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Die Warte des Tempels

Monatsschrift für freie Christen

Ausgabe 162/10 - Oktober 2006


Das Symbol des Olivenbaums

Ein Dankfest-Thema

Den Palästina-Templern waren sie das »tägliche Brot« - die Oliven, die zusammen mit einem Stück Brot oft ihre einfache Mahlzeit dargestellt haben. Und im Schatten der Olivenbäume fanden in der neuen Heimat die ersten Tempelfeste der ausgewanderten Schwaben statt. OlivenbaumSie demonstrierten damit die Bedeutung, die diese Gewächse schon seit biblischer Zeit für die orientalischen Völker besessen haben.

Auch für das heutige Palästina ist der Olivenbaum ein notwendiges Element des täglichen Lebens. Obwohl viele Bäume schon über Hunderte von Jahren alt sind, werden sie noch ständig gepflegt und in jedem Jahr abgeerntet. Viele Historiker stimmen darin überein, dass die ersten Olivenhaine im Heiligen Land um 4000 v.Chr. gepflanzt worden sind. Nach Tausenden von Jahren der Kultivierung ist der Olivenbaum ein lebendiges Bindeglied zwischen dem antiken Erbe des Landes und seinem gegenwärtigen landwirtschaftlichen und kommerziellen Leben.

Ende Oktober füllen sich in jedem Jahr die Olivenhaine mit Bauern und ihren Familien zur Ernte. Bis heute werden die Oliven von Hand gepflückt. Jeder Baum erbringt im Durchschnitt einen Ertrag von neun Litern Öl. Die Verarbeitung vom Sortieren bis zum Auspressen, über das Ölfiltern und Befüllen der Flaschen, Verteilung und Verkauf auf dem Markt umfasst alle Aspekte eines Wirtschaftslebens, das im Olivenbaum verwurzelt ist.

Templer der ersten Auswanderer-Generation haben sich schon bald der Oliven-Verarbeitung zugewandt und im Lauf der Jahre in Haifa einen Industriebetrieb zur Herstellung von Öl- und Seifenprodukten entstehen lassen. Die Siedler hatten erkannt, dass die Mittelmeerküche,

die vielfach auf Olivenöl aufbaut, die gesündeste Küche überhaupt ist. Heute wird auch in Mitteleuropa dieser Wert des Öls erkannt, das ungesättigte Fettsäuren und kein Cholesterin enthält und Herzinfarkten vorbeugen hilft.

Im 4. Jahrhundert hat man im biblischen Bethlehem mit dem Olivenholz-Kunsthandwerk begonnen. Auch heute noch konzentrieren sich die Olivenholz-Schnitzer auf die Region von Bethlehem. Manch einer unter unseren Lesern wird schon einmal die eine oder andere der dekorativen Olivenholzschnitzereien von einer Reise mitgebracht haben.

Der Zweig des Ölbaums ist zum Symbol der Friedfertigkeit geworden. Bleibt zu hoffen, dass der jetzige Einsatz der deutschen Marinesoldaten vor der Küste Libanons eine wirklich friedensstiftende Mission wird und den Hass abbauen hilft, der die Heimat der Olivenbäume bis heute erfüllt.

Peter Lange


BIBELWORTE - NÄHER BETRACHTET

Einer trage des andern Last

»Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.« (Galater 6, 1-2)

Einen Satz aus diesem Text kennen wir alle: Einer trage des andern Last. Was Paulus damals an die jungen Gemeinden in der Gegend des heutigen Ankara schrieb, gehört unter der Überschrift »Solidarität« heute noch zu den Programmsätzen des modernen Sozialstaates. Um »Reichensteuer« und »Solidaritätszuschlag« ging es Paulus damals natürlich nicht. Für ihn stand die tätige Nächstenliebe im Zentrum der Lehre Jesu. Sie war für ihn das »Gesetz« des neuen Bundes mit Gott. Anlass seines Schreibens waren restaurative Kräfte, die den Gemeindemitgliedern einreden wollten, zum »richtigen« christlichen Glauben gehöre die Beachtung des alttestamentarischen Gesetzes und die Beschneidung als Zeichen des Bundes mit Gott. Paulus warnt nun in scharfem Ton vor einer Verfälschung des Evangeliums. Er ist besorgt, dass Christen ihr Verhältnis zu Gott wieder auf das Befolgen religiöser Vorschriften reduzieren könnten, und er erinnert daran, dass Jesus die Menschen zu freien Kindern Gottes machen wollte. Diese Freiheit solle aber kein Freibrief sein, um seinen Egoismus auszuleben, sondern eine Freiheit zur tätigen Liebe, die das Leben der Menschen untereinander bestimmen solle.

Was Paulus hier für eine kleine Gruppe in einem überschaubaren Umfeld empfiehlt, eignet sich heute noch zur Nachahmung im großen Maßstab: Freiheit zum Handeln und Verantwortung für andere und für sich selbst gehören für Christen untrennbar zusammen. Die eigene Verantwortung für den Nächsten lässt sich auch nur bedingt an andere, insbesondere den Staat, delegieren. Sicher ist das Bewusstsein für Solidarität unterschiedlich ausgeprägt; Gleichgültigkeit und Überheblichkeit tragen vielfach dazu bei, dass man die Belastung anderer übersieht. Einem anderen jede Belastung abzunehmen, nur damit der andere völlig unbeschwert ist, ist andererseits auch nicht vernünftig und würde die Eigeninitiative lähmen. Aber wir müssen wach bleiben für die Unterschiede und uns unserer Verantwortung stets bewusst sein. Paulus hält uns an dieser Stelle wie Jesus den Spiegel vor: In dem ewigen Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Gerechtigkeit sollte jeder mit einem kritischen Blick auf die eigenen Schwächen beginnen, sich nicht zum Richter über andere aufschwingen und seine Taten für sich selbst sprechen lassen, statt sich dauernd mit andern zu vergleichen. Nur so besteht die Chance zu selbstlosem Handeln und die Hoffnung, mit seiner eigenen Last vor Gott bestehen zu können.

Jörg Klingbeil


STIMMEN AUS DEM FREIEN CHRISTENTUM

Der größere Gott

Gesichtspunkte einer zeitgemäßen, widerspruchsfreien Sichtweise

Die meisten Christen gehen mit Gott sehr familiär um. Tatsächlich ist ein nur persönlicher Gott zu sehr mit der Familie Mensch verwandt. Es fehlt der Bezug zu Pflanzen und besonders Tieren, wie dies im Buddhismus der Fall ist. Auch verhält sich dieser Gott - gelinde gesagt - wie ein törichter Mensch. Indem er bei seinem Schöpfungswerk auch den Menschen erschafft, belastet er sich, zumindest indirekt, auch mit allem Leid, das diesem in der Welt geschieht. Dass er, der Gott der Liebe, seinen einzigen Sohn im Rahmen seiner Schöpfungsplanung auch gleich wegen der Erbsünde des von ihm geschaffenen Menschen zum grausamen Kreuzestod - nach Cicero die schlimmste und fürchterlichste Todesstrafe - als Sühne vorgesehen hat, leuchtet heute selbst frommen Christen nicht mehr ein. Da es sich um eine kollektive Sünde handelt, musste der Mensch Jesus schließlich vergöttlicht werden. Gott ist als Person mit Selbstbewusstsein und eigenem Willen ausgestattet, das heißt für sein Tun, also auch für eine Fehlplanung, voll verantwortlich. Und er weiß, welche Folgen eine solche hat, denn er ist allwissend.

Das Problem der »Theodizee«

Es ist das Problem der »Theodizee«, der Rechtfertigung eines - falsch beziehungsweise unvollständig aufgefassten - Gottes angesichts des Leids und der Widersprüchlichkeit von Allgüte und Allmacht, das noch kein Theologe lösen konnte. Das Leid und eine sinnvolle Antwort darauf hat Buddha zur Grundlage seiner Lehre gemacht. Als positiver Agnostiker ließ er Gott aus dem Spiel und gab einzig Anweisungen zur Überwindung des Leidens. Konfuzius bejahte zwar das Göttliche, weigerte sich aber, in Spekulationen darüber einzutreten. Seine Sittenlehre wollte nur das Zusammenleben der Menschen erträglicher machen. Für die monotheistischen Religionen verschärft sich das Problem durch die zentrale Bedeutung, die Gott bei ihnen darstellt. Durch unnötige, oft vernunftwidrige Aussagen, die man menschlichen Bedingtheiten nachbildete, wurde die Gottesvorstellung belastet und so eine überzeugende Behandlung des Leides unmöglich gemacht. Aber die Lösung des Theodizee-Problems im Sinn von Aussagen, die Verstand und Vernunft befriedigen, entscheidet über die Zukunft des Monotheismus. Der Gottesbegriff steht und fällt mit einer Antwort bezüglich des Leides. Falls diese nicht sinnhaft sein kann - und wie oft entbehrt Leid jeglichen Sinns! - muss man zeigen, warum wir von der Gottheit keine sinnvolle Antwort erwarten dürfen.

Das Göttliche in Jesus

Es gilt, Jesus wieder auf sein historisches Maß zurechtzurücken. Dann wird man seiner Lehre gerechter werden, die auch trotz des Irrtums des unmittelbaren Anbruchs der Gottesherrschaft - nur unter diesem Aspekt sind manche Jesusworte verständlich - nichts an Größe verliert. Jesu Lehre bezweckt einzig und allein die Verherrlichung Gottes. Diese wird durch die Binität (»Zweifaltigkeit« - Gott Vater, Gott Sohn) verdunkelt: der erhöhte Jesus hat zumindest im Volksglauben Gott den Vater häufig total verdrängt, und »Gott« meint bei Kirchenchristen fast immer »Christus«. »Jesus Christus wird als Erlöser so eng mit Gott verbunden, dass er selbst zu Gott wird und Gott gleichsam das Gesicht Christi bekommt« - so der Berner Theologe Ulrich Luz. Dies war nicht die Absicht Jesu, für den Gott alles bedeutete.

Beide Extreme sind - wie Extreme fast immer - falsch: einerseits die übersteigerte Erhöhung eines einzelnen Menschen zu göttlichen Ehren, andererseits die tiefe Erniedrigung der Menschheit durch den Fluch der Erbsünde.

Die Erbsünde hat nach Augustinus (5. Jahrhundert), durch den die Erbsündenlehre im Anschluss an Paulus (Jesus der »zweite Adam«) ihre Ausreifung erfuhr, eine ewige Verdammnis zur Folge. Augustins Gegenspieler Pelagius wurde von ihm erbittert verfolgt und konnte sich nicht durchsetzen. So ist die Erbsünde bis heute Lehre der Kirchen - sie können sie nicht aufgeben, da sonst die Göttlichkeit Jesu ins Wanken gerät -, auch wenn die Pfarrer es vermeiden, darüber zu predigen. Dieses Thema ist heikel und ruft bei Jugendlichen Verständnislosigkeit hervor.

Anstatt einen Menschen zum Gott zu machen, sollte man das Göttliche in ihm erkennen: dies heißt »Gottes Sohn«, dies ist wahre »Gotteskindschaft«.

Was in besonderem Maß für Jesus gilt, trifft in abgeschwächter Weise auch für alle Menschen zu. Gott lebt nicht in einem Außenraum, getrennt von seiner Schöpfung, Gott ist ein Gott der Menschen und ist ihnen sehr nahe. Unser Geist - man sagt heute gern »Seele« - hat Anteil am göttlichen Geist. Dies ist die Grundlage unseres Glaubens an ein individuelles Überleben im Tod.

Wie ich mir das Verhältnis Gottes zur Welt vorstelle

Peter Lange

In dieser Teilhabe am Göttlichen muss Gott im Sinne des »Panentheismus« (ein Alles-in-Gott-sein) gesehen werden: kein »Pantheismus« (Gott und Welt fallen in eins) und kein »Theismus« (wie bei den monotheistischen Religionen in ihren offiziellen Ausprägungen). Gott umfasst und durchdringt Mensch und Natur.

Gott in und außerhalb der Welt

Gott ist bei aller Transzendenz (Überweltlichkeit) nicht der Welt entrückt. Deshalb bedarf es keines Mittlers. Jesus ist Vorbild und Wegweisung. Es gibt nur wenige so authentische, so verbürgte und zuverlässige Jesusworte wie Markus 10,18: »Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als der eine Gott!« Indem man dieses Wort ernst nimmt, wird die Position des Arius unterstrichen, dass Jesus ein Geschöpf Gottes ist, nicht gezeugt, sondern geschaffen (das heißt als Mensch), nicht »wesensgleich« mit Gott, sondern nur »wesensähnlich«.

So schwer es dem kirchlichen Christentum fällt: das Trinitätsdogma muss aufgegeben werden. Es hatte seine Funktion in der Antike. Außerchristliche Dreiheiten waren ja auch damals Vorbilder. Dogmen sind dem Wortlaut nach Meinungen und daher zeitbedingt. Gott kam in die Welt nicht nur in Jesus. Er wird in jedem Menschen geboren (so Angelus Silesius) und ist doch zugleich mehr als die Summe aller Menschen. Gott existiert in und außerhalb der Welt.

Gleichgültig, wie weit menschliche Einsicht reicht, wir müssen einsehen: die Gottheit hat »im unzugänglichen Licht« ihre Wohnung (1. Timotheus 6,16). »Der Name, den man nennen kann, ist nicht der ewige Name« (Laotse): Gott ist der Name ohne Namen, der Name aller Namen. Gott ist zwar verborgen, aber er ist stets gegenwärtig. Bitten nützt nichts, Gott kennt unsere Nöte (siehe Matthäus 6,8). Nur die Bitte um Vertrauen ist angebracht; dies erreicht das Gebet, in dem man sich trotz Gottes Schweigen seiner Nähe bewusst bleibt. Aber wir sollten ihm immer danken; besonders wenn er uns die Gnade gewährt, dieses Vertrauen zu bewahren.

Mit keinem Makel behaftet

Dazu bedarf es jedoch eines der Vernunft nicht widersprechenden Gottesglaubens. Aus der Vernunftverträglichkeit folgt kein dogmatisches Gottesbild. Denn Vernunft ist keine feste Größe. Sie ändert sich mit dem Wissen der Menschheit. Doch bleibt ein Grundstock erhalten, der eine widerspruchsfreie Gottesvorstellung erlaubt.

Hierzu gehört auch die Befreiung von übertriebener Schuldzuweisung. Es gab keine Erbsünde, keine »Urschuld«. Die Frucht vom Baum der Erkenntnis barg das Selbstbewusstsein, und ihr Verzehr war daher ein notwendiger Schritt vom Tier zum Menschen. Es bewirkte Gottes Epiphanie, seine Wahrnehmung auf der Erde. Der falsche Mythos der Genesis ruft also auch zwangsläufig ein falsches Gottesverständnis hervor, besonders wenn er in seiner christlichen Interpretation - das Judentum kennt keine Erbsünde - zu einer zutiefst negativen Aussage über den Menschen führt.

Mit Konfuzius und vor allem Menzius, dem chinesischen Pelagius, darf man davon ausgehen, dass die menschliche Natur von Grund auf gut ist. Das Böse ist kein Gegenstück zum Guten; der manichäische Dualismus, der sich auch im Christentum eingeschlichen hat, ist abzulehnen. Ganz abwegig ist es, ein neugeborenes Kind mit dem Bösen in Verbindung zu bringen. Der Mensch - aus dem Tierreich nach Gottes Plan hervorgegangen - ist nach der Geburt mit keinem Makel behaftet. Eine Taufe zur Gewinnung des angeblich verlorengegangenen Heils, wie sie selbst heute noch bei der - von Jesus nicht vorgesehenen - Kindertaufe praktiziert wird, ist deshalb eigentlich eine Beleidigung des Schöpfergottes. Taufe war im Urchristentum vor allem Umkehr, Neuanfang.

Hat Gott sein Werk zu stümperhaft ausgeführt? Dies kann nicht die Gottheit sein, der Einstein eine überlegene Vernunft bescheinigte, die in ihrer Allmacht das Universum erschaffen und ihm seine großartige und unbegreifliche Ordnung (Kosmos) mitgegeben hat. Machen wir uns frei von einem allzu menschlichen Gottesbild - denn Gott ist größer!

Otmar Kurus in Freies Christentum«, Heft 5, 2006 (gekürzt wiedergegeben)


Der Ruf nach einer neuen Reformation

Zwölf Thesen des amerikanischen Bischofs John Shelby Spong

1. Der Theismus als eine Form der Definition Gottes ist tot. Gott kann nicht mehr glaubwürdig als ein Wesen mit übernatürlicher Macht verstanden werden, das im Himmel wohnt und bereit ist, immer wieder in die menschliche Geschichte einzugreifen, um den göttlichen Willen durchzusetzen. So ist heute das meiste theologische Reden von Gott bedeutungslos, es sei denn, dass wir eine neue Form finden, von Gott zu reden.

2. Weil Gott nicht mehr in theistischen Vorstellungen begriffen werden kann, wird es unsinnig, Jesus als die Inkarnation einer theistischen Gottheit zu verstehen. So ist die Christologie der Vergangenheit erledigt.

3. Die biblische Darstellung einer vollkommenen und abgeschlossenen Schöpfung, aus der die Menschen durch den Sündenfall ausgeschlossen wurden, ist eine vor-darwinistische Mythologie und ein nach-darwinistischer Unsinn.

4. Die biologisch wörtlich verstandene Jungfrauengeburt macht das traditionelle Verständnis der Göttlichkeit Christi unmöglich.

5. Die Wundergeschichten des Neuen Testaments können in einer Welt nach Newton nicht mehr als übernatürliche Ereignisse verstanden werden, die eine inkarnierte Gottheit bewerkstelligt hat.

6. Das Verständnis des Kreuzes als Opfer für die Sünden der Welt ist eine barbarische Vorstellung, die auf einer primitiven Gottesvorstellung basiert, die aufgegeben werden muss.

7. Durch die Auferstehung erhob Gott Jesus zu einer göttlichen Bedeutung. Deshalb kann sie keine körperliche Wiederbelebung innerhalb der menschlichen Geschichte sein.

8. Die Geschichte der Himmelfahrt beruht auf einem dreistufigen Universum und kann deshalb nicht in die Vorstellungen des Raumzeitalters nach Kopernikus übertragen werden.

9. Es gibt keinen von außen bestimmten, objektiven, geoffenbarten Text in der Schrift oder auf Steintafeln, der ein für alle Mal unser ethisches Verhalten bestimmt.

10. Das Gebet kann keine Bitte sein, die sich an eine theistische Gottheit wendet, um bestimmte Handlungen in der menschlichen Geschichte zu veranlassen.

11. Die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod muss von der das Verhalten kontrollierenden Vorstellung von Belohnung und Bestrafung getrennt werden.

12. Alle Menschen sind Gottes Ebenbild und als Personen zu respektieren. Keine äußerliche Beschreibung des Menschen, ob sie auf der Rasse, der Volkszugehörigkeit, dem Geschlecht oder der sexuellen Orientierung beruht, kann daher als geeignete Basis für Ablehnung oder Diskriminierung verwendet werden.

Nach dem Buch von John Shelby Spong »Warum der alte Glaube neu geboren werden muss - Ein Bischof bezieht Position«, Patmos Verlag Düsseldorf, 2006, ISBN 3-491-70395-6, Seite 282-283


Wasser ist Leben

Es darf nicht zur Quelle privaten Reichtums werden

Wir setzen heute unsere frühere Reihe »Wasser - Urelement des Lebens« (zuletzt im Oktober-Heft 2004) mit einem Beitrag des Theologen und Umweltschützers Leonardo Boff fort.

Das Überleben auf der Erde hängt vom Wasser ab. Wasser kann zum Grund für Kriege oder für die Solidarität der Völker werden.

Wasser ist ein knappes Gut. 97 Prozent des Wassers auf der Erde sind Salzwasser, nur 3 Prozent Süßwasser. Vom Letzteren befinden sich nur 0,7 Prozent in Reichweite der Menschen. Diese 0,7 Prozent sind höchst ungleich verteilt: 60 Prozent konzentrieren sich auf neun Länder, während 80 Länder unter Wasserknappheit darben. Weniger als eine Milliarde Menschen verbrauchen etwa 86 Prozent des knappen Guts.

Neue deutsche Rechtschreibung

Nachdem inzwischen die von Vielen geforderten Nachbesserungen der Rechtschreibreform in Kraft getreten sind, sollte Ruhe in der jahrelang oft hitzig geführten Auseinandersetzung um das richtige Schreiben einkehren.

Die »Warte«-Schriftleitung will sich in ihren Schriftsätzen der neuen deutschen Rechtschreibung anpassen und in Fällen, wo mehrere Schreibweisen möglich sind, weitgehend den Empfehlungen der Duden-Redaktion folgen.

Ich bitte unsere Leser allerdings, mir Fehler nachzusehen, die aus der Gewohnheit des lange Geübten heraus in Zukunft noch entstehen werden.

Dasselbe gilt natürlich auch für unsere sonstigen Veröffentlichungen (Broschüren, Bücher), die unter der Verantwortung des Schriftleiters neu entstehen werden.
Peter Lange

Umso wichtiger ist die Frage, wer das Wasser in Zukunft besitzt. Derzeit sind wir Zeugen eines weltweiten Rennens um die Privatisierung des Wassers. An diesem Wettbewerb beteiligen sich transnationale Konzerne wie die französischen Vivendi und Suez-Lyonnaise, der deutsche RWE, der britische Thames Water und der US-Baugigant Bechtel. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank haben seit dem Jahr 2000 in 40 Ländern neue Kredite und Umschuldungen an die Privatisierung der Trinkwasserversorgung gebunden. Damit wird Wasser zur Ware, zur Quelle des Profits.

Doch Wasser ist kein wirtschaftliches Gut wie jedes andere. Wasser ist so eng mit dem Leben verbunden, dass wir es als Teil des Lebens und als etwas Heiliges betrachten müssen. Das Leben kann nicht zur Ware gemacht werden. Wasser ist ein natürliches Gut, eine grundlegende Quelle, aus der vor 3,8 Millionen Jahren Leben auf der Erde entstanden ist.

Um das Wasser als Reichtum erfassen und gerecht verteilen zu können, müssen wir mit der Diktatur des nutzenorientierten Denkens brechen, das die gegenwärtige Gesellschaft beherrscht. Denn in dieser Logik ist das Wasser nichts weiter als eine Ressource, mit der gehandelt werden kann.

Stattdessen muss die Politik dafür sorgen, dass alle Menschen Zugang zu Trinkwasser haben. Jedem Menschen auf der Welt müssten täglich 50 Liter Trinkwasser umsonst garantiert werden - die Kosten dafür muss die Allgemeinheit tragen. Erst für den zusätzlichen Bedarf von Privathaushalten fallen Gebühren an. Bei industrieller und agrarwirtschaftlicher Nutzung von Wasser müssten die Nutzer die Kosten decken.

Noch herrscht bei der zukünftigen Verteilung von Wasser eine marktorientierte Sicht vor - mit einer übertriebenen Ausrichtung auf das private Eigentum. Dazu drohen gefährliche Konflikte zum Beispiel zwischen der Türkei einerseits und dem Irak und Syrien andererseits oder zwischen Israel und Jordanien sowie Palästina wie auch zwischen den USA und Mexiko an den Flussbecken des Rio Grande und des Rio Colorado.

Angesichts solcher Exzesse haben die Vereinten Nationen bei den Konferenzen in Mar del Plata (1977), Dublin (1992) und Rio de Janeiro (1992) das »Recht auf Zugang zu ausreichendem Trinkwasser in der Qualität für die Grundbedürfnisse« festgeschrieben. Zu Recht. Das Ziel »Null Hunger« unter den Millenniumszielen der UNO sollte auch das Ziel »Null Durst« einschließen. Es gibt kein Leben ohne Wasser. Wasser schafft Leben und ist eines der mächtigsten Symbole für das ewige Leben.

Aus »Publik-Forum« vom 25. Aug. 2006;Leonardo Boff lebt in Brasilien


Nach einem Jahr Strukturreform

Stabilisierte Mitgliederzahl

Die im Juli 2005 in Kraft getretene neue Satzung der TSA mit weitreichenden strukturellen Änderungen hat sich offensichtlich bisher bewährt. Ein wesentlicher Effekt der neuen Struktur ist die Einbindung vieler Mitglieder in verantwortliche Gemeindearbeit in den neu gebildeten Unterausschüssen (»Focus Groups«). Damit wird die zentrale Instanz der Gebietsleitung von vielen Einzelentscheidungen entlastet.

Zum 30. Juni 2006 betrug die Anzahl der Vollmitglieder der TSA 572. Fenster-ReparaturDamit hat sie den Mitgliederstand vom Jahr zuvor leicht überstiegen, ein Grund für vorsichtigen Optimismus, wie Gebietsleiter Dr. Rolf Beilharz in seinem Jahresbericht bemerkte. Erfreulich ist, dass im Berichtszeitraum der TSA 15 neue Mitglieder beigetreten sind. An dem erfolgreichen Konfirmandenunterricht im vergangenen Jahr haben 19 junge Heranwachsende teilgenommen.

Saal-Gottesdienste sind außer in Bayswater, Bentleigh, Sydney und Tanunda auch in mehreren Orten des ländlichen Victoria bei dort wohnhaften Templerfamilien gehalten worden. Um die Besucher dorthin zu bringen, wurde ein im letzten Jahr neu erworbener Kleinbus eingesetzt.

Stellvertreter des Gebietsleiters Dr. Rolf Beilharz sind gegenwärtig: Renate Beilharz (geb. Vollmer), Harald Ruff und Irene Bouzo (geb. Dyck).

Das TSA-Verwaltungsbüro in Bentleigh unter der erfolgreichen Leitung von Mark Herrmann ist seit Längerem durch Marks Ehefrau Marianne und Irma Wesselbaum, die sich um Layout und Satzherstellung des »Templer Record« kümmert, personell aufgestockt worden.

Altenzentrum plant Erweiterung

Das unter der Leitung von Dr. Martin Schreiber gemeinsam von der TSA und der AGWS betriebene Alten- und Pflegeheim TTHA Schulkonzert in der Gemeinde-Kapellehat von den Behörden die Zulassung für weitere 34 Pflegebetten erhalten. Damit kann eine bauliche Erweiterung des Heims in Angriff genommen und die lange Warteliste von Aufnahmewilligen langsam abgebaut werden.

In den Räumen des TTHA sind inzwischen Vorkehrungen für die Einrichtung einer Arztpraxis getroffen worden, bestehend aus Empfangsbereich, Wartezimmer, drei Sprechzimmern und medizinischen Nebenräumen. Dr. Jakubowicz wird die Praxis leiten. Leider gibt es immer noch Schwierigkeiten mit den benötigten behördlichen Zulassungen.

Weiterhin ist der Bau von drei weiteren Kleinwohnungen im Heimbereich geplant. Außerdem beantragte die Heimleitung die Zulassung für einen Hauspflegedienst, Boronia-Glocke hängtder es Mitgliedern ermöglicht, bei Krankheit oder Gebrechlichkeit länger im eigenen Haus bleiben zu können.

Vorsitzender des Vorstands des TTHA ist Hartmut Weller, der den im letzten Jahr ausgeschiedenen langjährigen Vorsitzenden Friedrich Sawatzky ersetzte. Pflegedienstleiterinnen unter der Direktion von Geschäftsführer Dr. Schreiber sind Karin Baumert und Cheryl Young.

Die Sozialdienst-Leiterin der TSA Helga Anderson (geb. Wied) kümmert sich schon viele Jahre um den persönlichen Kontakt zu Altenheim-Bewohnern und zu den neu Dazukommenden. In ihren 20 Wochenstunden leitet sie im Heim alle zwei Monate auch ein Treffen von Bewohnern mit ihren Angehörigen zur Besprechung anstehender Fragen. Sie will ihr Amt zum Jahresende abgeben.

Besucher-Austausch

Der auch von Seiten der TGD finanziell geförderte Besucheraustausch ist ein wichtiger Teil unserer Kontakte mit den Freunden in Australien. Beim Austausch junger Mitglieder hat die TGD in diesem Jahr Sebastian Hänel die Möglichkeit zum Kennenlernen der australischen Gemeinde geboten. Er besuchte einen Sprachkurs und half im TTHA mit. In umgekehrter Richtung hatten wir Erin Lubitz längere Zeit in der Stuttgarter Gemeinde. Zuständig für die Koordination des Austauschs sind Tania Richter (TSA) und Claudia Mutschlechner (TGD).

Nachdem im letzten Jahr aus dem Ältestenkreis der TSA Renate Beilharz und Renate Weber bei uns zu Gast waren, hoffen wir auch bei diesem Ältesten-Austausch auf eine Fortsetzung in beiden Richtungen.

Wandteppich-Tryptichon

Über dieses ehrgeizige Projekt für die Verschönerung der Gemeinde-Kapelle in Bayswater informierte uns im letzten Jahr Renate Weber ganz ausführlich. Auf diesem großformatigen Wandbehang soll die Geschichte der Templer bildhaft dargestellt werden. Etwa 30 Personen unter Anleitung von Helga Jürgensen (geb. Bulach) haben bisher zu diesem von der örtlichen Stadtverwaltung unterstützten Vorhaben handwerklich beigetragen. Im Oktober wird der Behang in seinem gegenwärtigen Fertigstellungsstand anlässlich eines »Heritage Festivals« in der Kapelle ausgestellt.

Geschichtsarbeit

Die Gruppe um den emsigen »Historiker« Horst Blaich kümmert sich weiter um Geschichtsaufbereitung in vielfältiger Form. Demnächst soll eine Berichtssammlung über das Ende der Tempelsiedlungen in Palästina erscheinen.

Peter Lange

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