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Spuren des Tempels

Die württembergischen Templer im Heiligen Land

Die Spuren des Tempels

Was an sichtbaren Spuren in Israel zurückblieb, sind vor allem die markanten Stadtbezirke der Templer in Haifa und in Jerusalem und die landwirtschaftlichen Siedlungen in Wilhelma, Betlehem (bei Nazareth) und in Waldheim. Darüber hinaus zeugen ihre Friedhöfe in Jerusalem und Haifa von ihrem Leben in diesem Land.


Haifa

Die Templersiedlung in Haifa ist die älteste und zugleich die größte. Blick auf Haifa1868 landeten die ersten Templer auf der »Reede von Caifa«. Am Fuße der Karmel-Berge, im Westen des arabischen Dorfes, erwarben sie Land. Ursprünglich sollte es eine vorwiegend landwirtschaftliche Siedlung werden. Die günstige geographische Lage und die Rührigkeit der Neuankömmlinge führten jedoch dazu, dass Haifa zu einem neuen wirtschaftlichen Zentrum im Norden des Landes wurde.

»In jenen Tagen war Haifa noch ein armseliger Ort, der im Schatten der Bezirkshauptstadt Akka lag. Die 4000 Einwohner lebten fast alle eingeengt innerhalb der Stadtmauern, und wenn damals schon ein frischer Wind in dem Städtchen spürbar war, so waren es die deutschen Siedler, die jetzt den entscheidenden Anstoß zu seiner Entwicklung gaben« (Alex Carmel).

Heute liegt die Templersiedlung mitten in der Stadt Haifa. Das Gemeindehaus in HaifaDie ehemalige Koloniestraße (Sedorot Ben-Gurion) ist zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Sie verläuft vom Meer geradewegs zum Karmelberg. Jakob Schumacher aus Tübingen hatte sie 1869 gebaut: Damals eine Vision in der Wildnis, ist die heutige Ben Gurion-Avenue »eine der schönsten Straßen Israels«. Über mancher Eingangstüre befindet sich noch ein gemeißelter Bibelspruch. Viele der alten Häuser sind heute renoviert, darunter auch das ehemalige Gemeindehaus, in dem sich das neue historische Museum der Stadt Haifa befindet.

Auf dem Karmel entstand um 1890 in einem großzügig angelegten Kiefernhain ein neues Viertel mit Wohnhäusern, einem Hotel und Erholungsheimen. Der Gedenkstein, der an den Besuch von Kaiser Wilhelm II im Heiligen Land 1898 erinnert, ist heute noch an der Panoramastraße (Yefé Nof) zu finden.

Überwältigend ist der Blick von dieser Straße, über den Baha'i-Tempel hinweg, hinunter auf die alten Templerhäuser mit ihren roten Ziegeldächern und aufs Meer.

Jerusalem

Die ersten Templer die sich 1869/70 in Jerusalem niederließen, wohnten zunächst in der Altstadt.1871 erwarb Matthäus Frank aus Neuffen bei Stuttgart ein Stück Land, auf dem er eine Dampfmühle und ein Wohnhaus errichtete, dessen Eingang noch heute das »Eben Ezer 1873« ziert. Der Grundstein zur Templersiedlung in der Rephaim-Ebene unweit des Jaffators von Jerusalem war gelegt, wo sich Kaufleute, Besitzer von Reisebüros, Hoteliers, Handwerker, Baumeister, Gastwirte, Lehrer und Beamte niederließen. Der 'Saal' in JerusalemDorthin verlegte 1878 Christoph Hoffmann die Zentralleitung und die Höhere Schule der Templer. Jerusalem war nun Wohnsitz des Tempelvorstehers und wurde alsbald zum geistigen und kulturellen Mittelpunkt der Tempelgesellschaft.

Die Errichtung von Schulen bei der Gründung einer Siedlung zählte bei den Templern zu den vorrangigen und mit großem finanziellen Aufwand durchgeführten Gemeinschaftsaufgaben. Diese Schulen standen auch Schülern anderer Nationalität und anderen Glaubens offen.

Lohnend ist ein Gang durch die Gassen der Siedlung mit ihren recht gut erhaltenen Häusern und Gärten. Sie liegt entlang der Rephaimstraße und wird im Süden durch die Betlehemstraße begrenzt. Da, wo diese beiden Straßen im spitzen Winkel zusammenlaufen, liegt der »Saal«, das Gotteshaus der Templer, das heute dem Armenischen Patriarchat als Kirche dient. In den beiden anschließenden Schulgebäuden ist ein chemisches Institut untergebracht.

Betlehem und Waldheim

1906 wurde zwischen Haifa und Nazareth im Jesreel-Tal die landwirtschaftliche Siedlung Betlehem gegründet. Das Dorf heißt heute Beyt-Lehem ha-Glilit nach der unmittelbar daneben ausgegrabenen spätantiken Siedlung.

Nur wenige Kilometer entfernt wurde 1907 von Nachkommen Haifaner Templerfamilien, die zur Kirche zurückgekehrt waren, die Siedlung Waldheim gegründet. Heute heißt das schmucke Dorf mit seinem schönen Kirchlein Aloney-Aba.

In Betlehem und Waldheim wurde Ackerbau, Gemüseanbau und Milchwirtschaft betrieben. Absatz fanden die Produkte in der aufstrebenden Stadt Haifa.

Wilhelma

In Wilhelma, heute: Bney-Atarot, hat sich der Reiz einer landwirtschaftlichen Templersiedlung am besten erhalten. Sie wurde 1902 gegründet, ihre Bedeutung für das ganze Umland gewann sie hauptsächlich durch die 1909 gegründete Landwirtschaftsschule, die Einführung neuer Düngemethoden und durch die Zucht leistungsfähiger Rinderrassen. Ganz besonders begehrt waren überall die Milchprodukte der genossenschaftlich geführten und hygienisch vorbildlichen Molkerei.

Der Ort, heute ein Moschaw, liegt einige Kilometer nördlich vom Flughafen Ben Gurion, in Richtung Petah-Tiqwah.

Im Ersten Weltkrieg wurde Wilhelma beim Vorrücken der britischen Truppen im Kampf gegen die Türken stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Wilhelma, ebenso wie Sarona, Betlehem und Waldheim, durch die britische Mandatsmacht in ein Internierungslager für deutsche Staatsangehörige umgewandelt.

Jaffa

Die ersten christlichen Siedler im Jaffa des 19. Jahrhunderts waren Adventisten aus den USA. Auch sie hatten sich für die Ansiedlung in dem von Seuchen und Krankheiten heimgesuchten Land gut vorbereitet und brachten sogar in Teile zerlegte Holzhäuser mit. Aber schon nach einem Jahr war das mit so viel Zuversicht begonnene Unternehmen gescheitert. Die Templer ließen sich dadurch nicht entmutigen. Sie erwarben 1869 die Holzhäuser, von denen einige noch heute stehen.

Die meisten Neuankömmlinge übten ein Gewerbe aus. Hotels wurden eingerichtet und die von der »Basler Pilgermission« übernommene kleine Apotheke und Krankenstation erweitert, ein Arzt ließ sich nieder. Bald verbanden regelmäßige Kutschdienste Jaffa und Jerusalem. Landwirte spezialisierten sich auf den Anbau von Zitrusfrüchten: Jaffa-Orangen wurden zum Begriff.

Das »Amelikan« genannte Wohnviertel wurde zu eng, und es entstand schon um 1892 das weiter nördlich gelegene »Walhalla«. Dort bildete sich rasch eine nicht unbedeutende Kleinindustrie heraus, darunter die weithin bekannte Eisengießerei und Maschinenfabrik der Brüder Wagner aus Mägerkingen auf der Schwäbischen Alb.

Beide Templerwohngebiete in Jaffa, die in der Gegend der heutigen Jaffa-Straße in Tel-Aviv-Süd liegen, sind ziemlich heruntergekommen und bieten einen traurigen Anblick.

Sarona

Da in Jaffa zu wenig Areal für eine dauerhafte Landwirtschaft vorhanden war, kaufte die Tempelgesellschaft 1871 in der Sharon-Ebene Land am Yarkonfluss (arabisch: Audsche). Die Ebene, deren Namen man der neuen Siedlung gab, war damals voller Sümpfe. Orangen-EinzelverpackungDie Malaria grassierte. Zahlreiche Kolonisten, unter ihnen viele Kinder, raffte der Tod hinweg.

Doch die Überlebenden gaben nicht auf: sie entwässerten das Sumpfland und pflanzten, wo immer möglich, Eukalyptusbäume in großer Zahl. 1873 war die Malaria im Wesentlichen besiegt, aber noch 1902 musste Sarona große Summen für die Trockenlegung der Sümpfe investieren.

Zehn Jahre nach der Gründung war Sarona eine blühende Kolonie, nicht zuletzt durch den Weinbau, auf den sich die Landwirte neben Ackerbau und Viehzucht spezialisiert hatten. Später kam noch intensiver Orangenanbau hinzu.

Sarona liegt heute mitten in Tel Aviv, im Stadtteil Hakyria. Ein Teil der Gebäude ist noch zugänglich, der größte Teil der ehemaligen Templersiedlung jedoch liegt in militärischem Sperrgebiet. Man findet sie beiderseits der Kaplanstraße, kurz vor der Einmündung in die Petah-Tiqvah-Road.

Spuren am Reisewege

Selbstverständlich lebten nicht alle Templer in den bekannten Siedlungen. Schon in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde in Nazareth die Wagnersche Mühle in Betrieb genommen - sie ist heute ein Hospiz der Borromäerinnen (German Sisters of St. Charles). In jener Zeit wurde dort das Hotel Galiläa gegründet, das heute noch unter diesem Namen geführt wird. Im Lande verstreut finden sich weitere Spuren der Templer.

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