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Die Warte des Tempels

Monatsschrift für freie Christen

Ausgabe 162/7+8 - Juli/August 2006


BIBELWORTE - NÄHER BETRACHTET

»... und die Wahrheit wird euch freimachen«

Dieses Wort Jesu - genauer: das Wort, das ihm von Johannes in den Mund gelegt wird (Joh. 8,32) - hat mich schon immer fasziniert. Als ich mich genauer damit befassen wollte und es im Zusammenhang nachlas, war ich zunächst enttäuscht.

Bei den Synoptikern als der relativ zuverlässigsten Quelle spricht Jesus so gut wie nie von der Wahrheit. Bei jedem von ihnen kommt das Wort nur einmal vor, in einem unwesentlichen Zusammenhang. Bei Johannes redet Jesus wieder und wieder von der Wahrheit, und immer im gleichen Sinn: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich«; oder, als Einleitung zu unserer Belegstelle: »Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen«; und, wenige Sätze davor: »Wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, so werdet ihr sterben in euren Sünden«. Anders ausgedrückt: nur wer glaubt - erkennt, anerkennt -, dass Jesus der Sohn Gottes ist, eins mit dem Vater, Gott gleich, der präexistente Logos, wird frei von Sünden und wird das ewige Leben haben. Das ist eine Wahrheit, mit der ich nichts anfangen kann.

Trotzdem faszinierte mich dieser eine Satz weiterhin, weil er präzise und schön etwas ausspricht, was meiner eigenen Erfahrung entspricht. Wenn man - als Kind aus Angst vor Strafe, später aus Angst vor einer Bloßstellung - versucht, mit Lügen und Ausreden etwas zu vertuschen, dann ist das anstrengend, demütigend und selbst, wenn es gelingt, unbefriedigend. Wenn man sich entschließt, die Wahrheit zu sagen und notfalls die Konsequenzen auf sich zu nehmen, dann ist das wie eine große Befreiung, die alles wieder klar und einfach macht.

Noch deutlicher ist der Zusammenhang, wenn man versucht, eine Schwäche, also etwas Dauerhaftes, geheimzuhalten. Das macht ausgesprochen unfrei, weil man - vielleicht nicht dauernd, aber immer wieder - auf der Hut sein muss. Und nur die Wahrheit kann einen frei machen.

Das ist auf den ersten Blick ein psychologischer, kein religiöser Zusammenhang. Auf den zweiten hat er durchaus mit Religion zu tun, weil zur gelebten Religion auch die Aufrichtigkeit gehört.

Aber die religiöse Wahrheit hat noch einen anderen Aspekt. Im allgemeinen versteht man darunter, wie Johannes, die eine, absolute Wahrheit, die den, der sie erkennt und festhält, selig macht, im Diesseits und im Jenseits - und die alle anderen ausschließt: »Wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, dann werdet ihr sterben in euren Sünden«, dann seid ihr verdammt.

Und diese Wahrheit ist gefährlich. Denn es liegt in ihrer Logik, diese anderen gering zu achten und im Extremfall zu bekämpfen, weil sie eine Gefahr für die eine absolute Wahrheit darstellen oder darstellen könnten. Das heißt nicht, dass alle, die einen solchen absoluten Glauben haben, unduldsam oder fanatisch wären. Für viele ist er ein Halt und ein Trost, in dem sie sich geborgen fühlen. Verderblich wird er dann, wenn man ihn den anderen aufzwingen will, im besten Glauben, dass das zu ihrem Heil sei.

Vielleicht gibt es eine absolute Wahrheit. Sicher ist, dass es für uns Menschen keine Möglichkeit gibt, sie zu erkennen. Alle oder fast alle Religionen beruhen darauf, dass geistbegabte, charismatische Menschen Gotteserlebnisse hatten und weitergaben - ein Stück Gotteserkenntnis oder das, was sie dafür hielten. Aber es konnte nie reine Gotteserkenntnis sein - sie war und ist immer mitgestaltet durch die Vorstellungen, die die Verkünder aus ihrer eigenen Umwelt, den Vorstellungen ihrer Zeit mitbrachten. In den Hochreligionen wurden die wichtigsten dieser Gotteserlebnisse aufgeschrieben, und diese Schriften wurden später »kanonisiert«, als heilig, unabänderlich für alle Zeit, festgeschrieben. Aber gerade dadurch, dass immer wieder Neues als heilig festgeschrieben wurde, zeigen sie, wenn wir sie unvoreingenommen lesen, wie sich über die Jahrhunderte hinweg in unserer, der jüdisch-christlichen Religion, das Gottesbild, die Gotteserkenntnis, gewandelt hat. Heilige Schriften sind ein kostbares Gut. Sie können eine Quelle der Kraft und des Trostes sein - und ein steter Ansporn, uns neu damit auseinanderzusetzen. Absolute Wahrheit sind sie nicht und können sie nicht sein.

Wenn das für die »heiligen« Schriften gilt, auf die die Hochreligionen sich berufen, dann gilt es auch für die Religionen selbst. Vielleicht, wahrscheinlich, enthalten sie alle einen Kern göttlicher Wahrheit, eingehüllt in viel menschliche Weisheit und Unweisheit; vielleicht die einen ein bisschen mehr, die andern ein bisschen weniger - aber das können wir nicht beurteilen. Das einzige Kriterium, das wir haben, ist das der Lessingschen Ringparabel: die Kraft des Rings, »vor Gott und Menschen angenehm zu machen« - in heutiger Sprache: die Kraft, ein gutes Zusammenleben der Menschen zu fördern.

Auch dieses Kriterium ist unzulänglich, weil verschiedene Menschen sich unter einem guten Zusammenleben etwas Verschiedenes vorstellen. Und vielleicht ist das gut so. Denn es ist nicht nur ein Problem, es ist auch ein Reichtum, dass es verschiedene Wahrheiten gibt, die verschiedene Menschen auf verschiedene Art ansprechen.

Damit komme ich zu meinem Ausgangspunkt zurück: das ist eine Wahrheit, die uns frei machen kann: frei von dem Zwang, verteidigen zu müssen, »was geschrieben steht«, frei von der Versuchung, unsere eigene Wahrheit für die allein richtige zu halten und alle anderen abzuwerten. Und das kann vielleicht tatsächlich zu einem besseren Zusammenleben der Menschen beitragen.

Brigitte Hoffmann


Du sollst nicht stehlen

Gedanken zum Siebten Gebot - Dorothea Zager

Pfarrerin Dorothea Zager geht in der hier dokumentierten Predigt verschiedenen Aspekten des Gebots »Du sollst nicht stehlen« nach: Das Siebte Gebot schützt das Eigentum. Es ist auch »der Ruf zum Respekt vor dem Eigentum der anderen«. Es verpflichtet ferner dazu, »für Gerechtigkeit einzutreten«. Nicht zuletzt ist es aber auch »der Ruf zu einem wohltuenden Verzicht«.

Wünsche

Das erste, was ein neugeborenes Kind laut und deutlich äußert, sind Wünsche: Ich will ins Warme, ich will etwas trinken, ich will meine Ruhe. Das ist sein erster Schrei. Der erste Schrei des Menschen ist also ein Schrei seiner Unzufriedenheit und ein Schrei seiner Wünsche.

Welch ein Glück für eine Mutter, wenn sie ihrem Kind geben kann, wonach es so lautstark verlangt: Wärme und Geborgenheit, eine schützende Hand über die geblendeten Äuglein und den ersten Schluck Milch aus Mutters Brust. Frieden kehrt ein in das kleine Wesen. Beglückt schläft es zum ersten Mal ein.

Jenes erste menschliche Verlangen ist der Beginn eines Menschenlebens, wie es jeder kennt: ein Leben voller Wünsche, Träume und Ziele. Zunächst werden es nur kleine Dinge sein, die sich das Menschlein wünscht: eine Spieluhr, einen Lutscher, eine elektrische Eisenbahn. Dann aber werden mit den Kindern auch die Wünsche größer - und schwerer zu erfüllen: T-Shirts und Jeans, die nicht nur »no name« sind, eine Stereoanlage, einen Computer, ein Skateboard, das erste eigene Auto, die erste kleine Wohnung. Es nimmt kein Ende.

Welch ein Glück für Eltern, wenn sie ihren Kindern geben können, wonach ihr Herz sich so sehnt! Welch ein Glück aber für Kinder, wenn die Eltern frühzeitig lernen, Wünsche nicht zu erfüllen und Nein zu sagen! Das klingt vielleicht paradox - birgt aber eine große Weisheit. Wünsche nehmen unser Leben lang kein Ende. Wilhelm Busch (1832-1908), der viele unserer menschlichen Eigenheiten und Schrullen humorig, aber auch zielgenau beschreiben konnte, sagt das so:

»Wonach du sehnlichst ausgeschaut,/ es wurde dir beschieden./ Du triumphierst und jubelst laut:/ Jetzt hab' ich endlich Frieden./ Ach Freundchen, rede nicht so wild,/ bezähme deine Zunge./ Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,/ kriegt augenblicklich Junge.«

Welch ein Glück also für uns, wenn wir uns oder uns gegenseitig Wünsche erfüllen können! Denn es ist schön, wenn sich Wünsche erfüllen. Welch ein Glück aber auch für uns, wenn Wünsche ein¬mal nicht in Erfüllung gehen! Denn auf ein Ziel hin leben, sich auf die Erfüllung eines Wunsches freuen, ist fast noch schöner als die Erfüllung selbst. Der Mensch braucht also Wünsche.

Eigentum

Der Mensch muss lernen, dass er nicht alles haben kann. Es gibt Besitzverhältnisse und Eigentumsrechte. Es gibt meine Sachen und deine Sachen, unsere gemeinsamen Sachen und eben die Sachen anderer Leute, die uns nicht gehören.

Wenn ich mich recht an die Zeit der Erziehung unserer Kinder erinnere, war das eines der ersten Dinge, die sie lernen mussten: Nicht alles gehört dir und Dinge, die anderen gehören, darfst du dir nicht nehmen.

Das Siebte Gebot »Du sollst nicht stehlen!«, so selbstverständlich und einfach es in unseren Ohren klingt, ist eines der grundlegendsten Regeln für unser Zusammenleben. Es ist der Ruf zum Respekt vor dem Eigentum des anderen.

Gott hat uns vieles gegeben, was uns allen gehört: das Sonnenlicht und den Regen, den Wechsel der Jahreszeiten, Saat und Ernte, das saubere Wasser und die klare Luft, den Wald und die Felder, die Bodenschätze und den Reichtum an Tieren und Pflanzen. Aber schon hier wird deutlich: Nicht alles gehört allen. Die einen bewirtschaften das Land, andere zahlen für das Korn. Die einen ernten im Weinberg, die anderen bezahlen für den Wein. Die einen halten sich Tiere, andere kaufen Fleisch und Fell, Leder, Milch und Käse. Gott hat uns mit vielen verschiedenen Gaben und Dingen, Aufgaben und Begabungen beschenkt. Das führt dazu, dass es Besitzverhältnisse, Austausch und Handel gibt, aber eben auch Diebstahl.

Gerechtigkeit

Genau in diesen Besitzverhältnissen, in diesem Austausch- und Handelsgeschehen liegt für unsere menschliche Gemeinschaft eine große Gefahr: Millionen von Menschen leiden Hunger, haben keine Ausbildung und keine beruflichen Chancen. Millionen von Menschen müssen schwerste und erniedrigendste Arbeiten tun, betteln und eben auch stehlen, nur um zu überleben. Auf der anderen Seite aalen sich wenige Reiche in der Sonne, verfügen über unmoralisch viel Geld, fast grenzenlose Macht und kleiden sich in Stoffe, deren Namen allein unbezahlbar sind.

Auch die ungerechte Verteilung der guten Gaben Gottes ist eine Form des Diebstahls. Anderen Menschen das Notwendigste zum Überleben vorzuenthalten, sie ihrer Würde und ihres Selbstbewusstseins zu berauben, ist Diebstahl. Wir sind auch nicht frei von dem Vorwurf, durch unsere verschwenderische Lebensweise die Ausbeutung Armer zu unterstützen. So ist das Siebte Gebot auch eine Verpflichtung, für Gerechtigkeit einzutreten.

Verzicht

Auf den ersten Blick dient das Siebte Gebot dem Schutz des Eigentums. Wenn Menschen miteinander und mit Gott in Frieden zusammenleben wollen - nichts anderes ist der Sinn der Zehn Gebote -, dann müssen sie lernen, das Recht der anderen zu respektieren. Das Recht der anderen auf ungefährdetes Eheglück, auf wahrhaftiges Reden, auf Leben und eben auch auf Eigentum. Das ist aber noch nicht alles: Das Gebot »Du sollst nicht stehlen!« ist auch der Ruf zu einem wohltuenden Verzicht.

»Wo suchen die Menschen das Glück?«, fragt Janusz Korczak. »Dort, wo es niemals ist. Nämlich im Reichtum, in der Befriedigung des eigenen Ehrgeizes, darin, dass sie bei Nachbarn und Bekannten Bewunderung erwecken. Sie meinen, Reichtum könnte ihnen alles geben, was Glück schafft. Also tritt ihnen der Schweiß auf die Stirn, Dornen zerkratzen ihnen die Füße, und dennoch, ohne auf ihre zerrüttete Gesundheit zu achten, auf die vielen nervenaufreibenden Anstrengungen, die bitteren Enttäuschungen, immer weiter jagen sie blindlings dem Gold hinterher!«

Welch ein Glück für Eltern, wenn sie ihren Kindern geben können, wonach ihr Herz sich so sehnt! Welch ein Glück aber für Kinder, wenn die Eltern frühzeitig lernen, Wünsche nicht zu erfüllen und Nein zu sagen! Liegt denn in unerfüllten Wünschen das Glück? Ich denke ja. Auch das ist der tiefere Sinn des Siebten Gebotes, der tiefere Sinn des Wortes Jesu: »Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat« (Lukas 12,15).

»Ich will alles, und zwar sofort!«: Ich erinnere mich noch an mein Entsetzen, als ich vor wenigen Jahren diesen Schlager aus dem Radio hörte. Weiß die junge Sängerin nichts mehr von dem Glück, sich auf Weihnachten zu freuen? Dieses sehnsuchtsvolle Warten und Hoffen, dass Wünsche in Erfüllung gehen - am 24. Dezember wohlgemerkt und keinen Tag früher? Weiß sie nichts davon, wie schön es ist, wenn ein Paar sich erst mehrere Male trifft und sieht, bis es den ersten scheuen Kuss austauscht? Und wie kostbar solch ein Kuss ist, auf den man gewartet und gehofft hat? Und wie schön es ist, zu warten, geduldig zu warten, bis eine Beziehung sich langsam aber behutsam und glücklich entwickelt? Wie viel Glück verpassen all diejenigen, die sich alle Wünsche an den Partner an einem einzigen Abend erfüllen und am nächsten Morgen bereits neben ihm erwachen!

»Ich will alles, und zwar sofort!«: Weiß der Mensch, der diesen Schlagertext geschrieben hat, nichts davon, dass die Musik aus einer Stereoanlage tausendmal schöner klingt, wenn ein junger Mensch sich die Anlage fleißig und langsam zusammengespart hat, als wenn sie einfach eines Tages im Zimmer steht - bezahlt von Eltern oder Großeltern?

Wir haben uns daran gewöhnt, unsere Wünsche zu erfüllen - alle und bitte sofort. Damit nehmen wir uns den Reichtum und das Glück der Vorfreude, des Träumens, das Glück, ein Ziel vor Augen zu haben.

Wir haben uns daran gewöhnt, auch unseren Kindern und Jugendlichen ihre Wünsche zu erfüllen - alle und bitte sofort. Damit nehmen wir ihnen nicht nur den Reichtum und das Glück der Vorfreude, sondern auch die Fähigkeit zum Verzicht.

Nach einer Untersuchung der Deutschen Forschungsgemeinschaft vor wenigen Jahren sind viele Ladendiebstähle jugendlicher Menschen darauf zurückzuführen, dass sie es nicht ertragen können, etwas nicht zu bekommen, was sie gerade jetzt haben wollen. Ja selbst die Gefährdung, von Drogen abhängig zu werden, hat darin seine Wurzeln: Viele Jugendliche ertragen es nicht, zu verzichten, weil sie es nicht gewohnt sind. So greifen sie zu, weil wir ihnen nicht gezeigt haben, dass auch im Verzicht, im Wartenkönnen, in der Freude auf etwas ein großer Reichtum liegt.

Das Siebte Gebot reiht sich ganz unspektakulär und unauffällig ein in die Reihe der großen Gebote vom Töten und Ehebrechen und vom Lästern des Namens Gottes. Unspektakulär scheint es zu sein, den Menschen dazu aufzurufen, das Eigentum des anderen zu schützen. Gott aber will uns damit selbst schützen: vor einem Leben ohne Wünsche, ohne Ziele, ohne Perspektiven.

Mit dem Siebten Gebot lädt Gott uns ein zu einem erfüllten Leben trotz oder gerade wegen unerfüllter Wünsche. Denn Wachsen, Reifen, Träumen und sich Ziele setzen macht ja erst ein Leben aus. Nur der Mensch erlebt sein Leben als wirklich glücklich und erfüllt, dem nicht alles in den Schoß fällt, sondern der Fantasie, Kraft und Geduld braucht, bis Wünsche sich ihm erfüllen. Es braucht also Geduld - und auch Verzicht.

Geduld braucht ein Senfkorn, bis es zum Baum wird./ Geduld braucht die Traube, bis sie zum Wein wird./ Geduld braucht die Ähre, bis sie zum Brot wird./ Geduld braucht ein Kind, bis es erwachsen wird./ Geduld braucht der Glaube, bis er zur Gewissheit wird./ Geduld braucht der Mensch, um glücklich zu sein./ Kein anderer weiß das besser, als unser Schöpfergott./ Und darum gab er uns das Siebte Gebot.

Die Predigt wurde veröffentlicht in »Freies Christentum« Mai/Juni 2006. Dorothea Zager ist verheiratet mit dem Präsidenten des Bundes für Freies Christentum, Prof. Dr. Werner Zager


Friedensstrategien für Israel und Palästina

Gedanken einer jungen Palästinenserin

In ihrem Buch »Jefra heißt Palästina« lässt Margret Greiner eine junge Palästinenserin aus ihrem Familienleben erzählen und die Auswirkungen des ungelösten Konfliktes zwischen Israel und Palästina aufzeigen. Wir hatten im Juni-Heft der »Warte« darüber berichtet. Die mit dem Pseudonym »Jefra« versehene Hauptfigur des Buches hat die Schülerin Lama Tarayrah als reales Vorbild, die Frau Greiner während ihrer Lehrtätigkeit an einer Mädchenschule in Ostjerusalem als besonders aufgewecktes und nachdenkliches Mädchen kennen gelernt hatte. Wie wir schon berichtet haben, ist Lama Tarayrah vor zwei Jahren mit dem Stuttgarter Friedenspreis ausgezeichnet worden. In diesem Jahr reist sie mit Margret Greiner durch verschiedene Gegenden Deutschlands, um hiesigen Schülern und anderen Zuhörern ihre Erlebnisse und die Probleme ihres Landes anschaulich vor Augen zu führen. Ihre Gedanken zum schwelenden Konflikt im Nahen Osten hat sie in einigen Thesen zusammengefasst, die wir im Folgenden wiedergeben:

Ich bin im östlichen Teil der geteilten Stadt Jerusalem aufgewachsen. Mir ist klar geworden, dass verschiedene Tatsachen in dem anhaltenden und blutigen Konflikt zwischen Israel und Palästina zu berücksichtigen sind. Es ist im Grund ein Teufelskreis aus Gewalt, Hass und Rache: Du hast meinen Sohn getötet, also werde ich auch deinen Sohn töten, du brennst meine Bäume nieder, also werde ich auch deine Häuser zerstören, und so weiter und so fort, ohne dass irgendeine Seite sich bewusst wird, dass man Leid nicht aufrechnen kann, dass Leid keine Nationalität hat, dass Leiden nichts anderes ist als Leiden und dass es weh tut, sehr weh.

  • Der erste Schritt, den beide Völker gehen sollten, um einer Verständigung etwas näher zu kommen, wäre, zu begreifen, dass es nicht die andere Seite ist, die sie hassen und fürchten, sondern die Seite, die sie nicht kennen.
  • Wir müssen mit der Erziehung beginnen. Die Geschichte des anderen Volkes muss schon in den Schulbüchern aufgezeigt werden. Die gegensätzlichen Lesarten der Geschichte sollten gelehrt, diskutiert und ausgearbeitet werden, damit die Menschen sich der Geschichte der anderen Seite bewusst werden. Die Menschen neigen dazu, zu vergessen, dass es eine solche Geschichte gibt.
  • Wenn die Menschen die Existenzberechtigung der Anderen bejaht haben, folgt der nächste Schritt: indem sie sich begegnen. Wenn sich beide Seiten treffen, sich von Angesicht zu Angesicht sehen, dann können sie ihre kulturellen Werte austauschen, ihre Religion, ihre Sprache und - am wichtigsten von allem - ihre Geschichten. Wenn Feinde ihre Geschichten austauschen, dann werden sie eine Geschichte mit einem Gesicht verbinden, eine Zeitungs-Schlagzeile mit einem Freund. Dann sind es nicht länger Feinde, sondern Menschen, mit denen man zusammensaß, mit denen man gemeinsam Kopfweh hatte. Dann wird man nicht einfach dasitzen und zusehen, wie sie all dieses Leid erdulden. Dann gibt man einander die Hand und geht die Probleme gemeinsam an.
  • Das Alter zwischen 16 und 18 Jahren ist eine besonders kritische Zeit, speziell für die Jugendlichen in Israel und Palästina. Es ist die Zeit, in der man sich in Israel darauf vorbereitet, den Wehrdienst zu leisten. Mehr als 20 Prozent aller palästinensischen Opfer während der zweiten Intifada fallen in diese Altersgruppe. Es ist das Alter, in dem man sehr viel fragt, sehr viel liebt, aber auch sehr viel hasst. Am wichtigsten aber ist: es ist die Zeit, in der Menschen verstehen wollen, wer sie sind, in der sich ihr Selbstverständnis heranbildet. Mit Menschen dieser Altersgruppe zusammenzuarbeiten, kann eine große Herausforderung darstellen, der Lohn dafür ist erstaunlich groß. (Es klingen hier die Eindrücke an, die Lama Tarayrah in USA beim gemeinsamen Camp »Bridges for Peace« von jungen Israelis und Palästinensern erlebt hat. Der Schriftleiter.)
  • Der Prozess gegenseitiger Annäherung hört nicht damit auf, dass man sich einmal getroffen hat. Es muss weitergehende Programme geben, damit die Jugendlichen ihre Fähigkeiten, die sie in ihren Gemeinschaften mit Gleichaltrigen erworben haben, praktisch nutzen können. Es ist ein Wellen-Effekt: ein Einzelner wächst über sich hinaus und streckt seine Hand aus zu Anderen. Dann fangen Menschen an zu begreifen, dass uns nur ein Leben geschenkt ist und dass dieses Leben nichts wert ist, wenn man es damit verbringt, Menschen zu hassen und durch Klischees abzuwerten.

Lama Tarayrah


Auf den Spuren der Vorfahren

Templer-Rundreise durch Israel 2006

Als Karin diese Reise ausschrieb, griffen wir gleich zu. Drei Gründe, nämlich die Sehnsucht, endlich einmal wieder durch Israel reisen zu können, dann die vielversprechende australisch-deutsche Reisegruppe und nicht zuletzt die Reiseleitung in Gestalt von Karin Klingbeil und Dr. Jakob Eisler ließen uns die Bedenken zur Seite schieben, die man ja hat, wenn man an dieses Land denkt.

Unsere Sehnsüchte wurden nicht nur gestillt, sondern die Lust, bald wiederzukehren, erneut entfacht. Die Reisegruppe war eine gute Truppe voller Interesse und Disziplin. Die Verkehrssprache war Englisch-Schwäbisch. Das klang dann z.B. so: »There is my hat, du derfsch di net draufsetza!« Wir unterschieden uns höchstens als Haifaner, Jaffaner, Saroner, Jerusalemer, Wilhelmaner oder Betlehemer. Man war fürsorglich, freundschaftlich, stets gesprächsbereit und fröhlich miteinander.

Karin und Jakob meisterten die Führung erstklassig. Karin, immer bedacht, keines der »Schäflein« zu verlieren, war Garant für eine ohne Panne verlaufende gute Durchführung der Rundreise, um alle und um jeden Einzelnen besorgt, bis zum Hervorzaubern gefüllter Picknickbeutel unterwegs an einem schattigen Plätzchen. Ihre Ansprachen auf den beiden Templerfriedhöfen in Haifa und in Jerusalem gestaltete sie eindrücklich zu Stunden der Besinnung, die mich sehr bewegt haben.

Jakob, der Unermüdliche und bis zur Heiserkeit Führende - wir fürchteten ernsthaft um seine Stimme - geleitete uns auf den Spuren der Templer durch das Land, immer bedacht, den templerischen Hintergrund herauszuschälen. Dass Gottlieb Schumacher und Theodor Sandel so viele Gebäude für verschiedenste Bauherren errichtet hatten, war uns vorher nicht bewusst gewesen. Wir sind Jakob dankbar, dass er sich Zeit für diese Reise genommen hat und uns an seinem erstklassigen profunden Wissen teilhaben ließ. Er wusste auf jede Frage, auch über Land und Leute, immer eine gute Antwort.

Das Gefühl, endlich wieder »zurückgekehrt« zu sein, begleitete uns durch das ganze Land. Nur in Sarona fand ich mich nicht zurecht. Ich bewunderte die Arbeit mit den zur Seite geschobenen Häusern, es gelang mir aber nur sehr schwer, meine Erinnerung an die Kreuzstraße mit der Jetztzeit in Einklang zu bringen. »Radfahrsport Sarona« - Historisches Foto auf der Einladungskarte zur gegenwärtig stattfindenden Templer-Ausstellung »Chronicle of a Utopia« im Eretz-Israel-Museum in Tel-AvivAn dieser Ecke »stimmt« es einfach nicht mehr. Hörbar war Ruhe und Frieden zwischen den alten Templerhäusern, während draußen auf der Kaplan Road der Verkehr eilig brauste.

Wir hatten vielerlei Begegnungen. Historiker und Historikerinnen, mit denen ich nur durch den Austausch von E-Mails für unser Archiv bekannt war, kamen auf uns zu und bekamen ein Gesicht. Man begegnete sich freundschaftlich. Hervorheben möchte ich die Eltern von Jakob Eisler, die uns in Haifa allesamt (25 Teiln.) zu sich zum Abendessen ans kalte Büffet einluden - für jeden war ein Stuhl da! -, das Frau Eisler selbst hingezaubert hatte. Die Reste wurden uns fürsorglich in einer großen Kühltasche mitgegeben und dienten uns als vorzügliche Picknickspeise am nächsten Tag, als wir nach Safed unterwegs waren.

Oder der israelische Architekt und Städteplaner Gil Gordon, der uns Jerusalemer mit einem Filmteam und dem Neighbourhood-Committee in der German Colony in Jerusalem zusammengebracht hat. Dieses Committee versetzte uns geradezu einen Schock. Sie zeigten uns an Hand von Bildern und Grafiken, was ein Hotelkonzern vorhat: am Eingang zur früheren Kolonie, wo die Emek Rephaim und die Bethlehem Road in spitzem Winkel zusammenlaufen, steht der unversehrte Templersaal. Über ihn soll nun ein Riesenbau mit 14 Stockwerken gestülpt werden. Der Saal wird dann in einem Art Hof darunter stehen, für die Schule und das Institut, dem einstigen Herz der Tempelgesellschaft, ist dann kein Platz mehr vorhanden. Beide Gebäude sehen desolat aus, Fenster sind eingeworfen, die Wieland-Kacheln herausgestohlen, am Dachstuhl klafft ein Loch. Ein Jammer! Das Committee wehrt sich gegen das Neubau-Projekt. Hier ist das Denkmalamt gefragt, das einen Kenner bräuchte, wie ihn Frau Nitza Szmok für Sarona darstellt (siehe Juni-»Warte« Seite 86). Ein zweiter Mammutbau für ein weiteres Hotel soll dann noch auf der anderen Straßenseite der Emek Rephaim entstehen.

Elisabeth, Gerhard und Christine Wagner verlängerten mit Martin und mir zusammen die Reise noch um drei schöne Jerusalem-Tage. Wir fanden bei Oberin Xaveria Unterkunft, die die liebevoll gestrickten Kinderpullover freudig und dankbar in Empfang nahm. An unserem letzten Tag nahm sie uns im Auto mit nach Bethlehem. Mit den Nonnen am Steuer und im Fond war es kein Problem, durch die schreckliche Mauer zu gelangen. In der Geburtskirche sahen wir wenig Touristen, die Läden waren fast alle geschlossen.

Nachmittags gingen wir dann noch zur Propstei, wo ich mit der Bibliothekarin Karin Dengler verabredet war. Sie zeigte uns das ganze Gebäude und brachte uns dann auch noch mit dem neuen Propst Gräbe zusammen, der uns sehr freundlich zu einem interessierten längeren Gespräch empfing.

Auf dem Flughafen fand sich nochmals ein kleines Trüpplein unserer Reisegruppe zusammen. Gemeinsam warteten wir auf den Heimflug. Frankfurt empfing uns mit Regen und Kälte aus tiefhängenden Wolken.

Brigitte Kneher

Beit Immanuel - der Palast des Barons

Die Reisegruppe hatte auf ihrer Fahrt durch Israel einmal auch an historischer Stätte Station gemacht, und zwar im Gästehaus »Beit Immanuel« auf der ehemaligen Deutschen Kolonie in Jaffa. Es war dies das Gebäude, das in den Anfangsjahren der Templer von Jaffa das »Institut«, die höhere Lehranstalt der Tempelgesellschaft (Tempelstift) beherbergt hatte. 1878 zog Christoph Hoffmann mitsamt den Lehrern und Schülern nach Jerusalem um und verlegte auch den Sitz der Zentralleitung dorthin. Das leer stehende Haus erwarb daraufhin der aus Russland stammende und zum Protestantismus übergetretene Baron Plato von Ustinov, erweiterte es um ein drittes Stockwerk und baute es zu einem architektonisch ansprechenden Hotel, dem »Hotel du Parc« aus, in dem neben anderen Orientreisenden 1898 auch Kaiser Wilhelm II. mit seiner Gemahlin während seiner Palästina-Reise abstieg. In dem weiträumigen Garten hatte der Baron exotische Gewächse pflanzen und das erste Museum für Altertümer im Heiligen Land einrichten lassen.

Als kurze Zeit nach Rückkehr der Reisegruppe einige der Teilnehmer im Freizeit- und Erholungsheim »Schönblick« bei Schwäb. Gmünd zum TGD-Wochenendseminar untergebracht waren, erfuhren sie, dass der Enkel des Barons, der Schauspieler Peter Ustinov, vor mehr als 80 Jahren in diesem christlichen Haus die Taufe erhalten hatte. Seine Großmutter hatte dazu geweihtes Jordanwasser geschickt.


Georg Hinz aus Berghülen

Die Jerusalemsfreunde, später Templer genannt, kamen bekanntlich aus den verschiedensten Gegenden Württembergs. Häufig, wie zum Beispiel in Neuweiler im nördlichen Schwarzwald oder in Mägerkingen auf der Reutlinger Alb, waren es ganze Gruppen von Familien, die der Bewegung beitraten, in vielen Orten jedoch auch Einzelne. So wird von Berghülen, einem Dorf auf der Blaubeurer Alb, berichtet, dass ein Bauer namens Georg Hinz sich als Einziger aus der Ortschaft am 28. Oktober 1861 den Templern angeschlossen hatte. Das bedeutete für ihn, dass er bereit war, um seiner Überzeugung willen Verachtung, Schmähungen oder gar Verfolgung auf sich zu nehmen, denn solches hatten damals viele aus der Kirche Ausgetretene und als »Sektierer« Abgestempelte zu erdulden. Er hatte wohl die Absicht gehabt, wie viele andere auch, nach Palästina auszuwandern, aber ehe sich ihm eine Möglichkeit dazu bot, starb 1869 seine Frau im Alter von 41 Jahren und hinterließ ihm 8 Kinder, 2 Söhne und 6 Töchter. So musste er sich nun voll und ganz der Erziehung der Kinder und dem Fortkommen der Familie widmen.

Georg Hinz muss ein kritischer Geist gewesen sein. Prof. Konrad Dettner, dessen Vorfahren ebenfalls aus Berghülen stammen, schreibt in seinem Heft »Berghülen - 900 Jahre lebendige Geschichte einer Gemeinde«: »Hinz hatte sich 1874 kritisch über den Reichstag in Berlin und dort beschlossene Gesetze zum Eherecht und zur standesamtlichen Trauung geäußert. 1866 musste er sich vor der Obrigkeit verantworten, da sein 1864 konfirmierter und sonntagsschulpflichtiger Sohn mehrfach nicht in der Sonntagsschule erschienen war. In Württemberg mussten damals 14-18-jährige schulentlassene Jugendliche solche Sonntagsschulen besuchen, die nichts mit einem Kindergottesdienst zu tun hatten, sondern reine Fortbildungsschulen waren, in welchen vor allem Religion, aber auch Geschichte, Geographie, Rechnen, Lesen, Schreiben und Landwirtschaft gelehrt wurde. Nachdem Georg Hinz nachgegeben hatte, sah der Kirchenkonvent am 1. November 1866 von einer Bestrafung des Minderjährigen ab, "um auch den entferntesten Schein einer Unduldsamkeit gegen Andersdenkende zu meiden"«.

Offensichtlich war es dem Familienvater ein Anliegen, seine Kinder im Geist der Tempelgesellschaft zu erziehen. Seinen ältesten Sohn Johannes schickte er daher zum Konfirmandenunterricht auf den Kirschenhardthof. Den zweiten Sohn Bartholomäus gab er zu einem Sattler- und Tapeziermeister, einem Mitglied der Tempelbewegung in Ulm, in die Lehre. Bartholomäus Hinz ist älteren Templern vielleicht noch bekannt gewesen, er unterhielt später am Alten Postplatz in Stuttgart einen Verkauf von Zigarren und von Palästina-Weinen.

Von seinen Töchtern, die zum Verdienst in eine Anstellung gehen sollten, konnte er zwei in Templerfamilien unterbringen. Eine von ihnen, Marie, ging 1883 nach Jaffa in den Haushalt des Arztes Dr. Lorch, während eine andere, Barbara, ihrer Schwester 1885 ebenfalls nach Jaffa nachfolgte und zu Paul Tietz in Anstellung kam.

Dort in Jaffa muss Barbara Hinz dem russlanddeutschen mennonitischen Templer Heinrich Sawatzky begegnet sein, der seit 1883 dort lebte. Sie fanden Gefallen aneinander, verlobten sich und feierten dann im Heimatort von Heinrich, in Wohldemfürst am Kuban (Nordkaukasus-Region), 1887 Hochzeit und gründeten dort auch ihren Hausstand und eine Familie. Die Ehe war im Geist der mennonitischen Templer vom Ältesten der Kubaner Tempelgemeinde Isaak Fast eingesegnet worden, aus dessen dichterischem Schaffen bis zum heutigen Tag noch zwei Lieder in unserem Templer-Gesangbuch stehen.

In dem kleinen überaus gehaltvollen Buch über die »Templer mennonitischer Herkunft« schreibt Heinrich Sawatzky über seine junge Ehe: »Um unseren Kindern außer der elterlichen noch eine zusätzliche Erziehung zuteil werden zu lassen, gelang es mir, nach dem Vorbild der Tempelgemeinde in Palästina mit Hilfe von Fräulein Maria Fast einen Kindergarten einzurichten, der dann von vielen Kindern, nicht nur solchen der Tempelgemeinde (es gab in Wohldemfürst neben den Templern noch eine »Brüdergemeinde«), besucht wurde.

Der Templername Hinz ist in späterer Zeit in unserer Geschichte nicht mehr aufgetaucht. Um so öfter konnte man dafür dann von den Sawatzkys lesen und hören. Als 1902 von den Templern in Palästina in der Küstenebene bei Jaffa Land zur Anlage einer neuen landwirtschaftlichen Siedlung erworben wurde, entschied sich auch Heinrich Sawatzky, an diesem Aufbauwerk mitzuwirken und zog mit seiner Barbara und den sechs Kindern von Wohldemfürst nach Wilhelma. Ein siebtes Kind, Beate (später verheiratete Held) wurde dem Ehepaar schon im neuen Domizil geschenkt. Heinrichs Eltern waren ebenfalls nach Palästina mitgekommen, standen jedoch schon in höherem Alter und starben in Wilhelma 1905 bzw. 1916.

Heinrich Sawatzky war ein einfacher Bauer, der für den Lebensunterhalt seiner zahlreichen Familie hart zu arbeiten gewohnt war. Das Gemeinwohl der gesamten Dorfgemeinschaft stand jedoch immer auch im Blickpunkt seines Denkens. So übernahm er im Lauf der Jahre mancherlei Aufgaben und Pflichten und wurde bald zum Gemeindevorsteher berufen. Sein Interesse an geistigen und religiösen Fragen führte dazu, dass er das Amt eines Ältesten in der Gemeinde versah. Über sein »Denken und Trachten« sind in früheren »Warte«-Ausgaben zahlreiche Berichte erschienen.

Wilhelma hatten die Sawatzkys 1948 verlassen und eine schwierige Zeit im Übergangslager in Zypern verbringen müssen, ehe sie dann in Australien ihren letzten Wohnsitz fanden.

Peter Lange

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