« erstmals veröffentlichte Gruppenbild der Schulklasse von Lehrer Zacher aus dem Jahr 1903, dem ersten Jahr der Tempelkolonie Wilhelma, hat erneut Leserreaktionen ausgelöst. Es wurden weitere Schüler identifiziert. Inzwischen haben wir glücklicherweise sämtliche Namen der dort abgebildeten Schüler herausfinden können und möchten sie hier nennen. Natürlich wird in diesem Zusammenhang das Gruppenbild hier noch einmal veröffentlicht.
Allerdings gibt es wohl noch ein paar Unklarheiten bei der Namensidentifizierung. Eine Leserin fragt an, wo denn die Kinder von Christian und Johanna Scheerle (Hanna geb. 1889, Gottlieb 1891, Ernst 1893, Marie 1896) zu sehen seien. Nach unseren Unterlagen ist die Familie Scheerle 1903 nach Wilhelma gekommen.

Obere Reihe (v.l.n.r.): Lehrer Zacher aus Russland (?-1907), Daniel Richter (1891-?), Andreas Weiß, Ephraim Zacher, David Wächter (1894-1916 gef.), Anna Sawatzky (später Beilharz, 1893-1955).
Mittlere Reihe (v.l.n.r.): Anna Richter (später Sawatzky, 1891-1949), Amalie Weiß (1894-?), Mathilde Weiß (1888-?), Martha Friesen (1891-?), Maria Sawatzky (1895-?), Berta Weiß (später Wörz, 1890-?).
Vordere Reihe (v.l.n.r.): Ludwig Dreher (1897-1976), David Zacher, Lydia Höfer (später Vollmer, 1896-1998), Ernst Löbert (1896-1970), Gottlob Löbert (1895-1964), Waldemar Sawatzky (1896-1971), Cornelius Sawatzky (?-1917 gef.), Friedrich Höfer (1899-? gef. 1.WK), Katchen Wächter (später Dreher, 1895-1993).
Wer uns mit der Füllung von Datumslücken (hier mit Fragezeichen versehen) helfen kann, wird um Bescheid bei der »Warte«-Redaktion gebeten.
Peter Lange
|
|
|