Treffpunkt - Gemeinde aktuell
Anschlagbrett
Veränderte Öffnungszeiten der Verwaltungsstelle
Aus verschiedenen Gründen müssen wir die Öffnungszeiten der Verwaltung um eine halbe Stunde verschieben: das Büro ist also täglich von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr geöffnet. Wie immer schalten wir sonst den Anrufbeantworter, so dass niemand vergeblich anruft und jederzeit sein Anliegen auf Band sprechen kann.
Karin Klingbeil
TTHA in Melbourne sucht Freiwillige/n für Kinderbetreuung
Für Juli und August 2012, wenn möglich auch schon ab 1. Juni, sucht das TTHA in Bayswater/Melbourne eine Freiwillige/Praktikantin für die zum Altenheim gehörige Kindertagesstätte, in der Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 5 Jahren betreut werden.
Unterbringung ist im angeschlossenen, heimeigenen "youth hostel", wo auch die anderen (deutschen) Freiwilligen, die in den Heimen arbeiten, wohnen (Bilder sind auf der TTHA-Website unter "Volunteers" zu sehen). An den Arbeitstagen wird man von der Heimküche mit verpflegt; diese versorgt das Freiwilligen-Wohnheim auch wöchentlich mit Grundnahrungsmitteln. Arbeitszeit ist Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, und folgendes wird erwartet:
Sie (er?) muss gern mit Kindern umgehen/arbeiten, freundlich und lieb sein, Windeln wechseln (können) und kreativ im Umgang mit Kindern sein, da Kinder gern basteln und spielen - ideal wäre Erfahrung mit kleineren Kindern.
Ein polizeiliches Führungszeugnis ist erforderlich. Das Heim zahlt 100 Au$ pro Woche Taschengeld.
Wer Interesse hat, melde sich bitte in unserer Verwaltung - ich leite die Anfrage dann an Krista Blessing-Koumas weiter.
Karin Klingbeil
Aus dem Archiv - Die erste Post aus Jerusalem nach Kriegsende
Was Briefe erzählen können - Kleine Geschichten aus der Geschichte
Am 11. November 1918 fand der verlustreiche Erste Weltkrieg durch den Waffenstillstand der Deutschen sein Ende. 18 Tage später schrieb der Templer-Pionier Paul Aberle aus Jerusalem an seine Tochter und seinen Sohn nach Stuttgart. Darin heißt es: »Ihr habt es vielleicht schon von anderer Seite erfahren, dass es in der Stadt keine deutschen Geschäfte mehr gibt, ich habe das unsrige an Blum & Levi verkauft.« Um was für ein Geschäft handelte es sich bei diesem Paul Aberle?
Paul Aberle stammte aus Neuffen am Fuß der Schwäbischen Alb und war durch seine Mutter Templer geworden. Er hatte 1863 (zwei Jahre nach Gründung der Tempelgesellschaft) gefälligkeitshalber eine junge Dame nach Palästina begleitet, deren Verlobter (Hieronymus Sonderecker) sich unter den ersten vier vom Kirschenhardthof ins Heilige Land entsandten Evangelisten befand. Was vorher nicht eingeplant gewesen war: Aberle kehrte nach »Ablieferung« der jungen Frau nicht postwendend wieder nach Württemberg zurück, sondern fand Gefallen daran, sich in einer so andersartigen Umgebung eine Existenz aufzubauen. Er fand zunächst Arbeit beim »Waisenvater« Johann Ludwig Schneller in Jerusalem, heiratete eine Schneller-Nichte und war unter den ersten Templern, die in der am Stadtrand gelegenen Siedlung Rephaim ein Haus erbauten . Im Waisenhaus hatte er in seinem Beruf als Schlosser gearbeitet, bald machte er sich mit einer Schlosserwerkstatt selbständig, war erfolgreich und übernahm 1884 die Eisenwarenhandlung Spittlers von der Pilgermission Sankt Chrischona, die damals zu den führenden deutschen Geschäften Jerusalems zählte.
Im Juli/August 1918 waren alle Deutschen aus den Kolonien Jerusalem, Wilhelma, Sarona und Jaffa durch die in Palästina inzwischen herrschenden Briten als eine Folge der Besetzung Palästinas nach Helouan bei Kairo in die Internierung gebracht worden. Warum Paul Aberle Ende November noch in Jerusalem weilte, entzieht sich meiner Kenntnis, vermutlich war sein vorgerücktes Alter (76 Jahre) Grund dafür. Sein Briefvermerk, dass es Theodora (seiner Schwiegertochter) und den anderen Templern in Ägypten »ganz ordentlich« gehe, weist darauf hin, dass er allein in Jerusalem zurückgeblieben war.
Dieser Brief ist interessante Wege gegangen: Beklebt mit einer 1-Piaster-Briefmarke der EEF (English Expedition Force), adressierte Aberle den Brief an das Bureau internationale de la Paix in Bern zur Weiterbeförderung in die Reinsburgstr. 116a in Stuttgart. Der Leitvermerk Bern ist jedoch wieder gestrichen worden, da nach Ende des Weltkrieges Post wieder direkt nach Deutschland befördert werden konnte. Der Philatelist, der mir den Bericht über den Brief sandte, teilte mir mit, dass Marke und Stempel nur zwei Monate verwendet worden seien, also für Sammler einen großen Wert darstellen würden.
Paul Aberle ist 1922 in Jerusalem gestorben. Seine beiden Söhne Friedrich (Fritz) und Wilhelm bauten in den 20er und 30er Jahren auf den Erfolgen ihres Vaters das Handelsgeschäft und die Schifffahrtsagentur Paul Aberle in Jerusalem und Jaffa auf, die damals zu den größten wirtschaftlichen Unternehmungen Palästinas gehörten. In der Tempelgesellschaft nahmen beide herausgehobene Stellungen ein: Fritz war Gründungsmitglied und Direktor der Zentralkasse des Tempels in Jerusalem und setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg für eine Rückübertragung von Siedlungsland ein, das die Templer kurz vor Kriegsausbruch im Libanon für eine neue Kolonie erworben hatten; Wilhelms bleibendes Verdienst sind seine Bemühungen in den 50er und 60er Jahren um eine Vermögensentschädigung der Templer für ihr verloren gegangenes Besitztum in Palästina.
Erworben hatte der erwähnte Philatelist den Aberle-Brief vor ein paar Jahren in einem kalifornischen Auktionshaus. Er teilte mir mit, dass man in USA viele »Raritäten« aus Palästina finden könne. Auf jeden Fall war dieser Brief Anlass für meine »Kleine Geschichte aus der Geschichte«, die sich vor jetzt bald 100 Jahren ereignet hat und uns die Vergangenheit näher bringen kann.
Peter Lange
Religiöse Gedanken zum Nachlesen
Wir hatten unsere Leser schon im September auf ein neu erschienenes Bändchen aus unserer Gemeindearbeit aufmerksam gemacht, nämlich auf die Sammlung von religiösen Texten aus Brigitte Hoffmanns Tätigkeit der letzten 5 Jahre als Gemeinde-Älteste der TGD. Weil sie immer wieder neu auf die Bedeutung unseres Leitwortes »Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes« für unsere Gegenwart zu sprechen kommt, haben wir der Text-Sammlung den Titel »Gedanken zum Gottesreich« gegeben.
Auch die November-»Warte« enthält wieder eine Überlegung zu diesem Thema aus ihrer Feder (siehe: »Ist der Begriff "Reich Gottes" überholt?«). Ich denke, wir Templer haben die Aufgabe, immer wieder neu über unser Leitwort und seine Bedeutung nachzudenken und eine eigene Antwort darauf zu finden.
Dass wir nicht die Einzigen sind, die sich mit diesen Gedanken befassen, zeigt eine Leserzuschrift von Pfarrer Dr. Claus Petersen von der Ökumenischen Initiative »Reich Gottes jetzt!«, der sich zu Brigittes Bändchen in folgender Weise äußert:
Die im Buch enthaltenen Texte behandeln alle unser zentrales Thema, und soweit ich bisher beim Blättern feststellen konnte, decken sich Frau Hoffmanns Aussagen und Einschätzungen tatsächlich in vielen Punkten mit meinen eigenen. Ich finde es höchst bedeutsam, dass sich die theologischen Aussagen der Templer auch und dezidiert an den Ergebnissen der historisch-kritischen Bibelwissenschaft orientieren und damit klar erkennbar wird, dass dabei die Botschaft Jesu das entscheidende Kriterium ist.
Es geht tatsächlich um das Reich Gottes hier und jetzt, an dem wir, würde ich betonen, nicht erst teilhaben, wenn wir Reich-Gottes-gemäß handeln, sondern schon in dem Moment, in dem wir unsere Verbundenheit mit der Reich-Gottes-Welt wieder wahrnehmen, also mit der unverletzten, nicht entfremdeten Welt, wenn es uns gelingt oder geschenkt wird, das "wahre Gesicht" der Welt wieder zu erkennen. Das Handeln, denke ich, ergibt sich dann "automatisch".
Das Bändchen »Meine Gedanken zum Gottesreich« kann bei der TGD-Verwaltung zu 5 Euro plus Versandkosten bestellt oder bei der nächsten Gemeindeveranstaltung in Degerloch mitgenommen werden. Wäre das nicht eine passende Weihnachtsgabe für Freunde und Bekannte?
Zum gleichen Preis sind auch noch Exemplare der früheren Ausgaben »Meine Erfahrungen mit der Bibel« und »Mein Verständnis von Jesus« erhältlich.
Der oben erwähnte Pfarrer Dr. Claus Petersen hat für das Jahr 2012 wieder einen »Jahresbegleiter - Reich-Gottes-Impulse für jeden Tag« herausgegeben. Dieser Kalender in handlicher Blockform möchte Tag für Tag an die Gegenwart des Reiches Gottes erinnern. Die Text befassen sich mit den Reich-Gottes-Themen Gerechtigkeit, Frieden, Gewaltlosigkeit, Bewahrung der Erde und Fragen des Lebensstils. Manche Texte beziehen sich auf wichtige Ereignisse und Personen in der Geschichte des Reiches Gottes. Der Jahresbegleiter ist eine Fundgrube einprägsamer Zitate und eignet sich sehr gut als persönliches Geschenk.
Der »Jahresbegleiter 2012« kann bestellt werden bei Dr. Claus Petersen oder über die TGD-Verwaltung zum Preis von 10,85 Euro plus Versandkosten.
Im Namen der Gemeinde-Ältesten, Peter Lange
Denkmalschutz in Sarona
Alte Inschriften im Gemeindehaus entdeckt
Der mit vielerlei Erhaltungsmaßnahmen in den Tempelsiedlungen von Sarona und Jaffa betraute Restaurator Shay Farkash hat uns mitgeteilt, dass im alten Gemeindehaus in Sarona verborgene Schätze ans Licht gebracht werden konnten. Es sind über dem Eingangsportal sowie in den Kapitellen der tragenden Säulen im Versammlungssaal eingravierte Inschriften entdeckt worden, die nach dem Wegzug der Templer offensichtlich überstrichen worden waren. Das Gemeindehaus von 1872 gehörte zu den ersten Bauten, die von den Templern in Sarona errichtet worden waren.
Nach der Staatsgründung Israels diente das Haus für die umliegende Gegend als Postamt (hier ein Foto aus der Zeit um 1950). Jetzt ist es in den neuen historischen und denkmalgeschützten Park Tel-Avivs einbezogen worden.
Neben dem Psalmvers über der Eingangstüre (Foto) sind es in den Kapitellen kurze Sprüche aus dem Alten und Neuen Testament, z.B. »Von Zion wird das Gesetz ausgehen« (Jesaja 2,3) und »Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes« (Matthäus 6,33).
Alle Sprüche haben ihre Entsprechung auch in arabischer Schrift eingraviert. Wir dürfen dem Restaurator und seinen Mitarbeitern dankbar sein für diese schwierige und zeitaufwändige Arbeit an dem Erbe, das die Tempelväter uns hinterlassen haben.
Peter Lange
Buchbesprechung
Harvey Cox, Die Zukunft des Glaubens - Wie Religion wieder zu den Menschen kommt. Kreuz Verlag 2010
Der baptistische Professor der Theologie aus Harvard, der mit seinem Buch »Stadt ohne Gott?« (The Secular City) vor vielen Jahren einen Erfolg von mehr als einer Million verkaufter Exemplare verbuchen konnte, hat in seiner neuesten Veröffentlichung (Originaltitel: »The Future of Faith«) seine Erfahrungen und Erlebnisse vieler Reisen nach Afrika und Lateinamerika zusammengefasst. Das Resümee seines langen theologischen Lebens lautet, dass das Christentum in den letzten 50 Jahren die weitreichendste Veränderung seit seinem Wandel im 4. Jahrhundert erlebt habe, als es von einer winzigen jüdischen Sekte zur religiösen Weltanschauung des Römischen Reiches geworden war. Die Demografie der Christenheit verschiebe sich auf dramatische Weise zugunsten des Südens und des Ostens. Die Mehrzahl der Anhänger Jesu lebte heute nicht in den Ländern der alten Christenheit, sondern im globalen Süden, wo das Christentum am schnellsten wächst. Und die meisten Christen seien inzwischen von schwarzer, brauner oder gelber Hautfarbe. 1975 habe das Christentum aufgehört, eine »westliche« Religion zu sein.
Die heutigen Christengemeinden könnten in der Mehrzahl dadurch charakterisiert werden, dass in ihnen »der Wind des Geistes« wehe. Der vertrauende Glaube - »faith« im englischen Original - und nicht das Fürwahrhalten kirchlicher Bekenntnisse und Lehren - im Sinne von »belief« - werde, wie im Urchristentum, wieder zu einem Markenzeichen. Alles deute darauf hin, dass wir uns gerade an dem Punkt befänden, in dem wir in ein neues Zeitalter des Geistes eintreten. Unsere Zukunft würde eine Zukunft des vertrauenden Glaubens sein.
Die Ausführung der unterschiedlichen Bedeutung des Wortes »Glaube« - im Englischen durch verschiedene Wörter besser ausgedrückt - nimmt den Hauptteil des Buchinhalts ein. Es ist dies ein Streifzug durch die Geschichte des Christentums - von den ersten christlichen Gemeinden über die Hellenisierung des neuen Glaubens und die Verquickung von religiöser und weltlicher Autorität im Papsttum bis zur Zeit der Aufklärung und der bibelkritischen Wissenschaft.
Cox stellt überraschenderweise ein weltweites und unerwartetes Wiederaufleben der Religion sowohl im öffentlichen als auch privaten Leben fest. Weiterhin sieht er in der Gegenwart einen tiefgreifenden Wandel im Wesen der Frömmigkeit. Menschen würden sich der Religion zuwenden, weil sie sich Unterstützung bei ihrem Bemühen erhofften, in dieser Welt leben zu können und sie zu verbessern, und nicht um sich auf das Jenseits vorzubereiten. Der Fundamentalismus, die »Heimsuchung des 20. Jahrhunderts«, sei im Schwinden begriffen. Die Fundamentalisten würden überwiegend nur eine verkrampfte Abwehrhaltung und eine geistliche Überheblichkeit einnehmen, die mit der Liebesethik Jesu nichts gemein hätten.
Belege für die neue Art christlichen Glaubens legt der Verfasser in den lateinamerikanischen Gemeinschaften der Befreiungstheologie von Bischof Romero, in der Bewegung von Sant'Egidio und in einigen Strömungen des Pfingstchristentums vor.
»Wir können und sollten nicht versuchen, das erste Zeitalter des (vertrauenden) Glaubens neu aufleben zu lassen«, rät Harvey Cox seinen Lesern. »Unsere Welt ist eine andere geworden. Aber zum heutigen Christentum gehören sowohl die kostbaren Perlen als auch die wertlosen Trümmer, die sich während des nun zu Ende gehenden Zeitalters kirchlicher Lehren und Bekenntnisse angesammelt haben. Können wir die Schätze bewahren und uns von der Schlacke trennen?«
Peter Lange
Neues Buch »Gottlieb Schumacher, Across the Jordan«
Being an Exploration and Survey of Part of Hauran and Jaulan (1886), Neudruck Cambridge University Press 2010
Gottlieb Schumacher ist vergessen, zumindest an der Universität Stuttgart. Dabei war ihr Absolvent als Bauingenieur, Archäologe und Templer vor über 100 Jahren eine der prägenden Figuren im damaligen Palästina.
Gottlieb Schumacher war ein umtriebiger Mann und ein Multitalent. Er war Baumeister und Ingenieur in Haifa, erster Ausgräber des biblischen Megiddo, Eisenbahnpionier im Nahen Osten; er erhielt den Titel eines königlich württembergischen Baurats und war amerikanischer Vizekonsul in Palästina. Und er ging »über den Jordan«. Schumachers Reisebericht »Across the Jordan« ist jetzt als Neudruck wieder erschienen. Darin beschreibt er ausführlich einen Ort, der zuletzt in den Schlagzeilen aufgetaucht ist: Deraa, auch Daraa oder Dar'a genannt.
»Überall sieht man die Ruinen antiker Gebäude und neuerer Hütten, die verlassen und zerfallen sind«, schildert Schumacher 1884 den Ort in Südsyrien. Möglicherweise sieht es dort, wo in jüngster Zeit der Aufstand gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad begann, auch heute so aus.
Als Gottlieb Schumacher 1884 über den Jordan ging, hatte er Großes im Sinn. Der Bauingenieur suchte eine Trasse für eine Bahnstrecke zwischen Haifa und Damaskus, die das Tal des Jordan 246 Meter unter Normalnull queren und bei Deraa in die geplante Hedschasbahn zwischen Damaskus und Medina münden sollte. Geldmangel stoppte beide Projekte. Erst Jahrzehnte später, als der deutsche Kaiser imperiale Ansprüche im Nahen Osten durchsetzen wollte, wurden die Bahnstrecken realisiert, zum Teil auf der von Schumacher geplanten Trasse. 1908 ist Deraa ein Bahnknoten und damit, am Vortag des Ersten Weltkriegs, strategisch enorm wichtig. Wenige Jahre später wird der britische Agent Thomas Edward Lawrence durch seine Anschläge auf die Hedschasbahn als Lawrence von Arabien zur Legende werden.
Gottlieb Schumacher wurde am 21. November 1857 in Zanesville, Ohio, geboren. Sein Vater Jakob aus Tübingen war 1848 mit zwei Brüdern in die USA ausgewandert. Der strenggläubige Pietist hatte sich früh den Freunden Jerusalems angeschlossen, aus denen später die Tempelgesellschaft hervorging. Als 1869 die langgehegten Pläne der Templer, nahe der heiligen Stätten in Palästina Kolonien zu errichten, greifbar schienen, packten auch die Schumachers ihre Sachen und machten sich auf ins gelobte Land.
Mit 18 Jahren wird Gottlieb als Gymnasiast nach Stuttgart geschickt. Dort besucht er die Baugewerkschule, später das Königliche Polytechnikum. Das Studium an der Technischen Hochschule schließt er 1881 als Bauingenieur und Architekt ab. Zurück in Haifa wird er binnen kurzer Zeit zum gefragten Experten für Brücken- und Straßenbau, für Kartografie, für die Exploration und für Archäologie.
Im Auftrag der Osmanen macht Schumacher, der neben Deutsch und Englisch auch perfekt Französisch, Arabisch und Türkisch spricht, Landvermessungen auf dem Golan und in Nordsyrien. Er baut für Rothschild einen Weinkeller bei Jaffa, das russische Hospiz in Nazareth und den Kaiserdamm von Haifa, auf dem er zum Empfangskomitee gehört, als Wilhelm II. am 25. Oktober 1898 das Heilige Land betritt. Er baut die Fassade des sagenhaften omayyadischen Wüstenschlosses Mschatta ab, das der Sultan dem Kaiser zum Geschenk macht und das seit 1903 als ein Glanzstück frühislamischer Kunst das Pergamonmuseum in Berlin schmückt.
Im Auftrag des Deutschen Palästina-Vereins gräbt Schumacher 1903 bis 1905 als erster Wissenschaftler in Megiddo, dem biblischen Armageddon, wo die Apokalypse des Johannes die Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse beschreibt.
Später findet sich Schumacher unvermittelt selbst auf dem Schlachtfeld wieder. Als Chefingenieur der IV. osmanischen Armee muss er für die Wasserversorgung des Heeres sorgen. Nach dem Krieg landet Schumacher bei den Briten auf einer schwarzen Liste und muss ausreisen. In Schwäbisch Gmünd gründet er ein Unternehmen zur Verwertung des Ölschiefers und muss, nach einem Schlaganfall 1922 gelähmt, lange auf die Rückkehrerlaubnis nach Palästina warten. Am 26. November 1925 stirbt Gottlieb Schumacher in Haifa.
Die Erinnerung an ihn wird in dem 1987 gegründeten Gottlieb-Schumacher-Institut der Uni Haifa wach gehalten, das sich der Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jhdt. widmet. An der Uni Stuttgart taucht der Name Schumacher bis heute nicht in der Liste berühmter Alumni auf.
Nach einem Beitrag von Frank Daubner und Klaus Eichmüller, leicht gekürzt. Der Neudruck von Schumachers Buch kann im Templer-Archiv eingesehen werden.
Peter Lange
Trotz Aussetzung der Wehrpflicht
Der ADiA als soziales Jahr weiterhin möglich
Wie aus den Medien zu erfahren war, ist bei uns die Wehrpflicht - und mit ihr zusammen alle Wehr-Ersatzdienste - ausgesetzt worden. Das bedeutet auch, dass der ADiA - der Andere Dienst im Ausland - betroffen ist.
Das heißt, kein junger Mann muss ihn nunmehr als Ersatz leisten - aber freiwillig ist es nach wie vor möglich. Damit ist der ADiA, für den die TGD als Träger staatlich anerkannt ist, durchaus eine attraktive Alternative zum FSJ, dem Freiwilligen Sozialen Jahr. Wir dürfen weiterhin unter denselben Bedingungen junge Leute, die sich freiwillig sozial engagieren wollen, in das TTHA nach Melbourne schicken. Es ist sogar eine echte Alternative, weil bei uns die 3.000 Euro, die beim FSJ anfallen, nicht an uns bezahlt werden müssen: wir möchten diese Möglichkeit gern unentgeltlich den jungen Leuten aus TG-Kreisen offen halten. Kosten für Flug und Visum müssen zwar selbst finanziert werden, aber die Versicherungen werden vom TTHA getragen, auch ein monatliches Taschengeld wird bezahlt - bei freier Unterkunft und Verpflegung während der Dienstzeiten.
Dass dieses soziale Engagement äußerst sinnvoll ist - und nebenher in einem Land wie Australien enorme Reise- und Freizeitmöglichkeiten eröffnet, erklärt mir jeder, der ein solches Jahr absolviert hat, in seinem abschließenden Bericht. Meistens wird sogar in den höchsten Tönen geschwärmt - ich habe schon mehr als einmal gesagt oder auch zu lesen bekommen: ...«Das war das schönste Jahr meines bisherigen Lebens.« Kein Wunder, denn abgesehen davon, dass die jungen Leute einen großen Schritt in ihrer Selbständigkeit tun, bei der Arbeit mit den alten Menschen viel Wärme und positive, dankbare Rückmeldungen erfahren, merken alle, dass ihre Arbeit Sinn macht und wirklich gebraucht - und geschätzt wird. Daneben arbeiten sie mit einer ganzen Reihe anderer junger Leute zusammen, wohnen gemeinsam und können ihre Freizeit gemeinsam verbringen. Dass sie das tun, geht ebenfalls aus den Berichten hervor - und ist auch erwünscht, denn dem Heim ist es ein Anliegen, dass "ihre" jungen Mitarbeiter auf Zeit sich als Team verstehen.
Wer Interesse an einem solchen sozialen Jahr im TTHA hat - auch, wenn er nicht mehr muss! -, darf sich gern in der Verwaltung melden und nach mehr Information fragen.
Karin Klingbeil
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